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Pac-Man:
„Man of the year“ 1982

Erscheinungsjahr:
Bereits 1980 eroberte das Labyrinthspiel Pac-Man von Namco die Spielhallen.
Werbestar:
Pac-Man war eines der ersten Videospiele, für das umfassend Werbeartikel verkauft wurden.
Atari VCS Version:
1981 wurde der Punktefresser für die heimischen Fernseher veröffentlicht.
 
Videospielikone Pac-Man:
„Man of the year“ 1982
TEXT UND BILDER: ANDRÉ EYMANN
AUSGABE: JANUAR 2004
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Ein digitaler Weltstar schreibt Geschichte
Im September 1982 war es endlich soweit: Pac-Man wurde offiziell zum „Man of the year“ ernannt. Nicht allerdings vom Time magazine, sondern vom amerikanischen Magazin MAD (Ausgabe Nummer 233). Die gelbe Kugel hatte es einmal mehr geschafft sich als Star des Jahres zu feiern. Im Magazin selbst ging man allerdings nicht weiter auf den punktefressenden Puristen ein. Wieso aber auch? Pac-Man war bereits weltweit populär.

Die Menschen waren „MAD“ nach dem Spielhallen-Hit von Namco. Es würde für seine berühmten Nachkommen schwer werden, ihn an Bekanntheit zu übertreffen. So haben es Harry aus Pitfall!, Mario aus Super Mario Bros., Sonic aus Sonic the Hedgehog oder Lara Croft aus Tomb Raider auch niemals ganz geschafft, Pac-Man von seinem ewigen Thron als erste Videospielikone zu verdrängen. Das ungeschriebene Gesetz hatte sich erneut bestätigt: nicht die modernste und ausgeklügeltste Sci-Fi-Technik verkauft ein Videospiel, sondern ein knuddeliger gelber Punkt macht das Rennen.   Pac-Man auf der Titelseite des amerikanischen MAD-Magazins vom September 1982.
Pac-Man auf der Titelseite des amerikanischen MAD-Magazins vom September 1982.

Frühes Videospiel-Merchandising
Im amerikanischen Magazin Video games wurde im August 1982 der Artikel „The absolutely, positively last word on Pac-Man“ veröffentlicht. Unter anderem berichtet der Artikel über die Merchandising-Welle von Pac-Man. Zum ersten Mal wurde ein Videospiel zum Verkaufsrenner für Vermarktungsprodukte. Es gab Pop-Singles, Frisbeescheiben, Nummernschilder, Krawatten, Autoaufkleber, Bücher und T-Shirts. Heute ist das sicher keine Besonderheit mehr, aber damals entstand durch Videospiele wie Pac-Man ein neuer Wirtschaftszweig. Ungefähr 100.000 Pac-Man Spielautomaten standen in den Spielhallen und jeder einzelne kostete 2.500 US$.

Pac-Man auf der Titelseite des amerikanischen Magazins Video games vom August 1982.
Pac-Man auf der Titelseite des amerikanischen Magazins
Video games vom August 1982.

Wer ist dieser Pac-Man eigentlich?
Die unvollständige Form des gelben Kreises, der Pac-Man darstellt, ist sein Geheimnis. Pac-Man muss essen, um zu überleben. Er will sich vervollständigen, wird es aber niemals schaffen. Jedes Mal, wenn er das Labyrinth von den 240 Punkten bereinigt hat, geht es wieder von vorn los. „Eating everything in sight“, das ist sein Credo. Gejagt von den Geistern Inky, Blinky, Pinky und Clyde geht es ganz ohne Feuerknopf durch die engen Gassen des Irrgartens. Nur für eine kurze Zeit, wenn Pac-Man eine Kraftpille schluckt, darf auch er einmal der Jäger sein. Dabei ist der Trick zum Überleben das Muster mit dem er sich durch das Labyrinth bewegt. Hat er das Muster gefunden, kann er den bösen Verfolgern immer wieder entwischen und dabei alle Punkte einsammeln. So lernt man: ein guter Pac-Man ist ein Stratege!

Vor Pac-Man gab es Space Invaders. Ein typisches Weltraumspiel. Nach diesem Vorbild entwickelten sich zahllose weitere Weltraumspiele, die alle in der Regel eines zum Ziel hatten: vernichte die Angreifer aus dem Weltall. Das war freilich kein friedliches Unterfangen. Lustig war es im Grunde auch nicht. Pac-Man aber war lustig. Er war gelb. Und allein diese Tatsache, brachte Farbe ins Spiel.

Viele Pac-Man Automaten wurden außerhalb von Spielhallen aufgestellt. In Warteräumen, Flughäfen, beim Frisör oder in Restaurants. Und so kamen auch immer mehr Frauen mit dem Spiel in Berührung. Keine komplizierte Bedienung mit vielen Knöpfen, verhinderte das Kennen lernen. Kein Kämpfen war notwendig und dennoch gab es Strategie. Und natürlich Spaß! Es machte einfach Freude, seinen Helden geschickt durch den Irrgarten zu lenken und sich über sein Entkommen zu freuen. Das Pac-Man ein besondere Wirkung auf Frauen hatte, konnte der Nachfolger des Spiels nicht deutlicher ausdrücken.

Der offizielle zweite Teil: Ms. Pac-Man kam mit einer Schleife im virtuellen Haar daher! Das Labyrinth war rosa und als Belohnung gab es eine Menge Leckereien zu vernaschen. Jetzt hatten die weiblichen Spielerinnen ihre eigene Heldin. „You don't have to be lost in space to have a good time“. Das war das Rezept gegen die martialischen Weltraumshooter.

Von der Spielhalle auf die Heimkonsole
Bereits 1981 lizenzierte Atari Pac-Man von Namco für seine Heimkonsole VCS. Nun gab es das bekannteste Videospiel aller Zeiten auch für Zuhause. Allerdings konnte die Version für das VCS dem Vergleich mit der Spielhalle nicht standhalten. Die Geister blinkten so stark, dass sie auf dem Spielfeld nur schwer zu erkennen waren.

Die Version von Pac-Man für das Atari VCS.
Die Version von Pac-Man für das Atari VCS.

Auch die Joystick-Steuerung war nicht mit der des Originals zu vergleichen. Dennoch wurde Pac-Man auf dem VCS zum Verkaufsschlager und trug dazu bei, dass Atari seinen Namen auf dem Feld der Videospielkonsolen weiterhin behaupten konnte. Und so kam der Punktefresser und damit auch ein bisschen Spielhallen-Feeling in die Wohnzimmer.

Die goldene Ära der Heimkonsolen war auf ihrem Höhepunkt angekommen und veränderte unsere Wahrnehmung von Videospielen für immer.



© 2004 ANDRÉ EYMANN