Achtung: DOS und Windows kommen
Nur auf Grund dieser arroganten Abgrenzung gelang Bill Gates sein damaliger
Coup, den IBM Verantwortlichen sein DOS System für Personalcomputer
aufzuschwatzen und die Manager in zähen Verhandlungen dazu zu bringen,
seine Betriebssystemsoftware nicht zu kaufen, sondern zu lizenzieren.
Und so nahm die Entwicklung ihren Lauf, der PC setzte sich durch.
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Klaus Möller als Computer Corner-Berater in der „Infoecke“ am 8. April 1986
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Auch im Bürobereich wurden die Großrechner immer weniger genutzt und
Netzwerklösungen, der entschlackte Arbeitsplatz mit dem Individual-PC,
wurden immer aktueller. Und mit ihnen die Software DOS von
Microsoft und Bill Gates. Im Schatten der weiteren Entwicklung,
die von Bill Gates dominiert wurde, verloren alle anderen Erfinder
und Innovatoren an Boden. Und dank der Arroganz der großen
marktbeherrschenden Firmen, setzten sich nicht die besseren Systeme durch,
sondern DOS endete in Windows. Was im Übrigen auch ein Abklatsch einer
Entwicklung von Xerox und Apple war und in der vorsintflutlichen
Windows Version 3.11 mündete, die viel träger zu handhaben war,
als beispielsweise Geoworks. Ein unglaublich tolles,
auf DOS aufgesetztes grafisches Benutzersystem, dass selbst bei
alten PCs mit wenig Speicherplatz auskam und fehlerfrei lief.
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GEOS (Graphic Environment Operating System) für den Apple II von 1988
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Doch der absolute Hammer bestand damals darin, dass Microsoft so vermessen
war, seine neuen Windows-Versionen auszuliefern, die nicht an den
bisherigen Standard der aktuellen PCs angepasst war. Wer also damals Windows
nutzen wollte, der musste auf leistungsstärkere Rechner mit mehr
Speicherplatz und schnelleren Prozessoren umsteigen. Ein eigentlich unfassbarer Vorgang.
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Man überlege nur einmal, wie sich ein potentieller Autokäufer verhalten
hätte, wenn er sich für eine neue Polstergarnitur für sein Auto
interessiert hätte und der Händler achselzuckend gesagt hätte:
„Diese hier können sie gerne kaufen, aber sie passt nicht in ihr jetziges
Auto, um diese Garnitur zu nutzen, müssen sie das Nachfolgemodell kaufen.“
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Leider hat damals, selbst bei dieser unglaublichen Geschäftspolitik
von Microsoft und auf Grund der damals schon marktbeherrschenden
Situation des Unternehmens, DOS befand sich ja auf allen Business PCs,
kein anderer Hersteller und keine andere Softwareschmiede rein
mengenmäßig auf die damalige Herausforderung durch Microsoft
reagieren können. Entweder waren die Anbieter unfähig wie Apple
sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen und die Marktwünsche,
die Macs blieben alle hochpreisig und für die normale Bevölkerung
unerreichbar, oder sie spezialisierten sich auf Fachanwender
und überließen Microsoft das Feld.
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Das Buch zur Sendereihe von Klaus Möller und Ulrich Rossius
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Wer in diesen Jahren mal den Versuch gemacht hat, auf einem gängigen
PC ein Computerspiel zu spielen und schon an der Kalibrierung eins
überdimensionalen Joysticks scheiterte, der weiß sehr wohl, um wie
viele Jahre Microsoft die Multimediaentwicklung auf dem PC Markt
zurückgeworfen hat.
Schulklassen im Kampf um Bits und Bytes
Neben dem Wunsch, Jugendliche und Kinder für die neuen Technologien
zu interessieren, hatte die
Computer Corner natürlich in erster
Linie den Anspruch, Unterhaltung zu bieten und Spiele vorzustellen,
die man auch bequem zu Hause an der Spielekonsole oder am jeweiligen
Heimcomputer spielen konnte. Zu diesem Zweck wurden jeweils zwei
Schulklassen eingeladen, von denen jeweils ein Vertreter gegen
den anderen spielte bei einem immer wieder neuen Computerspiel.
Birgit Lechtermann bei der Moderation der Computer Corner-Sendung vom 8. April 1986 (Foto: ZDF)
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Daneben stand die „Infoecke“, in der Dietmar Meyfeldt und dann
Klaus Möller Neues aus der Welt der Computer verkündeten. Moderiert
wurde die
Computer Corner von Birgit Lechtermann, die später dann
die Kindersendung
1, 2 oder 3 moderierte und inzwischen in vielen
Unterhaltungssendungen im Fernsehen präsent war. Heute produziert
sie unter anderem die sehr erfolgreiche Sendereihe
Wir testen die Besten
im Kinderkanal. Biggi Lechtermann ging aus einem Casting als strahlende
Siegerin hervor. Keine andere Moderationskandidatin verfügte damals
über vergleichbare Fähigkeiten.
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Biggi konnte sich binnen kürzester Zeit in komplexeste Computer-inhalte
eindenken und war in der Lage, später dann auch in der ZDF Folgesendung
Technik 2000 ihre Frau zu stehen! Sie moderierte Beiträge über
Jugend Forscht genau so spannend, wie Berichte über die CeBIT und
machte souverän Interviews mit den damaligen Computergrößen in
Deutschland und Amerika. Zu ihren Interviewpartnern zählten,
neben Nolan Bushnell und Jack Tramiel auch Entrepreneurs wie
Alwin Stumpf von Atari Deutschland, Renate Knüfer von Apple
und viele andere Computerhersteller und Anbieter. Daneben glänzte Biggi
auch im Umgang mit den Schülerinnen und Schülern, die immer Gäste
im Studio des ZDF in Unterföhring waren.
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Biggi und Klaus stecken bis zum Hals im Müll. Müll den wir alle produzieren, jeder so ca 450 kg. im Jahr.
Jeder von uns ist aufgerufen, selber etwas für den Abbau der überdimensionalen Müllberge zu tun.
Sendung Technik 2000 vom 21.05.1987. Copyright: ZDF und S.E.T
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Die Scheu vor den neuen Medien nehmen
Obwohl die
Computer Corner nur über einen begrenzten Zeitraum
fester Bestandteil des ZDF Programms war, so hat sie doch wegweisend
mit dazu beigetragen, dass sowohl Kinder, als auch Erwachsene
in vielen Punkten die Scheu vor den neuen Medien verloren.
Dies konnte ich in den vielen Zuschauerbriefen und Anrufen feststellen.
Im Rückblick freue ich mich heute, dass viele Vorurteile verschwunden
sind, bin aber immer noch traurig darüber, wie oft sich Erwachsene
versteigen über Dinge zu philosophieren, die sie selber nicht
erfahren haben, oder vor denen sie eine Scheu des Versagens besitzen.
So ist es selbst in unserer aufgeklärten Zeit, im 21igsten Jahrhundert,
immer noch so, dass viele Lehrer ihren Beamtenstatus dazu nutzen,
nicht weiterlernen zu müssen und sich somit den Möglichkeiten,
die ihnen die neuen Technologien bieten würden zu verschließen.
Sie schaden damit nicht nur sich selber, sondern sie lassen auch
noch die Schülerinnen und Schüler alleine, die ihrerseits sicher
gerne bereit wären den Lehrern die nötigen Hilfestellungen zu geben.
Leider aber auf Grund der Arroganz der Erwachsenen oft daran scheitern,
den Lehrern die Fähigkeiten und Hilfestellungen zu geben,
die sie bräuchten um vorurteilsfrei und neugierig an die Personal
PCs heranzutreten.
Während in den USA und vielen anderen Ländern Lehrer gern und wissbegierig
auf das Angebot der Schüler eingehen, sich in Sachen Informatik und
Neue Medien sozusagen von „unten“ helfen zu lassen, scheiterte in
Deutschland bisher das Modell „Teach the Teacher“ bei dem Jugendliche
sich bereit erklären in Seminaren und unterrichtsähnlichen
Veranstaltungen ihren Lehrern an den Schulen, die neuen Technologien
ein wenig näher zu bringen. So bleibt heute noch oft die Kluft
zwischen Lehrern und Schülern in Deutschland an vielen Schulen bestehen.
Dies ist sehr schade und wirft unser Land immer weiter zurück.
Es wäre längstens an der Zeit, dass Medienverantwortliche,
Kultusbürokraten und Lehrpersonal gemeinsam zu der Übereinkunft kämen,
dass innovative Strategien an den Schulen sinnvoller wären als
dümmliche Blockbildung bei der Abgrenzung des üblichen Herrschaftswissens,
dass in einer Zeit nichts mehr bringt, in der sich alle 10 Jahre
das Wissen der Menschheit verdoppelt.
Die Büchse der Pandora?
Wir haben damals einen Versuch gemacht, neue Technologien nicht
zu dämonisieren, wie es gerade in den 1980iger Jahren ein weit verbreiteter
Sport unter Pädagogen war und selbst heute noch in vielen
journalistischen Berichten und psychologischen Aufarbeitungen
seine Spiegelung findet.
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Der Commodore Amiga 1200 von 1992
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Überall dort, wo man nicht die Entwicklung der technischen Möglichkeiten
in die inhaltliche Diskussion mit einbezieht, entsteht ein Stauraum
von Vermutungen und Verdächtigungen, dem mit Wissen nur
schwer beizukommen ist, wenn es Menschen gibt, die sich diesem neuen
Wissen bewusst verweigern und dann aus Entwicklungen Schlüsse ziehen,
die sie gar nicht rational verstehen können. Am Beispiel der Verquickung
von Gewalttaten und Computerspielen ist dies selbst heute noch
nachzuvollziehen und abzulesen.
Obwohl auch hier mehr und mehr der Verstand, das Wissen und die Logik
obsiegt. Dennoch sind es oft die Halbwissenden, sensationsgierigen
Journalisten und computerfernen Intelektuellen, die in einem Computer
eine Art „Büchse der Pandora“ sehen, dabei aber völlig vergessen,
dass der Computer nur ein Abacus ist, eine Rechenmaschine die
lediglich 0 und 1 unterscheiden kann - dies sollte man -
selbst bei den komplexesten Gedankenstrukturen und -
spielereien immer bedenken.
Günstige Zeiten
Ich selbst, als „Vater“ der
Computer Corner, bin heute immer noch der
gleichen Meinung, dass nur ein verstehender und spielerischer Zugang zu
den neuen Medien, die Fähigkeit sich auf das NEUE einzulassen, ohne das
ALTE dabei zu vergessen mit einzubeziehen eine Chance hat,
um innerhalb der Generationen in einen sinnvollen Dialog über die Gefahr
und den Nutzen der neuen Medien einzutreten.
Die Zeiten dafür sind günstiger denn je...
© 2006
KLAUS MÖLLER