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TATSACHEN


Erinnerungen des deutschen Atari Managers

Sonderbotschafter für Atari weltweit:
Die Fußballstars Franz Beckenbauer und Pelé wurden Atari Sonderbotschafter.
Sponsoring aus Hamburg:
Der Fußballclub Hamburger SV hatte Interesse Atari als Sponsor zu gewinnen.
Freies Spiel:
In der deutschen Atari Zentrale standen die Automaten Battlezone und Tempest zur freien Verfügung für die Mitarbeiter.
 
Klaus Ollmann - Erinnerungen des deutschen Atari Managers
TEXT UND BILDER: KLAUS OLLMANN
KATEGORIE: KLAUS OLLMANN
AUSGABE: NOVEMBER 2004
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Atari und die Medienstars

Guido Frank: Welche Eindrücke hatten Sie von anderen berühmten Personen aus der Atari-Arä, denen sie dort über den Weg gelaufen sind? Können sie uns dazu etwas schildern?

Klaus Ollmann: Oh, da gibt es einige. Franz Beckenbauer, Pelé, Gracia von Monaco, Steven Spielberg, Alan Alda, Mario Andretti, Claude Nobs (Gründer des Montreux Jazz Festivals), Günther Netzer und weitere. Auch den Chairman von Warner Communications, Steven Ross lernte ich kennen und bewunderte ihn weniger wegen seiner professionellen Fähigkeiten, sondern wegen seines Lebensstils.

Steve Ross unterhält sich mit Steven Spielberg.
Steve Ross unterhält sich mit Steven Spielberg.

Er hielt sich seinen Privatjet, den ich allerdings nie genießen durfte. Seinen Hubschrauber, den ich einmal benutzte, und seine Warner-Villa hoch über Acapulco, die wir einmal gleich nach der Electronic Messe in Las Vegas für eine Woche benutzen durften, nach Clint Eastwood und vor Mick Jagger.

Wir waren: Guy Millant mit Frau, Klaus Ollmann mit Freundin, Atari International Vizepräsident Anton Brühl mit Frau, Claude Nobs vom Montreux Jazz Festival und einige andere.

Ich erinnere mich, dass ich beim Sales Meeting 1982 in Monte Carlo einmal einen Nachmittag neben ihm am Pool des Hotel de Paris rumhängen durfte. Am Abend beim Galadinner lief eine italienische Kapelle durch die Gänge und spielte italienische Volkslieder und ich muss gestehen, dass ich schon einiges intus hatte. Als die Band an unseren Tisch kam, spielten sie Luna Caprese, ein Lied von der Insel Capri, dass ich als Musiker während meiner Studentenzeit oft selbst gespielt und gesungen hatte. Ich stand also auf und sang mit und alle Gäste an diesem Tisch inklusive meiner Lebensgefährtin gingen in Deckung, weil sie dachten, die Katastrophe ist da. Stattdessen kam Steve Ross an unseren Tisch und bat gut gelaunt um ein Autogramm und wir haben danach noch viel gelacht. Dennoch war er als CEO des damals weltgrößten Unterhaltungskonzerns natürlich um Galaxien von einem kleinen deutschen Geschäftsführer entfernt.

Sportliche Sonderbotschafter
Franz Beckenbauer spielte zu meiner Zeit als Geschäftsführer der WEA Musik GmbH bei Cosmos New York, dem Soccerclub der Warner Communication. Warner hatte diesen Club dem Präsidenten von Atlantic Records bei der Übernahme seines Labels als Teil des Deals abgekauft mit der Maßgabe, in die Zukunft des Soccer in den USA zu investieren. Ich erinnere mich, dass Siggy Loch und ich einmal Ende der Siebziger in New York saßen, um dem damaligen Chief Controller Bert Wassermann unsere Idee eines Schallplatten-Presswerkes in Alsdorf bei Aachen per Feasibility Studie nahe zu bringen. Mitten in diesen Gesprächen und nur einige Seiten vor einem von mir kurz vorher erkannten Fehler in der Analyse steckte mit einemmal Marvin Payson, der Anwalt der WCI, den Kopf in die Tür und rief: „He has signed“. Woraufhin uns innerhalb von Sekunden das „Go ahead“ gegeben wurde und alles aus dem Raum stürzte. Was war geschehen?

Klaus Ollmann und Pelé in den Hamburger Geschäftsräumen von Atari im Mai 1981.
Klaus Ollmann und Pelé in den
Hamburger Geschäftsräumen von Atari im Mai 1981.

Pelé hatte ebenfalls bei Cosmos unterzeichnet. Wir fuhren nach Hause und trotz des unentdeckten Fehlers in der Analyse wurde das neue Presswerk Record Service in Alsdorf unter Leitung von Fritz Coch zu einem Riesenerfolg. Heute versorgt es die Welt außerhalb der USA mit Tonträgern. Alsdorf wurde übrigens der Standort, weil ein anderes Verlagsunternehmen der WCI dort kurz vorher Pleite gemacht hatte und das Grundstück und die Gebäude irgendwie genutzt werden mussten. Und wer konnte das besser als das größte WCI-Unternehmen in Deutschland, die WEA Musik in Hamburg? Pelé und Franz wurden mit dem Erfolg der Atari weltweit zu Sonderbotschaftern der Atari ernannt und Pelé besuchte uns vom 4. bis 7. Mai 1981 in Hamburg zur Veröffentlichung des Spiels Pelés Soccer.

Pelé als Atari-Sonderbotschafter mit Klaus Ollmann im Mai 1981 bei einer Autogrammstunde beim Technik-Warenhaus Brinkmann in der Hamburger Mönckebergstraße.
Pelé als Atari-Sonderbotschafter mit Klaus Ollmann im Mai 1981 bei einer Autogrammstunde beim Technik-Warenhaus Brinkmann in der Hamburger Mönckebergstraße.

Er besichtigte ein Kinderkrankenhaus in Hamburg-Altona, gab eine Autogrammstunde beim Technik-Warenhaus Brinkmann in der Hamburger Mönckebergstraße und hatte verschiedene Fernseh- und Presseauftritte. Und am letzten Abend verbrachte er einige ruhige Stunden in meinem Privathaus in Jork im Alten Land. Pelé hat mich sehr beeindruckt, stets freundlich, hoch professionell und niemals zickig.

Ein interkontinentales Treffen
Zu diesem Zeitpunkt spielte Franz Beckenbauer schon beim Hamburger Fußballclub HSV, wo er auch seine fußballerische Laufbahn beendete. Pelé äußerte im Vorfeld seines Besuchs in Hamburg den Wunsch, auch Franz zu treffen. Dieses Meeting sollte ich kurzfristig arrangieren, aber wo er wohnte und welche Telefonnummer er hatte, war mir völlig unklar und so verbrachten meine Lebensgefährtin Marion Kott und ich einen langen Abend in meinem Fachwerk- und Reetdachhaus in Jork damit, über Wege nachzugrübeln, an Franz heran zu kommen. Alle Ansätze wie Telefonauskunft, Einwohnermeldeamt, HSV uws. brachten nichts ein. Eine Mauer des Schweigens umgab ihn. Dann fiel uns ein, wo er in einer Seitenstraße der Rothenbaumchaussee wohnte und wir schickten eine Bekannte von Frau Kott einfach zu seiner Adresse, um zu klingeln und ihn zu bitten, mich anzurufen.

Er kannte mich aus früheren Begegnungen und so klingelte tatsächlich Minuten später mein Telefon und ich konnte das Treffen im Hotel Intercontinental arrangieren. Dieses Treffen war natürlich ein Fest für die Hamburger Journalisten und wir drei standen minutenlang im Blitzlichtgewitter, bevor die beiden sich endlich zu ihrem Privatplausch zurückziehen konnten.

Klaus Ollmann mit Pelé und Franz Beckenbauer im Intercontinental-Hotel am Hamburger Alsterufer.
Klaus Ollmann mit Pelé und Franz Beckenbauer im
Intercontinental-Hotel am Hamburger Alsterufer.

Franz lief mir ein Jahr später noch einmal zufällig in San José in Kalifornien über den Weg. Er logierte bei einem Atari-Besuch in Sunnyvale im gleichen Hotel. Zu seinem Abschiedsspiel beim HSV wollten auch die WCI-Granden aus New York per Privatjet einschweben und ich wurde gebeten, die Tickets und das Umfeld zu arrangieren. Ich wurde derzeit aber leider krank und anstatt meiner Person hat dann Siggy Loch diese Aufgabe mit der ihm eigenen Bravour gemeistert und heimste den Lorbeer ein. Es war ihm von Herzen gegönnt.

In diesem Zusammenhang aß ich einmal mit Günther Netzer im Mühlenkamper Fährhaus. Er war damals Manager des HSV und als solcher suchte er immer Sponsoren. Ich war interessiert, wir einigten uns auch, aber dann wurde die Zusage von Atari Inc. zurückgezogen, weil zum damaligen Zeitpunkt schon die Gelder knapp wurden.

Film- und Videospielwelten treffen aufeinander
Steven Spielberg traf ich bei einer Elektronikmesse in Chicago. Er war mit Steven Ross zu Besuch auf dem Atari Stand und ich hatte Gelegenheit, mich einige Zeit mit ihm zu unterhalten. Unser Gespräch drehte sich unerklärlicherweise nicht um seinen damaligen Film-Hit E.T., sondern um den Film Blues Brothers von John Landis, in dem er seine erste und einzige Rolle spielte.

Steven Spielberg und Steve Ross.
Steven Spielberg und Steve Ross.

Guido Frank meinte er sei Bankkassierer gewesen, was aber nicht stimmt. Er war der Angestellte im Landvermessungsamt gegen Ende des Films, er taucht nur kurz auf und ist schwer zu erkennen.

Fürstin Gracia von Monaco lernte ich kennen anlässlich des Atari Domestic Sales Meeting im Mai 1982 in Monte Carlo. Wir wurden eingeladen zu einem Empfang am Fürstenhof und ich durfte der Fürstin die Hand schütteln, wenn man das Schütteln nennen darf. Sie sagte etwas zu mir, aber ich muss gestehen, dass ich diese Frau schon immer grandios fand, wohl nicht ganz bei Sinnen war und den Inhalt völlig vergessen habe. Bei Sophia Loren wäre es mir damals genauso gegangen. Ihr Lächeln allerdings ist mir unvergesslich. Leider starb Gracia von Monaco dann wenig später bei ihrem Autounfall.

Guido Frank: Eine Frage die mich persönlich sehr interessiert, wie weit sie auch den Bereich der Atari Arcade Automaten unter Kontrolle hatten?

Klaus Ollmann: Überhaupt nicht. Die Vermarktung der Atari-Arcade Games lag bei der Firma NOVA Apparate in Hamburg. Das heißt aber nicht, dass mich Arcade Games nicht interessierten. Dazu zwei Anekdoten.

In unserer Küche in der Hamburger Bebelallee standen zwei Arcade Games: Battlezone und Tempest mit der ausdrücklichen Aufforderung an die Mitarbeiter, dort zu spielen zu jeder Zeit des Tages, wenn man eine Pause brauchte. Diese Geräte waren ständig besetzt und es entwickelten sich heiße Duelle, wobei ich ganz stolz war, dass ich ständig in den vordersten Reihen kämpfte. Im Keller des Hauses in der Bebelallee hatten wir nach dem Vorbild des Personal Stores bei Warner Communication in New York folgend einen Personalverkaufsraum mit allen Warner- und Atari-Produkten aus Deutschland eingerichtet, der allen Warner Mitarbeitern aus ganz Deutschland offen stand.   Werbung für einen Atari <i>Tempest</i> Spielautomaten.
Werbung für einen Atari Tempest Spielautomaten.

Jedes Produkt war dort mit einem Abschlag von 50% vom Listenpreis zu erhalten und als sich das in der Stadt herumsprach, gab es immer wieder Versuche, von Fans, sich einzuschleichen und billig an Produkte zu kommen. Manchmal haben wir alle Augen zugedrückt. Mich würde mal interessieren, ob sich heute noch ein Atari-Fan daran erinnert.

Viel imposanter für mich war der Gameroom im Atari Hauptquartier in Sunnyvale. Das war ein Raum, ca. 200 Quadratmeter groß und völlig dunkel, in dem alle, aber wirklich alle Atari-Arcade Games zum Gebrauch bereitstanden. Vor der Tür saß ein weiblicher Zerberus und man musste sich umständlich ausweisen, bevor man in dieses Shangri-La des Spielefans eingelassen wurde. Ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden ich dort verbracht habe. Mein Lieblingsspiel war eine Art Star Raiders Spiel, bei dem man über eine stilisierte Marsoberfläche raste, sich zwischen Gebäuden durchnavigieren musste und laufend Angriffe abwehren musste.   Die Regeln des Atari Gamerooms im Headquarter in Sunnyvale.
Die Regeln des Atari Gamerooms im Headquarter in Sunnyvale.

Ganz zum Schluss tauchte man dann tief in ein Raumschiff ein, um den Central Core zu zerstören und damit das Spiel für sich zu entscheiden. Ich kann mich nicht mehr an den Namen des Spiels erinnern, aber es war einfach galaktisch.
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