Please insert coin!
|
Habt auch ihr in den Achtzigern unzählige Markstücke in Videospielautomaten versenkt? Dann geht es
euch wie vielen anderen Videospielern, die in dieser Zeit groß geworden worden sind. Eines Tages dann war es
dann plötzlich vorbei. Die Geräte verschwanden aus dem öffentlichen Blickfeld. Und so manch einer fragt sich
noch heute, was damals geschah. Dieser Artikel soll ein wenig Licht auf die damalige Zeit und das Verschwinden der Videospielautomaten
in Deutschland werfen. Soviel vorweg: es hat auch etwas mit der deutschen Gesetzgebung zu tun.
Viele Bilder zu diesem Artikel sind 2006 in den USA, auf dem Santa Cruz Beach Boardwalk in Kalifornien, entstanden.
Das dortige Fun Center versprüht den Charme einer authentischen Arcade (Spielhalle), so wie
es sie in Deutschland nur noch selten gibt.
|
|
|
Klassische Videospielautomaten in einer Arcade in Santa Cruz (Kalifornien, USA).
Ein traumhafter Ort für Retrogamer.
|
|
Die erste magische Begegnung
In den Siebzigern hatte noch nicht jeder Jugendliche in Deutschland sein eigenes Videospiel Zuhause. Und damit
meine ich nicht eine der unzähligen Telespiel-Varianten des immer gleichen Bildschirm-Tennis von Grundig,
Palladium oder ITT.
|
Der Automat Volly von Ramtek war ebenfalls ein Pong-Klon (1973).
|
|
|
Diese sportlichen Schwarz-Weiß Spielkästen, die meist auch mit einer Lightgun (einem Pistolen-Imitat,
das über eine Photodiode angesteuert wird)
ausgestattet waren, gab es in dieser Zeit recht häufig. Sie waren allesamt Kopien eines der ersten
Videospiele mit dem Namen Pong (Atari, 1972). Ich aber meine Videospiele, bei denen
verschiedene Kassetten (Module) farbige Spiele auf den Bildschirm
zauberten. Zur letzteren Kategorie gehörte zum Beispiel Ataris VCS. Aber durch den hohen
Preis von 379 DM für die Konsole und 109 DM (Space Invaders) bis 139 DM (Defender) für die Spiele, konnte sich nicht
jeder ein eigenes VCS leisten. So kam es bei den meisten zu einer ersten Begegnung mit Videospielen an öffentlichen Plätzen.
|
Gelegenheit macht Spiele
|
Und das passierte zum Beispiel im Imbiss um die Ecke. Oder in Kaufhäusern, Supermarkteingängen, Kinos, Schwimmhallen
oder in den sogenannten Arkaden.
Dort standen Sie. Bunt, auffordernd und weltraumähnliche Töne ausstrahlend. Doch selten standen Sie
allein da. In der Regel waren sie umringt von mehreren - meist männlichen - Kids, die angespannt
um die Rettung der Erde vor der Vernichtung (Missile Command) oder das Erreichen der Goldmedaille
(Hyper Olympics) kämpften. Das vorrangige Ziel war die Erreichung des so genannten „High Scores“,
dem Anführen der Bestenliste des Automatens. Die Liste neuer Spiele wuchs dabei ständig.
|
|
Ein Space Invaders-Automat. Einer der Urväter der Space-Shooter.
|
|
Zu den größten Hits in den Arkaden gehörten sicher die Titel
Space Invaders, Asteroids, Phoenix, 1942,
Gyruss oder Moon Patrol. Chronologisch gesehen, handelt es sich hier genau um den Zeitpunkt in der
Geschichte der Videospiele, an dem Flipperautomaten langsam aus der Mode kamen und Videospielkonsolen
noch nicht die Kinderzimmer erobert hatten. Es gab weder Heimcomputer oder PCs, noch war an das Internet zu denken.
Gemeinsam auf Punktejagd
|
Das Spielen an den Automaten hatte etwas spür- und sichtbar Soziales. Allein die Tatsache, dass man ständig
versuchte den High Score seines Vorgängers zu übertrumpfen, machte den Sieg über das Spiel zu einem
persönlichen Ziel, dass man ehrgeizig verfolgte. Genauso aber wurde der Sieg des anderen respektiert
und als spielerische Herausforderung verstanden. So konnte man bei vielen Spielen auch gemeinsam
spielen (Hyper Olympics). Dadurch wurde das eigene Geschick nur noch mehr motiviert. Und war das
Spiel zu Ende, hatte man einen guten Grund einen erneuten Versuch zu wagen...
|
|
|
Ms. Pac-Man von Bally Midway. Kreisgelber Überheld mit Schleife im Haar.
|
|
Man hat übrigens nicht nur zusammen gespielt, wenn man direkt an der Maschine aktiv war. Das Zuschauen
bei einem anderen Spieler und das Austauschen von Tipps und Tricks waren mindestens genauso wichtig, wie das eigene Spiel selbst.
Es gehörte einfach zur Spielkultur dazu. Und diese Aspekte sind bis heute geblieben. Es wird viel
über Spiele, Strategien und die Erfahrungen beim Spielen gesprochen. Man durchlebt Höhen, Tiefen und Eindrücke,
die man gemeinsam teilen kann.
Wo sind die Arkaden geblieben?
In der Kultur der Videospiele hat der Begriff
Arcade eine besondere Stellung. Er ist hierzulande wohl
am ehesten mit
Spielhalle zu übersetzen. Die Automaten dort vereinen Anzeige (Bildschirm)
und Steuergeräte (Controller) in einem Gehäuse, das meist groß genug ist, um stehend
daran zu spielen. Irgendwann verschwanden die Automaten aus den Kinos oder Kaufhäusern. Jeder kann
sich daran erinnern, nur hat kaum jemand Fotos von der damaligen Existenz der Automaten in der Öffentlichkeit
gemacht. Warum oder wodurch also verschwanden die Automaten?
Hierzu einige Zitate aus der Erinnerung von Sammy-Jooo einem Videospieler der ersten Stunde:
„Da liegt ja eben das Problem, denn man hat die Bilder zwar im Kopf, kann die ja aber da nicht rausholen
und anderen Leuten zeigen. Es war ja auch eher unüblich das jemand mit einem Fotoapparat durch die
Gegend lief und jeden Eindruck auf ein Bild bannte. Aber es ist dennoch eine gute Frage, denn wo diese
Kästen abgeblieben sind und warum die überhaupt verschwanden sollte doch zu klären sein.“
„Wenn ich mich nicht irre und die Erinnerung dann noch mitspielt, hatte es irgendwas mit dem Jugendschutz
zu tun, dass als erstes die Arcade-Automaten aus den Kino-, Supermarkt- und Kaufhauseingängen
verschwanden. Danach wurden wohl auch die Auflagen für die Aufstellung solcher Automaten in
Gastrobetrieben verschärft und so wurden es auch dort immer weniger Automaten, die letztlich ganz
verschwanden.“
Videospielautomaten in einer Deutschen Gaststätte. Ein trauriges Fristen
in den Hinterzimmern der Nation.
|
„Bei den Spielhallen wird der Grund des Verschwindens wohl wirklich in den
Verdienstmöglichkeiten zu finden sein. Mit den Geldspielautomaten kann man ja auch leichter und schneller sein Geld verdienen.
So ein Spiel am Geldspielautomaten dauerte nur ein paar Sekunden und kostete zwischen 20 und 30 Pfennig.
Da war eine Mark schon schnell verspielt, wogegen man für eine Mark mit etwas Übung doch schon recht
lange an so einem Arcade-Automaten seine Zeit verbringen konnte. Auch war es doch so das die
‚Geldspieler‘ oftmals mehrere Automaten zugleich laufen ließen und nebenbei noch die teuren
Getränke kaufen und konsumieren konnten. Die ‚Arcadespieler‘ hatten nur einen Automaten zur Zeit
in Beschlag, alle Hände voll zu tun und meistens noch mehrere Zuschauer um sich herum stehen.“
„Ich glaube aber auch das die Entwicklung und Verbreitung der Spielekonsolen und Homecomputer dazu
beigetragen haben das Verschwinden der Automaten zu forcieren. Dann wurde doch lieber am heimischen
Fernseher oder Monitor stundenlang gezockt und man musste nicht dauernd Geld nachwerfen. Bis man
eines der gängigen Games beherrschte hatten mindestens 70,- DM den Besitzer gewechselt und dafür
konnte man sich schon fast ein Spiel kaufen, wenn man es nicht als ‚Sicherheitskopie‘ tauschen konnte.“
Fast wie auf dem Highway: Outrun von Sega in der Spielhalle simuliert einen echten Rennwagen.
|
„Doch die tollste Konsole oder der tollste Computer ersetzen einen Automaten nicht so richtig. Besonders
diese Teile mit den Motorrad-, Auto-, Flugzeug- oder Raumschiffattrappen kann man einfach nicht sim- oder
emulieren. Besonders bei Motorrädern war es fies wenn die Kurve immer länger und länger wurde,
man sich also immer weiter in die Kurve legte und manchmal wirklich von der Kiste fiel.“
„Es waren schon lustige Erlebnisse die man an diesen Kisten hatte und mir kommen immer mehr
Erinnerungen an die Zeit als man stundenlang an so einer Kiste stand und die Buttons mit Fäusten
malträtierte. Es gab aber auch so einige Tricks um den Kasten zu überlisten und umsonst spielen zu
können.“
|
Die Münzprüfeinrichtung eines Standard Videospielautomaten (Jamma).
Komplizierte Mechanik hinter dem Videoerlebnis.
|
|
|
„Da wurde so einiges probiert und besonders beliebt war die Methode mit dem Piezozünder aus
einem alten Feuerzeug und einem langen Draht mit abisolierter Schlinge am Ende. Und auch die
Münzprüfeinrichtungen konnten recht einfach überlistet werden, denn die reagierten teilweise nur auf das
Gewicht und man fand so manchen Zloty in der Kasse. Heute wird ja sogar die Legierung der Münze
gemessen.“
|
mehr...