Auf Tomb Raiders Spuren
Kennt ihr die Vorfahren von Lara Croft? Bereits 13 Jahre
vor dem Welterfolg der Abenteuer-Amazone aus
Tomb Raider wurde mit dem Spiel
Pharaoh's Curse von Synapse Software ein wichtiger
Grundstein der Action-Adventures gelegt. Helden wie
Harry aus
Pitfall!, Panama Joe aus
Montezuma's Revenge
oder Sir Dudly Dashly aus
Jungle Hunt
gesellten sich hinzu. Es war die Gründerzeit der Jump and Run
Adventures, die heute ein fester Bestandteil der Spielebranche sind.
|
Pharaoh's Curse für den Commodore 64 von 1983.
|
Was also haben sich die beiden Synapse-Programmierer Steve Coleman und Jason Hyatt
dabei gedacht, als sie 1983 in Berkeley, Kalifornien das Spiel
Pharaoh's Curse für
den Commodore 64 entwickelten? Waren sie sich ihres großen
Wurfs bewusst? Oder hofften sie einfach, dass uns beim Anblick von Mumien und Pharaonen
der Schrecken ins Gebein fahren würde? Untote, Mumien und Flüche
aus der Zeit des antiken Ägyptens faszinieren
seit jeher die Menschen. Und so fällt einem das Eintauchen in dieses
Videospiel nicht schwer, will man doch all die Geheimnisse lüften, die
in den verborgenen Schatzkammern auf einen warten.
Tatsächlich fallen wir als Spieler
nach dem Drücken des Feuerknopfes symbolträchtig und konsequent
durch eine Falltür in die Unterwelt. Und schon beginnt unsere Reise ins Ungewisse...
Hintergrund: Synapse Software und Brøderbund
Ebenso antik wie der geschichtliche Hintergrund von
Pharaoh's Curse ist
mittlerweile dessen damaliger Publisher Synapse Software. Die amerikanische Softwareschmiede
wurde 1981 in Richmond, Kalifornien von Ken Grant und Ihor Wolosenko gegründet.
Nur drei Jahre später wurde die Firma vom Softwarehaus Brøderbund,
ebenfalls im Kalifornien ansässig, übernommen.
Bis zur Schließung aus Finanznöten durch Brøderbund ein Jahr nach
der Übernahme war Synapse mit mehreren Spielehits sehr erfolgreich.
|
So gehen unter anderen die legendären Titel Blue Max,
Fort Apocalypse oder Zeppelin auf das Konto von Synapse.
Die Firma beschäftigte im April 1983 ca. 40 Programmierer
und entwickelte ihre Software für verschiedene Computersysteme. Darunter
für Geräte der Firmen Commodore, Texas Instruments oder Apple.
|
|
|
Das Firmenlogo von Synapse Software.
|
|
In einem Interview von 1997 verrät Steve Hales, einer der Gründer
von Synapse, den außerordentlichen Erfolg der Firma. Nach seiner Aussage
war der Programmierer und Mitgründer Ihor Wolosenko
der Schlüssel zur Qualität von Synapse. Er beschreibt
den charismatischen Wolosenko als einen Steve Jobs der Videospielbranche zu jener Zeit.
|
Auf Schatzsuche im Höhlensystem (Commodore 64).
|
Pharaoh's Curse ist definitiv ein Spiel, das Wolosenkos Handschrift
trägt. Obwohl es auf den ersten Anschein nicht unbedingt spektakulärer
als andere Labyrinthspiele aussieht, machte es seinerzeit den Weg frei für einen
neuen Typ von Videospielen. Ein reines Jump and Run wie
Jumpman von Randy Glover für Epyx (1983) wurde
hier mit zusammenhängenden Aktionen verknüpft. Zudem gab es Ereignisse, die der Spieler
nur bedingt beeinflussen konnte.
Das Abenteuer beginnt...
Also, rein die Diskette in das 1541er Floppylaufwerk von Commodore und
ab in die Unterwelt. Zuerst werden wir in die Legende des Pharaohs eingeweiht.
Hier erfahren wir, was es mit dem dreitausend Jahre alten Grab auf sich hat.
Das Ziel ist natürlich das Aufspüren aller Schätze.
Die Legende von
Pharaoh's Curse:
Die grafische und spielerische Ausstattung von
Pharaoh's Curse
läßt kaum Wünsche offen. So gibt es in den 18 (!) verschiedenen Räumen
des Spiels Fahrstühle um Ebenen zu überwinden, Seile zum Klettern und gefährliche
Feuer, die einen zu verbrennen drohen.
Mit Taktik zum Gold
|
Der Spieler muß taktisch und überlegt vorgehen, wenn er das Gold
der alten Ägypter sein Eigen nennen wollte. Es gab umherirrende
Mumien und Pharaonen, die oft unpassend den Weg versperren. Eine Berührung
mit diesen Unwesen, bedeutete den Tod. Optisch liebevoll
und abenteuerlich gestaltet, bietet das Spiel einen sehr eigenständigen Look.
Schlüssel zum Öffnen versperrter Türen müssen
gefunden werden. Todbringenden Mauern, die von der Decke zum Boden
herabfahren, gilt es entkommen. Nur wer das richtige Feingefühl für
den entscheidenden Moment aufbringt, kann dem Fluch des Pharaohs entgehen.
|
|
|
Auf der Jagd nach dem Gold der Pharaonen (Commodore 64).
|
|
Sechs Leben stehen dem Helden zur Lösung der Rätsel zur Verfügung.
Danach reiht auch er sich in die Liste seiner Ahnen ein.
|
Ägyptische Motive verzieren den Levelaufbau (Commodore 64).
|
Die Macht des geflügelten Rächers
Wer zu lange bewegungslos in den Kammern der Unterwelt verweilt,
wird von einem Vogel entführt. Dem „Winged Avenger“.
Er fliegt scheinbar unwillkürlich durch das Höhlensystem und "verschleppt"
den Helden wohin er will.
Der „Winged Avenger“ entführt unseren Helden (Commodore 64).
|
|
|
So ist es sehr ärgerlich, wenn der Vogel einen kurz vor
dem erhofften Grabraub in die Lüfte hebt und davon trägt. Nicht selten findet man sich danach
auf der anderen Seite des Labyrinths wieder. Wolosenko selbst
bezeichnete diese Idee in einem Interview von 1983 als einen
„wichtigen psychologischen Effekt“ bei der Darstellung des Spielcharakters
in Pharaoh's Curse.
|
Nach seinen Worten „lebt“ der Spielcharakter, auch wenn der Spieler
gerade keine Aktion am Joystick auslöst. Wolosenko zeichnet
damit aus seiner Sicht Künstliche Intelligenz (KI) in Videospielen vor.
Ein Aspekt, der im Laufe der Zeit immer wichtiger für die Programmierung komplexer
Spiele wurde. Ohne Mechanismen wie diese, wären Spiele wie
Die Sims
heutzutage gar nicht denkbar.
mehr...