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TATSACHEN


Erinnerungen des deutschen Atari Managers

Vita:
Klaus Ollmann wurde am 9. März 1940 in Bad Schwartau, in der Nähe von Lübeck, geboren.
Atari Marktanteil:
Die Marktdurchdringung für Atari-Hardware im Bereich der Videospiele lag 1984 weltweit bei ca. 85 Prozent.
Angriff auf den Commodore 64:
Der Atari 400 wurde als direkter Konkurrent des Commodore 64 positioniert.
 
Klaus Ollmann - Erinnerungen des deutschen Atari Managers
TEXT UND BILDER: KLAUS OLLMANN
AUSGABE: NOVEMBER 2004
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Vorwort von Guido Frank
Seit dem vergangenem Frühjahr warten viele Besucher unserer Internetseite schon gespannt auf einen weiteren Artikel des ehemaligen Atari Geschäftsführers Klaus Ollmann.

Jetzt ist es endlich wieder soweit. Bereits zum dritten Mal können wir euch mit der freundlichen Unterstützung von Klaus Ollmann neue Geschichten und Anekdoten aus der guten alten Atari Zeit präsentieren. Diesmal haben wir verschiedene Fragen zum Thema gestellt, im Interesse unsere Leser und stellvertretend für alle Atari-Fans. Neben seinen Erzählungen hat Herr Ollmann nun aber auch zum ersten Mal sein privates Fotoalbum für uns geöffnet. Einige der nun folgenden Bilder wurden bisher noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt. Deshalb erleben wir hier gleich eine doppelte Premiere.   Klaus Ollmann als Managing Director der Atari Vertriebsgesellschaft mbH.
Klaus Ollmann als Managing Director der Atari Vertriebsgesellschaft mbH.

Freuen wir uns jetzt auf viele spannende Details deutscher Atari Geschichte, zusammen mit exklusiven Fotos, aus der Zeit als wir mit der VCS Spielkonsole eine völlig neue und aufregende Welt erlebten...

„Die Welt der Atari Videospiele!“



Interview mit Klaus Ollmann
ORIGINALTEXT VON Klaus Ollmann

Hallo Herr Frank,

ich habe mich in den letzten Tagen hingesetzt und bemüht, Antworten und Kommentare zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen zu erarbeiten. Zwischenzeitlich schreiben mich jetzt aber auch andere Atari-Fans direkt an, da sie wohl über meine Internet Aktivitäten in der letzten Zeit auf mich gestoßen sind. Auch denen soll ich nun schreiben, möchte aber die Kontakte doch auf Sie beschränken und bitte dafür um das Verständnis aller Atari-Fans.

Ich habe mal meine alten Terminkalender der Jahre 1979 bis 1985 durchgeblättert, musste aber zu meinem Leidwesen feststellen, dass sie zur Verifizierung von Daten wenig hergeben. Leider habe ich damals nicht daran gedacht, außer Terminen weitere Hintergrundinformationen, ja, noch nicht einmal Daten zur Meisterschaften etc. einzutragen. Letztere lagen in der Verantwortung unseres damaligen Marketingdirektors, Herrn Hans-Ueli Hasler.



Hallo Herr Ollmann,

vielen Dank für Ihre Mühe unseren Fragenkatalog so umfangreich zu beantworten. Selbst wer sich bereits ausgiebig mit der Atari-History beschäftigt hat, dürfte von einigen ihrer Antworten sehr überrascht werden. Hier nun also das ganze Interview das wir kurz zuvor an Sie gerichtet hatten.

Guido Frank: Wie empfanden Sie damals die Konkurrenz von Commodore im Computerbereich oder die neuen VCS Anbieter Activision und Imagic? Was war ihre Strategie gegen diese aufkommende Konkurrenz?

Klaus Ollmann: Zuerst zur Konkurrenz im Videospielbereich. Als Atari auf den Markt kam, war einziger ernst zunehmender Anbieter die Firma Philips. Die Händler mochten Videospiele eigentlich nicht, denn das Philips G7000 lag wie Blei in den Verkaufsregalen - sagte man uns wenigstens.

Als die Nachfrage nach Atari, gepusht durch die Fernsehwerbung, massiv einsetzte, wurde das Philips Produkt stark retourniert. Ich errechnete mir damals Marktanteile zwischen 85% bis 90%. Daran konnte auch Intellivision nichts ändern. Es wurden zwar immer Herr Ollmann von Atari und Herr Schmidt von Intellivision nebeneinander gezeigt, aber was sollte die Presse denn machen? Unser Marktanteil in der Hardware lag bis in das Jahr 1984 bei ca. 85%.

„Die neuen Bosse“. Ein Artikel über Atari und Intellivision in der Telematch Erstausgabe Januar von 1983.
„Die neuen Bosse“. Ein Artikel über Atari und Intellivision in der
Telematch Erstausgabe Januar von 1983.

Die Lager wachsen
In der Software war das anders. Wir hatten am Anfang den Kunstgriff gemacht, aus allen uns zugesandten VCS-Paketen die beigelegte Spielepackung Space Invaders herauszunehmen und sie separat zu verkaufen.

Damit konnten wir die Konsole etwas billiger in den Markt bringen. Bereits ca. 9 Monate nach Markteintritt wurden die ersten Activision Spiele angeboten. Diese Konkurrenz im Spielebereich hat mich nie gestört. Unsere Umsatzentwicklung war derart dynamisch, dass wir genug damit zu tun hatten, Logistik und Organisation dieser Entwicklung anzupassen. Dazu gehörte auch die Verlagerung des Versands von einem obskuren Kleinlager in Hamburg-Langenhorn hin zu dem vorher von mir mitgegründeten Schallplattenpresswerks Record Service in Alsdorf bei Aachen, dass geleitet wurde von meinem leider inzwischen verstorbenen Freund Fritz Coch.   Ein umfassendes Portrait von Klaus Ollmann in der Telematch. „Die Konkurrenz hat die Entwicklung verschlafen“.
Ein umfassendes Portrait von Klaus Ollmann in der Telematch. „Die Konkurrenz hat die Entwicklung verschlafen“.

Außerdem halfen diese zusätzlichen Softwareangebote, unsere VCS-Hardware im Markt fest zu etablieren. Schon die Tatsache, dass es heute noch so viele Atari-Fans gibt und fast keine Intellivision Fans, spricht für die Richtigkeit unserer damaligen Annahme.

Raubkopien und das VCS
Ganz anders war es bei Raubkopien. Es gab einen Anbieter aus Wiesbaden, einen US-Bürger mit Namen Steve Finta, der Ende 1983 mit einem Gerät auf den Markt kam, mit dem man den Inhalt der VCS-Spielekassetten auf einen Rohling kopieren konnte. Diesen Herrn haben wir per Gericht ganz schnell diesen Geschäftszweig verdorben, denn, wie wir heute bei CD und DVD sehen, die Möglichkeit solcher Kopien hätte uns das Geschäft erheblich zerstört.

Atari und die Homecomputer
Anders war es mit dem Home Computer Geschäft. Mit der Ankündigung dieses Geschäftes, ich glaube, das war 1981, aber korrigieren Sie mich gerne - mussten wir erheblich investieren in zusätzliche Aktivitäten im Vertrieb, im Produktmanagement, in Marketing und Promotion sowie in Serviceaktivitäten. Das war teuer, aber wir glaubten an das Produkt. Zusammen mit unseren Atari Computern brachte Jack Tramiel seinen Commodore 64 heraus und setzte von allem Anfang an auf den Preis als einziges Marketinginstrument.

Der Atari 400. Direkter Konkurrent des Commodore 64.
Der Atari 400. Direkter Konkurrent des Commodore 64.

Ich hatte geplant, in den ersten zwei Jahren die Preise hoch zu halten und mit den Erlösen der ersten noch geringen Absatzzahlen die Investitionen zu amortisieren. Das war uns nun nicht möglich, wir hechelten ständig Commodore hinterher, verdienten nie Geld. Wir machten alle Atari User glücklich, aber wir selbst und auch ich, der am Erfolg beteiligt war, wurde mit den Computern nicht glücklich. Viel Arbeit für nichts.

Eine Atari 400 Preisverleihung durch die Zeitschrift <i>CHIP</i>.
Eine Atari 400 Preisverleihung durch die Zeitschrift CHIP.

Ich muss gestehen, dass ich Jack Tramiel und seine Vertriebs- und Preispolitik nicht verstand. Als ich dann seinen Abgesandten Mr. Harris kennen lernte, veränderte sich das Unverständnis in Abneigung und spätestens nachdem mir Detlev Driemeier (damals Atari Marketing Director) vom Auftreten des Jack Tramiel berichtete, wurde er mir extrem unsympathisch.

Mein Ausscheiden bei Atari aufgrund der Übernahme von Jack Tramiel habe ich bedauert, war es doch das Ende einer großartigen Epoche meines Berufslebens, sowie des Berufslebens einer Vielzahl unserer Mitarbeiter, die sich heute zum Teil noch kennen und treffen. Wenn auch Warner Monate brauchte, um die Trennung für mich zufriedenstellend abzuwickeln, freute ich mich dennoch, mit den Tramiels dieser Welt nicht weiter verbunden zu sein. Sein Geschäftsführer späterer Jahre, vorher bei Commodore tätig, war dann ja auch nicht mehr so grandios und heute ist Atari, zumindest in alter Form, leider Geschichte.
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