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TATSACHEN


1984 - Die goldene Ära der Heimcomputer

Schneider CPC:
Ein Computer aus Deutschland macht dem Commodore 64 Konkurrenz.
Cocktails und BASIC:
In exotischen Ferienclubs konnte man seine ersten Computererfahrungen sammeln.
Spiel des Jahres:
Der Microsoft Flugsimulator legt den Grundstein für die neue Sparte der Simulationsspiele.
 
Rückblick auf das Jahr 1984 -
Die goldene Ära der Heimcomputer
TEXT UND BILDER: ANDRÉ EYMANN
KATEGORIE: ZEITGESCHEHEN
AUSGABE: DEZEMBER 2002
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J. R. Ewing lässt grüssen
Im Sommer 1984 dann schlug J. R. zu. Richtig, es handelte sich um die Ewing-Familie, die mit The Dallas Quest von Datasoft auf dem Commodore 64 für ca. 160,00 DM ins Adventure-Geschäft einstiegen. Die ausgezeichnete Grafik versetzte den Spieler unmittelbar in Verzücken. Wenn man nicht weiter wusste, oder keine Lust mehr hatte, konnte man den aktuellen Spielstand auf Diskette abspeichern.

<i>The Dallas Quest</i> von Datasoft verlängert den TV-Erfolg in die Heimcomputerwelt.
The Dallas Quest von Datasoft verlängert den TV-Erfolg
in die Heimcomputerwelt.

Wichtig zu wissen: The Dallas Quest konnte man nur in Englisch spielen und somit waren die Spieler gezwungen Englisch während des Spiels zu erlernen. Aber so haben wir spielend Englisch gelernt. Denn aufregender als der Unterricht in der Schule war das Rätsel natürlich in jedem Fall.

Das tapfere Schneiderlein
Der Schneider CPC 464 trat gegen den Commodore 64 an und stellte sich als eine würdige Konkurrenz heraus. Schon optisch kam der CPC gänzlich anders als sein Mitbewerber daher. Eine Zehnerblock, vier einzelne Richtungstasten und ein Kassettenrecorder waren direkt in das Gehäuse integriert. Ein Z80A-Prozessor mit 4MHz Taktfrequenz bot Rechenleistung für verschiedenste Aufgaben.

Auf der Rückseite konnte ein Joystick, ein Monitor: in grün oder in Farbe, Audiogeräte, ein Centronics-Drucker, eine 180 Kilobyte 3 Zoll Diskettenstation oder andere Erweiterungen angeschlossen werden. Im High-Resolution-Mode konnten 640 x 200 Pixel bei zwei Farben dargstellt werden. Sein LOCOMOTIVE-BASIC war damals schon in der Lage mit „Windowing“ die Bildschirmausgabe auf bis zu sieben verschiedene Bildschirm-ausschnitte zu verteilen.   Der CPC 464 von Schneider - Konkurrenz für den Commodore 64.
Der CPC 464 von Schneider - Konkurrenz für den
Commodore 64.

Der Programmeditor allerdings konnte mit dem des Commodore 64 nicht mithalten und gestaltete sich umständlicher. Auch fehlte ihm die Möglichkeit Sprites darzustellen. Zusammen mit einem Farbmonitor kostete der CPC 1398,00 DM.

BASIC in den Ferien
„BASIC unter heisser Sonne“, hiess es 1984 im tunesischen Ferienclub Aldiana. Neben dem Segeln, Malen oder Bogenschiessen wurde hier auch BASIC lernen am Strand und Videospielen angeboten. Atari hatte die Kurse in den Club aufgenommen. Das Angebot kostete für eine Woche mit Flug und Vollpension 849,00 DM.

BASIC im tunesischen Ferienclub Aldiana. Malen oder Bogenschiessen werden zur Nebensache.
BASIC im tunesischen Ferienclub Aldiana. Malen oder Bogenschiessen
werden zur Nebensache.

Dafür wurden einem in dem eigens von Atari entwickelten Kurs die Grundbegriffe der Prgrammiersprache BASIC auf dem 600 XL vermittelt. Ein Konzept, das sich übrigens auch auf andere Urlaubsorte in Form von Computercamps ausgebreitete.

So bot der Club Méditerranée das gleiche auf der griechischen Insel Kos, Horten Commodore-Kurse im andalusischen Atalaya-Park oder Karstadt Kurse im Harz an. Auch auf Schloss Dankern im Emsland wurden ebenfalls Programmiersprachen gelehrt. So gab es Kurse für BASIC, LOGO oder Maschinensprache. Wenn einem der Lehrstoff zuviel wurde, konnte man sich bei einem Puddingwettessen entspannen oder Schwimmen gehen. Das Schloss bot hierzu vielfältige Freizeitmöglichkeiten an. So wurden verbindeten die Ferien Lernen und Spass zugleich.   Computerkurse in den Ferien auf Schloss Dankern. C64 und Sonnenbrillen.
Computerkurse in den Ferien auf Schloss Dankern. C64 und Sonnenbrillen.

Digitale Schönheiten
Pokern und schönen Frauen an die Wäsche zu gehen. Das versprach Strip Poker von Artworx. Melissa und Susi gaben sich mit dem Spieler ein Stelldichein, mal um kühle Bluffs, mal um kleine Gewinne. Nur wer einen klaren Kopf behielt, konnte dem Computer-Pin-up Stück für Stück ein Kleidungsstück entlocken. Die Geräuschkulisse des einfachen Draw-Pokerns wurde tadellos imitiert. Das Mischen, Aufblättern und Klingen der Münzen erzeugten eine realistische Atmosphäre.

<i>Strip Poker</i> von Artworx. Pixelerotik bis zur letzten Bluse.
Strip Poker von Artworx. Pixelerotik bis zur letzten Bluse.

Durch flotte Sprüche wurde das Spielgeschehen noch weiter aufgelockert. Sobald das Mädchen ein Kleidungsstück verlor, setzte sich das Diskdrive in Bewegung um ein weiteres Foto nachzuladen. Die unnötige Frage „Shall we continue?“ wurde eifrig mit dem Feuerknopf bestätigt. Wer fleissig übte wurde am Ende dafür belohnt. Kaufen konnte man das Spiel für 130,00 DM bei der Firma Ready in Hamburg.

SEGA räumt auf
Zaxxon von SEGA kam aus der Spielhalle und hatte sich auch bereits auf dem Atari 2600 einen Namen gemacht. Nun gab es den Bestseller endlich auch für Homecomputer.

Der Shooter Zaxxon punktete mit 3D-Grafik, einem diagonalen Scrolling und den Soundeffekten der Originalversion. Das klassiche Weltraumspiel wurde von Synapse entwickelt und versetzte den Spieler in die Kommandozentrale eines Raumschiffes. Der Spieler musste sich durch Maueröffnungen, bewegliche elektronische Barrieren und heftiges Raketenfeuer kämpfen. Die Commodore 64-Version wurde von Ariolasoft angeboten.   <i>Zaxxon</i> von SEGA erobert die Herzen der C64-Spieler.
Zaxxon von SEGA erobert die Herzen der C64-Spieler.

Videospielautomaten überall
Rund 300.000 Videospielautomaten gab es 1984 im Lande. Die meisten davon standen in Gaststätten oder Spielhallen. Der neuste Hit war TX-1, ein Autorennen ähnlich wie Pole Position. Allerdings saß der Spieler hier in einer Kabine die mit drei Bildschirmen ausgestattet war, um einen naturgetreuen Rundumblick zu garantieren. Dazu gab es ein echtes Lenkrad sowie Gaspedal und Bremse. Ein Beispiel dafür, wie interaktiv die Spiele durch neue Technik werden konnten. Die Automaten bestanden im Grossteil aus den gleichen Elementen: Monitor, Spielplatine, Bedienbord, Münzeinheit, Lautsprecher, und Spannungsversorgung. Für ein fünf Minuten andauerndes Spiel musste man im Durchschnitt eine Mark einwerfen. Somit wurde der Sieg bei Centipede schnell zu einer Rechenaufgabe.

Commodore etabliert sich
Die Hitparade der Heimcomputer gegen Ende des Jahres sah folgendermaßen aus:
  1. Commodore 64
  2. Commodore VC 20
  3. ZX Spectrum
  4. Triumph-Adler Alphatronic PC
  5. Atari 600 XL
  6. Atari 800 XL
  7. Eaca Colour Genie
  8. Sinclair ZX 81
  9. Sharp 1500 A
  10. Laser 210

Fazit: Commodore führte die Spitzenpositionen deutlich an und überholte Atari. Triumph-Adler konnte seinen Alphatronic im vorderen Mittelfeld platzieren und Spectravideo konnte seinen SV-318/328 nicht mehr behaupten.

Die Sommerspiele kommen
Das Spiel Summer Games war zweifellos einer der größten Hits von 1984. Sieben olympische Sommerdisziplinen wurden in überzeugender Weise mit menschlichen Bewegungsabläufen simuliert. Die Version für den Commodore 64 von Epyx brauchte sich keineswegs hinter seinem Spielhallenvorbild Hyper Olympics verstecken.

<i>Summer Games</i> von Epyx setzt neue Maßstäbe für das gemeinsame Spielen.
Summer Games von Epyx setzt neue Maßstäbe für das gemeinsame Spielen.
  Insgesamt konnten bis zu acht Spieler eine eigene Nationalität auswählen und gegeneinander zum Spielen antreten. Dabei gab es für jedes Land eine eigene Hymne die aus den Lautsprechern ertönte. Ein erhabenes Gefühl. Danach ging es der Reihe nach zu den sportlichen Disziplinen.

Es galt sich in den folgenden Wettkämpfen zu beweisen:
  • Stabhochsprung
  • Turmspringen
  • 4 x 400-Meter Staffellauf
  • Sprint (100-Meter Lauf)
  • Geräteturnen
  • Schwimmen
  • Tontaubenschiessen

Die Vielfalt der Bewegungsabläufe und eine Menge kleiner Details ließen Summer Games zu einem Spiel werden, daß alle anderen Sportspiele in den Schatten stellte. Der direkte Zweikampf mit einem Mitspieler garantierte langen Spielspass, auch wenn die Ladezeiten nach jeder Sportart etwas störend wirkten.

Ersatzteile für Rüttelsportler
Nicht zuletzt Decathlon oder Soccer haben dem eigenen Atari-Joystick oft zugesetzt, so daß nach vielen Stunden Spielspass der Joystick plötzlich ausfiel.

Fall bot Atari das Joystick-Reparaturset für den klassischen Atari CX40 Joystick an, daß man im Fachhandel kaufen konnte. Damit konnte das wichtigste Utensil des Spielers wieder auf Vordermann gebracht werden, ohne gleich einen ganz neuen Joystick kaufen zu müssen. Das somit gesparte Geld konnte man besser in ein neues Spiel investieren.   Das Reparaturset für Atari-Joysticks. Ersetzen statt Neu-Kaufen.
Das Reparaturset für Atari-Joysticks. Ersetzen statt Neu-Kaufen.

Cavelord - eine phantastische Höhlenreise
Wer sich gerne in Höhlen rumtrieb, wurde mit Atari's neuem Spiel Cavelord beglückt. Auf einer Ente reitend, die eigentlich eher einer Mischung aus Pegasus und Starfighter glich, galt es ein phantastisches Höhlenlabyrinth zu erforschen.

<i>Cavelord</i> von Atari. Ein phantastisches Labyrinthspiel von Peter Finzel.
Cavelord von Atari. Ein phantastisches Labyrinthspiel von Peter Finzel.

Vor sich hinplätschernde Teiche, unmengen Grünzeug und Wasserfälle verliehen dem Rätsel viel Atmosphäre. Ziel war es die Teile einer Krone zusammenzusuchen, die verteilt in den Kavernen umherlagen. Dazu musste man geschickt Schlüssel, Zauberringe oder funkelnde Kristalle einsetzen. Tipps gaben einige Hinweise in der Textleiste am unteren Bildschirmrand. Da das Labyrinth sehr gross war, empfahl es sich eine Karte anzufertigen. Damit waren die Chancen etwas besser. Die dramatische Reise von Peter Finzel kostete ca. 50,00 DM auf Floppydisk.

Ein weiteres Labyrinth-Rätsel war Gateway to Apshai von CBS-Software, die Fortsetzung des preisgekrönten Titels Temple of Apshai. Ähnlich wie bei Rollenspielen, gab es hier Punkte für Gesundheit, Glück, Ausdauer und Kraft. In mehr als 400 Grabkammern musste man nach Schätzen, Waffen und Rätseln suchen. Ein aufregendes Abenteuer, daß einen schier in sich hineinsog.

Simulationen auf dem Vormarsch
Das Spiel des Jahres wurde der Flugsimulator von Microsoft für den Commodore 64 oder Atari.

Das Cockpit war bereits mit allen Instrumenten ausgestattet, die ein richtiger Pilot braucht. So fanden sich ein Höhenmesser, ein Richstungsanzeiger sowie ein Kompaß wieder. Die mitgelieferten Karten verzeichneten fast alle Flughäfen der Vereinigten Staaten, mit deren Koordinaten so daß man den Kurs zu ihnen berechnen konnte.   Der <i>Flugsimulator</i> für Commodore 64 oder Atari wird zum Spiel des Jahres gewählt.
Der Flugsimulator für
Commodore 64 oder Atari wird zum Spiel des Jahres gewählt.

Ebenso konnten Schlechtwetter- und Nachflug simuliert werden. Mit so vielen Spielvarianten bot der Flugsimulator eine Menge Abwechslung.

Homecomputer: gekommen um zu bleiben
Mittelklasse-Homecomputer konnten für 600,00 DM bis 1000,00 DM erworben werden. Und am Ende des Jahres 1984 hatte sich im Wesentlichen nicht viel Neues getan. Die etablierten Prozessoren waren Zilogs Z80 (8-Bit) und Motorolas MC 6809 (8-Bit), sowie der MC 68000 (16/32-Bit).

Der Markt wurde unter den Herstellern Atari, Commodore, Tandy, Schneider, Sharp und Spectravideo aufgeteilt. Bei dem vorhandenen Angebot an Spielesoftware gab es genug Auswahl für jedes System. Und wenn einem dies nicht ausreichte, konnte man eines der zum Teil sehr guten Listings in den Computerzeitschriften abtippen. Hier wurde fast jede Idee in ein Spiel umgesetzt.



© 2002 ANDRÉ EYMANN