Die Heimcomputer sind da
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Ursprünglich als Hobby Computer in den Markt gebracht, einigte sich der Verlag Markt & Technik
mit dem namensähnlichen Magazin Hobby, um einen juristischen Streit zu vermeiden. Dies hatte zur Folge,
dass das Magazin kurz nach der Einführung umbenannt werden musste. Ab der zweiten Ausgabe im Dezember 1983 konnte man dann die Zeitschrift
Happy Computer an vielen deutschen Zeitungsständen für 5 DM erwerben. Dieser Artikel
stellt euch die Happy Computer durch verschiedene Leseproben vor und führt euch in die Welt hinter den Kulissen
der damaligen Redaktion ein. In der Zeit der Happy Computer waren Software-Programme (fast) noch kostenlos.
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Titelseite der Happy Computer, Ausgabe Januar 1984
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Interview mit der Redaktionsleitung
Im September 2001 konnte ich ein Interview mit
Michael Lang,
dem ehemaligen Chefredakteur der
Happy Computer führen. In diesem Gespräch erfahrt ihr aus erster Hand,
wie das Leben in der Redaktion wirklich ausgesehen hat.
Heimcomputer-Zeitschriften in den 1980ern
Die
Happy Computer war hierzulande zu ihrer Zeit nicht die einzige Heimcomputerzeitschrift zu Beginn
der Achtziger Jahre. Sie hatte dennoch ein einzigartiges Konzept, wie ihr in diesem Artikel
feststellen werdet. Andere bekannte Zeitschriften in der Presselandschaft waren zum Beispiel:
- 64er (Markt & Technik Verlag)
- ASM - Aktueller Software Markt (Tronic Verlag)
- ck - Computer Kontakt (Rätz Eberle Verlag)
- Computronic (Roeske Verlag, später Tronic Verlag)
- CPU - Computer programmiert zur Unterhaltung (Roeske Verlag)
- HC Mein Home-Computer (Vogel Verlag)
- Homecomputer (Roeske Verlag, später Tronic Verlag)
- Telematch (Marshall Cavendish Verlag)
- tele action (Ehapa-Verlag)
Insbesondere die Zeitschriften aus dem Roeske Verlag hatten einen unverwechselbaren Stil.
Hier wurden ebenfalls Listing von Lesern und kurze Berichte über neue Geräte oder Spiele abgedruckt.
Doch durch die relativ günstige Erscheinung und die umkomplizierte Berichterstattung,
wirkten die
CPU oder
Homecomputer schon fast ein wenig anarchisch. Oder sagen wir
zumindest etwas unkonventionell.
Happy Computer - Das volle Programm
Das Inhaltsverzeichnis des Magazins verdeutlicht,
worum es der Redaktion geht. Hier sollen nicht bestimmte
Einzelsysteme im Vordergrund stehen, sondern alle wichtigen
Heimcomputer sollen angesprochen werden. So erreichte man ein breites Berichts-
und Leserspektrum vom Acorn Electron über den Dragon 32 bis zum TI 99/4A.
Die Themengebiete präsentierte die
Happy Computer modern: neben aktuellen Neuigkeiten gab es Berichte über
Lernspiele, Anwendungsprogramme oder Hardware-Basteleien. Es gab nur wenige
Magazine die einen so großen Themenbogen gespannt haben, wie die
Happy Computer.
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Das Inhaltsverzeichnis der Happy Computer, Ausgabe Januar 1984
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Der ein oder andere Leser mag vermuten, dass Kauf-Software damals günstiger war als heute. Dem ist
aber nicht so. So lagen 1984 die Preise für Lernkassetten bereits zwischen 37,50 DM und 49,00 DM.
Vergleicht man aktuelle Preise von Spielen für Videospielkonsolen mit den damaligen Preisen, so stellt man
erstaunlicherweise eine sehr kontinuierliche Preisentwicklung fest.
Eine Reportage über Lernspiele:
Spielkinder damals und heute
Bei den Kindern und Jugendlichen, die sich für Video- und Computerspiele
interessieren, hat sich allerdings - im positiven Sinn - nur wenig getan. Die Begeisterung
am Spielen ist erfreulich konstant geblieben. Die Fotos von damals sind
mit den Fotos von heutigen Jugendlichen nahezu austauschbar. Aufgenommen
wurden sie übrigens im seinerzeit sehr beliebten Münchener Videospiel-Fachgeschäft
Videomagic.
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Lediglich die Systeme und Spiele haben sich
verändert. So war damals River Raid von Activision einer der größten Hits.
So gab es auch schon zu Zeiten der Happy Computer heiße Diskussionen über
die Gewalt in Videospielen und die möglichen Auswirkungen. Ballerspiele
„der übelsten Sorte“ wie zum Beispiel Battlezone von Atari wurden dabei
zum Gesprächsthema. Auch heute treten diese Diskussionen in der Öffentlichkeit
immer wieder in Erscheinung. Auch wenn man Battlezone wohl heute nicht
mehr als bedenklich einstufen würde.
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Und immer wieder: Listings abtippen
Einen wichtigen und umfangreichen Anteil am gesamten Heftkonzept der
Happy Computer
hatten die Listings für verschiedene Heimcomputer.
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Listings waren Programme die im Heft abgedruckt waren und die man Zuhause in Ruhe abtippen konnte, um die Programme danach
zu spielen und auf in der Regel handelsüblichen und preisgünstigen Compact Cassetten abzuspeichern. Auch wurden die Listings
oder die Kassetten gern im Freundeskreis ausgetauscht. Unzählige private Autoren schickten Ihre Programme
an die Redaktionen der Magazine und begründeten damit einen fast unkommerziellen Kult für die
Verbreitung von Software jeglicher Art. Ähnlich ist es heute mit der Open-Source Gemeinschaft.
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Landung auf Luna für den ZX81
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Beispiel-Listing aus der
Happy Computer:
Für Leser die keine Lust hatten, die zum Teil endlosen und fehlerträchtigen Listings stundenlang abzutippen,
bot die
Happy Computer einen Software-Service an. Gegen Bezahlung konnte man sich die fertig gespeicherten Programme
auf Kassette nach Hause liefern lassen. Dann brauchte man sie nur noch laden und schon konnte das Spiel beginnen.
Programme für den Briefkasten:
Mindestens so interessant wie die Listings waren das Leserforum oder die Fundgrube:
der private Kleinanzeigenmarkt, in der man so manches Hard- oder Software-Schnäppchen finden konnte.
Die Anzeigenmärkte in den heutigen Magazinen hingegen sind privat leider unbedeutend geworden
und werden fast ausschließlich von kommerziellen Anbietern bestimmt.
Suchen und Finden im Kleinanzeigenmarkt
Ein Atari VCS mit fünf Spielen für nur 500 DM. So oder so ähnlich
lauteten die Angebote im Kleinanzeigenmarkt der
Happy Computer. Einzelne VCS-Spielmodule
wie beispielsweise
Asteroids kosteten ca. 40 DM.
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Fundgrube in der Happy Computer
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Es wurden aber auch Kontakte zu anderen Usern gesucht bzw.
angeboten. Das Leserforum half bei Fragen nach bestimmten Peeks & Pokes oder speziellen
Wünschen zum Lieblings-Heimcomputer weiter. Kann man zum Beispiel den
Sinclair Spectrum mit der Autobatterie versorgen?
Hat jemand die Anleitung für das
Bridge 64-Steckmodul
für den Commodore? Für fast jede Frage gab es hier
einen Platz. Die Antworten kamen per Brief oder wurden
in der nächsten Ausgabe veröffentlicht.
Im Leserforum gibt auf fast alles eine Antwort:
Top-Computerspiele ganz persönlich vorgestellt
In der Spiele-Rubrik wurden neue Computerspiele von Lesern vorgestellt. Über diesen Weg bekamen die Spiele
ein persönliches Profil und wurden immer unterschiedlich beurteilt. Ergänzt wurden diese Portraits
durch einen kurzen Lebenslauf des Autors. Im Januar 1984 wurden so die drei Synapse-Software-Klassiker
Fort Apocalypse,
Pharaoh's Curse und
Shadow World vorgestellt.
Spielvorstellung von Fort Apocalypse von Synapse-Software für den Commodore 64
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Auch mit dabei waren Tests von
Pooyan von Konami,
Donkey Kong von Nintendo
und
Kong von Kingsoft. Die Spielberichte waren meist mit verschiedenen Bildschirmfotos
versehen und wurden über ein Kategoriensystem bewertet. Dabei wurden Grafik, Sound, Steuerung und Motivation des Spiels beurteilt.
Pro Ausgabe wurden ca. sechs neue Spiele vorgestellt.
Happy Computer Spieletests:
Mitarbeit gewünscht!
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Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick in das Editorial der
Happy Computer. Hier wurden die Leser von der Redaktion direkt
angesprochen, auch weiterhin die Inhalte der kommenden Ausgaben mitzubestimmen.
Für veröffentliche Programme im Heft, konnte man bis zu 300 DM Honorar
einstreichen. Über so genannte Mitmach-Karten konnten sich
die Leser mit Wünschen und Anregungen direkt an die Redaktion wenden.
Zusammengefasst kann man sagen, dass die Happy Computer
eine der gelungensten Heimcomputerzeitschriften
in den Achtziger Jahren war.
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Michael Pauly wirbt für die Mitgestaltung der Leser
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Abschließend führen wir hier
noch ein paar Fakten zur
Happy Computer auf.
- Die Erstausgabe der Happy Computer im November 1983 hieß Hobby Computer.
- Die letzte Ausgabe der Zeitschrift wurde 1990 veröffentlicht. Somit hat die Happy Computer
insgesamt sieben Jahre eigenständig existiert.
- 1990 wurde die Happy Computer in Computer Live umbenannt.
- Der Nachfolger der Spiele-Rubrik der Happy Computer heißt Power Play.
Eine komplette Happy Computer Heftausgabe ist online
Wer nun Lust bekommen hat eine vollständige Ausgabe der
Happy Computer aus dem Januar 1984 online
zu lesen, der klickt auf den folgenden Link. Viel Spaß beim Schmökern!
© 2005
ANDRÉ EYMANN