Vorwort von Guido Frank
Seit dem vergangenem Frühjahr warten viele Besucher unserer Internetseite schon
gespannt auf einen weiteren Artikel des ehemaligen Atari Geschäftsführers Klaus
Ollmann.
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Jetzt ist es endlich wieder soweit. Bereits zum dritten Mal können wir euch mit der
freundlichen Unterstützung von Klaus Ollmann neue Geschichten und Anekdoten aus der
guten alten Atari Zeit präsentieren. Diesmal haben wir verschiedene Fragen zum Thema
gestellt, im Interesse unsere Leser und stellvertretend für alle Atari-Fans. Neben
seinen Erzählungen hat Herr Ollmann nun aber auch zum ersten Mal sein privates
Fotoalbum für uns geöffnet. Einige der nun folgenden Bilder wurden bisher noch
nie in der Öffentlichkeit gezeigt. Deshalb erleben wir hier gleich eine doppelte Premiere.
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Klaus Ollmann als Managing Director der Atari Vertriebsgesellschaft mbH.
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Freuen wir uns jetzt auf viele spannende Details deutscher Atari Geschichte,
zusammen mit exklusiven Fotos, aus der Zeit als wir mit der VCS Spielkonsole eine
völlig neue und aufregende Welt erlebten...
„Die Welt der Atari Videospiele!“
Interview mit Klaus Ollmann
ORIGINALTEXT VON Klaus Ollmann
Hallo Herr Frank,
ich habe mich in den letzten Tagen hingesetzt und bemüht, Antworten und Kommentare
zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen zu erarbeiten. Zwischenzeitlich schreiben mich
jetzt aber auch andere Atari-Fans direkt an, da sie wohl über meine Internet
Aktivitäten in der letzten Zeit auf mich gestoßen sind. Auch denen soll ich nun
schreiben, möchte aber die Kontakte doch auf Sie beschränken und bitte dafür um das
Verständnis aller Atari-Fans.
Ich habe mal meine alten Terminkalender der Jahre 1979 bis 1985 durchgeblättert,
musste aber zu meinem Leidwesen feststellen, dass sie zur Verifizierung von Daten
wenig hergeben. Leider habe ich damals nicht daran gedacht, außer Terminen weitere
Hintergrundinformationen, ja, noch nicht einmal Daten zur Meisterschaften etc.
einzutragen. Letztere lagen in der Verantwortung unseres damaligen
Marketingdirektors, Herrn Hans-Ueli Hasler.
Hallo Herr Ollmann,
vielen Dank für Ihre Mühe unseren Fragenkatalog so umfangreich zu beantworten. Selbst
wer sich bereits ausgiebig mit der Atari-History beschäftigt hat, dürfte von einigen
ihrer Antworten sehr überrascht werden. Hier nun also das ganze Interview das wir
kurz zuvor an Sie gerichtet hatten.
Guido Frank: Wie empfanden Sie damals die Konkurrenz von Commodore im Computerbereich oder die
neuen VCS Anbieter Activision und Imagic? Was war ihre Strategie gegen diese
aufkommende Konkurrenz?
Klaus Ollmann: Zuerst zur Konkurrenz im Videospielbereich.
Als Atari auf den Markt kam, war einziger ernst zunehmender Anbieter die Firma
Philips. Die Händler mochten Videospiele eigentlich nicht, denn das Philips G7000
lag wie Blei in den Verkaufsregalen - sagte man uns wenigstens.
Als die Nachfrage nach Atari, gepusht durch die Fernsehwerbung, massiv einsetzte, wurde das Philips
Produkt stark retourniert. Ich errechnete mir damals Marktanteile zwischen 85% bis
90%. Daran konnte auch Intellivision nichts ändern. Es wurden zwar immer
Herr Ollmann von Atari und Herr Schmidt von Intellivision nebeneinander gezeigt, aber was
sollte die Presse denn machen? Unser Marktanteil in der Hardware lag bis in das Jahr
1984 bei ca. 85%.
„Die neuen Bosse“. Ein Artikel über Atari und Intellivision
in der Telematch Erstausgabe Januar von 1983.
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Die Lager wachsen
In der Software war das anders. Wir hatten am Anfang den Kunstgriff gemacht, aus
allen uns zugesandten VCS-Paketen die beigelegte Spielepackung
Space Invaders
herauszunehmen und sie separat zu verkaufen.
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Damit konnten wir die Konsole etwas billiger in den Markt bringen. Bereits ca. 9 Monate nach Markteintritt wurden die
ersten Activision Spiele angeboten. Diese Konkurrenz im Spielebereich hat mich nie
gestört. Unsere Umsatzentwicklung war derart dynamisch, dass wir genug damit zu tun
hatten, Logistik und Organisation dieser Entwicklung anzupassen. Dazu gehörte auch
die Verlagerung des Versands von einem obskuren Kleinlager in Hamburg-Langenhorn hin
zu dem vorher von mir mitgegründeten Schallplattenpresswerks Record Service in Alsdorf
bei Aachen, dass geleitet wurde von meinem leider inzwischen verstorbenen Freund Fritz Coch.
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Ein umfassendes Portrait von Klaus Ollmann in der Telematch. „Die
Konkurrenz hat die Entwicklung verschlafen“.
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Außerdem halfen diese zusätzlichen Softwareangebote, unsere VCS-Hardware
im Markt fest zu etablieren. Schon die Tatsache, dass es heute noch so viele
Atari-Fans gibt und fast keine Intellivision Fans, spricht für die Richtigkeit
unserer damaligen Annahme.
Raubkopien und das VCS
Ganz anders war es bei Raubkopien. Es gab einen Anbieter aus Wiesbaden, einen
US-Bürger mit Namen Steve Finta, der Ende 1983 mit einem Gerät auf den Markt kam,
mit dem man den Inhalt der VCS-Spielekassetten auf einen Rohling kopieren konnte.
Diesen Herrn haben wir per Gericht ganz schnell diesen Geschäftszweig verdorben,
denn, wie wir heute bei CD und DVD sehen, die Möglichkeit solcher Kopien hätte
uns das Geschäft erheblich zerstört.
Atari und die Homecomputer
Anders war es mit dem Home Computer Geschäft. Mit der Ankündigung dieses Geschäftes,
ich glaube, das war 1981, aber korrigieren Sie mich gerne - mussten wir erheblich
investieren in zusätzliche Aktivitäten im Vertrieb, im Produktmanagement, in
Marketing und Promotion sowie in Serviceaktivitäten. Das war teuer, aber wir glaubten
an das Produkt. Zusammen mit unseren Atari Computern brachte Jack Tramiel seinen
Commodore 64 heraus und setzte von allem Anfang an auf den Preis als einziges
Marketinginstrument.
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Der Atari 400. Direkter Konkurrent des Commodore 64.
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Ich hatte geplant, in den ersten zwei Jahren die Preise hoch zu halten und mit den
Erlösen der ersten noch geringen Absatzzahlen die Investitionen zu amortisieren. Das
war uns nun nicht möglich, wir hechelten ständig Commodore hinterher, verdienten nie
Geld. Wir machten alle Atari User glücklich, aber wir selbst und auch ich, der am
Erfolg beteiligt war, wurde mit den Computern nicht glücklich. Viel Arbeit für
nichts.
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Eine Atari 400 Preisverleihung durch die Zeitschrift CHIP.
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Ich muss gestehen, dass ich Jack Tramiel und seine Vertriebs- und
Preispolitik nicht verstand. Als ich dann seinen Abgesandten Mr. Harris kennen lernte,
veränderte sich das Unverständnis in Abneigung und spätestens nachdem mir Detlev
Driemeier (damals Atari Marketing Director) vom Auftreten des Jack Tramiel
berichtete, wurde er mir extrem unsympathisch.
Mein Ausscheiden bei Atari aufgrund
der Übernahme von Jack Tramiel habe ich bedauert, war es doch das Ende einer
großartigen Epoche meines Berufslebens, sowie des Berufslebens einer Vielzahl unserer
Mitarbeiter, die sich heute zum Teil noch kennen und treffen. Wenn auch Warner Monate
brauchte, um die Trennung für mich zufriedenstellend abzuwickeln, freute ich mich
dennoch, mit den Tramiels dieser Welt nicht weiter verbunden zu sein. Sein
Geschäftsführer späterer Jahre, vorher bei Commodore tätig, war dann ja auch nicht
mehr so grandios und heute ist Atari, zumindest in alter Form, leider Geschichte.
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