Von "Multi Screen" und "Double Screen"
Als die japanische Firma Nintendo im Juni 1982, also vor genau 24 Jahren, ihren Spielhallen-Hit
"Donkey Kong" als "Multi Screen" LCD-Spiel veröffentlichte,
ahnte natürlich noch niemand, dass mit der Schaffung
dieses tragbaren Videospiels ein wichtiger Grundstein der
Videospielindustrie gelegt wurde. Erschufen die Designer aus Fernost doch
mit diesem Gerät den Urtyp des bis heute überaus erfolgreichen "Game Boy".
Und dass das Unternehmen im März 2005 mit dem mobilen Spielsystem
"Nintendo DS" (engl.
Double Screen) in Europa
einen erstaunlich ähnlichen Nachfolger zum antiken "Multi Screen"
präsentierte, schafft eine interessante historische Verbindung zwischen diesen beiden
Spielkonsolen.
Nintendo Game & Watch "Multi Screen" Donkey Kong von 1982.
Der erste aufklappbare Affe für die Hosentasche.
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Der Kreuzzug eines Affen
Der Spielcharakter "Donkey Kong" dürfte jedem Freund
klassischer Videospiele ein Begriff sein. Der tonnenwerfende Gorilla
wurde 1981 von Nintendo, genauer gesagt von
Shigeru Miyamoto,
erfunden und begründete das Genre der Jump 'n' Runs in den
Videospielarkaden.
Der eigentliche Held des Spiels ist aber "Mario", ein Klempner italienischer Herkunft,
der versuchen muss "Prinzessin Peach" aus den Klauen des Riesenaffen zu befreien.
Alle drei Charaktere wurden zu Legenden der Videospielgeschichte und sind
bis zum heutigen Tag ein fester Bestandteile im Marketing von Nintendo.
"Mario" arbeitet sich auf dem Baugerüst nach oben.
Der grimmige Riesenaffe sieht das gar nicht gern.
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"LCD" – Eine Urform der Anzeigetechnik
Zu Beginn dieser Ära gab es noch keinen festen industriellen Begriff für tragbare
Videospiele. Handheld-Konsolen hießen 1982 in der Regel "LCD-Spiele".
"LCD" (engl.
liquid crystal display) stellt die Grafiken
auf einem Flüssigkristallbildschirm dar.
Da die Grafiken aber aufgrund dieser Technik auf bestimmte Stellen des Bildschirms
festgelegt waren, gab es oft farbige Hintergrundgrafiken oder Schablonen,
die den Eindruck einer "bunten" Spielwelt vermitteln sollten. Ähnliche
Schablonentechniken wurden zum Beispiel bei den Videospielkonsolen "Magnavox Odyssey"
von Ralph Baer, 1972 oder "
Vectrex" von Milton Bradley, 1982 angewendet.
Nintendos "Multi Screen Donkey Kong" erschien in der "Game & Watch"-Serie
der Firma, die insgesamt fast 60 verschiedene Spiele umfasste.
Neben den Multi Screens gab es auch einfache Varianten mit nur einem Bildschirm,
sowie verschiedene Exoten, die noch heute eine große Fangemeinde
unter den Sammlern haben. Die meisten Geräte hatten eine Digitaluhr,
sowie eine Alarmfunktion eingebaut. Betrieben wurden sie über
Knopfzellen-Batterien, die auf der Rückseite des Spiels eingesetzt wurden.
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Jedes "Game & Watch"-Spiel enthält eine Digitaluhr mit Alarmfunktion
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Laufen und Springen auf Knopfdruck
Bereits 1982 enthielt "Donkey Kong" alle wesentlichen Steuerelemente
heutiger Spielkonsolen. So gab es bereits das typische Steuerkreuz und den Jump-Button.
Auch hat sich an der Größe der Konsolen im Allgemeinen nichts geändert.
So liegt der mobile "Donkey Kong" genau wie Nintendos aktuelle "DS"-Konsole
angenehm gut in der Hand.
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Wenn man heute mit dem "Multi Screen" von 1982 spielt, ist man genau wie damals
schnell von der Spielbarkeit gefesselt. Die typischen Geräusche die aus dem kleinen
Lautsprecher des orangefarbenen Geräts kommen, schaffen eine einmalige Atmosphäre.
Und wenn man wieder einmal versagt hatte seine Prinzessin zu retten, überredet einen
das Spiel sofort zu einem neuen Versuch. Und das zu jeder Zeit, an jedem Ort. Schon damals
waren die LCD-Spiele sozusagen die Arkaden für die Hosentasche.
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Die "Multi Screen"-Konsole aufgeklappt. Zwischen den beiden
Bildschirmen kann man deutlich das Verbindungs-Flachbandkabel erkennen.
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Im Vergleich: Großvater und Junior
Was ist also neu an Nintendos "DS"? Für den Laien
ähneln sich die beiden Geräte sehr. Kaum zu glauben,
dass fast 25 Jahre Zeitgeschehen zwischen den Systemen liegen.
Bei den LCD-Spielen der "Game & Watch"-Serie war die Anzahl
der Spiele pro Gerät auf ein Spiel beschränkt. Man konnte also
immer nur ein Spiel mit einem Gerät zurzeit spielen.
Und natürlich war die technische Präsentation des Spiels
auf die seinerzeit gegebenen Möglichkeiten beschränkt.
Nintendos "Multi Screen" von 1982 (links) und "Double Screen",
1. Generation, von 2005 (rechts). Auf den ersten Blick hat sich nicht
viel geändert.
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Der wichtigste Unterschied liegt sicher in der Fähigkeit die "DS"-Konsole
mit verschiedenen Steckmodulen betreiben und erreichte Spielstände dauerhaft
speichern zu können. Mal abgesehen davon, dass die Qualität eines aktuellen "DS"-Spiels
fast mit den Spielen auf einem PC oder auf einer stationären Konsole mithalten kann.
Aufgepeppt mit Multimedia-Funktionen wie einer drahtlosen Datenübertragung,
einem Touchscreen, sowie Internetfähigkeit gleicht der heutige Junior
fast einem erwachsenen Computer. Und in diesen Punkten hat er mit
seinem Großvater natürlich nicht mehr viel gemein.
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Die Nintendo "DS"-Spielkonsole. Modell: 1. Generation von 2005.
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Design und Ergonomie früher und heute
Das Design beider Geräte ist sehr ergonomisch und gut an die menschlichen Hände
angepasst. Lediglich die Anordnung der Steuerelemente hat sich etwas verändert.
Beide Konsolen sind aber nach wie vor gut anzusehen und lassen sich praktisch
in der Jackentasche verstauen. So kann man auch heute noch ein Spielchen
zwischendurch wagen. Durch diese Eigenschaften werden tragbare Spielkonsolen auch künftig
ihre Existenz behaupten.
Auf dem "DS" lebt "Mario" zum Beispiel durch den NES-Klassiker
(engl.
Nintendo Entertainment System) "Super Mario Bros."
in Form eines GBA-Spielmoduls (engl.
Game Boy Advance) weiter.
Durch die Kompatibilitätseinschränkungen des "DS" mit den älteren GBA-Modulen
ist er dort allerdings nur auf einem der beiden Bildschirme zu sehen.
Wer Mario mit allen technischen Vorteilen des "DS" genießen will,
der kann sich "New Super Mario Bros." kaufen, das speziell
für die neue Konsole entwickelt wurde. Hier kann Mario seine Abenteuer
wieder auf beiden Bildschrimen durchleben.
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Die Nintendo "DS"-Konsole mit dem NES Classics GBA-Modul "Super Mario Bros."
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In guter Tradition
Durch die Renaissance der Zwei-Bildschirm Handheld-Konsole in Form des Nintendo "DS"
wurde also im Grunde ein bereits erdachtes Konzept wieder belebt. Einige Leser
werden das Original wahrscheinlich gar nicht kennen.
Übrigens: erst kürzlich wurde von Nintendo die 2. Generation des "DS"
veröffentlicht. Interessanterweise sieht diese dem "Multi Screen"
LCD-Spiel von 1982 noch ähnlicher als die 1. Generation vom "DS".
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"Multi Screen" und "Double Screen" im Größenvergleich
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Lassen wir uns überraschen, durch welche zukünftigen Technologien
"Mario" und Co. ihren Platz in den Erinnerungen und Herzen
der Videospieler behaupten werden. Die Technik ist vergänglich.
Letztlich sind es die Helden der Videospielgeschichte die weiterleben.
In diesem Sinn sind beide Konsolen, "Multi Screen" und "Double Screen",
gleichermaßen zeitlos.
Weiterführender Link:
- Informationen zu vielen Nintendo "Game & Watch"-Spielen
findet ihr auf der umfangreichen und besonders für Sammler
interessanten Internetseite http://www.gameandwatch.ch
© 2006
ANDRÉ EYMANN