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Fragen Sie mich doch einmal nach meinem Lieblingsspiel bei Atari. Für mich ganz
eindeutig ein Spiel, das gar nicht so viele richtig kennen werden: Warlords. Nicht
nur, weil ich darin unschlagbar war und später meinem angeheirateten Stiefsohn Thilo
Respekt und Bewunderung vor seinem neuen Stiefvater abnötigte. Für mich war dieses
Spiel immer Hauptargument gegen das ständig wieder vorgebrachte Schwachsinnsargument
der Kritiker, dass Videospiele den Menschen vereinsamen ließen.
Wer jemals spielte, weiß, dass das wirklich kompletter Blödsinn ist.
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Ataris Warlords: „Long Live The King!“
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Guido Frank: Interessant ist natürlich auch die Geschichte über das Ende von Atari im Herbst
1984 und dem Verkauf von Warner Communication an Jack Tramiel. Eine gute Möglichkeit
einmal alles richtig darzustellen. Was ist Ihrer Meinung nach damals alles falsch gelaufen?
Klaus Ollmann: Ich habe zur Entwicklung von Atari und seinem Ende durch Tramiel meine ganz
eigene Meinung, die fundiert ist auf 40-jähriger Berufserfahrung im
Entertainmentgeschäft, in Vertrieb- und Marketing und in der späteren Erfahrung mit
Videospielen bis heute.
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Von Beginn der Atari Aktivitäten bei Warner wurde dieses Produktsegment gegenüber den
Aktivitäten in Musik, Film und Cable Network als unsolide erachtet. Man hatte es
Nolan Bushnell für kleines Geld abgekauft und die Verantwortung nicht den
höchstqualifizierten Mitarbeitern im Haus übertragen. Als es Ray Kassar dann gelang,
dieses Unternehmen zu einer Geldmaschine zu machen, wurde auf allen Bereichen in der
USA Hierarchie abgezockt. Dies ging von Privatjet, Hubschrauber und Warner-Villa über
Stretchlimousinen für das Management bis hin zur persönlichen Bereicherung durch
„Kickbacks“ auf die Privatkonten.
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Die erste deutsche Atari 2600 Jr. Konsole. Ein persönliches Dankeschön
von Anton Bruehl (Atari International Vizepräsident) an Klaus Ollmann im Dezember 1984.
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Auch gab es riesige Abfindungen beim Ausscheiden, die es zum Beispiel
Dennis Groth, dem Finanzchef bei Atari Inc. erlaubten, sich ein Weingut im Napa
Valley zu kaufen und die gibt es nicht für kleines Geld.
Das galt leider nicht für die Verantwortlichen der Internationalen Gesellschaften,
die zwar auch First Class nach Sunnyvale fliegen durften.
Diese 10.000 Stück Atari Aktie für Herrn Klaus Olmann hatte mit
dem Konsolencrash von 1984 leider dramatisch an Wert verloren.
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Deren Gewinnbeteiligungen allerdings schon ab 1982
durch die Entwicklung in den USA kleiner und kleiner wurden und deren versprochene
Beteiligungen an Atari durch sogenannte „Phantom Stock Options“ nie realisiert werden konnten.
Siehe Abbildungen oben: 10.000 Stück Aktie gedacht als Geschäftsführerbonus für Herrn Ollmann. Mit dem Crash
von 1984 verlor dieses Papier jedoch ihren Gesamtwert von insgesamt 92.300 US Dollar.
Der Abstieg
Das reduzierte die finanzielle Basis, war aber noch nicht Grund für die Malaise.
Diese lag eindeutig in Managementfehlern. Ich habe an anderer Stelle bereits
geschrieben, dass - ich glaube im Winter 1983 - auf einem Vortrag von Manny Gerard,
dem Verantwortlichen für Atari bei WCI, stolz darauf hingewiesen wurde, dass der
Marktsättigung für Atari in den USA bei über 30% liege. Statt das als Warnung und
Menetekel zu sehen, glaubte man unbeirrt an weitere exorbitante Steigerungen und
lieferte massive Stückzahlen voll retourenfähig an die Lager des Handels. Nach dem
Weihnachtsgeschäft 1983 kam ein Großteil dieser Ware zurück und der unaufhaltsame
Abstieg war eingeläutet.
Bei einer Preisübergabe im Jahre 1983 durch die Zeitschrift Telematch.
Auf dem Foto zu sehen (von links): Hartmut Huff, Elke Leibinger, Renate Knüffer
und Klaus Ollmann
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Ich fragte meinen Marketing Direktor Herrn Hasler bei diesem Vortrag, ob denn irgendeiner
wüsste, dass bei 100% Schluss sei. Wohl eher als Gag gemeint, aber ich wusste nicht,
dass dies ernste Wahrheit war. Und statt sich rechtzeitig auf die Abdeckung einer
Zielgruppe einzustellen, rechtzeitig die Aktivitäten im Hardwarebereich
herunterzufahren, nur mehr an Spielekassetten zur Versorgung des Marktpotentials zu
arbeiten, gleichzeitig die Technologie in Richtung Graphik voranzutreiben, um dann
4 - 5 Jahre später de nächste Kundengeneration mit dem Namen Atari erneut anzugehen,
versäumte man diese Entwicklung und verschleuderte Atari und alles Goodwill-Potential
bei den Fans für einen Dollar an Jack Tramiel, den Videospiele überhaupt nicht
interessierten. Dessen Motivation für diesen Kauf ausschließlich in der persönlichen
Rache an Commodore lag und der im Übrigen von der Faszination der Produkte und des
Namens soviel verstand wie ... na ja, vergessen sie es. Und er hat dann Atari ja auch
grandios in den Abgrund gefahren. Schade, ein Meilenstein an Image, an Faszination
und an Kult für eine ganze Generation wurde leichtfertig verschleudert.
Auf zu neuen Ufern
1988 hatte ich in Hamburg mit meinem Partner Hans-Hermann Pein den größten
Videothekenring Hamburg, die vfs Videofilm Supermarkt GmbH aufgebaut und war
Mitherausgeber des VideoMarkt, der Fachzeitschrift für Videothekare. Ich wurde
damals gebeten, eine Bewertung des Potentials der neu aufkommenden
Videospiel-Generation von Nintendo und SEGA zu schreiben.
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Klaus Ollmann und Rolf Rehfeld zu Zeiten der VideoMarkt 1988.
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Ich entsinne mich, dass viele mich als total bekloppt apostrophierten, als ich
vorhersagte, dass diese Spiele den Erfolg von Atari nicht nur erreichen, sondern
sogar in den Schatten stellen würden. Der Rest ist Geschichte. Für einige Jahre war
ich dann Spezialberater der SEGA Games und habe mir etwas nebenbei verdient. Bis
heute allerdings ist für mich unbestritten, dass der Reiz eines Spieles nie
ausschließlich in der perfekten Graphik, sondern im Spielwitz liegt und ein
Warlords
wäre auch heute noch immer hitverdächtig.
Im vierten Artikel von Klaus Ollmann werden Fragen von Atari-Fans an Herrn Ollmann beantwortet.
© 2004
KLAUS OLLMANN