Made in Germany
Jüngere Videospieler werden es kaum glauben, aber es existiert tatsächlich
eine Spielkonsole aus Deutschland. 1978 erschien das VC4000 von Interton,
eine westdeutsche Elektronikfirma, die zuvor hochwertige Hörgeräte produzierte.
Der Prozessor war dem Atari VCS technisch etwas unterlegen, doch die moderne
Optik der Hardware konnte durchaus überzeugen. Das Siegel „Made in Germany“,
niedrigere Preise und Vertriebswege über Versandhausketten wie Quelle machten
das System relativ erfolgreich. Mit dem Konsolencrash von 1984 verschwand
das Unternehmen ebenso schnell wieder vom Markt. Insgesamt wurden 40 Spiele
angekündigt, davon aber nur 37 offiziell verkauft. Die kultigen
SciFi-Weltraumspiele Nr. 32 und 38 wirkten schon in den 80ern leicht angestaubt,
fast wie aus einem alten Perry Rhodan Roman. Abbildungen dieser Art werden
wir vermutlich nie wieder auf einer Verpackung für Videospiele sehen.
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Abbildungen oben: die Spiele Nr. 32 und Nr. 38 für das VC4000 von Interton.
Futuristische Weltraumspiele in der Optik eines Perry Rhodan Romans.
Die rote Gefahr aus dem Weltall
Ein bizarres Cover zum schmunzeln. Für einen gut gemachten Galaxian-Klon
kommunistische Aliens als Feindbild zu verwenden, auf so eine Idee konnte
die Firma Starpath wohl nur während des kalten Krieges kommen.
Doch schon 1984 erschien dieses Szenario ziemlich albern und paradox.
Communist Mutants from Space. Ein bizarres kommunistisches
Feindbild (Starpath, 1984).
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Endlose Weiten
2048 Planeten in 8 Galaxien auf insgesamt 48 Kilobyte. Das ist die Größe einer
heutigen E-Mail. Tatsächlich schaffte es David Braben mit
Elite, endlose
Weiten in ein Videospiel zu implementieren. Die spielerische Freiheit zeigte
sich fast grenzenlos. Keine Frage,
Elite ist das erste Sandbox-Spiel
überhaupt. Doch damit nicht genug, es verzichtete auf einen Highscore
und setzte als Spielanreiz lieber auf den Aufbau des Charakters und der
Jagd nach besseren Waffen. Alles Eigenschaften, die sich gegenwärtig in
jedem modernen Videospiel wiederfinden. In vielerlei Hinsicht war dieses
Weltraumabenteuer absolut bahnbrechend.
Passend dazu ein einprägsames goldenes Logo auf schwarzem Hintergrund.
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Das Spiel Elite von David Braben. Das erste Sandbox-Spiel überhaupt.
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Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse
Zeitlos und noch immer sehr beeindruckend.
Archon präsentiert den Kampf Gut
gegen Böse in schlichtem schwarzweiß. Das actiongeladene Spiel erinnert
im Ansatz flüchtig an Schach, das Prinzip wurde jedoch um einige Zauberkräfte
erweitert, jeder Spielzug konnte durch das eigene Geschick eine überraschende
Wendung finden. Besonders gegeneinander offenbarte Archon seine wahre Stärke,
wenn es uns gelang, die stärkere Spielfigur des Gegners mit einem unterlegenen
Charakter zu besiegen. Das war zwar schwierig, aber nicht völlig unmöglich.
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Archon von Electronic Arts. Den Gegner mit Zauberkräften besiegen.
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Unverwechselbarer Humor im Inselparadies
Monkey Island gilt neben
Day of the Tentacle als das beste Adventure aller Zeiten.
Schuld daran sind zweifellos der skurrile Humor von Ron Gilbert, das Scumm-Menü,
ein fantastischer Soundtrack und natürlich die geniale deutsche Übersetzung
von
Boris Schneider-Johne. Die Amiga Version von
Monkey Island 2 enthielt unglaubliche
elf 3 ½ Zoll Disketten, dadurch wurde jeder Spieler unweigerlich auch zum Disc-Jockey.
Monkey Island von Ron Gilbert. Ein Meilenstein der humoristischen
Adventures.
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Action und Strategie im Gleichgewicht
Defender of the Crown, ein „Must-have“-Titel, der teilweise auch zum Erfolg
des Amiga 500 beitrug. Freilich stand hier immer die prächtige Grafik im
Vordergrund, inhaltlich zeigte sich das Spiel als unterhaltsamer Action und
Strategie Mix.
Defender of the Crown hatte aber eigentlich nicht das Zeug, um als echter Klassiker
in die Videospielgeschichte einzugehen. Vergessen haben wir ihn trotzdem nicht.
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Defender of the Crown von Cinemaware. Action und Strategie im rauhen Mittelalter.
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Fantastisch und gruselig
Früher wirkten sogar die Monster noch gruseliger als heute, passend zu
unserer Einleitung das bekannte Fantasy-Rollenspiel
Eye of the beholder
aus der
Dungeons & Dragons-Serie.
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Eye of the beholder von Strategic Simulations, Inc. - Gruselige
Monster aus unterirdischen Katakomben erobert den Bildschirm.
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Neue Maßstäbe
Wing Commander 3 und 4 setzten mit interaktiven Filmszenen neue Maßstäbe.
Zwischensequenzen mit berühmten Schauspielern wirkten deutlich unterhaltsamer
als die sonst üblichen programmierten Videos. Interessant wurde die Angelegenheit
aber erst, als wir plötzlich aktiv in die Handlung eingreifen konnten und
unsere Entscheidungen unmittelbar den weiteren Spielverlauf beeinflussten.
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Wing Commander - Das Videospiel wird zum interaktiven Filmerlebnis.
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Sollten wir mit unserem Geschwader einen Angriff der
Kilrathi auf zivile
Einrichtungen abwehren oder die Menschen opfern, zugunsten wichtiger Industrieanlagen,
die später für einen waffentechnischen, eventuell sogar kriegsentscheidenden Vorteil
sorgen? Unser Ruf in der Flotte und das Ansehen bei der Bevölkerung waren
damit natürlich beim Teufel. Selten hat mich ein Videospiel in einen so schweren
Gewissenskonflikt gebracht. Dank realer Personen präsentiert sich der vierte
Teil der Weltraumsaga fast wie ein echtes Kinoplakat aus Hollywood. Die Namen
der Schauspieler konnten sich durchaus sehen lassen. Mark Hamill allen bekannt
als
Luke Skywalker aus
Star Wars, passte perfekt als Synonym zu unserer
Heldenfigur
Christoper Blair.
Organisch und lebendig
Mittlerweile sind wir langsam am Ende unserer Führung angelangt. Zuletzt
möchte ich ein ganz besonderes Spiel ansprechen, dass lange unterschätzt
wurde.
Outcast. Ein Name der mich nach über zehn Jahren immer noch ins Schwärmen
bringt. Die Programmierer verzichten auf die sonst üblichen Grafikbeschleuniger
und verwendeten alternativ eine unpopuläre Technik, die sogenannte Voxel-Engine.
Die Natur kennt keine geraden Linien oder rechte Winkel, diese Tatsache wird
bei
Outcast überaus deutlich, keine andere Welt zeigte sich bisher so organisch
und lebendig. Jene Innovation wurde letztendlich zum Fluch, den der
ungewöhnliche Grafikstil setzte sich trotz der großartigen Effekte in der
Szene nicht durch. Zu den weiteren Höhepunkten zählt eine eigene Sprache der
Einwohner, die man sich zuerst langsam aneignen muss, ein filmreifer Soundtrack,
gespielt vom Moskauer Symphonie Orchestra und der bekannten deutschen Synchronstimme (Schauspieler Wolfgang Lehmann)
von Bruce Willis. In seiner gewohnt ruppigen
Art plaudert unser Hauptdarsteller ständig witzige und zynische Kommentare.
Elitesoldat
Cutter Slade wird so zum sympathischen Antihelden, der um
seine eigene Haut zu retten, zwangsweise auch die Bevölkerung des Planeten
Adelpha befreien muss.
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Outcast von Appeal (1999). Unterschätzter Hit auf Basis der
weitgehend unbekannten Voxel-Engine.
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Moderne Kunstwerke
Natürlich war das nur eine bescheidene subjektive Auswahl, zweifellos hätten
unzählige weitere Titel einen Ehrenplatz in unserer Galerie verdient.
Betrachten wir aber rückwirkend all diese berühmten Klassiker, wird langsam
klar, warum die Cover und Verpackungen ebenfalls eine bedeutende Rolle für
ihren Erfolg spielten. Sie gaben der Software erstmals ein eigenes "Gesicht".
Auch wenn aktuelle Programme oft nicht mehr die Faszination von früher
erreichen, so findet sich selbstverständlich immer eine Ausnahme.
Zeigen wir zum Schluss noch ein Werk aus der modernen Zeitgeschichte.
HALO WARS VS. besitzt ohne Zweifel alle Eigenschaften, um in dieser Runde
gezeigt zu werden, aber halt, irgendwie erinnert dieser Entwurf etwas an...
Nun ja, auch ein gut kopiertes Motiv bleibt immer noch ein gutes Motiv.
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HALO WARS VS. von Microsoft. Marketing für den Master Chief.
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© 2009
GUIDO FRANK