Ein digitaler Weltstar schreibt Geschichte
Im September 1982 war es endlich soweit:
Pac-Man wurde offiziell zum „Man of the year“
ernannt. Nicht allerdings vom
Time magazine, sondern vom amerikanischen
Magazin
MAD (Ausgabe Nummer 233). Die gelbe Kugel hatte es einmal mehr geschafft sich als Star des Jahres zu feiern.
Im Magazin selbst ging man allerdings nicht weiter auf den punktefressenden Puristen
ein. Wieso aber auch?
Pac-Man war bereits weltweit populär.
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Die Menschen waren „MAD“ nach dem Spielhallen-Hit von Namco.
Es würde für seine berühmten Nachkommen schwer werden,
ihn an Bekanntheit zu übertreffen. So haben es Harry aus Pitfall!,
Mario aus Super Mario Bros., Sonic aus Sonic the Hedgehog oder Lara Croft
aus Tomb Raider auch niemals ganz geschafft, Pac-Man von seinem ewigen
Thron als erste Videospielikone zu verdrängen. Das ungeschriebene Gesetz hatte sich erneut
bestätigt: nicht die modernste und ausgeklügeltste Sci-Fi-Technik verkauft ein Videospiel,
sondern ein knuddeliger gelber Punkt macht das Rennen.
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Pac-Man auf der Titelseite des amerikanischen MAD-Magazins vom September 1982.
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Frühes Videospiel-Merchandising
Im amerikanischen Magazin
Video games wurde im August 1982
der Artikel „The absolutely, positively last word on Pac-Man“
veröffentlicht. Unter anderem berichtet der Artikel über
die Merchandising-Welle von
Pac-Man. Zum ersten Mal wurde
ein Videospiel zum Verkaufsrenner für Vermarktungsprodukte. Es
gab Pop-Singles, Frisbeescheiben, Nummernschilder, Krawatten, Autoaufkleber,
Bücher und T-Shirts. Heute ist das sicher keine Besonderheit mehr, aber
damals entstand durch Videospiele wie
Pac-Man ein neuer Wirtschaftszweig.
Ungefähr 100.000
Pac-Man Spielautomaten standen in den Spielhallen und jeder
einzelne kostete 2.500 US$.
Pac-Man auf der Titelseite des amerikanischen Magazins Video games vom August 1982.
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Wer ist dieser Pac-Man eigentlich?

Die unvollständige Form des gelben Kreises, der
Pac-Man
darstellt, ist sein Geheimnis.
Pac-Man muss essen, um zu überleben.
Er will sich vervollständigen, wird es aber niemals schaffen.
Jedes Mal, wenn er das Labyrinth von den 240 Punkten bereinigt hat,
geht es wieder von vorn los. „Eating everything in sight“, das ist sein Credo.
Gejagt von den Geistern Inky, Blinky, Pinky und Clyde geht es ganz ohne
Feuerknopf durch die engen Gassen des Irrgartens. Nur für eine
kurze Zeit, wenn
Pac-Man eine Kraftpille schluckt, darf auch er
einmal der Jäger sein. Dabei ist der Trick zum Überleben das Muster mit dem er sich
durch das Labyrinth bewegt. Hat er das Muster gefunden, kann
er den bösen Verfolgern immer wieder entwischen und dabei
alle Punkte einsammeln. So lernt man: ein guter
Pac-Man ist ein Stratege!

Vor
Pac-Man gab es
Space Invaders. Ein typisches Weltraumspiel. Nach
diesem Vorbild entwickelten sich zahllose weitere Weltraumspiele,
die alle in der Regel eines zum Ziel hatten: vernichte die Angreifer aus
dem Weltall. Das war freilich kein friedliches Unterfangen. Lustig war es
im Grunde auch nicht.
Pac-Man aber war lustig. Er war gelb. Und allein
diese Tatsache, brachte Farbe ins Spiel.
Viele
Pac-Man Automaten wurden außerhalb von Spielhallen
aufgestellt. In Warteräumen, Flughäfen, beim Frisör
oder in Restaurants. Und so kamen auch immer mehr Frauen mit dem
Spiel in Berührung. Keine komplizierte Bedienung mit vielen
Knöpfen, verhinderte das Kennen lernen. Kein Kämpfen
war notwendig und dennoch gab es Strategie. Und natürlich Spaß!
Es machte einfach Freude, seinen Helden geschickt durch den
Irrgarten zu lenken und sich über sein Entkommen zu freuen.
Das
Pac-Man ein besondere Wirkung auf Frauen hatte, konnte der Nachfolger
des Spiels nicht deutlicher ausdrücken.

Der offizielle zweite Teil:
Ms. Pac-Man kam mit einer
Schleife im virtuellen Haar daher! Das Labyrinth war rosa und als Belohnung
gab es eine Menge Leckereien zu vernaschen. Jetzt hatten die
weiblichen Spielerinnen ihre eigene Heldin. „You don't have to be
lost in space to have a good time“. Das war das Rezept gegen die
martialischen Weltraumshooter.
Von der Spielhalle auf die Heimkonsole
Bereits 1981 lizenzierte Atari
Pac-Man von Namco für seine Heimkonsole VCS.
Nun gab es das bekannteste Videospiel aller Zeiten auch für
Zuhause. Allerdings konnte die Version für das VCS dem Vergleich mit der
Spielhalle nicht standhalten. Die Geister blinkten so stark, dass sie
auf dem Spielfeld nur schwer zu erkennen waren.
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Die Version von Pac-Man für das Atari VCS.
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Auch die Joystick-Steuerung war nicht mit der des Originals zu vergleichen.
Dennoch wurde
Pac-Man auf dem VCS zum Verkaufsschlager und trug dazu bei,
dass Atari seinen Namen auf dem Feld der Videospielkonsolen weiterhin
behaupten konnte. Und so kam der Punktefresser und damit auch ein bisschen
Spielhallen-Feeling in die Wohnzimmer.
Die goldene Ära der Heimkonsolen war auf ihrem Höhepunkt
angekommen und veränderte unsere Wahrnehmung von Videospielen für immer.
© 2004
ANDRÉ EYMANN