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Happy Computer

Erschienen: 11/1983
Eingestellt: 02/1990
Ausgaben: 76
Verlag: Markt & Technik, München
Preis: 5 DM
 
Happy Computer – Hinter den Kulissen
TEXT UND BILDER: ANDRÉ EYMANN
KATEGORIE: ZEITSCHRIFTEN
AUSGABE: SEPTEMBER 2005
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Die Heimcomputer sind da
Ursprünglich als Hobby Computer in den Markt gebracht, einigte sich der Verlag Markt & Technik mit dem namensähnlichen Magazin Hobby, um einen juristischen Streit zu vermeiden. Dies hatte zur Folge, dass das Magazin kurz nach der Einführung umbenannt werden musste. Ab der zweiten Ausgabe im Dezember 1983 konnte man dann die Zeitschrift Happy Computer an vielen deutschen Zeitungsständen für 5 DM erwerben. Dieser Artikel stellt euch die Happy Computer durch verschiedene Leseproben vor und führt euch in die Welt hinter den Kulissen der damaligen Redaktion ein. In der Zeit der Happy Computer waren Software-Programme (fast) noch kostenlos.   Titelseite der <i>Happy Computer</i>, Ausgabe Januar 1984
Titelseite der
Happy Computer,
Ausgabe Januar 1984

Interview mit der Redaktionsleitung
Im September 2001 konnte ich ein Interview mit Michael Lang, dem ehemaligen Chefredakteur der Happy Computer führen. In diesem Gespräch erfahrt ihr aus erster Hand, wie das Leben in der Redaktion wirklich ausgesehen hat.

Heimcomputer-Zeitschriften in den 1980ern
Die Happy Computer war hierzulande zu ihrer Zeit nicht die einzige Heimcomputerzeitschrift zu Beginn der Achtziger Jahre. Sie hatte dennoch ein einzigartiges Konzept, wie ihr in diesem Artikel feststellen werdet. Andere bekannte Zeitschriften in der Presselandschaft waren zum Beispiel:
  • 64er (Markt & Technik Verlag)
  • ASM - Aktueller Software Markt (Tronic Verlag)
  • ck - Computer Kontakt (Rätz Eberle Verlag)
  • Computronic (Roeske Verlag, später Tronic Verlag)
  • CPU - Computer programmiert zur Unterhaltung (Roeske Verlag)
  • HC Mein Home-Computer (Vogel Verlag)
  • Homecomputer (Roeske Verlag, später Tronic Verlag)
  • Telematch (Marshall Cavendish Verlag)
  • tele action (Ehapa-Verlag)

Insbesondere die Zeitschriften aus dem Roeske Verlag hatten einen unverwechselbaren Stil. Hier wurden ebenfalls Listing von Lesern und kurze Berichte über neue Geräte oder Spiele abgedruckt. Doch durch die relativ günstige Erscheinung und die umkomplizierte Berichterstattung, wirkten die CPU oder Homecomputer schon fast ein wenig anarchisch. Oder sagen wir zumindest etwas unkonventionell.

Happy Computer - Das volle Programm
Das Inhaltsverzeichnis des Magazins verdeutlicht, worum es der Redaktion geht. Hier sollen nicht bestimmte Einzelsysteme im Vordergrund stehen, sondern alle wichtigen Heimcomputer sollen angesprochen werden. So erreichte man ein breites Berichts- und Leserspektrum vom Acorn Electron über den Dragon 32 bis zum TI 99/4A. Die Themengebiete präsentierte die Happy Computer modern: neben aktuellen Neuigkeiten gab es Berichte über Lernspiele, Anwendungsprogramme oder Hardware-Basteleien. Es gab nur wenige Magazine die einen so großen Themenbogen gespannt haben, wie die Happy Computer.

Das Inhaltsverzeichnis der <i>Happy Computer</i>, Ausgabe Januar 1984
Das Inhaltsverzeichnis der Happy Computer, Ausgabe Januar 1984

Der ein oder andere Leser mag vermuten, dass Kauf-Software damals günstiger war als heute. Dem ist aber nicht so. So lagen 1984 die Preise für Lernkassetten bereits zwischen 37,50 DM und 49,00 DM. Vergleicht man aktuelle Preise von Spielen für Videospielkonsolen mit den damaligen Preisen, so stellt man erstaunlicherweise eine sehr kontinuierliche Preisentwicklung fest.

Eine Reportage über Lernspiele:

Spielkinder damals und heute
Bei den Kindern und Jugendlichen, die sich für Video- und Computerspiele interessieren, hat sich allerdings - im positiven Sinn - nur wenig getan. Die Begeisterung am Spielen ist erfreulich konstant geblieben. Die Fotos von damals sind mit den Fotos von heutigen Jugendlichen nahezu austauschbar. Aufgenommen wurden sie übrigens im seinerzeit sehr beliebten Münchener Videospiel-Fachgeschäft Videomagic.

Die Spielkids von 1984
Die Spielkids von 1984
  Lediglich die Systeme und Spiele haben sich verändert. So war damals River Raid von Activision einer der größten Hits. So gab es auch schon zu Zeiten der Happy Computer heiße Diskussionen über die Gewalt in Videospielen und die möglichen Auswirkungen. Ballerspiele „der übelsten Sorte“ wie zum Beispiel Battlezone von Atari wurden dabei zum Gesprächsthema. Auch heute treten diese Diskussionen in der Öffentlichkeit immer wieder in Erscheinung. Auch wenn man Battlezone wohl heute nicht mehr als bedenklich einstufen würde.

Und immer wieder: Listings abtippen
Einen wichtigen und umfangreichen Anteil am gesamten Heftkonzept der Happy Computer hatten die Listings für verschiedene Heimcomputer.

Listings waren Programme die im Heft abgedruckt waren und die man Zuhause in Ruhe abtippen konnte, um die Programme danach zu spielen und auf in der Regel handelsüblichen und preisgünstigen Compact Cassetten abzuspeichern. Auch wurden die Listings oder die Kassetten gern im Freundeskreis ausgetauscht. Unzählige private Autoren schickten Ihre Programme an die Redaktionen der Magazine und begründeten damit einen fast unkommerziellen Kult für die Verbreitung von Software jeglicher Art. Ähnlich ist es heute mit der Open-Source Gemeinschaft.   Landung auf Luna für den ZX81
Landung auf Luna
für den ZX81

Beispiel-Listing aus der Happy Computer:
Für Leser die keine Lust hatten, die zum Teil endlosen und fehlerträchtigen Listings stundenlang abzutippen, bot die Happy Computer einen Software-Service an. Gegen Bezahlung konnte man sich die fertig gespeicherten Programme auf Kassette nach Hause liefern lassen. Dann brauchte man sie nur noch laden und schon konnte das Spiel beginnen.

Programme für den Briefkasten:
Mindestens so interessant wie die Listings waren das Leserforum oder die Fundgrube: der private Kleinanzeigenmarkt, in der man so manches Hard- oder Software-Schnäppchen finden konnte. Die Anzeigenmärkte in den heutigen Magazinen hingegen sind privat leider unbedeutend geworden und werden fast ausschließlich von kommerziellen Anbietern bestimmt.

Suchen und Finden im Kleinanzeigenmarkt
Ein Atari VCS mit fünf Spielen für nur 500 DM. So oder so ähnlich lauteten die Angebote im Kleinanzeigenmarkt der Happy Computer. Einzelne VCS-Spielmodule wie beispielsweise Asteroids kosteten ca. 40 DM.

Fundgrube in der <i>Happy Computer</i>
Fundgrube in der Happy Computer

Es wurden aber auch Kontakte zu anderen Usern gesucht bzw. angeboten. Das Leserforum half bei Fragen nach bestimmten Peeks & Pokes oder speziellen Wünschen zum Lieblings-Heimcomputer weiter. Kann man zum Beispiel den Sinclair Spectrum mit der Autobatterie versorgen? Hat jemand die Anleitung für das Bridge 64-Steckmodul für den Commodore? Für fast jede Frage gab es hier einen Platz. Die Antworten kamen per Brief oder wurden in der nächsten Ausgabe veröffentlicht.

Im Leserforum gibt auf fast alles eine Antwort:
Top-Computerspiele ganz persönlich vorgestellt
In der Spiele-Rubrik wurden neue Computerspiele von Lesern vorgestellt. Über diesen Weg bekamen die Spiele ein persönliches Profil und wurden immer unterschiedlich beurteilt. Ergänzt wurden diese Portraits durch einen kurzen Lebenslauf des Autors. Im Januar 1984 wurden so die drei Synapse-Software-Klassiker Fort Apocalypse, Pharaoh's Curse und Shadow World vorgestellt.

Spielvorstellung von <i>Fort Apocalypse</i> von Synapse-Software für den Commodore 64
Spielvorstellung von Fort Apocalypse
von Synapse-Software für den Commodore 64

Auch mit dabei waren Tests von Pooyan von Konami, Donkey Kong von Nintendo und Kong von Kingsoft. Die Spielberichte waren meist mit verschiedenen Bildschirmfotos versehen und wurden über ein Kategoriensystem bewertet. Dabei wurden Grafik, Sound, Steuerung und Motivation des Spiels beurteilt. Pro Ausgabe wurden ca. sechs neue Spiele vorgestellt.

Happy Computer Spieletests:
Mitarbeit gewünscht!
Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick in das Editorial der Happy Computer. Hier wurden die Leser von der Redaktion direkt angesprochen, auch weiterhin die Inhalte der kommenden Ausgaben mitzubestimmen. Für veröffentliche Programme im Heft, konnte man bis zu 300 DM Honorar einstreichen. Über so genannte Mitmach-Karten konnten sich die Leser mit Wünschen und Anregungen direkt an die Redaktion wenden. Zusammengefasst kann man sagen, dass die Happy Computer eine der gelungensten Heimcomputerzeitschriften in den Achtziger Jahren war.   Michael Pauly wirbt für die Mitgestaltung der Leser
Michael Pauly
wirbt für die Mitgestaltung der Leser

Abschließend führen wir hier noch ein paar Fakten zur Happy Computer auf.
  • Die Erstausgabe der Happy Computer im November 1983 hieß Hobby Computer.
  • Die letzte Ausgabe der Zeitschrift wurde 1990 veröffentlicht. Somit hat die Happy Computer insgesamt sieben Jahre eigenständig existiert.
  • 1990 wurde die Happy Computer in Computer Live umbenannt.
  • Der Nachfolger der Spiele-Rubrik der Happy Computer heißt Power Play.

Eine komplette Happy Computer Heftausgabe ist online
Wer nun Lust bekommen hat eine vollständige Ausgabe der Happy Computer aus dem Januar 1984 online zu lesen, der klickt auf den folgenden Link. Viel Spaß beim Schmökern!


© 2005 ANDRÉ EYMANN