Startseite  
Artikel
Artikel
Kontakt
Kontakt
Über uns
Über uns
Verweise
Verweise
RetroReader
RetroReader


Artikel
Artikel

TATSACHEN


Gesammelte Fragen von Atari-Fans an Klaus Ollmann

Ataris Werbeagentur:
Die Firma DDB war seinerzeit die offizielle Werbeagentur von Atari.
Raubkopien von VCS-Spielen:
Mit dem Unimex Duplicator SP280 konnten handelsüböliche VCS-Spiele kopiert werden.
Klaus Ollmann und die Zukunft:
In der Videomarkt von 1989 schrieb Klaus Ollmann einen Artikel über die Zukunft der Videospiele.
 
Die Fans fragen, Klaus Ollmann antwortet
TEXT UND BILDER: KLAUS OLLMANN
KATEGORIE: KLAUS OLLMANN
AUSGABE: NOVEMBER 2005
1 | 2 | 3 | DRUCKEN


Frage 10: Ich hätte gerne den Radio-Jingle, den RTL-Radio 1983 zur Centipede-Meisterschaft in NRW täglich abgespielt hat. Aber ich fürchte, da kann auch Herr Ollmann nicht weiterhelfen.

Klaus Ollmann: Da hat er Recht. Da kann ihm wohl keiner weiterhelfen. Ein Tipp vielleicht: Die Firma DDB (Doyle Dane & Bernbach) in Düsseldorf war damals unsere Werbeagentur, Herr Tony Eulenburg unser Kontaktmann. Vielleicht haben die ja noch den Jingle in ihrem Archiv.

Frage 11: Wurden die Atari-Spiele vorher von einer anderen Firma vertrieben? Auf den Anleitungen der ganz alten Spiele steht immer Atari VCS 800 und eine Firma namens Unimex.

Klaus Ollmann: Eine gute Frage. Unimex war eine Vertriebsfirma aus Wiesbaden, die sich kurzfristig die Vertriebsrechte für Atari-Produkte bei Warner für Deutschland gesichert hatte, nachdem Warner Atari gekauft hatte. Der Mann hatte eine gute Nase. Das Produkt wurde ihm aber wieder entzogen, nachdem die Atari GmbH gegründet war. Jahre später habe ich ihn verklagt, weil Herr Finta aus Ostasien einen Kassettenkopierer importieren wollte, der jede Spielkassette auf einen Rohling kopieren konnte. Diesen Prozess haben wir gewonnen und dann von Herrn Finta nie wieder etwas gehört.   Der Unimex Duplicator SP280 war ein Kassettenkopierer, der zum Vervielfältigen von Atari VCS Modulen benutzt werden konnte.
Der Unimex Duplicator SP280 war ein Kassettenkopierer, der zum Vervielfältigen von Atari VCS Modulen benutzt werden konnte.

Frage 12: Wie viele Atari Konsolen wurden in Deutschland verkauft?

Klaus Ollmann: Das kann ich heute nicht mehr sagen. Wie zuvor geschildert, erfolgte der Abschied von Atari abrupt und ich konnte, außer Privatsachen unter Aufsicht, keinerlei Information mehr aus meinem Büro mitnehmen. Aus dem Kopf weiß ich das heute leider nicht mehr.

Frage 13: Hat er nach seiner Aktivität noch die Entwicklung von Atari verfolgt und wenn ja, was ist seine Meinung dazu?

Klaus Ollmann: Ich habe die Entwicklung nur am Rande verfolgt, denn man mag mich für hochnäsig halten, ich war und bin der Meinung, dass man aus der Unterhaltungsbranche und nicht von der Technik, die Faszination der Videospiele und Personalcomputer begreift und erfolgreich vermarkten kann. Jack Tramiel war ein Technofreak, der von Marketing und Konsumentenbeeinflussung nichts verstand.

Karikatur aus einer amerikanischen Zeitung über den Kauf von Atari durch Jack Tramiel.
Karikatur aus einer amerikanischen Zeitung über den Kauf
von Atari durch Jack Tramiel.

Seine Commodore Computer warf er allein mit Preisdruck in den Markt. Er kaufte Atari nicht, weil er die Firma toll fand, sondern weil der Markenname weltweit berühmt und positiv besetzt war und weil er die Firma billig bekam. Für den berühmten einen Dollar. Seine Art, Mitarbeiter zu entfernen und Lieferanten zu verprellen, sowie sein persönliches Auftreten waren mir zuwider. Ich hatte kein Interesse seine Bekanntschaft zu machen oder seine Aktivitäten zu verfolgen.

Jahre nach dem völligen Zusammenbruch der Videospiele, im Jahre 1989 wurde mir die Frage gestellt, ob die damals neu auf den Markt kommende neue Videospielgeneration von SEGA und Nintendo denn überhaupt eine Chance hätten.

Ich war damals Mitherausgeber des VideoMarkt, einer Fachzeitschrift für den Videohandel. Ich habe meine Meinung damals in einem dreiseitigen Artikel klargemacht. Er spiegelt meine Meinung wider, die auch heute nicht erschüttert ist. Im Gegensatz zu vielen Protagonisten bester Graphik und fortschrittsgläubiger Techniker meine ich, dass ein gutes und begeisterndes Computerspiel nicht abhängt von Graphik oder Brutalität. Tetris ist einfachste Graphik und sehr sanft und ist doch eins der besten Spiele die ich kenne.   VideoMarkt (Ausgabe von 1983).
VideoMarkt
(Ausgabe von 1983).

Bericht von Klaus Ollmann zum Thema Zukunft und Videospiele in der VideoMarkt Ausgabe von 1989:
Mein Lieblingsspiel Warlords, Atari 1981, Programmiert von Carla Meninsky, kann eine Gruppe stundenlang in Spannung halten und ist doch extreme Minimalgrafik. Es kommt also auf die Spielidee an. Und wenn Sie mich fragen, was eine gute Spielidee ist, kann ich nur Bob Daley zitieren, den damaligen Präsidenten der Warner Bros. Films, der mir auf meine Frage, was das Rezept für einen Blockbuster sei antwortete: „Wenn ich das wüsste, säße ich nicht hier, sondern würde Geld verdienen“.

Ich bin heute stolz, dass wir es damals mit unseren Aktivitäten mit Atari geschafft haben, dass Fans von damals sich noch nach Jahrzehnten gerne an ihre Begeisterung von damals erinnern. Beinahe jeder, dem ich heute von Atari erzähle, reagiert staunend und voller Freude an seine eigenen Erinnerungen. Diese Begeisterung veranlasst mich heute, meinen kleinen Beitrag dafür zu leisten, dass die Freude nicht aufhört und die goldenen Erinnerungen nicht verblassen.



Habt ihr noch weitere Fragen an Klaus Ollmann?
Dann nehmt bitte Kontakt mit uns auf. Wir werden diese Anfragen sammeln, sortieren und weiterleiten. Später veröffentlichen wir die Ergebnisse regelmäßig auf unserer Internetseite. Aber nicht vergessen: Herr Ollmann war der deutsche Atari Geschäftsführer bis 1984. Es macht also keinen Sinn bei Produkten wie dem Lynx Handheld oder der Jaguar Konsole auf Informationen zu hoffen. Jedenfalls habt ihr jetzt die einmalige Gelegenheit etwas über Atari zu erfahren, dass ihr vielleicht schon immer genauer wissen wolltet.

Und wer jetzt noch mehr von Klaus Ollmann erfahren möchte kann hier seine früheren Artikel nachlesen.




© 2005 KLAUS OLLMANN