Vorwort von André Eymann
„Zurück in die Zukunft“ könnte es heißen, wenn wir nun gemeinsam eine
Zeitreise zurück in das Jahr 1983 durchführen. Vor 26 Jahren war der Computer
für die meisten Mitbürger unseres Landes noch ein seltener und eher
exotischer Mitbewohner, der eine unbekannte Sprache benutzte. Dennoch
hatten sich bereits damals ein paar Freaks aufgemacht, um mehr über
den neuen Trend Heimcomputer und die Computersprache BASIC zu erfahren.
Neugierige Blicke und so manchen befremdlichen Kommentar galt es zu ertragen,
wenn man sich seinerzeit als Computerfreak outete. Dass die Freaks
von einst die Stützen der heutigen Informationsgesellschaft bilden würden,
hätte ja auch niemand ahnen können.
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Wolfgang Taschner hat mit seinem erfolgreichen und beliebten Heimcomputer-Magazin
HC - Mein Home-Computer einen wesentlichen Teil dazu beigetragen,
dem Neuling Heimcomputer zu mehr Popularität
in der Öffentlichkeit zu verhelfen. Doch was genau waren die Motive dieses
journalistischen Meilensteins und welcher Zeitgeist umgab die Macher der HC?
Im nun folgenden Interview gibt der ehemalige Chefredakteur, einer der
wichtigsten Heimcomputerzeitschriften der 1980er Jahre, spannende Einblicke
in die Arbeitswelt und das gesellschaftliche Umfeld der Redaktion.
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Wolfgang Taschner im Editorial der HC Nr. 4 vom April 1986 (Bild: Vogel-Verlag)
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André Eymann: Hallo Herr Taschner, vielen Dank für Ihre
spontane Zusage bei unserem Projekt mitzuwirken und uns damit zu ermöglichen,
hinter den Vorhang der Redaktion der
HC blicken zu können. Sie waren
von 1984-1986 Chefredakteur der
HC und haben die Pioniertage des Computers
in Deutschland maßgeblich geprägt. Werden Sie heute noch oft auf die damalige Zeit angesprochen?
Wolfgang Taschner: Wenn ich über diese Zeit erzähle, höre ich
öfter Sätze wie „Die
HC habe ich auch gelesen“. Es erstaunt mich immer wieder,
wie viele Menschen damals ihre BASIC-Programme als Pfeiftöne auf
einer Tonkassette abgespeichert haben. Direkt angesprochen auf die
HC haben
Sie mich allerdings als erster.
André Eymann: Gehen wir zunächst noch einen Schritt zurück
in Ihre berufliche Vergangenheit. Sie haben ab 1972 in Ulm Informatik studiert
und danach bis 1979 als Programmierer bei der Siemens AG gearbeitet.
Haben Sie Ihre ersten Begegnungen mit dem Computer als eine Offenbarung erlebt,
oder war es eher die Liebe auf den zweiten Blick?
Wolfgang Taschner: Die Computer der damaligen Zeit waren noch so groß
wie Kleiderschränke und standen in einem klimatisierten Rechnerraum.
Ich hatte 1970 zum ersten Mal auf einer IBM /360-20 ein Lochkarten-Programm
zum Laufen gebracht und war mächtig stolz darauf. Auch während meines
Studiums verdiente ich mein Geld als Operator in verschiedenen Rechenzentren.
Als Ingenieur bei Siemens kehrte dann allmählich die Ernüchterung ein.
Die Software-Entwicklung war mir zu statisch, ich hatte lieber mehr mit Menschen zu tun.
André Eymann: Ab 1982 haben Sie im Vogel-Verlag als Redakteur
für die schon damals erfolgreiche Computerzeitschrift
CHIP auf eine andere
berufliche Laufbahn eingeschwenkt. Wie kam es zu dieser Entscheidung und wie
kamen Sie mit dem Verlagswesen in Kontakt?
Wolfgang Taschner: Zunächst verfasste ich als freier Autor einige Artikel
für die
Computerwoche. Da diese gut geschrieben waren, habe ich mich damit
bei der
CHIP beworben und wurde als Redakteur eingestellt. Gleich zu Beginn
erhielt ich vom Verlag eine journalistische Ausbildung an der Akademie für
Publizistik in Hamburg, wo ich Dinge von hervorragenden Journalisten aus
Magazinen wie
Spiegel und
GEO gelernt habe, von denen ich heute noch profitiere.
Mein Talent zum Schreiben gepaart mit dem in der Software-Entwicklung
erlangten fundierten Wissen über Mikroprozessor-Technologie und Software-Architekturen
stellte die ideale Basis für eine Karriere als Redakteur dar.
André Eymann: Welche Computer haben Sie in diesen Jahren privat
genutzt? Haben Sie auch Ihre Manuskripte mit diesen Geräten geschrieben?
Wolfgang Taschner: Zuhause hatte ich damals keinen Computer stehen.
Ich brachte allerdings hin und wieder übers Wochenende einen Commodore 64 oder Atari
aus der Redaktion mit, den mir meine beiden Söhne Tim und Patrik gleich an
der Haustüre aus den Händen rissen. In der Redaktion standen zur Texterfassung
einige Rechner mit dem Betriebssystem CP/M und Wordstar bereit, später
kam auch der Atari ST mit 1st Word Plus zum Einsatz.
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Der Heimcomputer Schneider CPC. Die HC erklärt ihren Lesern,
was der englische Verkaufsschlager unter der Haube habt (Bild: Vogel-Verlag)
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André Eymann: Die
CHIP wurde bereits 1978 auf dem deutschen
Zeitschriftenmarkt eingeführt und bediente, vom Einsteiger bis zum Profi,
eine breite Zielgruppe. Welche Motivation und welche Ziele standen hinter
der Neugründung einer weiteren Zeitschrift wie der
HC - Mein Home-Computer?
Welche Beweggründe lagen Ihnen mit der Zeitschrift persönlich am Herzen?
Wolfgang Taschner: Ich hatte 1983 in der Reihe
CHIP Special ein
Sonderheft für den ZX-81 gemacht. Der große Verkaufserfolg und die positive
Resonanz der Leser deutete bereits das Potenzial an, das im damals entstehenden
Heimcomputer-Markt steckte. Zu dieser Zeit gab ich auch im
Bayerischen Rundfunk ein Interview über den Kauf dieser Geräte; anschließend
konnten mir die Zuhörer Fragen dazu per Telefon stellen. Ich war überwältig
von dem Interesse, das Telefon stand über Stunden nicht mehr still.
Danach war mir das Konzept für mein neues Magazin schlagartig klar.
Die Leute wollten wissen, welches Gerät das beste für sie war und
was sie nach dem Kauf alles damit machen konnten.
André Eymann: Hatten Sie bei der Gestaltung des Magazins
freie Hand durch die Redaktionsdirektion von Richard Kerler?
Wolfgang Taschner: Von Richard Kerler habe ich während meiner Zeit
bei
CHIP sehr viel darüber gelernt, die richtigen Themen zu finden und diese
interessant aufzubereiten. Damit hatte ich bei der redaktionellen
Gestaltung absolut freie Hand.
André Eymann: Wieso hieß die Zeitschrift eigentlich nicht
HC - Mein Heimcomputer? Warum verwendete man stattdessen einen
deutsch/englischen Sprachmix im Titel?
Wolfgang Taschner: Wir fanden das englische
Home-Computer besser,
da ja fast alle Rechner aus den USA oder England kamen. Der Zusatz
Mein
signalisierte eine enge Verbindung des Lesers zu seinem Gerät.
André Eymann: Ähnlich wie die
CHIP verfolgte die
HC das Ziel,
Computer einfach und verständlich zu erklären. Dies machte auch der Untertitel
„Das Magazin für aktives und kreatives Computern“ deutlich.
Durch die künstlerischen Titelillustrationen von Barbara Buchwald
bekam die Zeitschrift ihr typisches Gesicht. Mussten Sie am grundsätzlichen Konzept
des Heftes nach der Erstausgabe im November 1983 für die späteren Ausgaben
noch wesentliche Änderungen vornehmen? Gab es Pläne/Überlegungen für
die Weiterentwicklung des Magazins, die später wieder verworfen wurden?
Wolfgang Taschner: Die Titelgestaltung durch Barbara Buchwald war ein
genialer Einfall unseres Art-Direktors Jan Kuh. Auch das von ihm entworfene Layout,
das Antonia Graschberger laufend weiterentwickelt hat, war ein unverwechselbares
Markenzeichen der Zeitschrift. Redaktionell haben wir uns natürlich wie jede
Zeitschrift den Interessen der Leser und den Veränderungen des Marktes angepasst.
André Eymann: Wussten Sie, dass manche Ihrer Leser -
so wie ich damals - erst 13 Jahre alt waren? Hatte sich die
HC bewusst
an eine jüngere Leserschaft gewandt?
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Der Autor bekam zu Weihnachten 1984 einen ZX 81 geschenkt. Ab sofort wurde
die Heimcomputerzeitschrift HC abonniert.
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Wolfgang Taschner: Das Altersspektrum unserer Leserinnen und Leser
erstreckte sich von ganz jung bis sehr alt. Der Schwerpunkt war allerdings
in der Gruppe zwischen zwanzig und dreißig Jahren.
André Eymann: Haben Sie auch die Leserbriefe Ihres jugendlichen
Publikums gelesen oder sogar selbst beantwortet?
Wolfgang Taschner Zusammen mit unserer Redaktionsassistentin
Isabella Oesterreich, die mit mir im Zimmer saß, hatte ich immer sehr viel
Spaß beim Beantworten der Leserpost. Einmal hat uns ein junger Leser
eine selbst gebastelte
HC-Fahne geschickt, die hing dann im Besprechungszimmer.
Für mich waren die Leserbriefe immer sehr wichtig, da Sie die Interessen
und Probleme der Käufer signalisierten. Außerdem habe ich mich immer gerne
auf Messen wie der CeBIT oder Systems mit Lesern unterhalten, um zu erfahren,
welche Themen für sie interessant sind.
André Eymann: Zweifellos hat das Spielen mit dem Computer
wesentlich zu seiner Verbreitung beigetragen. War die Atmosphäre in der
Redaktion damals so bunt und verspielt, wie sich manche Heimcomputer auf
dem Markt präsentierten?
Wolfgang Taschner Natürlich haben wir jedes neue Spiel sofort ausprobiert.
Mit unserem Test-Redakteur Wolfgang Heider habe ich dabei etliche „Überstunden“
in der Redaktion verbracht.
André Eymann: Inhaltlich sprach die
HC fast alle damals gängigen
Systeme an. Vom Commodore 64 oder dem VC 20 über den ZX-81 bis zum TI-99/4A
wurden alle User mit Berichten und Listings versorgt. Hatten Sie all diese
Geräte auch in der Redaktion stehen, um damit beispielsweise die eingesendeten
Listings oder neue Hardware zu testen?
Wolfgang Taschner: Wir haben alle Listings vor dem Abdruck getestet,
deshalb standen auch alle Rechner betriebsbereit in der Redaktion. Notfalls
ist einer von uns mit der Daten-Kassette zum Testen in einen Laden
um die Ecke gegangen, was bei unserer Lage in der Münchener Innenstadt
kein Problem war.
André Eymann: Welche Systeme begeisterten Sie persönlich?
Wolfgang Taschner: Ich war sowohl vom C64 als auch von den
Atari-Systemen begeistert. Allerdings weniger von deren technischer Leistung,
sondern vielmehr davon, was die Anwender-Community alles aus den Geräten
herausgeholt hat.
André Eymann: Ebenfalls im November 1983 ist die Computerzeitschrift
Happy Computer aus dem Markt & Technik Verlag auf dem deutschen Markt erschienen.
Auch gab es ab Dezember 1982 die
Telematch aus dem Marshall Cavendish Verlag
in Hamburg oder kurzzeitig die
Teleaction aus dem Stuttgarter Ehapa-Verlag.
Haben Sie diese Zeitschriften als Konkurrenz empfunden? Wodurch unterschied
sich die
HC von den anderen Zeitschriften? Immerhin teilten sich ja
alle Hefte eine ähnliche Zielgruppe.
Wolfgang Taschner: Für mich war der deutliche Magazin-Charakter der
HC
das große Alleinstellungsmerkmal. Wir haben das ganze journalistische Spektrum -
von der Reportage über die Glosse bis hin zur Satire - eingesetzt und auch
über Randthemen berichtet. Keine andere Zeitschrift hatte eine solche
Themenvielfalt zu bieten.
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Der 9-Nadel Matrixdrucker "Star NL-10" mit einer Centronics-Schnittstelle,
war seinerzeit ein beliebtes Druckermodell (Bild: Vogel-Verlag)
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André Eymann: Gab es Vorbilder für das Heftkonzept der
HC?
Wolfgang Taschner: Nein, das waren alles unsere eigenen Ideen.
Insbesondere mein Stellvertreter Hans Schmitt hat hier alle journalistischen
Register gezogen.
André Eymann: Welche Rubriken waren Ihre persönlichen Favoriten?
Wolfgang Taschner: Ich habe am liebsten Testberichte geschrieben
und Interviews gemacht.
André Eymann: In der
HC gab es immer wieder Anzeigen,
die um eine Meldung von Textern beim Vogel-Verlag warben. Liefen Ihnen
daraufhin die Autoren die Türen ein? Wie stellten Sie die Kontakte zu den
Redakteuren her, um die Berichte und Reportagen fachlich fundiert anbieten zu können?
Wolfgang Taschner: Es ging in erster Linie um gute Listings,
die wir abdrucken konnten. An manchen Tagen war der ganze Postkorb voll damit.
Jedes eingehende Listing wurde getestet und bewertet.
André Eymann: Wie haben Sie die neuen Trends für das Heft
aufgespürt? War die Redaktion auch im Ausland unterwegs, um persönliche
Kontakte zu schließen und die aktuellen Neuigkeiten des Markts zu erforschen?
Wolfgang Taschner: Meine erste Auslandsreise für die
HC führte
mich nach London zur Sinclair-Messe. Später war ich auch regelmäßig auf der
Consumer Electronics Show in Chicago und Las Vegas. Diese Messen waren
sehr wichtig, um anhand der zahlreichen Neuvorstellungen die Richtung
des Marktes erkennen zu können. Außerdem haben mich im Laufe der Jahre
alle wichtigen Entscheider in den Unternehmen gekannt, und mir
in persönlichen Gesprächen die Markt-Trends vermittelt. Manchmal auch dadurch,
dass sie über bestimmte Dinge nicht reden wollten...
André Eymann: Nach welchen Kriterien wurden die Leitartikel
und „heißen Themen“ für das Heft ausgewählt?
Wolfgang Taschner: Es gab einmal im Monat eine Heftkonferenz,
in der die Themen für die nächste Ausgabe diskutiert und festgelegt wurden.
Darüber hinaus waren wir in der Redaktion im ständigen Austausch,
so dass wir topaktuelle Themen auch sehr kurzfristig noch ins Blatt nehmen konnten.
André Eymann: Wie erfolgreich war das Magazin auf dem deutschen
Zeitschriftenmarkt? Liegen Ihnen noch Auflage- oder Verkaufszahlen vor?
Wolfgang Taschner: Das Magazin brachte es nach meiner Erinnerung
vom Stand weg auf eine verkaufte Auflage zwischen 60.000 und 80.000 Exemplaren.
Sie zählte damit zu den erfolgreichsten Magazinen in diesem Markt.
André Eymann: Gab es die
HC nur in Deutschland oder auch im Ausland?
Wolfgang Taschner: Die
HC war auch in der Schweiz und in Österreich
am Kiosk beziehungsweise im Abonnement erhältlich.
André Eymann: Haben Sie heute noch Kontakte zu den Menschen
hinter der
HC, beispielsweise zu Autoren, Redakteuren oder anderen
Persönlichkeiten von damals? Hatten Sie beispielsweise die Gelegenheit,
„Mr. Atari“,
Klaus Ollmann oder
Winrich Derlien von Activision kennen zu lernen?
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Wolfgang Taschner: Ich war erst kürzlich auf einem „Vogeltreffen“,
auf dem viele Ehemalige aus dem Vogel-Verlag zusammenkommen. Von der HC war
allerdings leider niemand dabei. Ich werde allerdings den Link zu diesem
Interview an alle Damaligen weiterleiten. Vielleicht entsteht ja ein Treffen daraus...
Die von Ihnen angesprochenen Klaus Ollmann und Winrich Derlien
habe ich damals mehrfach getroffen. Auch die persönlichen Gespräche
mit Sir Clive Sinclair, Chuck Paddle, Shiraz Shivji oder Jack Tramiel
habe ich noch in Erinnerung. Dazu zählt auch das Interview mit Bill Gates,
der damals gerade sein Betriebssystem Windows auf den Markt gebracht hatte.
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Wolfgang Taschner ist auch heute noch als Redakteur und Berater in der IT-Branche erfolgreich (Bild: Wolfgang Taschner)
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André Eymann: Können Sie sich an Anekdoten aus der Zeit
der
HC erinnern?
Wolfgang Taschner: Das Spiel
Decathlon forderte eine Zeitlang
unseren Ergeiz heraus. Immer wenn jemand aus der Redaktion in einer
bestimmten Sportart den Rekord aufgestellt hatte, zeigt er ihn stolz herum.
Daraufhin machten sich die anderen mit Hochdruck daran, diesen Rekord
zu brechen. An einem Montagmorgen stand plötzlich Horst Brandt,
unser Redakteur für die Listings, gleich mit mehreren unglaublichen Rekorden
in der Liste. Da er sich sonst eher weniger fürs Spielen interessierte,
haben wir natürlich solange nachgebohrt, bis er mit seinem Geheimnis herausrückte.
Er hatte den ganzen Sonntag damit verbracht, einen ZX-81 als Joystick-Emulator
für den C64 zu programmieren. Damit konnte er die Joystick-Bewegung
für das Spiel automatisch so exakt ausführen, wie es von Hand nie möglich gewesen wäre.
André Eymann: Im Oktober 1986 erschien
die letzte Ausgabe der
HC. Was genau führte zum Ende der Zeitschrift
und was geschah danach mit der Redaktion? Was waren Ihre nächsten beruflichen Schritte?
Wolfgang Taschner: Das Interesse am Home-Computer sank deutlich,
und damit auch unsere verkaufte Auflage. Daraufhin wurde die Zeitschrift
kurzerhand eingestellt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
der Redaktion zerstreuten sich in alle Winde. An dieser Stelle fehlte
eine klare Marktstrategie des Verlags für seine Zeitschriften,
um das große Potenzial der Redaktion zu halten und für neue Projekte zu nutzen.
Ich habe zwar noch zwei Nachfolge-Konzepte für die
HC erstellt,
zum einen eine Zeitschrift für die private PC-Nutzung sowie zum anderen
ein Magazin für Online-Kommunikation. Aber ich war damit wohl
der Zeit etwas voraus, denn der Geschäftsführer des Vogel-Verlags
hat damals in beidem keinen kommerziellen Nutzen gesehen. Ich bin dann
als Chefredakteur der
micro zu Bertelsmann gegangen, wo ich mir
ein sehr gutes Netzwerk in der PC-Branche aufgebaut habe. Anhand dieser
Kontakte konnte ich 1986 problemlos in die Selbständigkeit wechseln und mit
Firmen wie Olivetti, Apple, NEC oder Hewlett-Packard im Bereich Pressearbeit
erfolgreich zusammenarbeiten.
André Eymann: Zweifellos hat Ihnen die berufliche Ausbildung
zum Informatiker ein solides fachliches Fundament für das Schreiben
über Technik gegeben. So erschienen 1993 mehrere Taschenbücher von Ihnen,
die sich mit dem Computer befassten. Mit Titeln wie
Computer im Hausgebrauch,
Computer im Unterricht oder
Win Dies & Das - Eine Public-Domain-
und Shareware-Anthologie für Windows brachten Sie Licht in das Computerwissen
deutscher Haushalte.
Wolfgang Taschner: Bei den Shareware-Anthologien hatte ich
sehr viel Spaß am Schreiben. Den Kontakt zum Zweitausendeins-Verlag
und zu Rowohlt verdanke ich meinem Freund Manfred Waffender, den ich bei
einem Redaktionsbesuch gleich zu Beginn meiner Tätigkeit bei der
CHIP
kennen gelernt habe.
André Eymann: Aber schon damals begannen Sie auch Reise- und
Ausflugsführer zu schreiben und sich weiter als Fachjournalist und Autor
für andere Themen zu interessieren.
Wolfgang Taschner: Die vielen Reiseführer sind ein gute Abwechslung
zu den technischen Themen. Außerdem halte ich mich fit, wenn ich bei
der Recherche zu Fuß oder mit dem Mountainbike in den Bergen unterwegs bin.
André Eymann: Haben Sie dennoch heute noch beruflich
mit Computern zu tun? Können Sie uns etwas über Ihre aktuellen Projekte verraten?
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Wolfgang Taschner heute, bei der Recherche zu einen Radlbuch für das Altmühltal (Bild: Wolfgang Taschner)
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Wolfgang Taschner als Repräsentant der DOAG beim Launch der neuen Datenbank 11g R2 in Zürich (Bild: Wolfgang Taschner)
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Wolfgang Taschner: Ich bin nach wie vor selbständig tätig. Einer
meiner wichtigsten Kunden ist die DOAG Deutsche ORACLE-Anwendergruppe e.V.,
für die ich als Chefredakteur für die Inhalte der DOAG News,
der DOAG Business News, des 14-tägigen Newsletters sowie der DOAG-Webseiten
verantwortlich bin. Darüber hinaus berate ich die DOAG in allen Fragen
der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Aufgrund des innovativen Auftretens
von Oracle in allen Bereichen, angefangen von der Datenbank über
die Middleware bis hin zu den Business Applications, bin ich auch
fünfundzwanzig Jahre nach der HC-Gründung immer noch
mit den Spitzen-Technologien der IT-Branche beschäftigt.
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André Eymann: Wir bedanken uns für das freundliche Interview
und wünschen Ihnen für Ihre Zukunft alles Gute.
Wolfgang Taschner: Vielen Dank!
Weiterführende Informationen:
© 2009
ANDRÉ EYMANN