Guido Frank: Unvergessen bleiben mir da besonders die Multimedia Leserbriefe, das Konzept wurde danach oft
kopiert, aber nie erreicht. Hat Dir der Ausflug in die Welt der Schauspielerei tatsächlich soviel
Spaß gemacht wie es den Anschein hatte?
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Die unvergessenen PC Player Multimedia Leserbriefe - Ventil gegen die 80-Stunden-Woche.
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Boris Schneider-Johne: Ja, das war das Ventil gegen die 80-Stunden-Woche. Heute in
YouTube-Zeiten ist es ja eher normal, dass man sich einfach produzieren kann, aber damals gab es ja
nur Fernsehen und keine Kanäle für Schwach- und Blödsinn. Wir haben das gemacht, weil wir durch die
CD ein Medium hatten, das mal aus Jux ausprobierten und dann nicht mehr aufhören konnten.
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Als großer Monty-Python-Fan hätte ich es gern noch absurder gehabt.
Aber natürlich hatten wir für so ein Video bestenfalls einen Tag Zeit, inklusive Drehbuch.
Und nebenbei mussten wir ja auch noch Skripts für unseren Comic
Starkiller abliefern...
„Vergessen wir die Kinderhefte - Willkommen in der nächsten Generation!„
— Editoral der PC Xtreme, 11/1996
Guido Frank: Im November 1996 riefen Deine ehemaligen Kollegen Heinrich Lenhardt, Martin Gaksch und Winnie Forster
die
PC Xtreme ins Leben. Eine längst überfällige Idee, endlich eine Zeitschrift speziell für
erwachsene Videospieler zu veröffentlichen. Hätte Dich die Arbeit dort nicht auch gereizt?
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Boris Schneider-Johne: Ich glaube nicht, dass PC Player zu diesem Zeitpunkt nicht für Erwachsene
gewesen ist, daher stellt sich für mich die Frage so nicht. Ich hatte ab Sommer 1996 von
Spielezeitschriften die Nase ziemlich voll. Seit Heinrichs Abgang Ende 95 stemmte ich PC Player
relativ alleine und drückte das neue Wertungssystem, 5 Sterne statt 100%, durch. Das war
natürlich ein großer Fehler, aber für mich das Zeichen, dass ich besser den Abgang aus
der Zeitschriftenszene machen sollte. Weder wollte ich weiter „Die Grafik ist bunt und
das Scrolling butterweich“ schreiben, noch argumentieren, warum ein Spiel 86% und das
andere 87% wert ist. Da kam das Angebot von Microsoft gerade recht.
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Die PC Xtreme erscheint im November 1996. Nach insgesamt nur sechs Ausgaben wird das anspruchsvolle Magazin unerwartet wieder eingestellt.
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Guido Frank: Seit Deinem Ausstieg bei der
PC Player Redaktion bist Du ja nun fest bei Microsoft beschäftigt
und mittlerweile als Produktmanager für die komplette Xbox Serie verantwortlich. Vielleicht ist hier
einmal eine gute Gelegenheit mit der derzeit gängigen Kritik der Xbox 360 gegenüber der
Konkurrenz Wii und PS3 etwas aufzuräumen? Wie siehst Du die Zukunft der Xbox?
Boris Schneider-Johne als Mr. Xbox. Produktmanager für die nächste Spiele-Generation.
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Boris Schneider-Johne: Ich will das an sich persönliche Interview nicht durch Marketing-Aussagen
zur Xbox 360 entwerten. Ich mag meine Xbox und ich glaube dass die Online-Features, jetzt und in
Zukunft, die Plattform auf Dauer erfolgreich machen.
Guido Frank: Ein faires und geschicktes Statement. Eigentlich wollte ich mit dieser Frage nur einen passenden
Übergang in die Gegenwart finden, aber deine Antwort zeigt wieder einmal mehr Dein gutes Gespür
immer die richtigen Worte zu finden. Heutzutage ist der Markt überschwemmt mit unzähligen Magazinen für
Videospiele. Fast jede Plattform hat inzwischen ihr eigenes Heft. Diese Entwicklung ist sicherlich
positiv zu sehen und dient der Individualität, aber leider geht hier auch die Qualität schnell verloren.
Echte Kultmagazine wie früher gibt es eigentlich gar nicht mehr, was ich persönlich sehr
bedauere. Nun erschienen zwei relativ innovative Zeitschriften auf dem Markt, die völlig neue
Wege gehen, mit dem Namen
GEE und
Edge. Sie arbeiten ohne überflüssiger DVD/CD-Beilage und bei
den Tests wird komplett auf eine Bewertung durch Noten oder Prozent verzichtet. Wenn Du also
wissen willst, wie gut ein Spiel wirklich ist, musst Du den Artikel tatsächlich durchlesen.
Ist das für Dich ein Schritt in die richtige Richtung, weg von dem charakterlosen Mainstream?
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Boris Schneider-Johne: Jein. Es ist das, was ich lesen will, daher habe ich auch ein
Edge (UK) Abo und kriege dankenswerterweise die GEE vom Verlag zugeschickt. Gamepro und Maniac lese
ich auch durch, ignoriere einfach den Wertungskasten. Es sind aber zwei Dinge zu sehen: Zum einen
bin ich nicht mehr der typische Zeitschriftenkäufer. Wenn ich was gut finde, ist das kein Garant
für wirtschaftlichen Erfolg. Viele Käufer heute legen ihren Schwerpunkt auf Heftpreis, die Inhalte
der Heft-CD, die Exklusivität von heißen News und Previews.
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Die Redakteure mal ganz cool in den Räumen der Redaktion.
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Die Qualität des geschriebenen Wortes, die Tendenz eines Magazins
ist selten ausschlaggebend. Und da bin ich dann tatsächlich nutzlos,
denn das ist nicht mehr meine Art, Hefte zu machen.
Die Auflagen der Zeitschriften sind allerdings allesamt im Sinkflug. Immer mehr Spieler holen sich
ihre Informationen aus dem Internet. Da kann das Medium Papier nicht mithalten, weil es immer viel
langsamer ist. Deswegen könnte der geschliffene Artikel, der echte LESEstoff im Gegensatz zum
Testbericht und Infostoff, wieder an Gewicht gewinnen. Aber das müssen andere rausfinden,
ich bin da nur noch Konsument.
Guido Frank: Privat bist Du inzwischen zweifacher Familienvater. Da ich in der gleichen Situation bin, würde es
mich interessieren wie Du Dich bei Deinen Kindern mit Videospielen verhältst. Wird da alles erlaubt
oder bist Du hier eventuell noch kritischer als die „normalen“ Eltern?
Besuch von Debbie Israel (seinerzeit bei Sublogic) in der Redaktion.
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Boris Schneider-Johne: Nun, mein Sohn ist jetzt siebeneinhalb und kennt vom Computer
her nur Edutainment-Programme. Ich hab keine Spielkonsolen im Wohnzimmer und er hat auch noch keinen
Gameboy (die horte alle ich). Klar, das Thema wird bald auf mich zukommen, bedingt durch den sozialen
Druck, der durch die Mitschüler aufgebaut wird. Sobald die alle Konsole spielen, wird er es auch wollen.
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Da werde ich aber mit Sicherheit sehr genau aufpassen, was er spielen darf.
Altersfreigaben gibt es ja nicht aus Jux und Tollerei. Noch wichtiger ist mir aber eine zeitliche
Beschränkung. Wenn Kinder drei und mehr Stunden am Tag Videospiele spielen, läuft was falsch.
Guido Frank: Erziehung und Videospiele, bei diesem Thema fällt mit sofort das alte Reizwort „Killerspiele“ ein,
dass ja erst kürzlich wieder in allen Medien die Runde machte. Der Bayerische Innenminister
will ja jetzt sogar ein Jahr Gefängnis auf die Verbreitung solcher Software einführen, hast Du
bereits Sorgen, dass Dein Job bald in dieser Richtung eingeschränkt wird? Vielleicht kannst Du hier
ein kleines Statement für unsere fachkompetenten Politiker setzen?
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Boris Schneider-Johne: Ich bin hier keiner so klaren Meinung. Ich halte Vertriebseinschränkungen
und Zensur natürlich immer für fraglich, da sollte man eigentlich den Anfängen wehren. Aber auf der
anderen Seite gibt es Inhalte als „Spiel“, bei denen ich sehr gut verstehe, warum die Politik auf
Verbote drängt.
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Spiele-Test in der Power Play-Redaktion. Begeisterung vor dem Commodore-Monitor.
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Leider habe ich von vielen Entwicklern, gerade in den USA, nicht den Eindruck,
dass sie sich ernsthaft Gedanken darüber machen.
Ein gutes Spiel kommt mit wenig graphischer Gewalt aus. Wenn ein Spiel nur Spaß macht, weil da das
Blut spritzt, dann hab ich privat sehr große Probleme damit. So was brauche ich nicht,
so was tut der Industrie als Ganzem auch keinen Gefallen.
Guido Frank: Was fehlt zum Schluss, um ein gutes Interview über klassische Videospiele passend abzurunden?
Die wohl wichtigste aller Fragen: Zwischen Ataris
Pong und der Microsoft Xbox 360 liegen nun
mittlerweile über 30 Jahre Geschichte, was sind aus Deiner Sicht die schönsten und besten
Videospiele aller Zeiten?
Boris Schneider-Johne: Meine Lieblingsvideospiel-Momente:
Tetris, Gameboy, Zweispieler-Modus per Linkkabel und dem anderen
eine Viererreihe rüberschieben.
Impossible Mission auf Commodore 64, am Sylvesterabend durchgespielt und
„Congratulations, Mission Accomplished“ gehört.
The Lurking Horror von Infocom, nachts zum Zwei
über eine Karte grübelnd die Erleuchtung für das geniale Fahrstuhl-Puzzle gehabt.
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In Halo 1 begreifen, was tatsächlich die Funktion von Halo ist und dann der nervenzerfetzende
Countdown kurz vor Schluss. In Day of the Tentacle einfach nur lachen. Shanghai auf Amiga mit zwei
Mäusen im 5-Sekunden-Zweispieler-Modus. I, Robot in einer Spielhalle in Las Vegas funktionsfähig
entdecken und Dollars versenken, weil man es vielleicht nie mehr spielen können wird (damals gab's
noch keine Emulation). Summer Games. Archon. Pitstop II. und, und, und...
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Boris Schneider-Johne und Michael Neudert von Giga auf der Games Convention 2005.
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Guido Frank: Herzlichen Dank für Deine umfangreichen und spannenden Ausführungen. Eine schöne Reise in die
Vergangenheit, zurück in die Zeit als Spielezeitschriften noch ihren eigenen ganz besonderen
Charme hatten. Aufregende und innovative Videospiele zur Tagesordnung gehörten und für die
meisten Jugendlichen der wohl wichtigste Büroartikel ein 5 ¼ Zoll Diskettenlocher war.
Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg!
Im Detail betrachtet - Eine kleine Power Play-Historie
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Die Erstausgabe der Power Play erscheint im Herbst 1987. Damals noch als Happy Computer-Spezial. Bis zum September 1988
kommen davon insgesamt sechs verschieden Ausgaben der Power Play in den Handel. Aus heutiger Sicht wohl die Besten und
kreativsten Hefte der gesamten Power Play Historie. Der Preis des Spielmagazin beträgt 6,50 DM. Als Beilage
ist ein Poster enthalten.
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Power Play, Erstausgabe 1/87
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Von Oktober 1988 bis Februar 1990 wird die Power Play zur Heftbeilage der Happy Computer degradiert.
Wesentlich kleiner vom Umfang, aber dafür jetzt monatlich. Unangenehm ist hier vor allem
die unglaublich schlechte Papierqualität.
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Im Februar 1990 wird die Zeitschrift Happy Computer endgültig eingestellt. Dies bietet eine neue Chance für das
erfolgreiche Power Play-Magazin. Ab März 1990 wird die Power Play endgültig eine echte eigenständige Zeitschrift.
Allerdings ohne Boris Schneider. Von der alten Crew sind jetzt nur noch Anatol Locker, Heinrich Lenhardt
und Martin Gaksch mit an Bord.
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Im Laufe der Zeit verliert die Power Play immer mehr an Qualität und kann sich gegen die wachsende
Konkurrenz nicht mehr behaupten. In der Ausgabe Januar 2000 erfährt das Layout einen frischen modernen
Stil, doch auch das neue Konzept hilft nicht mehr aus der Krise. Die letzte Ausgabe erscheint im
April 2000. Die Redaktion wechselt danach zur PC Player. Auch die PC Player wird kurz darauf im
Juni 2001 eingestellt.
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Power Play, Ausgabe 4/2000
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© 2007
GUIDO FRANK