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Das Verschwinden der Videospielautomaten in Deutschland

15.10.2007 · Andre Eymann · 40 Kommentare

Das Verschwinden der Videospielautomaten in Deutschland

Oben: Die Faszination der Automatenspiele ist bis heute ungebrochen. (Bild: André Eymann)

Habt auch ihr in den 1980er Jahren unzählige Markstücke in Videospielautomaten gesteckt? Dann geht es euch wahrscheinlich wie vielen anderen, die ebenfalls in dieser Zeit groß geworden worden sind. Eines Tages war es dann plötzlich vorbei. Die Geräte verschwanden aus den öffentlichen Räumen und somit aus dem Blickfeld der Jugendlichen. Und so manch einer fragt sich noch heute, was damals dazu führte. Dieser Text versucht ein wenig Licht in die Vergangenheit und das damalige Verschwinden der Videospielautomaten in Deutschland werfen.

Klassische Videospielautomaten in einer US-amerikanischen Arcade. (Bild: André Eymann)
Klassische Videospielautomaten in einer US-amerikanischen Arcade. (Bild: André Eymann)
In den Achtzigern hatte nicht jeder Jugendliche in Deutschland sein eigenes Videospiel Zuhause. Und mit Videospiel meine ich hier nicht eine der ungezählten Telespiel-Varianten des immer gleichen Bildschirm-Tennis von Grundig, Palladium oder ITT. Diese sportlichen Schwarz-Weiß Spielkästen, die in der Regel mit zwei Controllern und einer Lightgun (einem Pistolen-Imitat, das über eine Photodiode angesteuert wird) ausgestattet waren, gab es zu dieser Zeit in vielen Haushalten. Sie waren allesamt Kopien des Videospielklassikers Pong.

Ich meine Videospiele, bei denen austauschbare Cartridges farbige Spiele auf den Bildschirm zauberten. Zur dieser Kategorie gehörte zum Beispiel das VCS von Atari. Durch den hohen Konsolenpreis von ca. 379 DM und den relativ teuren Spielen konnte sich allerdings nicht jeder ein eigenes VCS leisten. So kam es für die meisten zu einer ersten Begegnung mit Videospielen an öffentlichen Plätzen.

«Das Spielen am Automaten hatte etwas spür- und sichtbar Soziales. Man durchlebte Höhen, Tiefen und Eindrücke, die man gemeinsam teilen konnte.»

André Eymann

Gemeinsam auf Punktejagd

Diese Begegnungen fanden zum Beispiel im Imbiss um die Ecke, in Kaufhäusern, Supermarkteingängen, Kinos, Schwimmhallen oder in den sogenannten Arkaden statt. Denn dort standen Sie. Bunt, auffordernd und weltraumähnliche Töne ausstrahlend. Doch selten standen Sie allein da. In der Regel waren sie umringt von mehreren, meist männlichen, Jugendlichen, die angespannt um die Rettung der Erde vor ihrer Vernichtung (Missile Command) oder das Erreichen der olympischen Goldmedaille (Hyper Olympics) kämpften. Das vorrangige Ziel war die Erreichung des so genannten „High Scores“, dem Anführen der Bestenliste des Automatens. Die Liste neuer Spiele wuchs dabei ständig.

<i>Ms. Pac-Man</i> von Bally Midway. Kreisgelbe Überheldin mit Schleife im Haar. (Bild: André Eymann)
Ms. Pac-Man von Bally Midway. Kreisgelbe Überheldin mit Schleife im Haar. (Bild: André Eymann)
Zu den größten Hits in den Arkaden gehörten sicher Titel wie Space Invaders, Asteroids, Phoenix, 1942, Gyruss oder Moon Patrol. Chronologisch gesehen, handelt es sich hier genau um den Zeitpunkt in der Geschichte der Unterhaltungsspiele, an dem Flipperautomaten langsam aus der Mode kamen und Videospielkonsolen noch nicht die Kinderzimmer erobert hatten. Es gab weder Heimcomputer oder PCs, noch war an das Internet zu denken. Das Spielen am Automaten hatte etwas spür- und sichtbar Soziales. Die Tatsache, dass man ständig versuchte seinen Vorgängers zu übertrumpfen, machte den Sieg zu einem persönlichen Ziel, dass man ehrgeizig verfolgte. Genauso aber wurde der Punkterekord des anderen respektiert und als spielerische Herausforderung verstanden. Viele Spiele konnte man gemeinsam spielen. Dadurch wurde das eigene Geschick nur noch mehr motiviert. Und war das Spiel zu Ende, hatte man einen guten Grund einen erneuten Versuch zu wagen. Man hat übrigens nicht nur zusammen gespielt, wenn man direkt an der Maschine aktiv war. Das Zuschauen bei einem anderen Spieler und das Austauschen von Tipps und Tricks waren mindestens genauso wichtig, wie das eigene Spiel selbst. Es gehörte einfach zur Spielkultur dazu. Und diese Aspekte sind bis heute geblieben. Es wird viel über Spiele, Strategien und die Erfahrungen beim Spielen gesprochen. Man durchlebt Höhen, Tiefen und Eindrücke, die man gemeinsam teilen kann.

Wo sind die Arkaden geblieben?

Jugendliche im Dezember 1980 in Newcastle, England. (Bild: Pinterest)
Jugendliche im Dezember 1980 in Newcastle, England. (Bild: Pinterest)
In der Kultur der Videospiele hat der Begriff „Arcade“ eine besondere Stellung. Er ist hierzulande wohl am ehesten mit „Spielhalle“ zu übersetzen. Die Automaten dort vereinen Anzeige (den Bildschirm) und Steuergeräte (die Controller) in einem Gehäuse, das meist groß genug ist, um stehend daran zu spielen. Irgendwann verschwanden die Automaten aus den Kinos oder Kaufhäusern. Jeder kann sich daran erinnern, nur hat kaum jemand Fotos von sich und der damaligen Existenz der Automaten in der Öffentlichkeit gemacht. Warum oder wodurch also verschwanden die Automaten?

Als Erklärungsversuch hierzu einige Zitate aus der Erinnerung von „Sammy-Jooo“, einem Videospieler der ersten Stunde:

„Da liegt ja eben das Problem, denn man hat die Bilder zwar im Kopf, kann die ja aber da nicht rausholen und anderen Leuten zeigen. Es war ja auch eher unüblich das jemand mit einem Fotoapparat durch die Gegend lief und jeden Eindruck auf ein Bild bannte. Aber es ist dennoch eine gute Frage, denn wo diese Kästen abgeblieben sind und warum die überhaupt verschwanden sollte doch zu klären sein. Wenn ich mich nicht irre und die Erinnerung dann noch mitspielt, hatte es irgendwas mit dem Jugendschutz zu tun, dass als erstes die Arcade-Automaten aus den Kino-, Supermarkt- und Kaufhauseingängen verschwanden. Danach wurden wohl auch die Auflagen für die Aufstellung solcher Automaten in Gastrobetrieben verschärft und so wurden es auch dort immer weniger Automaten, die letztlich ganz verschwanden.

Videospielautomaten in einer deutschen Gaststätte. Trauriges Dasein in den Hinterzimmern der Nation. (Bild: Forum, www.best-of-80s.de)
Videospielautomaten in einer deutschen Gaststätte. Trauriges Dasein in den Hinterzimmern der Nation. (Bild: Forum, www.best-of-80s.de)

Bei den Spielhallen wird der Grund des Verschwindens wohl wirklich in den Verdienstmöglichkeiten zu finden sein. Mit den Geldspielautomaten kann man ja auch leichter und schneller sein Geld verdienen. So ein Spiel am Geldspielautomaten dauerte nur ein paar Sekunden und kostete zwischen 20 und 30 Pfennig. Da war eine Mark schon schnell verspielt, wogegen man für eine Mark mit etwas Übung doch schon recht lange an so einem Arcade-Automaten seine Zeit verbringen konnte. Auch war es doch so das die „Geldspieler“ oftmals mehrere Automaten zugleich laufen ließen und nebenbei noch die teuren Getränke kaufen und konsumieren konnten. Die „Arcadespieler“ hatten nur einen Automaten zur Zeit in Beschlag, alle Hände voll zu tun und meistens noch mehrere Zuschauer um sich herum stehen.

Fast wie auf dem Highway: <i>Outrun</i> von Sega simuliert in der Spielhalle einen echten Rennwagen. (Bild: André Eymann)
Fast wie auf dem Highway: Outrun von Sega simuliert in der Spielhalle einen echten Rennwagen. (Bild: André Eymann)

Ich glaube aber auch das die Entwicklung und Verbreitung der Spielekonsolen und Homecomputer dazu beigetragen haben das Verschwinden der Automaten zu forcieren. Dann wurde doch lieber am heimischen Fernseher oder Monitor stundenlang gezockt und man musste nicht dauernd Geld nachwerfen. Bis man eines der gängigen Games beherrschte hatten mindestens 70,- DM den Besitzer gewechselt und dafür konnte man sich schon fast ein Spiel kaufen, wenn man es nicht als „Sicherheitskopie“ tauschen konnte.

«Es gab so einige Tricks, um den Automaten zu überlisten und umsonst spielen zu können.»

Sammy-Jooo (Forum, best-of-80s.de)

Die Münzprüfeinrichtung (m)eines Videospielautomaten. (Bild: André Eymann)
Die Münzprüfeinrichtung (m)eines Videospielautomaten. (Bild: André Eymann)
Doch die tollste Konsole oder der tollste Computer ersetzen einen Automaten nicht so richtig. Besonders diese Teile mit den Motorrad-, Auto-, Flugzeug- oder Raumschiffattrappen kann man einfach nicht sim- oder emulieren. Besonders bei Motorrädern war es fies wenn die Kurve immer länger und länger wurde, man sich also immer weiter in die Kurve legte und manchmal wirklich von der Kiste fiel. Es waren schon lustige Erlebnisse die man an diesen Kisten hatte und mir kommen immer mehr Erinnerungen an die Zeit als man stundenlang an so einer Kiste stand und die Buttons mit Fäusten malträtierte. Es gab aber auch so einige Tricks um den Kasten zu überlisten und umsonst spielen zu können. Da wurde so einiges probiert und besonders beliebt war die Methode mit dem Piezozünder aus einem alten Feuerzeug und einem langen Draht mit abisolierter Schlinge am Ende. Und auch die Münzprüfeinrichtungen konnten recht einfach überlistet werden, denn die reagierten teilweise nur auf das Gewicht und man fand so manchen Zloty (Währung der Republik Polen)in der Kasse. Heute wird ja sogar die Legierung der Münze gemessen.“



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40 KOMMENTARE

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    Andre kommentierte zu oben
    am 23.07.2016 um 20:36 Uhr (neuester)
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    Verrückt Stephan, wir hatten damals auch einen Kirmeswagen auf einem kleinen benachbarten Dorffest. Deine Geschichte kommt mir sehr bekannt vor ;) Ich kann mich noch an Bosconian von Nampo erinnern. Diese Sprachsamples! Das "Alert! Alert!", wenn sich feindliche Schiffe näherten hatte mich total unter Stress gebracht! Was für eine Maschine! Das Geld war schneller weg als ich gucken konnte :) Mein Freund damals war schon ein paar Jahre älter und konnte das Spiel deutlich länger hinhalten. Aber seit diesem Tag habe ich den Klang der Bosconian-Samples nicht wieder vergessen :)







    @wondy1972 kommentierte zu oben
    am 26.05.2016 um 06:59 Uhr
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    Das ist Solomons Key





    Andre kommentierte zu oben
    am 03.04.2016 um 08:34 Uhr
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    Hallo Manu,
    das klingt mir SEHR nach Gyruss von Konami.

    Hier ein Link zum Video: https://youtu.be/suRXuW1hryw

    Ein großartiges Spiel mit einer fesselnden akustischen Untermalung. Habe ich selbst damals stundenlang gespielt.

    Passt es?







    Bavaria kommentierte zu oben
    am 27.09.2015 um 21:02 Uhr
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    Hallo Patrick, auch wir suchen nach diesem Spiel. Konntest du schon was in Erfahrung bringen? Viele Grüße Bavaria



    @zedbeeblebrox kommentierte zu oben
    am 27.09.2015 um 21:40 Uhr
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    Dürfte sich um die Qix-Variante "Perestroika Girls" handeln. Siehe hier:

    https://youtu.be/RMhWDB82djw

    Grüße, zed



    Bavaria kommentierte zu oben
    am 27.09.2015 um 22:01 Uhr
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    Hallo Zed,

    super, vielen Dank für die schnelle Hilfe. Genau das ists.



    Patrick kommentierte zu oben
    am 14.10.2015 um 06:20 Uhr
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    Super! Ist genau diese Richtung. Vielen Dank!

    Grüße aus Berlin



    Gamer2011 kommentierte zu oben
    am 01.03.2016 um 15:26 Uhr
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    Das erste Spiel mit diesem Prinzip heißt Quix. Danach gab es noch Volfied. Es gibt aber noch viele weitere Spiele die nach ähnlichem Prinzip funktionieren wie z.B. Amidar, dass auch auf Atari 2600 erschien.









    Retro-Nerd kommentierte zu oben
    am 28.01.2015 um 18:42 Uhr
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    Würde mal in der Mame Datenbank im Genre Shooter nachschauen. Kann ja auch jährlich eingrenzen.

    http://www.mamedb.com/search.php



    Gamefan kommentierte zu oben
    am 19.05.2015 um 08:00 Uhr
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    Es könnte sich um das Game Vanguard handeln





    WLAN kommentierte zu oben
    am 20.01.2015 um 21:35 Uhr
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    Die Automaten wieder aufstellen? Ein interessanter Gedanke. Sicher nicht mit 1 Euro Münzen für 3 Minuten Spielzeit. Aber vielleicht findet sich ja ein alternatives und attraktiveres Bezahlmodell? Bitcoins, Gamecredits, Apple Pay oder einfach via Smartphone SMS-Token. Es wäre auf jeden Fall ein spannendes Experiment. Kann mir gut vorstellen, dass so einige Kids bei entsprechendes Titeln stehenbleiben würden. In den Spielhallen funktioniert das Prinzip der Automaten ja auch noch.

    Und mit Automaten 2.0 in Shopping-Malls, Schwimmbädern oder im Kino hätten wir wieder ein öffentliches Erlebnis inkl. "Attract-Mode".







    Andre kommentierte zu oben
    am 03.08.2014 um 10:26 Uhr
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    Die Kostensicht ist eine interessante Ergänzung. Gleichwohl kann man das Verschwinden wahrscheinlich nicht auf nur diesen Punkt zurückführen. Warum sollten die Kids Geld in Automaten stecken, wenn sie bereits eine Videospielkonsole Zuhause hatten?













    André kommentierte zu oben
    am 12.10.2014 um 21:14 Uhr
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    Danke für diese Ergänzung zur Jugendschutzgesetzänderung vom 1.4.1985. Sicher ein wesentlicher Beitrag zum Verschwinden der schönen Maschinen aus unserem Blickfeld. Wenn man sich die heutige Situation mit den DLCs anschaut (Downloadable content für Spiele), fragt man sich, ob es nicht eigentlich auch dort bald zu einer Regulierung kommen wird. Die "Gefahr" ist sehr analog zu damals.





















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