Jeder Mensch erlebt in seiner Jugend Dinge, die ihn prägen. Die 60er hatten Elvis, die 70er das Discofieber, die 80er Pac-Man und die 90er Pokemon. Ich selbst bin ein Kind der 80er (Jahrgang 1969). Ende der 70er Jahre kam das ATARI VCS auf den Markt. Ich erfuhr davon 1981, denn ein Freund von mir hatte ein solches Gerät. Wir spielten nach der Schule – und nach der Schule war vor der Schule und umgekehrt.

Mein Großvater war sehr belesen und erkannte, das Computer die Zukunft sind. Also bekamen mein Cousin und ich zu Weihnachten 1982 einen Bausatz des SINCLAIR ZX81. „Zwischen den Tagen“ wurde gelötet. Der von meinem Cousin funktionierte, meiner leider nicht. Aber der Fehler war schnell gefunden: ich hatte die CPU falsch herum eingesteckt.

Kleiner Meilenstein

Unter der Federführung von Sir Clive Sinclair kam der ZX81 als Nachfolger des MK-14 und des ZX80 heraus und setzte den ersten Meilenstein für die Firma Sinclair. Bereits 1981 war er ein Verkaufsschlager, da er unter der magischen Grenze von 100 englischen Pfund blieb. Bis dato war er also der günstigste einer Serie von verschiedenen Homecomputern, die in Europa verkauft wurden.

In Großbritannien wurde der ZX81 auch bei der Bücherkette W. H. Smith & Son angeboten und promoted. An den Schulen in England war er der meist eingesetzte Computer im Unterricht.

Die amerikanische Firma TIMEX baute den ZX81 in Lizenz (er kam dort mit 2kB-Grundspeicher als Timex-Sinclair TS1000 auf den Markt) und deckte damit den Markt über dem großen Teich ab. Sinclair baute auch eine 16kB Speichererweiterung und einen Drucker.

Nach ein paar BASIC-Programmen und einer wirklich schönen 16kB-Zeit bekam ich dann zu Weihnachten 1983 einen Commodore 64 geschenkt, denn auch mein Vater erkannte die Zeichen der Zeit und dachte sich: „Wenn schon, dann in Farbe“. Wow, 64kB, das bekommen wir nieeeee voll!

Man beachte den Walkman meines Bruders... (Bild: Jens Sommerfeld)
Man beachte den Walkman meines Bruders… (Bild: Jens Sommerfeld)

Die Jahre gingen und die Spiele kamen – es wurde gezockt, und nicht mehr programmiert. Dann folgten der ATARI ST und dann auch bald der PC. Der ZX81 und der C64 wurden auf dem Dachboden in Kisten verstaut.

Die 90er kamen und Pokemon und Playstation waren angesagt. Doch der Zufall spielt im Leben bekanntlich eine Rolle und so entdeckte ich 1999 auf dem Dachboden meiner Eltern einen kleinen grünen Schuhkarton auf dem „JENS COMPUTER“ stand. Ächä, ein wenig verstaubt… oh, der ZX81… ob der noch funktioniert?!

Und er funktionierte! Große technische Errungenschaften wie das Internet führten mich schnell zu www.zx81.de und dort bekam ich Kontakt zu Peter Liebert-Adelt, der die jährlichen Treffen des ZX-TEAM organisiert (seit 1991). Also wurde ich noch 1999 Mitglied in diesem TEAM, welches aus etwa 80 aktiven Mitgliedern weltweit besteht.

Mein Hobbykeller-Paradies. Voll, aber dafür eng. (Bild: Jens Sommerfeld)
Mein Hobbykeller-Paradies. Voll, aber dafür eng. (Bild: Jens Sommerfeld)

Der ZX81 ist eine wunderbare Maschine. Gebaut für die Massen wurden davon etwa 1,5 Millionen Einheiten verkauft. Der kleine Türstopper, wie er von seiner Fangemeinde zärtlich genannt wird, besteht aus fünf ICs, welche den Rechner klein und – noch wichtiger – verständlich machen. Für mich ist er der Prototyp eines idealen „Hackingdevice“.

Hintergrundwissen zum ZX81

zx81hb

Entwickler:
Sinclair Research Ltd.

Modellname:
Sinclair ZX81

Verkaufsstart in Deutschland:
Herbst 1981 für 398 DM.

Arbeitsspeicher:
1024 Bytes (1k)

„Ein Kilobyte und doch erwachsen – der ZX81, ein vollständiger Computer. Gemacht für die Masse und für jedermann erschwinglich.“

Das ZX81 Handbuch (Sinclair ZX81 BASIC Programming) wurde von Steven Vickers geschrieben, der später den Jupiter Ace entwickelte. Das Coverbild stammt von John Harris, der viele weitere fantastische Bilder schuf.

Wer früher noch von Kassette geladen hat dem sei hier verraten, das es inzwischen Lade- und Speicherlösungen mit USB, SD, HDD, Robotersteuerung, Fräsmaschinen, diverse Nachbauten und inzwischen sogar Internet für den ZX81 gibt. Es hat sich viel getan in den letzten Jahren. Der Z80 im Inneren des ZX81 wird ordentlich gefordert – denn schließlich wollen wir ja den Usern, die durch das Mastercontrolprogramm irrtümlich in den Computer transferiert wurden, auch was zu tun geben. Und neue Spiele gibt es ohne Ende. Inzwischen sogar mit Sound und in Farbe, wobei man auch dem Schwarz/Weiß-Bild viel Charme abgewinnen kann.

Der ZX81 ist für mich der Prototyp des idealen Hackingdevice.

Jens Sommerfeld

Ein ZX81 von heute (in diesem Fall der ZX81NU) kann zum Beispiel so aussehen und besteht aus Standard-Bauteilen und einer selbst entwickelten Platine:

Die Platine des ZX81NU. (Bild: ZX-TEAM)
Die Platine des ZX81NU. (Bild: ZX-TEAM)

Neben Hardware werden auch tolle Games und Software aller Art veröffentlicht, welches der Menschheit frei nach dem Hackergedanken auch frei zur Verfügung gestellt werden. Hilfesuchende finden im ZX-TEAM auch immer Ansprechpartner, die mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Wer sich für den kleinen Rechner interessiert, der kann mit einem Emulator mal schauen, wie das alles so funktioniert und sich gerne an mich oder das ZX-TEAM wenden.

Im zweiten Teil meines Artikels gehe ich auf die Hardware des ZX81 ein und im dritten Teil stelle ich ein paar alte und neue Spiele vor.

Weiterführende Links: