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Die Computer Corner
im ZDF

Kampf der Schulklassen:
In der Sendung traten zwei verschiedene Schulklasse beim Videospielen gegen einander an.
Das Ziel der Computer Corner:
Die Sendung sollte die Scheu vor den neuen Medien nehmen. Ein Ziel, dass sie überaus erfolgreich erreichte.
Nachfolger:
Die Sendung Technik 2000, ebenfalls mit Biggi und Klaus, beerbte den Sendeplatz der Computer Corner im ZDF.


 
Eine kleine Geschichte der Computer Corner im ZDF

TEXT UND BILDER: KLAUS MÖLLER
KATEGORIE: TV & FERNSEHEN
AUSGABE: MÄRZ 2006
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Achtung: DOS und Windows kommen
Nur auf Grund dieser arroganten Abgrenzung gelang Bill Gates sein damaliger Coup, den IBM Verantwortlichen sein DOS System für Personalcomputer aufzuschwatzen und die Manager in zähen Verhandlungen dazu zu bringen, seine Betriebssystemsoftware nicht zu kaufen, sondern zu lizenzieren. Und so nahm die Entwicklung ihren Lauf, der PC setzte sich durch.

Klaus Möller als Computer Corner-Berater in der Infoecke am 8. April 1986
Klaus Möller als Computer Corner-Berater in der „Infoecke“ am 8. April 1986

Auch im Bürobereich wurden die Großrechner immer weniger genutzt und Netzwerklösungen, der entschlackte Arbeitsplatz mit dem Individual-PC, wurden immer aktueller. Und mit ihnen die Software DOS von Microsoft und Bill Gates. Im Schatten der weiteren Entwicklung, die von Bill Gates dominiert wurde, verloren alle anderen Erfinder und Innovatoren an Boden. Und dank der Arroganz der großen marktbeherrschenden Firmen, setzten sich nicht die besseren Systeme durch, sondern DOS endete in Windows. Was im Übrigen auch ein Abklatsch einer Entwicklung von Xerox und Apple war und in der vorsintflutlichen Windows Version 3.11 mündete, die viel träger zu handhaben war, als beispielsweise Geoworks. Ein unglaublich tolles, auf DOS aufgesetztes grafisches Benutzersystem, dass selbst bei alten PCs mit wenig Speicherplatz auskam und fehlerfrei lief.

GEOS (Graphic Environment Operating System) für den Apple II von 1988
GEOS (Graphic Environment Operating System) für den Apple II von 1988
  Doch der absolute Hammer bestand damals darin, dass Microsoft so vermessen war, seine neuen Windows-Versionen auszuliefern, die nicht an den bisherigen Standard der aktuellen PCs angepasst war. Wer also damals Windows nutzen wollte, der musste auf leistungsstärkere Rechner mit mehr Speicherplatz und schnelleren Prozessoren umsteigen. Ein eigentlich unfassbarer Vorgang.

Man überlege nur einmal, wie sich ein potentieller Autokäufer verhalten hätte, wenn er sich für eine neue Polstergarnitur für sein Auto interessiert hätte und der Händler achselzuckend gesagt hätte:

„Diese hier können sie gerne kaufen, aber sie passt nicht in ihr jetziges Auto, um diese Garnitur zu nutzen, müssen sie das Nachfolgemodell kaufen.“

Leider hat damals, selbst bei dieser unglaublichen Geschäftspolitik von Microsoft und auf Grund der damals schon marktbeherrschenden Situation des Unternehmens, DOS befand sich ja auf allen Business PCs, kein anderer Hersteller und keine andere Softwareschmiede rein mengenmäßig auf die damalige Herausforderung durch Microsoft reagieren können. Entweder waren die Anbieter unfähig wie Apple sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen und die Marktwünsche, die Macs blieben alle hochpreisig und für die normale Bevölkerung unerreichbar, oder sie spezialisierten sich auf Fachanwender und überließen Microsoft das Feld.   Das Buch zur Sendereihe von Klaus Möller und Ulrich Rossius
Das Buch zur Sendereihe von Klaus Möller und Ulrich Rossius

Wer in diesen Jahren mal den Versuch gemacht hat, auf einem gängigen PC ein Computerspiel zu spielen und schon an der Kalibrierung eins überdimensionalen Joysticks scheiterte, der weiß sehr wohl, um wie viele Jahre Microsoft die Multimediaentwicklung auf dem PC Markt zurückgeworfen hat.

Schulklassen im Kampf um Bits und Bytes
Neben dem Wunsch, Jugendliche und Kinder für die neuen Technologien zu interessieren, hatte die Computer Corner natürlich in erster Linie den Anspruch, Unterhaltung zu bieten und Spiele vorzustellen, die man auch bequem zu Hause an der Spielekonsole oder am jeweiligen Heimcomputer spielen konnte. Zu diesem Zweck wurden jeweils zwei Schulklassen eingeladen, von denen jeweils ein Vertreter gegen den anderen spielte bei einem immer wieder neuen Computerspiel.

Birgit Lechtermann bei der Moderation der Computer Corner-Sendung vom 8. April 1986 (Foto: ZDF)
Birgit Lechtermann bei der Moderation der
Computer Corner-Sendung vom 8. April 1986 (Foto: ZDF)

Daneben stand die „Infoecke“, in der Dietmar Meyfeldt und dann Klaus Möller Neues aus der Welt der Computer verkündeten. Moderiert wurde die Computer Corner von Birgit Lechtermann, die später dann die Kindersendung 1, 2 oder 3 moderierte und inzwischen in vielen Unterhaltungssendungen im Fernsehen präsent war. Heute produziert sie unter anderem die sehr erfolgreiche Sendereihe Wir testen die Besten im Kinderkanal. Biggi Lechtermann ging aus einem Casting als strahlende Siegerin hervor. Keine andere Moderationskandidatin verfügte damals über vergleichbare Fähigkeiten.

Biggi konnte sich binnen kürzester Zeit in komplexeste Computer-inhalte eindenken und war in der Lage, später dann auch in der ZDF Folgesendung Technik 2000 ihre Frau zu stehen! Sie moderierte Beiträge über Jugend Forscht genau so spannend, wie Berichte über die CeBIT und machte souverän Interviews mit den damaligen Computergrößen in Deutschland und Amerika. Zu ihren Interviewpartnern zählten, neben Nolan Bushnell und Jack Tramiel auch Entrepreneurs wie Alwin Stumpf von Atari Deutschland, Renate Knüfer von Apple und viele andere Computerhersteller und Anbieter. Daneben glänzte Biggi auch im Umgang mit den Schülerinnen und Schülern, die immer Gäste im Studio des ZDF in Unterföhring waren.   Biggi und Klaus stecken bis zum Hals im Müll. Müll den wir alle produzieren, jeder so ca 450 kg. im Jahr. Jeder von uns ist aufgerufen, selber etwas für den Abbau der überdimensionalen Müllberge zu tun. Sendung Technik 2000 vom 21.05.1987. Copyright: ZDF und S.E.T
Biggi und Klaus stecken bis zum Hals im Müll. Müll den wir alle produzieren, jeder so ca 450 kg. im Jahr. Jeder von uns ist aufgerufen, selber etwas für den Abbau der überdimensionalen Müllberge zu tun. Sendung Technik 2000 vom 21.05.1987.
Copyright: ZDF und S.E.T

Die Scheu vor den neuen Medien nehmen
Obwohl die Computer Corner nur über einen begrenzten Zeitraum fester Bestandteil des ZDF Programms war, so hat sie doch wegweisend mit dazu beigetragen, dass sowohl Kinder, als auch Erwachsene in vielen Punkten die Scheu vor den neuen Medien verloren. Dies konnte ich in den vielen Zuschauerbriefen und Anrufen feststellen. Im Rückblick freue ich mich heute, dass viele Vorurteile verschwunden sind, bin aber immer noch traurig darüber, wie oft sich Erwachsene versteigen über Dinge zu philosophieren, die sie selber nicht erfahren haben, oder vor denen sie eine Scheu des Versagens besitzen.

So ist es selbst in unserer aufgeklärten Zeit, im 21igsten Jahrhundert, immer noch so, dass viele Lehrer ihren Beamtenstatus dazu nutzen, nicht weiterlernen zu müssen und sich somit den Möglichkeiten, die ihnen die neuen Technologien bieten würden zu verschließen. Sie schaden damit nicht nur sich selber, sondern sie lassen auch noch die Schülerinnen und Schüler alleine, die ihrerseits sicher gerne bereit wären den Lehrern die nötigen Hilfestellungen zu geben. Leider aber auf Grund der Arroganz der Erwachsenen oft daran scheitern, den Lehrern die Fähigkeiten und Hilfestellungen zu geben, die sie bräuchten um vorurteilsfrei und neugierig an die Personal PCs heranzutreten.

Während in den USA und vielen anderen Ländern Lehrer gern und wissbegierig auf das Angebot der Schüler eingehen, sich in Sachen Informatik und Neue Medien sozusagen von „unten“ helfen zu lassen, scheiterte in Deutschland bisher das Modell „Teach the Teacher“ bei dem Jugendliche sich bereit erklären in Seminaren und unterrichtsähnlichen Veranstaltungen ihren Lehrern an den Schulen, die neuen Technologien ein wenig näher zu bringen. So bleibt heute noch oft die Kluft zwischen Lehrern und Schülern in Deutschland an vielen Schulen bestehen. Dies ist sehr schade und wirft unser Land immer weiter zurück. Es wäre längstens an der Zeit, dass Medienverantwortliche, Kultusbürokraten und Lehrpersonal gemeinsam zu der Übereinkunft kämen, dass innovative Strategien an den Schulen sinnvoller wären als dümmliche Blockbildung bei der Abgrenzung des üblichen Herrschaftswissens, dass in einer Zeit nichts mehr bringt, in der sich alle 10 Jahre das Wissen der Menschheit verdoppelt.

Die Büchse der Pandora?
Wir haben damals einen Versuch gemacht, neue Technologien nicht zu dämonisieren, wie es gerade in den 1980iger Jahren ein weit verbreiteter Sport unter Pädagogen war und selbst heute noch in vielen journalistischen Berichten und psychologischen Aufarbeitungen seine Spiegelung findet.

Der Commodore Amiga 1200 von 1992
Der Commodore Amiga 1200 von 1992

Überall dort, wo man nicht die Entwicklung der technischen Möglichkeiten in die inhaltliche Diskussion mit einbezieht, entsteht ein Stauraum von Vermutungen und Verdächtigungen, dem mit Wissen nur schwer beizukommen ist, wenn es Menschen gibt, die sich diesem neuen Wissen bewusst verweigern und dann aus Entwicklungen Schlüsse ziehen, die sie gar nicht rational verstehen können. Am Beispiel der Verquickung von Gewalttaten und Computerspielen ist dies selbst heute noch nachzuvollziehen und abzulesen.

Obwohl auch hier mehr und mehr der Verstand, das Wissen und die Logik obsiegt. Dennoch sind es oft die Halbwissenden, sensationsgierigen Journalisten und computerfernen Intelektuellen, die in einem Computer eine Art „Büchse der Pandora“ sehen, dabei aber völlig vergessen, dass der Computer nur ein Abacus ist, eine Rechenmaschine die lediglich 0 und 1 unterscheiden kann - dies sollte man - selbst bei den komplexesten Gedankenstrukturen und - spielereien immer bedenken.

Günstige Zeiten
Ich selbst, als „Vater“ der Computer Corner, bin heute immer noch der gleichen Meinung, dass nur ein verstehender und spielerischer Zugang zu den neuen Medien, die Fähigkeit sich auf das NEUE einzulassen, ohne das ALTE dabei zu vergessen mit einzubeziehen eine Chance hat, um innerhalb der Generationen in einen sinnvollen Dialog über die Gefahr und den Nutzen der neuen Medien einzutreten.

Die Zeiten dafür sind günstiger denn je...



© 2006 KLAUS MÖLLER





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