Frage 10: Ich hätte gerne den Radio-Jingle, den RTL-Radio 1983
zur
Centipede-Meisterschaft in NRW täglich abgespielt hat. Aber ich fürchte,
da kann auch Herr Ollmann nicht weiterhelfen.
Klaus Ollmann: Da hat er Recht. Da kann ihm wohl keiner weiterhelfen.
Ein Tipp vielleicht: Die Firma DDB (Doyle Dane & Bernbach) in Düsseldorf
war damals unsere Werbeagentur, Herr Tony Eulenburg unser Kontaktmann.
Vielleicht haben die ja noch den Jingle in ihrem Archiv.
Frage 11: Wurden die Atari-Spiele vorher von einer anderen Firma vertrieben?
Auf den Anleitungen der ganz alten Spiele steht immer Atari VCS 800 und eine
Firma namens Unimex.
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Klaus Ollmann: Eine gute Frage. Unimex war eine Vertriebsfirma aus Wiesbaden,
die sich kurzfristig die Vertriebsrechte für Atari-Produkte bei Warner für
Deutschland gesichert hatte, nachdem Warner Atari gekauft hatte.
Der Mann hatte eine gute Nase. Das Produkt wurde ihm aber wieder entzogen,
nachdem die Atari GmbH gegründet war. Jahre später habe ich ihn verklagt,
weil Herr Finta aus Ostasien einen Kassettenkopierer importieren wollte,
der jede Spielkassette auf einen Rohling kopieren konnte. Diesen Prozess
haben wir gewonnen und dann von Herrn Finta nie wieder etwas gehört.
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Der Unimex Duplicator SP280 war ein Kassettenkopierer, der zum Vervielfältigen
von Atari VCS Modulen benutzt werden konnte.
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Frage 12: Wie viele Atari Konsolen wurden in Deutschland verkauft?
Klaus Ollmann: Das kann ich heute nicht mehr sagen. Wie zuvor geschildert,
erfolgte der Abschied von Atari abrupt und ich konnte, außer Privatsachen
unter Aufsicht, keinerlei Information mehr aus meinem Büro mitnehmen.
Aus dem Kopf weiß ich das heute leider nicht mehr.
Frage 13: Hat er nach seiner Aktivität noch die Entwicklung von Atari
verfolgt und wenn ja, was ist seine Meinung dazu?
Klaus Ollmann: Ich habe die Entwicklung nur am Rande verfolgt, denn man mag mich
für hochnäsig halten, ich war und bin der Meinung, dass man aus der
Unterhaltungsbranche und nicht von der Technik, die Faszination der Videospiele
und Personalcomputer begreift und erfolgreich vermarkten kann. Jack Tramiel war
ein Technofreak, der von Marketing und Konsumentenbeeinflussung nichts verstand.
Karikatur aus einer amerikanischen Zeitung über den Kauf von Atari durch Jack Tramiel.
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Seine Commodore Computer warf er allein mit Preisdruck in den Markt. Er kaufte
Atari nicht, weil er die Firma toll fand, sondern weil der Markenname weltweit
berühmt und positiv besetzt war und weil er die Firma billig bekam. Für
den berühmten einen Dollar. Seine Art, Mitarbeiter zu entfernen und Lieferanten
zu verprellen, sowie sein persönliches Auftreten waren mir zuwider.
Ich hatte kein Interesse seine Bekanntschaft zu machen oder seine Aktivitäten
zu verfolgen.
Jahre nach dem völligen Zusammenbruch der Videospiele, im Jahre 1989 wurde
mir die Frage gestellt, ob die damals neu auf den Markt kommende neue
Videospielgeneration von SEGA und Nintendo denn überhaupt eine Chance hätten.
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Ich war damals Mitherausgeber des VideoMarkt, einer Fachzeitschrift
für den Videohandel. Ich habe meine Meinung damals in einem dreiseitigen
Artikel klargemacht. Er spiegelt meine Meinung wider, die auch heute nicht
erschüttert ist. Im Gegensatz zu vielen Protagonisten bester Graphik
und fortschrittsgläubiger Techniker meine ich, dass ein gutes und begeisterndes
Computerspiel nicht abhängt von Graphik oder Brutalität. Tetris ist einfachste
Graphik und sehr sanft und ist doch eins der besten Spiele die ich kenne.
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VideoMarkt (Ausgabe von 1983).
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Bericht von Klaus Ollmann zum Thema Zukunft und Videospiele in der
VideoMarkt Ausgabe von 1989:
Mein Lieblingsspiel
Warlords, Atari 1981, Programmiert von Carla Meninsky, kann eine
Gruppe stundenlang in Spannung halten und ist doch extreme Minimalgrafik.
Es kommt also auf die Spielidee an. Und wenn Sie mich fragen, was eine gute
Spielidee ist, kann ich nur Bob Daley zitieren, den damaligen Präsidenten der
Warner Bros. Films, der mir auf meine Frage, was das Rezept für einen Blockbuster
sei antwortete: „Wenn ich das wüsste, säße ich nicht hier,
sondern würde Geld verdienen“.
Ich bin heute stolz, dass wir es damals mit unseren Aktivitäten mit Atari
geschafft haben, dass Fans von damals sich noch nach Jahrzehnten gerne an
ihre Begeisterung von damals erinnern. Beinahe jeder, dem ich heute von Atari
erzähle, reagiert staunend und voller Freude an seine eigenen Erinnerungen.
Diese Begeisterung veranlasst mich heute, meinen kleinen Beitrag dafür zu leisten,
dass die Freude nicht aufhört und die goldenen Erinnerungen nicht verblassen.
Habt ihr noch weitere Fragen an Klaus Ollmann?
Dann nehmt bitte
Kontakt mit uns auf.
Wir werden diese Anfragen sammeln, sortieren und weiterleiten. Später veröffentlichen wir die Ergebnisse regelmäßig
auf unserer Internetseite. Aber nicht vergessen: Herr Ollmann war der deutsche
Atari Geschäftsführer bis 1984. Es macht also keinen Sinn bei Produkten wie
dem Lynx Handheld oder der Jaguar Konsole auf Informationen zu hoffen.
Jedenfalls habt ihr jetzt die einmalige Gelegenheit etwas über Atari
zu erfahren, dass ihr vielleicht schon immer genauer wissen wolltet.
Und wer jetzt noch mehr von Klaus Ollmann erfahren möchte kann hier
seine früheren Artikel nachlesen.
© 2005
KLAUS OLLMANN