Vorwort von Guido Frank
Der Mythos Atari, viele Geschichten und Legenden wurden bereits
darüber geschrieben. Aber die deutsche Atari-History, also unsere
eigene Vergangenheit, ist dabei kaum berücksichtigt worden. Über
dieses Thema findet man heute fast keine Aufzeichnungen mehr.
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Klaus Ollmann, Geschäftsführer von Atari Deutschland in den Jahren
von 1980 bis 1984, berichtet in den nun folgenden Zeilen exklusiv für
uns die wahre Geschichte über die
Einführung der Atari VCS Videospielkonsole in Deutschland. Er selbst war Initiator und mitverantwortlich dafür, dass
die Welle der Videospiele in den frühen 1980er Jahren mit dem
VCS auch nach Deutschland schwappte. Wir sind stolz Ihnen ein Kapitel deutscher Atari Geschichte
aus erster Hand präsentieren zu können, wie sie bis
heute so noch nie erzählt wurde.
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Atari Werbung aus dem September 1982. Ideen exklusiv von Atari.
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Wir bedanken uns besonders bei Herrn Ollmann, der sich für uns und alle anderen
Atari-Fans jetzt die Mühe machte, seine aufregenden
Erlebnisse von damals zu dokumentieren. Und wir freuen uns jetzt
schon auf noch weitere spannende Artikel von und mit Klaus
Ollmann über eine Zeit die unsere Generation maßgeblich
beeinflusst hat: die große Ära Atari!
Atari - die Legende lebt!
Die Einführung der Atari VCS Konsole in Deutschland
ORIGINALTEXT VON Klaus Ollmann
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Mitte 1979 war ich stellvertretender Geschäftsführer der WEA Musik
GmbH in Hamburg. Bei einer meiner Reisen nach New York zur Zentrale
der Warner Communications am Rockefeller Plaza erzählte man mir
beim Mittagessen im Top-Geschäftsleitungscasino so nebenbei,
man habe eine Firma Atari gekauft von einem Herrn Nolan Bushnell.
Das sagte mir damals überhaupt nichts. Ende 1979 kam ein Paket zu
Händen des Geschäftsführers der WEA Musik,
Herrn Siggi Loch, auf dessen Tisch mit einem lapidaren Brief:
„Hier ist was Neues. Ist das was für Euch?“.
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Klaus Ollmann hat als Geschäftsführer der Atari Deutschland
Geschichte geschrieben.
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Inhalt: Ein Atari VCS noch in der alten Form mit geschwungener Holzleistenimitation.
Da Siggi Loch sich nur als Künstler verstand, gab er mir das Paket
mit dem Hinweis: „Guck mal“.
Im Takt des menschlichen Herzschlags
Ich hatte vorher schon Videospiele von Philips und
Fairchild
gesehen, nahm das Paket mit nach Hause, packte es aus, schloss es
an und spielte los. Das Spiel hieß
Space Invaders. Als ich
morgens um 4:00 Uhr wieder aufhörte, war mir klar, dass ich eine
Sternstunde erlebt hatte, wie man sie, wenn überhaupt, nur
selten im Leben erlebt. „A Star was born“.
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Atari VCS Space Invaders von 1980. Eine Sternstunde der Konsolenspiele.
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Erst sehr viel später
erzählte mir der Vice President International der Atari Inc., Mr.
Tony Bruehl, daß zu Beginn des Spiels der dumpfe Takt der
angreifenden Sternenschiffe genau dem Takt des menschlichen
Herzschlags entspricht und dass später, bei der Beschleunigung
dieses Taktes, der menschliche Herzschlag sich automatisch
anpasste und dadurch diese zwangsläufige Aufregung des Spielers
entstand.
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Am gleichen Tag schlug ich Loch vor, das Atari Repertoire in
Deutschland, Österreich und der Schweiz zu vermarkten. Der war
gar nicht begeistert, hatte es doch nichts mit musikalischer
künstlerischer Aussage zu tun. Er gab mir aber freie Hand, was
blieb ihm auch anderes übrig, eine Atari-Abteilung bei der WEA
zu gründen. Ich wurde Geschäftsführer. Nach WEA, Record Service,
Warner Home Video und GOVI der fünfte Geschäftsführer in einem
Firmenverbund. Die ersten Mitarbeiter für Verwaltung und
Vertrieb wurden eingestellt.
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Die ersten wichtigen Entscheidungen für die Deutsche Atari wurden
in der Arndtstraße in Hamburg getroffen.
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Das alles passierte in der Arndtstraße in Hamburg, dem Firmensitz der WEA Musik GmbH.
Die ersten Geräte wurden Anfang 1980 aus Sunnyvale,
dem Firmensitz von Atari Inc. und bald meinem bevorzugten
Reiseziel, importiert. In diesen ersten Geräten waren das VCS,
Space Invaders als Spielkassette und ein Paar Joysticks
enthalten. Die Kassette und die Joysticks nahmen wir raus und
verkauften sie separat.
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Die Atari VCS Konsole mit Zubehör. Gut sortierte Sammlung inklusive
eines Players Strategy Guide.
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Anfang 1980 wurden auch die ersten Verkäufe getätigt. Damals
noch einzeln oder, wenn es hoch kam, im zweistelligen
Stückzahlenbereich. Ich beschäftigte mich an jedem Morgen damit,
in den ersten zehn Minuten die Rechnungen des Vortages
durchzublättern.
Umsatz generieren mit Outlaw
Den frischgebackenen Verkäufern, deren
Hauptaufgabe es war, dieses brandneue Produkt dem Handel
vorzustellen, empfahl ich während der ersten Vertriebstagung in
Hamburg, das Spiel
Shootout (amerikanischer Titel:
Outlaw),
ein simples Cowboy-Schießspiel,
vorzustellen und das Gesicht des Einkäufers zu beobachten.
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Atari VCS Shootout/Outlaw von 1978. Nur einer kann gewinnen.
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Wenn er beim ersten Mal, wenn der Cowboy umfällt, nicht
wenigstens lächelt, gleich wieder einpacken und zum Nächsten.
Denn mir war klar, wir mussten ganz schnell Umsatz generieren, bevor den
Controllern nach den ersten Monaten auffiel, dass wir Kosten und
Verluste produzierten.
Ein neues Unternehmen entsteht
So ging es los und es sollte noch bis April
1981 dauern, bevor Atari ein selbständiges Unternehmen
losgelöst vom Musikbereich wurde. Aber das ist wieder eine
andere, sehr interessante Geschichte.
Im zweiten Artikel von Klaus Ollmann könnt ihr lesen wie die Geschichte weiter geht...
© 2004
KLAUS OLLMANN