Vorwort von Guido Frank
Jeder der sich wie wir ernsthaft mit klassischen Videospielen beschäftigt,
ist natürlich auch immer auf der Suche nach Informationen aus dieser faszinierenden
Zeit. Besonders über die Deutsche Geschichte finden man heute kaum mehr brauchbare
Quellen. Schon gar nicht aus erster Hand.
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Klaus Ollmann als Atari Geschäftsführer in seinem Hamburger Büro in der Bebelallee.
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Dank der umfangreichen Mitarbeit von Klaus Ollmann konnten wir hier in den letzten
Jahren endlich ein wenig Abhilfe schaffen. Dabei haben die vielen positiven
Reaktionen gezeigt, dass ein Großteil unserer Leser gerne noch etwas mehr aus
der „Goldenen Ära der Atari-Videospiele“ erfahren möchte. Unser dritter Beitrag
beinhaltete zuletzt ein sehr umfangreiches Interview
mit dem ehemaligen Atari-Manager. Doch ab sofort stellen nicht mehr wir die
Fragen, sondern die Fans selbst. Deshalb wurde euer Feedback gesammelt,
ausgewertet und direkt an Herrn Ollmann zur Beantwortung weitergeleitet.
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Herr Ollmann hat versucht, alles so weit wie möglich zu beantworten. Das Ergebnis ist ein neuer spannender
Artikel, gefüllt mit zahlreichen Details über die glorreichen Jahre von Atari in
Deutschland. Wir bedanken uns herzlich für die großartige Unterstützung und
wünschen nun viel Spaß bei dem vierten Teil unserer Klaus Ollmann Reihe.
„Die Welt der Atari Videospiele!“
Die Fans fragen, Klaus Ollmann antwortet
ORIGINALTEXT VON Klaus Ollmann
Frage 1: Hat Herr Ollmann auch irgendwelche bekannten Programmierer von
Atari, beispielsweise die späteren Gründer von Activision, persönlich kennen gelernt?
Klaus Ollmann: Ich habe bei meinen vielen Aufenthalten in der Zentrale von Atari in Sunnyvale
jedes Mal auch die Entwicklungsabteilung besucht und mit Programmierern
Smalltalk gemacht. Mir fiel auf, dass sie einen extrem lässigen Arbeitsstil
pflegten, nicht in den üblichen Großraumbüros arbeiteten und jeder sich sein
Büro nach eigenem Gusto einrichten durften.
Die ehemalige Atari-Zentrale in Sunnyvale an der südlichen Spitze der
San Francisco Bay im US-Bundesstaat Kalifornien.
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Der ganze Bereich war sehr extravagant mit Spielautomaten überall, mir fielen die
Berge von leeren Pizzaschachteln und die Mülltonnen voller Getränkedosen auf.
Soweit ich weiß, wurde dort Tag und Nacht gearbeitet, denn jeder ging und kam,
wann er wollte. Programmierer waren die heiligen Kühe des Unternehmens, denn von
Ihnen hing der Erfolg des Unternehmens ab. Das hinderte das Unternehmen nicht daran,
auch extern nach auswertbaren Spielideen zu forschen.
Ich hörte erst bei der Gründung von Activision davon, dass Programmierer
die Firma verlassen hatten. Es schien mir logisch, dass erfolgreiche Programmierer
das Unternehmen verließen, um ihre Entwicklungen selbst zu vermarkten. Atari hatte
weltweit eine einzigartige Marktbasis von Millionen Grundgeräten geschaffen,
die nach Softwareversorgung schrieen und die paar Intellivisions oder was es da
sonst noch gab, waren ja auch nicht zu verachten. Das alles konnte erheblich mehr
Geld bringen, als Atari jemals zu zahlen bereit war.
Frage 2: Weiß Herr Ollmann wo Atari seine Werke (weltweit) hatte und
waren diese Werke im Besitz oder haben sie im Auftrag produziert?
Klaus Ollmann: Atari hatte keine eigenen Werke für Grundgeräte. Die wurden zuerst in den
USA dann in Puerto Rico und später in Hongkong gebaut. 1983 sollte ich diese
Werke in Hongkong besuchen, hatte aber keine Lust, soweit zu reisen (ich
musste sowieso alle zwei Wochen nach San Francisco) und habe stattdessen
Hans-Ueli Hasler geschickt. Soweit ich weiß, wurden Spielkassetten auch in einem
eigenen Werk in Irland gefertigt.
Ein Atari Helicopter über New York. Das Management der Firma wollte zu den Sternen greifen.
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Wir bekamen alle Produkte ob VCS Grundgeräte, Spiele, PCs und PC-Spielkassetten
grundsätzlich auf der Basis einer Jahresplanung, mussten die Stückzahlen vorab
planen und bekamen meist nicht mehr, als geplant, weil die Nachfrage riesig war.
Erst nach dem Desasterwinter von 1983, als in den USA ein Großteil der mit vollem
Rückgaberecht in die Weihnachtssaison verkaufte Grundgeräte und Kassetten
zurückfloss, gab es Überfluss, den die Welt aber nicht mehr für die USA
abverkaufen konnte.
Atari Deutschland war damals weltweit die erfolgreichste Atari Tochter, aber
die Übernahme durch Jack Tramiel hat alle Aktivitäten dann abrupt gestoppt.
Frage 3: Wie viele Mitarbeiter hatte Atari Deutschland zu dieser Zeit?
Klaus Ollmann: Mir liegen noch einige Zahlen vor per Ende 1984,
also kurz vor dem Desaster:
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Benelux |
France |
Germany |
Italy |
Japan |
UK |
| Anzahl Mitarbeiter |
25 |
56 |
87 |
22 |
13 |
104 |
| davon Verkäufer |
7 |
21 |
36 |
6 |
4 |
33 |
| Umsatz (netto, TSD USD) |
8.457 |
23.348 |
36.685 |
9.302 |
2.388 |
29.670 |
Frage 4: Wurde jemals überlegt Hardware oder Software auch in Deutschland zu
produzieren?
Klaus Ollmann: Kann ich leider nicht sagen. Halte es aber für extrem
unwahrscheinlich wegen der spätestens heute im Rahmen der Globalisierung evident
gewordenen extrem hohen Personalkosten im Vergleich mit Fernost oder damals
noch mit Irland. Nein, darüber wurde nie ernsthaft nachgedacht.
Frage 5: Welche Aktivitäten hat Atari bei ihren Wettbewerben gestartet?
Stichworte:
Pac-Man oder
Centipede-Meisterschaft.
Klaus Ollmann: Das Problem bei diesen Fragen ist für mich, dass man immer der
Meinung ist, ein Geschäftsführer müsste alles bis auf die kleinsten Details eines
Unternehmens kennen.
Das ist schlicht nicht machbar. Wenn er alles kennen würde, bräuchte er ja nur
noch ausführende Mitarbeiter, die seine Anweisungen befolgen. Tatsache ist,
dass je größer und komplexer ein Unternehmen, umso mehr wird die direkte
Verantwortung für Bereiche delegiert an Manager, die dafür verantwortlich
sind und der Geschäftsführer kontrolliert lediglich die Ausführung und den
angestrebten Erfolg.
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Die Verantwortung für die Atari Meisterschaften, ihre Planung, Koordination
und Ausführung lag bei Hans-Ueli Hasler, einem mir bereits aus meiner Zeit
als WEA-Musik Geschäftsführer bekannten Schweizer aus Zürich, den ich nach
Hamburg holte und ihm die Verantwortung für Marketing und Produkt übertrug.
Ich war lediglich bei der Atari Centipede-Weltmeisterschaft
1983 in München anwesend.
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Logo der Atari Centipede-Weltmeisterschaft 1983
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Als Band hatten wir Klaus Doldinger und PASSPORT engagiert, die mir von
WEA Musik bekannt waren. Ich glaube mich zu erinnern, dass Michael Schanze auftrat
und von mir ein Atari VCS Spiel überreicht bekam. Und Reden musste ich auch halten,
aber man nehme es mir bitte nicht übel, dass ich mich nach mehr als 25 Jahren nicht
mehr an mehr genau an alles erinnere.
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