Frage 6: Gab es besondere Ereignisse auf den Messen auf denen Atari
ausstellte?
Klaus Ollmann: Ich habe bereits berichtet, über Treffen mit Steve Ross, dem Chef
von Warner Communications oder mit Steven Spielberg, dem Regisseur. Die Atari-Messen
waren grundsätzlich bestimmt durch Reihen von Spielmöglichkeiten, die unablässig
in Dreierreihen von Fans belagert waren, um zu spielen. Im ersten Stock der
Stände waren Besprechungsräume, in denen sich Einkäufer der Kunden mit
unseren Verkäufern trafen, um ihre Messeaufträge zu platzieren.
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Das Atari VCS. Werbung aus einem Atari Katalog von 1982.
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Beeindruckend, aber extrem stupide waren unsere Versuche damals, dem Fachhandel
gegenüber konditions- und servicetreu zu sein. Wir hatten noch nicht erkannt,
dass die Zeit des beratungsintensiven Fachhandels vorbei und die Zeit der
großen Märkte wie beispielsweise Media-Markt, Saturn, Schaulandt, Metro usw. gekommen war.
Ich habe es tatsächlich geschafft, einen eingehenden VCS-Auftrag über 20 TDM
für Metro abzulehnen. Weniger weil die Preise unattraktiv waren (man
war bereit Listenpreise zu zahlen), sondern weil die Geräte unterhalb des
empfohlenen Verkaufspreises angeboten werden sollten. In der Fachzeitschrift
Markt & Technik wurde ich laufend persönlich angegriffen, weil Atari Produkte
zu Kampfpreisen angeboten wurden.
Man veröffentlichte meine Privatadresse und Telefonnummer für frustrierte Händler
und es wurde mir laufend unterstellt, ich hätte Sonderpreise gemacht.
Das brauchten wir aber gar nicht, weil uns das Produkt aus den Händen gerissen wurde.
Wir brauchten auch bis zum Ende von Atari und meinem Rückzug keine besonderen
Rückgaberechte zum Herbstgeschäft einzuräumen. Was immer in den Markt floss,
wurde verkauft. Kein Wunder, während Atari in den USA bereits mehr als
26% der Marktabdeckung erreicht hatte, man war uns zwei Jahre voraus,
lagen wir bei ca. 12% Marktabdeckung. Es gab noch viel zu verkaufen.
Atari Produkte in einem deutschen Quelle-Katalog von 1984/1985. Das Spiel Donkey Kong kostete damals 139,00 DM.
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Mich beeindruckt heute, wie sklavisch wir versuchten, dem traditionellen
Fachhandel Pfründe zu sichern (ohne dass uns das je gedankt wurde), während
gleichzeitig die neuen Vertriebsformen sich vehement entwickelten und heute
den Markt beherrschen. Geholfen hat mir bei dieser Einsicht mein späteres Engagement im Handel bei
Videotheken und Verleih. Da stand ich als Einkäufer ebenso tradierten
Verkaufsgesellschaften von Videoprodukten gegenüber, die für mich beängstigend
die gleichen Fehler machte wie ich vorher. Das habe ich natürlich weidlich
ausgenutzt.
Frage 7: Was wurde aus Ihren Arbeitskollegen und Freunden in der Branche?
Gab es Leute die weiterhin mit Videospielen zu tun hatten?
Klaus Ollmann: Seit 1982 war für den Produktbereich PC und Computerspiele
verantwortlich David Evans, ein alter Freund ebenfalls aus den Tagen bei WEA. Er hat
seinen Job ganz hervorragend gemacht, stand aber dem ständigen Preisverfall
durch Commodore ebenfalls hilflos ausgesetzt und stieg aus kurz vor der Übernahme
durch Tramiel, um in die USA zu Apple zu gehen, wo er noch einige Jahre im
internationalen Marketing gearbeitet hat. Ich besuchte ihn 1986 in San Francisco
und wir verbrachten einige sehr nette Tage zusammen mit John Constantin,
dem internationalen Produktchef von Atari. John ist heute Geschäftsführer
der Elite Industrial Group in Oakland.
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Mit Tony Bruehl (Atari International Vicepresident) und Dennis Groth (Chief
Financial Officer Atari) in San Francisco verbindet mich noch heute eine
enge Freundschaft. Tony hat seine eigene Beraterfirma und Dennis hat sich
von seinen Abfindungen einen wunderbaren Weinberg bei Oakville in Napa Valley
gekauft. Als ich ihn vor einigen Jahren besuchte, zeigte er mir stolz sein
neues Verwaltungsgebäude.
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Atari verspricht Bildschirm-Spass für die ganze Familie.
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Wir beendeten den Tag mit der Verkostung einiger wunderbarer Weißweine.
Hans-Ueli Haslers Schicksal habe ich bereits erwähnt und er wird mit Chance
selbst einiges über die Atari-Aktivitäten dieser Zeit an diesem Ort berichten.
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Meine jahrzehntelange Mitarbeiterin Bärbel Tomas, von der Telefonistin zu
meiner Sekretärin bei WEA, dann Verwaltungschefin bei Atari, später Assistentin
bei der Ollmann & Partner Unternehmensberaterin nahm ich sie schließlich mit zur
edel music AG meines alten Freundes Michael Haentjes, wo sie noch heute sehr
erfolgreich als Assistentin der Geschäftsleitung tätig ist.
Eine Reihe von Vertriebsmitarbeitern konnte ich Ron Sommer, dem damaligen
Chef bei Sony in Köln als Verkäufer unterbringen. Renate Knüfer, meine liebe
Pressechefin ging zu Apple nach München und Herr Blödorn, mein Werbechef
begegnet mir manchmal auf Webseiten.
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Werbung für Atari-Spiele. Ingesamt wurden ca. 500 Titel für das VCS produziert.
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Und unser Berater in Werbedingen, Frank Baesler, arbeitet heute als
Herausgeber von Trainingshandbüchern für Adobe-Graphikprogramme.
Rolf Rehfeldt, der Vertriebschef der Atari, machte sich nach der Wiedervereinigung
mit einer eigenen Vertriebsmannschaft in Ost und West selbstständig.
Ich vermittelte ihm die Vertriebsrechte für SEGA im Osten.
Noch heute passiert es mir, dass ich Leute treffe, die mich begrüßen als
ehemalige Atari Mitarbeiter. Ich gestehe dann, dass ich mich überhaupt nicht
mehr erinnere. Vor einigen Jahren gab es in Hamburg auch mal ein Ehemaligentreffen.
Frage 8: Weiß Herr Ollmann etwas über das legendäre
E.T.-burial?
Klaus Ollmann: Nichts Genaues. Ich glaube sogar, dass das ein Mär ist,
die schon seit dem Misserfolg von
E.T. durch die Branche geisterte. Ich habe bei
meinem letzten Aufenthalt in San Francisco 2001, als ich nach einer River Rafting
Tour durch den Grand Canyon mit meiner Tochter Lara meinen alten Atari International
Vizepräsidenten Anton Bruehl besuchte und einige Tage bei ihm wohnte, ihn
darauf angesprochen. Er fing an zu lachen und meinte, das wäre eine Sage,
die nicht auszurotten sei. Ich persönlich weiß nichts davon.
Frage 9: Waren nach dem Ende bei Atari alle Kontakte abgeschnitten,
oder hat Klaus Ollmann noch etwas über die neuen Homecomputer, Lynx, Jaguar und Co.
erfahren? Was war seine Meinung über diese Atari Produkte?
Klaus Ollmann: Man muss sich vorstellen, wie abrupt mein Leben bei Atari
abgeschnitten wurde. Ich wurde aus Sunnyvale kurz informiert, dass die Firma
verkauft sei. Dann bekam ich ein Telex, das die Mitarbeiter in Scharen
ausziehen unter Mitnahme aller möglichen Computer und Büromaterialien,
also „Rette sich wer kann“. Ich konnte mir nicht vorstellen,
dass der neue Besitzer auf funktionierende internationale Gebilde verzichten wollte.
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Atari Jaguar Videospielkonsole von 1994 basiert auf einem Motorola 68000 Prozessor.
Das erfolgreichste Spiel auf dem Jaguar war Alien vs. Predator.
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Aber hätte ich Tramiel gekannt, hätte ich gewusst, warum er Atari gekauft hatte.
Nicht wegen der Spiele, sondern weil er mit dem Deal seine Gegner bei Commodore
ärgern wollte, die ihn ausgebootet hatten.
Eine Woche später holte ich den Tramiel Beauftragten Mr. Harris vom Flughafen ab,
ging mit ihm abends noch essen, holte ihn am Morgen vom Hotel ab. Kaum saßen wir
in meinem Büro, der Kaffee war noch nicht gebracht, verlangte er, mit dem
Controller zu reden. Ich sollte solange draußen warten. Nach 10 Minuten kam
der Controller wieder raus und bat mich, nach Hause zu gehen.
Sie werden verstehen, dass mich die weitere Entwicklung der Produkte nicht
mehr interessierte und die waren ja auch nicht mehr so erfolgreich. Das Unternehmen,
dass ich liebte, auf das ich stolz war und das ich aufgebaut hatte,
gab es nicht mehr.
Ich bekam bald darauf meinen Ruf nach London, als Vizepräsident International
für Europe, Middle-East and Africa (EMEA) für Warner Home Video und es begann eine neue
aufregende Zeit. Unter anderem holte ich Hans-Ueli Hasler, der zwischenzeitlich
zurück in Zürich war, wieder zurück zu Warner. Ich selbst warf Mitte 1986 bei
Warner hin, weil ich endlich mal richtig Geld verdienen wollte und baute in
Hamburg mit meinem alten Freund Hans-Hermann Pein die größte Videothekenkette
vfs video film supermarkt in Norddeutschland auf. Aber um aus
Irma la Douce zu zitieren: „Das ist eine andere Geschichte“.
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