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Boris Schneider-Johne

Murder on the Mississippi:
Dieses legendäre Abenteuerspiel orientiert sich an den Romanen der Krimi-Autorin Agatha Christie.
Heinrich Lenhardt:
Ist seit 2006 Chefredakteur des Massive Multiplayer Online Game-Portals buffed.de.
Data Becker:
Die Firma wurde 1980 in Düsseldorf gegründet und existiert noch heute.
 
Die Zeit verging spielend - Im Gespräch mit Boris Schneider-Johne
TEXT UND BILDER: GUIDO FRANK
AUSGABE: FEBRUAR 2002
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Spiele-Reporter aus Leidenschaft. <i>Power Play</i>-Redaktion: Martin Gaksch, Gregor Neumann, Boris Schneider, Heinrich Lenhardt, Anatol Locker (von links)
Spiele-Reporter aus Leidenschaft. Die Power Play-Redaktion: Martin Gaksch, Gregor Neumann, Boris Schneider, Heinrich Lenhardt, Anatol Locker (von links)

Guido Frank: Für mich als Sammler von klassischen Spielezeitschriften ist die Power Play heute etwas schwer einzuordnen. Der Grund: Mir ist nicht ganz klar, wann Sie genau entstanden ist. Das erste eigenständige Power Play-Magazin kam ja erst im März 1990 in den Handel. Zu dieser Zeit hattest Du die Redaktion schon längst verlassen. Zuvor erschien die Power Play entweder als Happy Computer-Spezial oder als separate Heftbeilage ab Oktober 1988. Dein Name findet sich zuletzt im Impressum der Ausgabe 2/1989. Erinnerst Du Dich noch, wann und wie die Power Play nun wirklich gegründet wurde? Was waren Deine Beweggründe die Zeitschrift später so schnell zu verlassen?

Boris Schneider-Johne: Für mich beginnt Power Play mit den sechs eigenständig erschienenen Spezial Ausgaben, die aus den vorherigen Spiele-Sonderheften hervorgingen. Da stand Power Play drauf und war Power Play drinnen. Mit dem Erscheinen von Power Play wurde der Spieleteil in der Happy Computer, den wir ja auch noch betreuten, kleiner und kleiner. Leider kostete das die Happy Computer-Leser, die einfach zur Power Play wanderten. Deswegen wurde vom Verlag entschieden, dass es finanziell wichtiger sei, Happy Computer zu stützen und die Power Play als 32-Seiten-Heft beizulegen.   Die legendäre <i>Power Play</i> von 1988 (Ausgabe 6).
Die legendäre Power Play von 1988 (Ausgabe 6).

Wir nannten die Happy liebevoll den „Schutzumschlag“. Diese Degradierung, gekoppelt mit einem Angebot von Rainbow Arts in Düsseldorf, Spiele zu produzieren, hat mich und Martin Gaksch dann ja zum Wechsel in das andere Lager bewogen.

Guido Frank: Wie ist eigentlich der Name für die Power Play genau entstanden?

Boris Schneider-Johne: Heinrich und ich hatten verschiedene Namen vorgeschlagen, Power Play, ein Begriff aus dem Eishockey, war aber unser Wunschkandidat.

Heinrich Lenhardt in der <i>Power Play</i>-Redaktion
Heinrich Lenhardt in der Power Play-Redaktion
  Da das ein Sportbegriff ist, muss er Heinrich eingefallen sein. Wir hatten allerdings mehrere Titel zum Schutz anmelden müssen und einer der Titel war Spielomat, als Parodie auf Textomat und Datamat von Data Becker. Natürlich kam auch prompt ein Schreiben der Data Becker Anwälte, dass Data Becker den Titel Spielomat für sich beanspruchen würde.

Guido Frank: Viele kennen Dich zwar als Redakteur, wissen aber nicht, dass Du früher auch als Übersetzer für Videospiele gearbeitet hast. Aktuelle Abenteuerspiele werden heute immer noch an den legendären Lucasarts Adventures gemessen, an dessen Ruhm Du ja zumindest an der Deutschen Version maßgeblich mit beteilig warst. Hattest Du mit so einem großen Erfolg dieser Spiele überhaupt gerechnet? Welche Programme wurden von Dir alle übersetzt?

Boris Schneider-Johne: Meine erste Übersetzung war Murder on the Mississippi von Activision. Zu dem Zeitpunkt lag ich gerade Activision mit den Infocom-Adventures im Ohr, das deutsche Übersetzungen super erfolgreich werden müssten. Ich kannte die Verkaufszahlen von eher einfach gestrickten deutschen Adventures auf dem C64 und wusste, dass da eine echte Marktlücke ist. Bei Murder... hackte ich mich selbst in den Programmcode rein und sah, dass man die Texte einfach tauschen konnte, ohne die Programmfunktion zu beeinträchtigen.

Der Test zum Spiel <i>Murder on the Mississippi</i> aus dem <i>Happy Computer</i> Spiele Sonderheft Nr. 2.
Der Test zum Spiel Murder on the Mississippi aus dem Happy Computer Spiele Sonderheft Nr. 2.

Mit Winnie Derlien von Activision versuchte ich, offiziell den Auftrag für die Übersetzung zu kriegen, aber die Amis bei Activision kamen nicht in die Pötte. Also knackte ich das Programm, schrieb mir einen eigenen Diskeditor, hackte die deutschen Texte direkt in das Diskimage, machte den Original-Kopierschutz wieder auf die Disk und schickte das einfach als Master an Winnie. Der schickte das an seine verblüfften Kollegen in Amerika.

Kurz darauf sah ich auf der CES eine Vorversion von Maniac Mansion von Lucasfilm Games, Activision war der Vertriebspartner. Diesmal war Winnie erfolgreicher, Lucasfilm Games stieg auf das Übersetzungsprojekt ein und ich bekam alle Texte vorab. Dann wechselte der Vertrieb aber zu Rushware/Rainbow Arts. Zak McCracken machte ich dann noch als reiner Übersetzer, für Monkey Island und die Indiana Jones-Spiele machte ich dann aber auch die komplette deutsche Programmierung und das Mastering. Indiana Jones and the Fate of Atlantis war mein letztes übersetztes Spiel.   <i>Maniac Mansion</i> - Ein Spiel wie im Kino! (Lucasfilm Ltd. 1987).
Maniac Mansion - Ein Spiel wie im Kino! (Lucasfilm Ltd. 1987).

Der damalige Lucasarts-Chef verbat mir auf einmal den Zugriff auf den Source Code aus Sicherheitsgründen. Zu dem Zeitpunkt war ich inzwischen sowohl im Zivildienst als auch als freier Autor tätig. Danach begann dann schon die PC Player-Phase und aus Gründen des Journalisten-Ethos habe ich dann mit Spieleübersetzungen wieder aufgehört.

Guido Frank: War es für Dich überhaupt nicht schwierig den englischen Humor in die Deutsche Sprache zu importieren?

Boris Schneider-Johne: Sauschwer. 90% sind machbar aber 10% der Wortspiele haben einfach kein deutsches Äquivalent. „Get ahead in navigating“ in MI1 beispielsweise. Deutsch „Klarer Kopf beim Navigieren“ machte ich daraus. Heute würde ich da was anders machen, wahrscheinlich nur „Navigieren mit Köpfchen“ oder so was. Und in MI2 der „Monkey Wrench“, ein Affe der durch Wortspiel (und Hypnose) zum Schraubenschlüssel mutiert.   „Doc Bobo“ bei der Arbeit.
„Doc Bobo“ bei der Arbeit.

Ich wollte für die deutsche Version das Puzzle umbauen und einen Engländer draus machen, aber Ron Gilbert weigerte sich, grafische Änderungen durchzuführen.

Guido Frank: Mit der Erstausgabe der PC Player im Januar 1993 hatten wir Dich zurück als Redakteur für Videospiele und Du kannst mir glauben, unter uns Fans sprach sich das rum wie ein Lauffeuer. Endlich wieder ein Spielemagazin mit dem Erfolgsduo Boris Schneider und Heinrich Lenhardt. Wie kam es genau zur Gründung der PC Player?

Die Erstausgabe der <i>PC Player</i> im Januar 1993. Spiele-Kompetenz von Lenhardt & Schneider.
Die Erstausgabe der PC Player im Januar 1993. Spiele-Kompetenz von Lenhardt & Schneider.
  Boris Schneider-Johne: PC Player war für den Herbst 1992 zusammen mit Rolf Boyke als Layouter bei einem anderen jungen Verlag komplett durchgeplant und die Erstausgabe zu 70% fertig. Doch dann kriegte dieser Verlag von einem Geschäftspartner die Order, PC Player einzustampfen, denn der Geschäftspartner war auch mit Computec im Geschäft, die gerade PC Games vorbereiteten. Glücklicherweise wechselte Michael Scharfenberger damals zurück ins Verlagsgeschäft und heuerte als Geschäftsführer bei DMV an.

Bei Pizza Torrino in Trudering wurde im Herbst 1992 per Handschlag schnell vereinbart, PC Player zu dem anderen Verlag zu retten.

Super dramatische Geschichte mit gutem Ausgang - ich glaube durch diesen erzwungenen Verlagswechsel ist PC Player erst richtig groß geworden. Das stärkte natürlich auch unsere „Jetzt erst recht“-Haltung, weil wir wie in alten Zeiten mit der ASM jetzt mit der PC Games ein gutes Feindbild hatten.
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