Killer-Automaten!
Am Anfang des Jahres 1982 begann sich in der Bundesrepublik eine öffentliche Diskussion über die Jugendgefährdung
durch Video-Automaten zu entwickeln. Obwohl die Medienforschung zu Videospielen damals erst am Anfang stand, wurden schnell monokausale
Schlagworte wie „Killer-Automaten“, „Aggressionssteigerung“ oder „Mediengewalt“ gefunden.
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Aufgereihte Spielautomaten. Sind Q*Bert, Defender und Pac-Man Killerspiele?
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Die Argumentation der Medien stützte sich darauf, dass viele der damals
vorhandenen Videospiele als Kriegsspielzeuge (Beispiele: Battlezone, Defender) bewertet wurden. Daraus
wiederum wurde abgeleitet, sie würden das Aggressionspotential von Jugendlichen verstärken.
Das ist heute oft nicht anders, wenn man aktuelle Beispiele wie Emsdetten (Amoklauf, 2006)
oder Winnenden (Amoklauf, 2009) heranzieht.
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Leider melden sich dabei häufig Menschen zu Wort, die wenig oder gar keinen Bezug zu Videospielen
haben, um die Problematik zu bewerten. So wird das Thema gerade hierzulande sehr emotional diskutiert
und dadurch in den Medien oft unnötig verzerrt dargestellt.
Auf der einen Seite wird
schnell und vorzugsweise von der Politik eine Scheindiskussion über Gewalt durch Videospiele
inszeniert, um von anderen Problemen abzulenken und zügig Identifikatoren zu finden.
Auf der anderen Seite aber muss das Thema differenziert diskutiert werden können. Es existieren
zum Beispiel Videospiele wie
Manhunt von Rockstar Games (explizite Gewaltdarstellung)
oder
KZ Manager (Rassenhass, Antisemitismus), deren öffentliche Verbreitung durchaus in Frage
gestellt werden sollte.
Sind Videospiele Glücksspiele?
Darüber hinaus gerieten die Videoautomaten Anfang der Achtziger in Deutschland in eine weitere, zwiespältige Situation. Von der
Automaten-Branche als „Geschicklichkeits-“ oder „Reaktionsspiele“ gepriesen und von der Öffentlichkeit
und dem Jugendschutz als aggressionsfördernde „Glücksspiele“ abgestraft.
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Am Ende aber führten aber mehrere Faktoren zum Verschwinden der Automaten aus der Öffentlichkeit
in Deutschland. Jugendschutz und GjS (Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften)
kritisierten die Suchtgefahr („Glücksspiele mit Münzeinwurf“) der Videospiele für
Jugendliche. Dies hatte zur Folge, dass die Videospielautomaten nur noch in Bereichen für
Erwachsene (Casino, Spielothek) zugänglich waren. Dort sind sie auch heute noch zu finden.
Zusätzlich verlagerte sich das Videospielen
durch die fortschreitende Technologie, gerade im Bereich der stationären Videospielkonsolen,
in die privaten Haushalte. Die Diskussion über das
mögliche Gewaltpotential von Videospielen ist indes bis heute geblieben. Durch das bezahlte
Online-Gaming im Internet mit monatlichen Gebühren, könnte aber auch der monetäre Aspekt
erneut in die öffentliche Diskussion geraten.
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Spielautomat Gorf: Vernichten sie die gorfianische Flotte, um die interstellare Vereinigung zu beschützen.
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In den USA
In Nordamerika hingegen, gibt es sie noch: die Arkaden. Grundsätzlich
sind die Amerikaner schneller zu einem Einverständnis mit den Videospielen gelangt und standen bereits
damals der neuen Technologie offener gegenüber. So wurden eher die positiven Eigenschaften
von Videospielen (strategisches und flexibles Denken, Geschicklichkeit, Ausdauer) gesehen.
Auf Geisterjagd im Fun Center. Fördern von Geschicklichkeit und Ausdauer.
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Besonders in Kalifornien kann man noch auf viele, gut erhaltene Klassiker wie
Skramble,
Track'n'Field oder
Robotron
treffen. Und da lohnt es sich 25¢ einzuwerfen, um noch einmal das Original-Gefühl des Spiels zu erleben.
Überhaupt wird man bei der Geräuschkulisse in einer Arcade sofort in seine Vergangenheit
zurückversetzt. Und schon sieht man sich wieder wie wild auf die Action-Buttons hämmern.
Spiel doch Zuhause!
Wer ausreichend Platz hat, kauft sich einfach einen Videospielautomaten für Zuhause.
Ab etwa 300 Euro kann man bereits Original-Geräte erstehen. Neue Spielplatinen bekommt man ab 40 Euro.
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Galaga-Automat für Zuhause in einem Standard-Universalgehäuse (Jamma).
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Wenn man jetzt noch ein paar D-Markstücke parat hat, kann der Spass beginnen. Und damit keine
Langeweile aufkommt, kann man jederzeit eine kompatible Spielplatine nachkaufen. Diese wird zum Spielen einfach
in das geöffnete Gehäuse eingeschoben. Möchte man beispielweise ein horizontal dargestelltes
Spiel (zum Beispiel Elevator Action) spielen, so kann man sogar den eingebauten Bildschirm entsprechend drehen.
Sollte der Joystick oder ein Button kaputt gehen, auch kein Problem. Es steht viele Ersatzteilhändler
bereit. Näher kann man dem Spielhallenfeeling nicht kommen.
Schön finde ich allerdings auch die Tradition die Arcaden-Klassiker auf den aktuellen Konsolen
zu emulieren.
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So gibt es für alle aktuellen Konsolen eine Auswahl
von Zusammenstellungen, die viele bekannte Titel enthalten. So kann man auch Zuhause
Ghost'n Goblins zocken.
Oder vielleicht bekommt ihr ja während eures nächsten USA-Urlaubs doch Mitleid und importiert
euch euren Lieblingsautomaten.
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So wie ich in Ventura (Kalifornien) auf diesen
Centipede-Automaten mit Trackball-Steuerung getroffen bin. Er stand verlassen und allein
in der Ecke und wurde für 895 US-Dollar zum Verkauf angeboten. Da kann man schon einmal schwach
werden. Übrigens ist Centipede ein besonders schönes Beispiel für
ein gelungenes Artwork, mit dem die Automaten oft verziert sind. Die Gestaltung des Automatens
stammt von der Videospiel-Designlegende George Opperman.
Ich habe dann allerdings doch von einem Kauf abgesehen. Vermutlich hätte ich eine
ähnliche Summe für den Transport und den Zoll bezahlen müssen. Da verbinde ich das nächste
Spiel lieber wieder mit einer kleinen Urlaubsreise in die Heimat von Atari und Co.
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Das Artwork von Centipede. Fantasievolle Illustrationen aus einer anderen Welt (Atari, 1980).
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Zum Abschluss des Artikels findet ihr noch ein paar Arkaden-Impressionen, sowie einige Verweise.
Verweise:
© 2007
ANDRÉ EYMANN