TEXT: IOANNIS DOULOUMIS, BILDER: CLAUDIO LIONE
AUSGABE: APRIL 2012
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Wie kommt man vom Haareschneiden zum Videospielen?
Wir schreiben das Jahr 1982 und ich bin ein kleiner Bub, der sich in der Chemie-Stadt Ludwigshafen am Rhein mit analogen Spielsachen seine Zeit vertreibt.
Das sollte sich jedoch bald ändern. In der Nachbarschaft gibt es einen Friseur, der bei sich Zuhause für wenig Geld das Haar kürzt. Auch ich kam regelmäßig zu diesem Vergnügen.
Doch dieses Mal sollte der Abschied von Haar und Tatort ganz anders verlaufen. Nach dem erledigtem Haarschnitt haben mich die zwei Kids des Hauses in das Wohnzimmer geführt,
um mir ihr neues Spielzeug zu zeigen. Ahnungslos folgte ich ihnen ins Wohnzimmer.
Und da stand sie: die legendäre Videospielkonsole, die in aller Munde war. Ein ausgewachsenes Atari VCS.
Pac Man war das Spiel der Stunde und ich durfte
meine ersten Runden durch das Labyrinth drehen. Was für eine Offenbarung! Von diesem Moment an, konnte ich es kaum abwarten, bis meine Haare eine entsprechende Länge erreichten.
Denn Haare schneiden hieß ab sofort auch zocken können.
Es war längst um mich geschehen. Die Atari Konsole hatte ihren Siegeszug durch Deutschland schon vollzogen und ich wollte unbedingt auch eine besitzen.
Die Sache hatte nur einen Haken. Das Atari VCS war einfach viel zu teuer. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Da Kinderarbeit auch damals schon verboten
war, konnte ich mir die Summe nicht eigentständig verdienen. Also musste ich doch noch an meine Eltern
appellieren, wie wichtig die Anschaffung doch für mich wäre. Vergebens.
Eine Konsole aus dem Sperrmüll?
Mein Vater war jedoch soweit kooperativ, nach einer gebrauchten Konsole zu schauen. Die wäre doch eventuell drin gewesen. Also wälzte ich mit ihm
die Sperrmüll-Kleinanzeigen in unserem regionalen Kleinanzeigenblatt. Aber auch hier waren die Preise noch viel zu hoch. Die Monate vergingen und ich war
immer noch „konsolenlos“. Zwischenzeitlich wurde ich bekennender
E.T.-Fan und sah auch wie die Jedi-Ritter ihre Rückkehr vollbrachten.
Doch dann kam es doch noch dazu, dass ich ein Videogamenerd wurde. 1984 erreichte mich die Information, dass man in der lokalen Kaufhalle ein neues Videospiel testen konnte.
Also nix wie hin nach der Schule. Rein in das Geschäft, vorbei am
Dig Dug-Automaten, rauf in den ersten Stock, vorbei am
Lady Bug-Automaten
(damals standen diese Maschinen noch einfach so herum in den Kaufhäusern) und da war es. Aufgebaut an einer eigens dafür hergerichteten Verkaufswand. Das Tele Fever.
Eine wunderschöne metallic-blau lackierte Konsole, die ganz anders aussah als das VCS von Atari oder andere Konsolen dieser Zeit. Das Tele Fever ragte
majestätisch durch sein Design aus der Masse. Es hatte einen richtigen Arcadejoystick und einen knallroten Feuerknopf, der mit dem restlichen blau in einem tollen Kontrast stand.
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