Guido Frank: Gab es Spiele für das VCS die ihre Erwartungen nicht erfüllten oder sich
vielleicht sogar völlig unerwartet zum Bestseller entwickelten?
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Das Atari Gesamtprogramm im Herbst 1981. Tennis-, Fußball- und Basketballspiele.
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Klaus Ollmann: Ich habe keine Unterlagen mehr über verkaufte Stückzahlen je Titel. Die einzigen
ersehen Sie aus dem VideoMarkt neben meinem Interview. Auch Ausreißer in den
Stückzahlen gab es nicht unerwartet. Wir wussten vorher, das Space Invaders oder
Pac-Man Knallerprodukte waren und das Snoopy and the Red Baron oder Superman nur
begrenztes Potential hatten. Wir wussten das, weil diese Produkte immer erst Monate
nach der Veröffentlichung in den USA in Europa veröffentlicht wurden; wegen der
notwendigen Vorarbeiten in Gebrauchsanweisungen oder Verpackung.
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Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei uns lagen dann die Ergebnisse aus den USA vor und der typische
Atari-Fan in den USA unterschied sich um keinen Deut von dem in Deutschland. Er war
männlich, zwischen 12 und 24 Jahre alt und ein Fan von allem, was aus den USA kam.
Insofern konnten wir unsere Einkaufsplanung direkt an den US-Charts ausrichten.
Guido Frank: Wie kam es zu den beiden VCS Spielen
Asterix und
Obelix, die speziell nur für den
europäischen Markt konzipiert waren?
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Klaus Ollmann: Ich kann diese Frage nur sehr rudimentär beantworten. Wir bekamen unsere
Produktvorgaben beinahe ausschließlich aus den USA, aus Sunnyvale und setzten sie
dann 1:1 auf den deutschen Markt um. Unsere Arbeit bestand im Übersetzen der
Bedienungsanleitungen und der Produktverpackungen. Im Übrigen war für
Verkaufsstatístiken und Produktmanagement Hans-Ueli Hasler zuständig.
Ich erinnere mich, dass Asterix und Obelix sich entwickelten aus einem Treffen der
Geschäftsführer und Marketingmanager in Montreux am Genfer See.
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Obelix für die Atari VCS Konsole. Die Idee hierzu kam aus Frankreich.
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Auf diesem Treffen sollte hauptsächlich
im Brainstorming über die Erweiterung der Nutzenpalette für den Homecomputer
nachgedacht werden. Lange vor der Einführung des Internets war es uns und den
Produktentwicklern nicht klar, wofür der Homecomputer denn nun zu gebrauchen sei.
Uns waren lediglich drei Einsatzgebiete vorstellbar:
- Die Spiele, abgeleitet aus den VCS 2600 Spielen und neue Entwicklungen nicht nur durch Atari,
sondern die Vielzahl von Softwarehäusern wie Activision, Parker usw.
- Die Textverarbeitung als Todesurteil der Schreibmaschine.
- Die Tabellenkalkulation, damals vor allem VisiCalc.
Grimmsche Märchenfiguren als deutsche Videospielhelden?
Letzteres hatte ich einige Jahre vorher selbst erfahren als Finanzchef der WEA Musik
Hamburg bei der Erstellung des Jahresbudgets. Hatte ich Jahre vorher dieses Budget
auf hunderten von Seiten aufschreiben und rechnen müssen mit allen Risiken der
Änderungen von Vorgaben durch den Geschäftsführer Siegfried Loch und alle sich daraus
ergebenden manuellen Neukalkulationen, genügte jetzt mit VisiCalc - und später mit
Excel - die Veränderung einer Zahl, um das gesamte Zahlengerüst zu updaten. Ich
erinnere mich noch heute mit Vergnügen an den Frust des Geschäftsführers, dem
plötzlich sein Lieblingsspielzeug, die jährliche Budgetsitzung mit der Möglichkeit
die Finanzleute zu ärgern, aus der Hand genommen war.
Aber zurück zu
Asterix und
Obelix. Wir sollten uns also zusammensetzen und weitere
Anwendungsgebiete für den Homecomputer ausdenken. Es kamen die absonderlichsten
Vorschläge von der Rezeptsammlung über die Schminkschule bis hin zu Wörterbüchern und
anderem.
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Es wurde auch über neue Spielideen diskutiert. Mickey und Donald Spiele
waren gerade angekündigt oder herausgebracht worden und in diesen Diskussionen schlug
mein Freund Guy Millant, Geschäftsführer der Atari Frankreich vor, doch Spiele auf
der Basis Asterix und Obelix herauszubringen. Mir fielen für den deutschen Markt nur
der Struwwelpeter oder die Grimmschen Märchenfiguren ein. Ich hoffe, der deutsche
Atari-Fan ist mir nicht böse, dass ich diese Ideen für mich behielt. Ich glaube mich
zu erinnern, dass diese Asterix-Spiele kein großer Hit waren.
In den USA erschien das Spiel Asterix in leicht abgewandelt Form als
TAZ - Der tasmanische Teufel, einer bekannten Comicfigur (Bugs Bunny) aus dem Hause Warner.
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Der Struwwelpeter als VCS Spielmodul? Die Konzepte für die Umsetzung der Grimmschen Märchenfiguren
für die Atari Konsole verblieben in der Schublade.
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Anmerkung von Guido Frank: der Struwwelpeter als VCS Spielmodul? -
eine wirklich haarsträubende Vorstellung!
Das Atari-Mindlink: Videospiele durch Gedanken steuern?
Guido Frank: Sie sind eine der wenigen Personen, die jemals das legendäre Atari Mindlink
gesehen und ausprobieren konnten, auch wenn es nach ihrer Ansicht ein glatter
Reinfall war.
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Das Atari-Mindlink: Videospiele durch Gedanken steuern?
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Klaus Ollmann: Mein Kontakt zu dem Mindlink-Produkt ergab sich nach dem Rücktritt von Ray Kassar als
Chief Executive Officer der Atari Inc. Als Nachfolger wurde uns durch Warner
Communication vorgestellt ein Herr Jim Morgan, der von Philip Morris kam und als
energisch und dynamisch dargestellt wurde. Jim Morgan lud kurz danach alle
Geschäftsführer weltweit zu einem Meeting nach New York und im Laufe dieses Meetings
wurde auch über neues Produkt gesprochen, da die Konkurrenz der Softwareanbieter
(Activision, Imagic usw.) drückend wurde und das Geschäft mit den Homecomputern durch
die extrem aggressive Preispolitik von Commodore völlig unrentabel war. Diese
Preispolitik war für mich im übrigen völlig unverständlich, der Markt war gerade
erschlossen und saugte alles, was angeboten wurde ab. Aggressive Preise zu einem
solchen Zeitpunkt ermöglichen es Anbietern nicht, Anfangsinvestitionen zu
erwirtschaften und einen soliden Unterbau und Vertrieb, Kundenservice etc. zu
etablieren.
Damals wurde als neues Produkt noch nicht vorgestellt, aber doch schon angekündigt
das Atari Mindlink System, das mit den folgenden Worten angepriesen wurde: „Ein
Durchbruch in der Steuerung von Videospielen. Das Mindlink wird wie ein Stirnband
angelegt, Elektroden nehmen Gehirnströme und Augenbewegungen ab und übertragen diese
Impulse auf den Bildschirm. Damit wird das Paddel oder Joystick ersetzt, man steuert
das Spiel durch Augenbewegungen“.
Es wurde auch ein Atari-Telefon vorgestellt, das in die Steckdose gesteckt und
Telefonieren über das elektrische Stromnetz ermöglicht. Tolle Idee, aber man hat es
nie wieder gesehen.
Umsatz ohne neue Produkte?
Neben diesen und einigen anderen, für mich extrem phantastischen Produkten war kein
für mich erkennbar vermarktbares Produkt in der Planung. Ich flog damals sehr
enttäuscht nach Hause, denn - es muss im Jahr 1984 gewesen sein - wir hatten im
Vorjahr um die 140 Mio. DM Umsatz gemacht und die sollten wir im nächsten Jahr
natürlich toppen, so wie man es von uns in den Vorjahren gewohnt war.
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Atari Werbung mit Space Invaders Motiv. „Wir sind kaum zu schlagen“.
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Jim Morgan
besuchte uns dann auch noch mal Mitte April 1984 in Hamburg, aber dieses Treffen
ist mir nur deshalb in Erinnerung geblieben, weil wir in einem der besten Lokale
der Stadt, bei Restaurant Scherrer an der Elbchaussee aßen und weil wir extra für diesen Abend einen Mercedes 600
gemietet hatten, um Mr. Morgan und seine Frau im US-Stil durch die Gegend zu
kutschieren. Als Topmanager hat sich Herr Morgan nicht profiliert und er wurde
dann mit Übernahme durch Jack Tramiel als erster gefeuert.
Das Mindlink-Headband sah ich im Winter 1983/1984 auf der Electronic Messe (CES) in Las
Vegas. Wie üblich war der Atari-Stand riesig und umlagert von den Fans, im oberen
Stockwerk des Standes hatten nur Mitarbeiter und VIPs Zutritt. Dort hatte ich
Gelegenheit, den Mindlink selbst anzulegen. Die Erfahrung war für mich
niederschmetternd, der Cursor auf dem Bildschirm folgte meinen Augenbewegungen nur
sehr erratisch, das Spiel
Pong - wohl eines der simpelsten, war unmöglich zu
spielen, weil auch bei den kontrolliertesten Augenbewegungen der Cursor nicht zu
steuern war, sondern unkontrolliert hin- und herzuckte. Das Schlimmste aber war,
dass man sich derart konzentrieren musste, dass man schon nach Minuten schlimmste
Kopfschmerzen bekam. Für mich war klar: dieses Produkt ist nicht nur unbrauchbar,
sondern vor allem aber als neue Wunderwaffe im Markt maßlos überschätzt. Und ganz
folgerichtig wurde es auch nie veröffentlicht. Herr Tramiel jedenfalls hat sich nicht
mehr darum gekümmert.
Guido Frank: Über das Atari 5200 wird überall berichtet, dass es in Europa nicht auf dem Markt
erschien, weil es in den USA so schlecht verkauft wurde. Gab es jemals 5200er PAL
Geräte für Europa?
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Atari 5200 Super System. Identisch mit dem Atari 400 und 800, aber nie in Europa erschienen.
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Klaus Ollmann: Keine Ahnung. Ich habe das Atari 5200 Super System in Erinnerung als ein Produkt, dass angekündigt,
aber mein Ausscheiden nicht erlebte. Näheres kann ich für Deutschland nicht sagen,
ich erinnere nicht, es je gesehen oder angefasst zu haben. Vielleicht hat ja Jack Tramiel damit noch am US-Markt rumgespielt.
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