Startseite  
Artikel
Artikel
Kontakt
Kontakt
Über uns
Über uns
Verweise
Verweise
RetroReader
RetroReader


Artikel
Artikel

TATSACHEN


Videospielautomaten

Was ist ein PCB?
PCB steht für "printed circuit board" und enthält die Prozessoren, sowie die Spiele des Automaten auf einer Platine.
M.A.M.E.
Mit dem Multiple Arcade Machine Emulator können die Spiele älterer Automaten auf dem Computer Zuhause emuliert werden.
Verbot:
Videospielautomaten sind seit 1985 in Deutschland nicht mehr an öffentlichen Plätzen anzufinden.
 
Das Verschwinden der Videospielautomaten in Deutschland
TEXT UND BILDER: ANDRÉ EYMANN
KATEGORIE: ZEITGESCHEHEN
AUSGABE: OKTOBER 2007
1 | 2 | DRUCKEN


Killer-Automaten!
Am Anfang des Jahres 1982 begann sich in der Bundesrepublik eine öffentliche Diskussion über die Jugendgefährdung durch Video-Automaten zu entwickeln. Obwohl die Medienforschung zu Videospielen damals erst am Anfang stand, wurden schnell monokausale Schlagworte wie „Killer-Automaten“, „Aggressionssteigerung“ oder „Mediengewalt“ gefunden.

Aufgereihte Spielautomaten. Sind Q*Bert, Defender und Pac-Man Killerspiele?
Aufgereihte Spielautomaten. Sind Q*Bert, Defender und Pac-Man Killerspiele?
  Die Argumentation der Medien stützte sich darauf, dass viele der damals vorhandenen Videospiele als Kriegsspielzeuge (Beispiele: Battlezone, Defender) bewertet wurden. Daraus wiederum wurde abgeleitet, sie würden das Aggressionspotential von Jugendlichen verstärken. Das ist heute oft nicht anders, wenn man aktuelle Beispiele wie Emsdetten (Amoklauf, 2006) oder Winnenden (Amoklauf, 2009) heranzieht.

Leider melden sich dabei häufig Menschen zu Wort, die wenig oder gar keinen Bezug zu Videospielen haben, um die Problematik zu bewerten. So wird das Thema gerade hierzulande sehr emotional diskutiert und dadurch in den Medien oft unnötig verzerrt dargestellt.

Auf der einen Seite wird schnell und vorzugsweise von der Politik eine Scheindiskussion über Gewalt durch Videospiele inszeniert, um von anderen Problemen abzulenken und zügig Identifikatoren zu finden. Auf der anderen Seite aber muss das Thema differenziert diskutiert werden können. Es existieren zum Beispiel Videospiele wie Manhunt von Rockstar Games (explizite Gewaltdarstellung) oder KZ Manager (Rassenhass, Antisemitismus), deren öffentliche Verbreitung durchaus in Frage gestellt werden sollte.

Sind Videospiele Glücksspiele?
Darüber hinaus gerieten die Videoautomaten Anfang der Achtziger in Deutschland in eine weitere, zwiespältige Situation. Von der Automaten-Branche als „Geschicklichkeits-“ oder „Reaktionsspiele“ gepriesen und von der Öffentlichkeit und dem Jugendschutz als aggressionsfördernde „Glücksspiele“ abgestraft.

Am Ende aber führten aber mehrere Faktoren zum Verschwinden der Automaten aus der Öffentlichkeit in Deutschland. Jugendschutz und GjS (Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften) kritisierten die Suchtgefahr („Glücksspiele mit Münzeinwurf“) der Videospiele für Jugendliche. Dies hatte zur Folge, dass die Videospielautomaten nur noch in Bereichen für Erwachsene (Casino, Spielothek) zugänglich waren. Dort sind sie auch heute noch zu finden. Zusätzlich verlagerte sich das Videospielen durch die fortschreitende Technologie, gerade im Bereich der stationären Videospielkonsolen, in die privaten Haushalte. Die Diskussion über das mögliche Gewaltpotential von Videospielen ist indes bis heute geblieben. Durch das bezahlte Online-Gaming im Internet mit monatlichen Gebühren, könnte aber auch der monetäre Aspekt erneut in die öffentliche Diskussion geraten.   Spielautomat <i>Gorf</i>: Vernichten sie die gorfianische Flotte, um die interstellare Vereinigung zu beschützen.
Spielautomat Gorf: Vernichten sie die gorfianische Flotte, um die interstellare Vereinigung zu beschützen.

In den USA
In Nordamerika hingegen, gibt es sie noch: die Arkaden. Grundsätzlich sind die Amerikaner schneller zu einem Einverständnis mit den Videospielen gelangt und standen bereits damals der neuen Technologie offener gegenüber. So wurden eher die positiven Eigenschaften von Videospielen (strategisches und flexibles Denken, Geschicklichkeit, Ausdauer) gesehen.

Auf Geisterjagd im Fun Center. Fördern von Geschicklichkeit und Ausdauer.
Auf Geisterjagd im Fun Center.
Fördern von Geschicklichkeit und Ausdauer.

Besonders in Kalifornien kann man noch auf viele, gut erhaltene Klassiker wie Skramble, Track'n'Field oder Robotron treffen. Und da lohnt es sich 25¢ einzuwerfen, um noch einmal das Original-Gefühl des Spiels zu erleben. Überhaupt wird man bei der Geräuschkulisse in einer Arcade sofort in seine Vergangenheit zurückversetzt. Und schon sieht man sich wieder wie wild auf die Action-Buttons hämmern.

Spiel doch Zuhause!
Wer ausreichend Platz hat, kauft sich einfach einen Videospielautomaten für Zuhause. Ab etwa 300 Euro kann man bereits Original-Geräte erstehen. Neue Spielplatinen bekommt man ab 40 Euro.

<i>Galaga</i>-Automat für Zuhause in einem Standard-Universalgehäuse (<i>Jamma</i>).
Galaga-Automat für Zuhause in einem Standard-Universalgehäuse (Jamma).
  Wenn man jetzt noch ein paar D-Markstücke parat hat, kann der Spass beginnen. Und damit keine Langeweile aufkommt, kann man jederzeit eine kompatible Spielplatine nachkaufen. Diese wird zum Spielen einfach in das geöffnete Gehäuse eingeschoben. Möchte man beispielweise ein horizontal dargestelltes Spiel (zum Beispiel Elevator Action) spielen, so kann man sogar den eingebauten Bildschirm entsprechend drehen. Sollte der Joystick oder ein Button kaputt gehen, auch kein Problem. Es steht viele Ersatzteilhändler bereit. Näher kann man dem Spielhallenfeeling nicht kommen. Schön finde ich allerdings auch die Tradition die Arcaden-Klassiker auf den aktuellen Konsolen zu emulieren.

So gibt es für alle aktuellen Konsolen eine Auswahl von Zusammenstellungen, die viele bekannte Titel enthalten. So kann man auch Zuhause Ghost'n Goblins zocken. Oder vielleicht bekommt ihr ja während eures nächsten USA-Urlaubs doch Mitleid und importiert euch euren Lieblingsautomaten.

So wie ich in Ventura (Kalifornien) auf diesen Centipede-Automaten mit Trackball-Steuerung getroffen bin. Er stand verlassen und allein in der Ecke und wurde für 895 US-Dollar zum Verkauf angeboten. Da kann man schon einmal schwach werden. Übrigens ist Centipede ein besonders schönes Beispiel für ein gelungenes Artwork, mit dem die Automaten oft verziert sind. Die Gestaltung des Automatens stammt von der Videospiel-Designlegende George Opperman. Ich habe dann allerdings doch von einem Kauf abgesehen. Vermutlich hätte ich eine ähnliche Summe für den Transport und den Zoll bezahlen müssen. Da verbinde ich das nächste Spiel lieber wieder mit einer kleinen Urlaubsreise in die Heimat von Atari und Co.   Das Artwork von <i>Centipede</i>. Fantasievolle Illustrationen aus einer anderen Welt (Atari, 1980).
Das Artwork von Centipede. Fantasievolle Illustrationen aus einer anderen Welt (Atari, 1980).

Zum Abschluss des Artikels findet ihr noch ein paar Arkaden-Impressionen, sowie einige Verweise.



Videospiele in den USA Videospiele in den USA
Videospiele in den USA Videospiele in den USA
Videospiele in den USA Videospiele in den USA

Verweise:



© 2007 ANDRÉ EYMANN