Die antike Welt der Arkade
Wie alles andere finden sich die Wurzeln für kunstvolles Videospiele-Artwork
in der antiken Welt der Arkade. Damals standen an allen Ecken mannshohe
Spielautomaten und verführten uns mit ihrer schillernden elektronischen
Anzeige, zogen einem unaufhaltsam das Taschengeld aus dem Portemonnaie.
Der kommerzielle Erfolg dieser urzeitlichen Maschinen lag teilweise auch
an der beeindruckenden Aufmachung. Gerade die aufwendige, detaillierte
Gestaltung mit vielen kleinen Verzierungen bleibt fast unerreicht.
Führend in Güte und Anspruch, wie könnte es auch anders sein, die Firma Atari.
Das hochwertige Design der alten Spielhallengeräte erscheint nach so
langer Zeit zwar sicherlich Retro, imposant bleiben die farbenprächtigen
Grafiken trotzdem. Was uns wiederum zu einer Frage führt, über die sich
die wenigsten Videospieler bisher ernsthafte Gedanken machten: Wer steckt
eigentlich hinter den Darstellungen der
Centipede-,
Asteroids- oder
Tempest-Automaten?
Abbildungen oben: Das Artwork von
Centipede, knapp 30 Jahre alt und noch immer atemberaubend schön.
George Opperman - eine Designlegende der Videospiele
In der Tat kann man etliche dieser kunstvollen Arbeiten an einer einzigen
Person festmachen, sein Name: George Opperman. Von Anfang an war er für das
visuelle Artwork der Firma verantwortlich. Er absolvierte das College of Art
in Ontario, leitete später eine eigene kleine Agentur in Kalifornien und
erhielt bereits 1972 die ersten Aufträge von Atari. 1976 wechselte er
direkt in die Abteilung „Coin-operated Game Division“ und führte dort als
„Director of Visual Communications“ ein zwölfköpfiges Team an.
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George Opperman (links) und Robert Flemate bei der Arbeit. Meister der
visuellen Verführung bei Atari.
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Über seine Aufgaben bei Atari erzählt er im Jahr 1983: Es ist so ein
„Dr. Jekyll and Mr. Hyde“-Ding. Man betrachtet die Kunst in Relation zum Geschäft.
Um hier erfolgreich zu sein, benötigen wir die Leidenschaft eines Künstlers,
andererseits aber auch ein gutes kaufmännisches Gespür. Zusätzlich Disziplin,
eine freischaffende kreative Person würde die Bedingungen wohl nicht lange ertragen.
Dafür sind uns aber keine Grenzen gesetzt, das einzige Limit: Zeit und Geld.
Stehen Messen oder Release-Termine vor der Tür, wird es oft sehr eng eine
vernünftige Arbeit zu leisten. Das kann manchmal frustrierend sein.
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Die Weltraum-Illustrationen von Ataris Space Duel - Die Leidenschaft
eines Künstlers.
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Der erste Schritt für einen geeigneten Entwurf, so erzählt Opperman, ist
natürlich zuerst selbst zu spielen. Nur so lassen sich die elektronischen
Blips in ein entsprechendes Design verwandeln. Bevor wir aber den Bleistift
in die Hand nehmen, muss zuvor entschieden werden, welcher Gehäusetyp überhaupt
verwendet wird. Erst danach gestalten wir das visuelle Layout und
alle Elemente rund um den Automaten. Als nächstes fertigen wir dann ein
kleines Muster aus Holz und Papier, in etwas ein Viertel der Originalgröße.
Dieses Modell verschafft uns einen guten Eindruck über das spätere Resultat.
„Sie müssen fähig sein die elektronischen Blips in etwas zu verwandeln -
einen Charakter, ein Monster, ein Design, ein abstraktes Symbol.
Sie müssen talentiert sein.“
— GEORGE OPPERMAN
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Die Monster von Ataris Tempest. Wie schafft man aus geometrischen
Formen eine stimmungsvolles Layout? (Illustration: George Oppermann, 1983)
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„
Tempest stellte uns beispielsweise vor ein ganz anderes Problem, die
verworrenen geometrischen Formen machten es uns anfangs nicht leicht, ein
passendes Layout zu finden. Schließlich präsentierten wir stimmungsvolle
gegnerische Monster. Die Leute vom Marketing waren schnell überzeugt,
doch plötzlich meldete sich der Programmierer besorgt, die Monster seien
zu angsteinflössend und könnten jüngere Spieler möglicherweise abschrecken.
Also entschärften wir unsere Skizzen und änderten Sie in die jetzt bekannte
Optik des Automaten.“
— GEORGE OPPERMAN, JUNI 1983
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Airborne Avenger-Flipper. Es geht darum Spannung und Abenteuer zu transportieren (Illustration: George Oppermann, 1977)
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Neben zahlreichen Spielautomaten schuf George Opperman oft auch für Flipper
eine ansprechende Optik. Auf der Abbildung oben ist beispielsweise der
Airborne Avenger von 1977 zu sehen.
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