Vorwort von André Eymann
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Die ZDF-Sendereihe Computer Corner ist sicher noch vielen Lesern,
die seinerzeit Interesse an Computern oder Videospielen hatten,
in Erinnerung geblieben. Von 1985 bis 1988 führte Birgit „Biggi“
Lechtermann zusammen mit Klaus Möller, Kinder und Jugendliche spielend
leicht in die neue Computerzeit ein. Nach der Computer Corner folgte die ZDF-
Sendereihe Techik 2000, ebenfalls mit Biggi und Klaus. Unser bereits
zweiter Artikel von Klaus Möller, nach dem Bericht über die
Sendereihe Komm Puter, erzählt euch wie es dazu kam,
welche Widerstände es gab und und was den Machern der Sendung am Herzen
lag. Lasst euch überraschen...
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Birgit Lechtermann moderierte ab 1985 die ZDF-Sendereihe Computer Corner (Foto: ZDF)
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Vom Boom der Computerspiele
Zu Beginn der Achtziger Jahre war ich fasziniert von den neuen Möglichkeiten,
die sich am Horizont der neuen Technologien auftaten. Da war einmal der
Boom in den
Spielhallen mit den neuen Videospielen, die damals doch sehr
rudimentär stattfanden, aber dennoch ein großes Publikum fanden, in der
direkten Tradition und Fortsetzung des Riesenerfolges der Firma Atari in den USA.
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Ein Original Pong-Automat von Atari
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Der US-Amerikaner Nolan Bushnell hatte ja damals bereits mit seinem Pong-Automaten die
Videospielewelt geradezu begründet und mit den Folgespielen auch weiterhin
erschüttert. Da überlegte ich, wie kann man Kindern und Jugendlichen
die neuen Technologien auf fernsehgerechte Art vermitteln.
Doch so einfach war dass nicht, denn es galt Verantwortliche im ZDF
davon zu überzeugen, dass Videospiele und Computer ein Massenmedium
werden könnten.
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Die Rahmenbedingungen in Deutschland
Leider waren die Rahmenbedingungen für ein derartiges Vorhaben zu Beginn
der Achtziger Jahre nicht die besten. Zwar feierte Commodore mit seinem
Heimcomputer Commodore 64 in der damaligen Zeit wahre Verkaufserfolge und auch
Atari konnte mit seinen ersten Heim - und Spielecomputern ganz gut
mithalten - aber Mainstream - der lag woanders- sicher nicht auf den
Spielecomputern. Wie das für Deutschland eigentlich auch typisch war,
galt in erster Linie der Nutzeffekt und so kam es, dass deutsche
Computerfirmen, die sich damals zaghaft an die Oberfläche wagten
andere Ansätze verfolgten, wie das Commodore oder Atari taten.
In erster Linie setze die deutsche Computerindustrie, wie Nixdorf und
Triumph Adler zuerst einmal auf das Nutzbringende. Was dazu führte,
dass diese Firmen schon bald in Sachen Heim - und Videocomputer den
Anschluss an die Weltspitze fulminant verspielten.
Ich hatte mir in dieser Zeit vorgenommen, wenn man mir die Möglichkeit
geben würde, eine Sendung, speziell für jugendliche Computerfans zu
machen, auch mit deutschen Firmen zusammenzuarbeiten. Aber leider war
das auf Grund der unterschiedlichen Medienphilosophien nicht möglich.
Die damaligen, in Deutschland konzipierten und hergestellten Computer
zeichneten sich meist durch eine unglaubliche Fantasie- und
Konzeptionslosigkeit in Nutzen und Design aus.
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Moon Patrol auf dem Commodore 64
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Während der „Brotkasten“ von Commodore - der C64 bereits in der Lage war,
grafische Inhalte auf den Monitor zu zaubern, murksten die deutschen
Anbieter noch mit einer derart lächerlichen Grafikauflösung herum,
dass damals schon zu erkennen war, dass sie auch auf Grund der
überteuerten Angebote ihrer Rechner keinen Fuß auf den Boden
bekommen würden.
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Spielcomputer?
So entschloss ich mich damals nur jene Rechner vorzustellen und in die
Sendung
Computer Corner einzubauen, die preislich und inhaltlich eine
echte Alternative für die damaligen Kinderzimmer waren.
Während einerseits bei kommerziellen Rechnern, die damals überhaupt keine
Grafikauflösung hatten und immense Summen kosteten, nicht einmal ansatzweise
geeignet waren, um Spiele darzustellen, geschweige denn komplexe Inhalte
zu speichern, hatten Commodore und Atari die Nase weit vorn und
überholten auch, dank ihrer preislichen Konkurrenzlosigkeit
Multimediagiganten wie Apple, die zu Beginn der Achtziger Jahre eine
Revolution bei der professionellen Computernutzung einleiteten -
sich diese aber auch teuer bezahlen ließen.
So kostete ein Macintosh Computer, der in Deutschland 1983/84 zum ersten
Mal ausgeliefert wurde, mindestens 10.000,00 DM ohne weitere Peripheriegeräte.
Damals war keine Festplatte dabei und der interne Arbeitsspeicher betrug
128 KB. Dennoch verfügte der Macintosh über eine Maus und eine
grafikgesteuerte Benutzeroberfläche, während die normalen Büro-PCs
noch mit bernsteinfarbenen einfarbigen Schwarz/Gelb- oder Schwarz/Grün-
Monitoren aufwarteten und eine tastaturgesteuerte Programmführung hatten.
Heimcomputer und Fernsehqualität
Für mich als Fernsehmacher blieb daher nur die Alternative, auf Commodore
und Atari umzusteigen, weil dies die einzigen - auch für unser
Fernsehpublikum - bezahlbaren und nutzbaren Heimcomputer in der damaligen
Zeit waren. Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Auftreten in einem
Münchner Fernsehstudio, als ich mit einem Atari-Heimcomputer unter dem
Arm das Studio betrat und den Cheftechniker bat, den Rechner zu testen,
um ihn an die Fernsehtechnik zu koppeln.
Birgit Lechtermann und Klaus Möller in der „Infoecke“ mit einem Studiogast.
Der Gast von Commodore stellt den neuen Personal Computer Amiga vor. Sendung vom 8. April 1986. (Foto: ZDF)
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Er schaute mich damals ziemlich herablassend an und sagte mir: „Völlig egal,
was sie mir hier bringen, ich zeige ihnen mal die zwei Kabel hier -
und was da reingeht - muss Fernsehqualität haben“ - ansonsten erfuhr ich
von ihm keinerlei Unterstützung! Im Gegenteil, er schlug vor die Bilder
die der jeweilige Heimcomputer generierte, über den entsprechenden
Studiomonitor abzulenken und mit der Fernsehkamera vom Monitorbild
abzufilmen.
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Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte die Computergeschichte im ZDF einen
anderen Verlauf genommen, wenn ich nicht spontan und schnell reagiert
hätte und Techniker von Atari und Commodore eingeflogen wären, die zur
Zufriedenheit der High-End Profis beim Fernsehen, die Fernsehsignale
mit den Computersignalen abgestimmt hätten.
Aber, so wie damals, ist es auch heute noch mit innovativen Ideen,
nur wenn man auf die Bereitschaft aller Beteiligten stößt,
kann man Ungewohntes, Neues und Visionäres umsetzen.
Spielen am Samstagnachmittag!
Jedenfalls erblickte dann, zum ersten Mal in der Geschichte des ZDF eine
Computersendung das Licht der Mattscheibe und zwar im Jahr 1983 anlässlich
der wiederkehrenden Samstagnachmittagssendung für Jugendliche im ZDF
unter der Verantwortung des Redakteurs Heribert Beigel, der damals bereits
erkannte, wie wichtig die neuen Medien für die Kinder und Jugendlichen
in Deutschland sein würden.
„Biggi“ lädt in der Computer Corner-Sendung vom 8. April 1986 zum Spielen ein (Foto: ZDF)
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Gemessen an dem Aufwand, der später für andere Sendungen und die
Wissenssendungen der heutigen Zeit getätigt wurde, waren unsere
Auftritte in den damaligen Sendungen reichlich amateurhaft und
damit aber auch sehr preiswert. Dank des Computerexperten Dietmar Meyfeldt,
von Haus aus ein Fluglotse mit Hang zum Heimcomputer, konnten wir
recht schnell ein kleines feines Programmfenster aufmachen.
Hier stellten wir junge Leute vor, die bereits in den frühen Achtziger
Jahren ihren Computer dazu benutzten kreativ tätig zu sein.
Das ging vom Schüler, der ein Physikprogramm auf dem
Sinclair ZX81 Computer gestaltete
und programmierte, bis hin zum jungen Musikfan, der eine Symphonie von
Beethoven via Peek und Poke Befehlen in seinen Commodore 64
einprogrammierte. Und dazu gab es immer wieder mal ein Spieletipp für die
damaligen Konsolen- und Diskettenspiele!
Damals ist heute noch lebendig
Mit großer Genugtuung stelle ich heute fest, dass viele Emulatoren
inzwischen die alten Spiele wieder auf dem PC darstellen und offensichtlich
ein Boom stattfindet und die Jugendlichen von heute, bereits mit wenig
Aufwand an ihren neuen PCs,mit den entsprechenden Umsetzern wieder
die alten Games aus den Achtziger Jahren spielen.
Auch diejenigen, die damals in den Achtziger Jahren mit ihren Heimcomputern
daddelten, finden wieder retromäßig zu den alten Programmen von einst
zurück, die zwar nicht durch Speicherkapazität und großartige Grafiken
bestechen, dafür aber einen bis heute unschlagbaren Spielwitz haben.
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So spiele selbst ich heute noch ab und zu mit meinem Sohn,
der inzwischen auch erwachsen ist, an unserer alten Atari-Konsole
Archob - ein lustiges und vom Spielespass bis heute attraktiv
gebliebenes Schachähnliches Spiel mit „lebenden“ Figuren.
Natürlich sind die auf dem Bildschirm herumwabernden Pixelfiguren
nicht mehr zu vergleichen mit den heutigen Fantasyfiguren die die
Gigabytestarken Rechner bevölkern.
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Archon auf dem Atari 8-Bit Heimcomputer
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Aber, man erkennt den Ursprung und kann doch feststellen, dass es selbst grafisch opulent
gestalteten Adventuregames oft an einer zündenden Spieleidee
fehlt und man merkt einmal mehr: „Getretener Quark wird breit -
nicht stark“.
Da wären wir auch schon wieder zurück in den Achtzigern, eine Zeit
in der sich wie ich schon erwähnte, die Computer noch in zwei Kategorien
aufteilten - einmal die eher schmunzelnd zur Kenntnis genommenen
Heimcomputer und zum anderen die einfache klare und graue Welt von IBM,
Nixdorf und all den anderen Büromaschinenherstellern, die sich klar
gegen die verrückte und schillernde Welt der Heimcomputer -
und Konsolennutzer abgrenzte.
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