Atari und die Medienstars
Guido Frank: Welche Eindrücke hatten Sie von anderen berühmten Personen aus der Atari-Arä,
denen sie dort über den Weg gelaufen sind? Können sie uns dazu etwas schildern?
Klaus Ollmann: Oh, da gibt es einige. Franz Beckenbauer, Pelé, Gracia von Monaco,
Steven Spielberg, Alan Alda, Mario Andretti, Claude Nobs (Gründer des Montreux
Jazz Festivals), Günther Netzer und weitere. Auch den Chairman von Warner
Communications, Steven Ross lernte ich kennen und bewunderte ihn weniger wegen
seiner professionellen Fähigkeiten, sondern wegen seines Lebensstils.
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Steve Ross unterhält sich mit Steven Spielberg.
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Er hielt sich seinen Privatjet, den ich allerdings nie genießen durfte. Seinen
Hubschrauber, den ich einmal benutzte, und seine Warner-Villa hoch über Acapulco, die
wir einmal gleich nach der Electronic Messe in Las Vegas für eine Woche benutzen
durften, nach Clint Eastwood und vor Mick Jagger.
Wir waren: Guy Millant mit Frau, Klaus Ollmann mit Freundin, Atari International
Vizepräsident Anton Brühl mit Frau, Claude Nobs vom Montreux Jazz Festival und einige
andere.
Ich erinnere mich, dass ich beim Sales Meeting 1982 in Monte Carlo einmal einen
Nachmittag neben ihm am Pool des Hotel de Paris rumhängen durfte. Am Abend beim
Galadinner lief eine italienische Kapelle durch die Gänge und spielte italienische
Volkslieder und ich muss gestehen, dass ich schon einiges intus hatte.
Als die Band an unseren Tisch kam, spielten sie
Luna Caprese, ein Lied von der Insel Capri, dass
ich als Musiker während meiner Studentenzeit oft selbst gespielt und gesungen hatte.
Ich stand also auf und sang mit und alle Gäste an diesem Tisch inklusive meiner
Lebensgefährtin gingen in Deckung, weil sie dachten, die Katastrophe ist da.
Stattdessen kam Steve Ross an unseren Tisch und bat gut gelaunt um ein Autogramm
und wir haben danach noch viel gelacht. Dennoch war er als CEO des damals weltgrößten
Unterhaltungskonzerns natürlich um Galaxien von einem kleinen deutschen
Geschäftsführer entfernt.
Sportliche Sonderbotschafter
Franz Beckenbauer spielte zu meiner Zeit als Geschäftsführer der WEA Musik GmbH bei
Cosmos New York, dem Soccerclub der Warner Communication. Warner hatte diesen Club
dem Präsidenten von Atlantic Records bei der Übernahme seines Labels als Teil des
Deals abgekauft mit der Maßgabe, in die Zukunft des Soccer in den USA zu investieren.
Ich erinnere mich, dass Siggy Loch und ich einmal Ende der Siebziger in New York
saßen, um dem damaligen Chief Controller Bert Wassermann unsere Idee eines
Schallplatten-Presswerkes in Alsdorf bei Aachen per Feasibility Studie nahe zu
bringen. Mitten in diesen Gesprächen und nur einige Seiten vor einem von mir kurz
vorher erkannten Fehler in der Analyse steckte mit einemmal Marvin Payson, der
Anwalt der WCI, den Kopf in die Tür und rief: „He has signed“. Woraufhin uns
innerhalb von Sekunden das „Go ahead“ gegeben wurde und alles aus dem Raum stürzte.
Was war geschehen?
Klaus Ollmann und Pelé in den Hamburger Geschäftsräumen von Atari im Mai 1981.
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Pelé hatte ebenfalls bei Cosmos unterzeichnet. Wir fuhren nach
Hause und trotz des unentdeckten Fehlers in der Analyse wurde das neue Presswerk
Record Service in Alsdorf unter Leitung von Fritz Coch zu einem Riesenerfolg. Heute
versorgt es die Welt außerhalb der USA mit Tonträgern. Alsdorf wurde übrigens der
Standort, weil ein anderes Verlagsunternehmen der WCI dort kurz vorher Pleite gemacht
hatte und das Grundstück und die Gebäude irgendwie genutzt werden mussten. Und wer
konnte das besser als das größte WCI-Unternehmen in Deutschland, die WEA Musik in
Hamburg? Pelé und Franz wurden mit dem Erfolg der Atari weltweit zu Sonderbotschaftern der
Atari ernannt und Pelé besuchte uns vom 4. bis 7. Mai 1981 in Hamburg zur
Veröffentlichung des Spiels
Pelés Soccer.
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Pelé als Atari-Sonderbotschafter mit Klaus Ollmann im Mai 1981 bei einer
Autogrammstunde beim Technik-Warenhaus Brinkmann in der Hamburger Mönckebergstraße.
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Er besichtigte ein Kinderkrankenhaus in Hamburg-Altona, gab eine Autogrammstunde beim Technik-Warenhaus Brinkmann
in der Hamburger Mönckebergstraße und hatte verschiedene Fernseh- und Presseauftritte.
Und am letzten Abend verbrachte er einige ruhige Stunden in meinem Privathaus in Jork
im Alten Land. Pelé hat mich sehr beeindruckt, stets freundlich, hoch professionell
und niemals zickig.
Ein interkontinentales Treffen
Zu diesem Zeitpunkt spielte Franz Beckenbauer schon beim Hamburger Fußballclub HSV, wo er auch seine
fußballerische Laufbahn beendete. Pelé äußerte im Vorfeld seines Besuchs in Hamburg
den Wunsch, auch Franz zu treffen. Dieses Meeting sollte ich kurzfristig arrangieren,
aber wo er wohnte und welche Telefonnummer er hatte, war mir völlig unklar und so
verbrachten meine Lebensgefährtin Marion Kott und ich einen langen Abend in meinem
Fachwerk- und Reetdachhaus in Jork damit, über Wege nachzugrübeln, an Franz heran zu
kommen. Alle Ansätze wie Telefonauskunft, Einwohnermeldeamt, HSV uws. brachten nichts
ein. Eine Mauer des Schweigens umgab ihn. Dann fiel uns ein, wo er in einer
Seitenstraße der Rothenbaumchaussee wohnte und wir schickten eine Bekannte von Frau
Kott einfach zu seiner Adresse, um zu klingeln und ihn zu bitten, mich anzurufen.
Er kannte mich aus früheren Begegnungen und so klingelte tatsächlich Minuten später
mein Telefon und ich konnte das Treffen im Hotel Intercontinental arrangieren. Dieses
Treffen war natürlich ein Fest für die Hamburger Journalisten und wir drei standen
minutenlang im Blitzlichtgewitter, bevor die beiden sich endlich zu ihrem
Privatplausch zurückziehen konnten.
Klaus Ollmann mit Pelé und Franz Beckenbauer im Intercontinental-Hotel am Hamburger Alsterufer.
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Franz lief mir ein Jahr später noch einmal zufällig in San José in Kalifornien über
den Weg. Er logierte bei einem Atari-Besuch in Sunnyvale im gleichen Hotel. Zu seinem
Abschiedsspiel beim HSV wollten auch die WCI-Granden aus New York per Privatjet
einschweben und ich wurde gebeten, die Tickets und das Umfeld zu arrangieren. Ich
wurde derzeit aber leider krank und anstatt meiner Person hat dann Siggy Loch diese
Aufgabe mit der ihm eigenen Bravour gemeistert und heimste den Lorbeer ein. Es war
ihm von Herzen gegönnt.
In diesem Zusammenhang aß ich einmal mit Günther Netzer im Mühlenkamper Fährhaus.
Er war damals Manager des HSV und als solcher suchte er immer Sponsoren. Ich war
interessiert, wir einigten uns auch, aber dann wurde die Zusage von Atari Inc.
zurückgezogen, weil zum damaligen Zeitpunkt schon die Gelder knapp wurden.
Film- und Videospielwelten treffen aufeinander
Steven Spielberg traf ich bei einer Elektronikmesse in Chicago. Er war mit Steven
Ross zu Besuch auf dem Atari Stand und ich hatte Gelegenheit, mich einige Zeit mit
ihm zu unterhalten. Unser Gespräch drehte sich unerklärlicherweise nicht um seinen
damaligen Film-Hit
E.T., sondern um den Film
Blues Brothers von John Landis, in dem er seine erste und
einzige Rolle spielte.
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Steven Spielberg und Steve Ross.
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Guido Frank meinte er sei Bankkassierer gewesen, was aber nicht stimmt. Er war der
Angestellte im Landvermessungsamt gegen Ende des Films, er taucht nur kurz auf und
ist schwer zu erkennen.
Fürstin Gracia von Monaco lernte ich kennen anlässlich des Atari Domestic Sales
Meeting im Mai 1982 in Monte Carlo. Wir wurden eingeladen zu einem Empfang am
Fürstenhof und ich durfte der Fürstin die Hand schütteln, wenn man das Schütteln
nennen darf. Sie sagte etwas zu mir, aber ich muss gestehen, dass ich diese Frau
schon immer grandios fand, wohl nicht ganz bei Sinnen war und den Inhalt völlig
vergessen habe. Bei Sophia Loren wäre es mir damals genauso gegangen. Ihr Lächeln
allerdings ist mir unvergesslich. Leider starb Gracia von Monaco dann wenig später bei ihrem
Autounfall.
Guido Frank: Eine Frage die mich persönlich sehr interessiert, wie weit sie auch den Bereich
der Atari Arcade Automaten unter Kontrolle hatten?
Klaus Ollmann: Überhaupt nicht. Die Vermarktung der Atari-Arcade Games lag bei der Firma NOVA
Apparate in Hamburg. Das heißt aber nicht, dass mich Arcade Games nicht
interessierten. Dazu zwei Anekdoten.
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In unserer Küche in der Hamburger Bebelallee standen zwei Arcade Games:
Battlezone und Tempest mit der ausdrücklichen Aufforderung an die Mitarbeiter, dort zu spielen zu jeder Zeit des
Tages, wenn man eine Pause brauchte. Diese Geräte waren ständig besetzt und es
entwickelten sich heiße Duelle, wobei ich ganz stolz war, dass ich ständig in den
vordersten Reihen kämpfte. Im Keller des Hauses in der Bebelallee hatten wir nach dem
Vorbild des Personal Stores bei Warner Communication in New York folgend einen
Personalverkaufsraum mit allen Warner- und Atari-Produkten aus Deutschland
eingerichtet, der allen Warner Mitarbeitern aus ganz Deutschland offen stand.
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Werbung für einen Atari Tempest Spielautomaten.
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Jedes Produkt war dort mit einem Abschlag von 50% vom Listenpreis zu erhalten und
als sich das in der Stadt herumsprach, gab es immer wieder Versuche, von Fans, sich
einzuschleichen und billig an Produkte zu kommen. Manchmal haben wir alle Augen
zugedrückt. Mich würde mal interessieren, ob sich heute noch ein Atari-Fan daran
erinnert.
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Viel imposanter für mich war der Gameroom im Atari Hauptquartier in Sunnyvale. Das
war ein Raum, ca. 200 Quadratmeter groß und völlig dunkel, in dem alle, aber wirklich
alle Atari-Arcade Games zum Gebrauch bereitstanden. Vor der Tür saß ein weiblicher
Zerberus und man musste sich umständlich ausweisen, bevor man in dieses Shangri-La
des Spielefans eingelassen wurde. Ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden ich dort
verbracht habe. Mein Lieblingsspiel war eine Art Star Raiders Spiel, bei dem man
über eine stilisierte Marsoberfläche raste, sich zwischen Gebäuden
durchnavigieren musste und laufend Angriffe abwehren musste.
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Die Regeln des Atari Gamerooms im Headquarter in Sunnyvale.
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Ganz zum Schluss tauchte man dann tief in ein Raumschiff ein, um den Central Core zu zerstören und damit das
Spiel für sich zu entscheiden. Ich kann mich nicht mehr an den Namen des Spiels
erinnern, aber es war einfach galaktisch.
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