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Pharaoh's Curse

Spiel-Plattformen:
Atari 800, Commodore 64, VC 20, Atari VCS, Amiga.
Synapse Software:
Die Firma Synapse bestand aus: Ihor Wolosenko, Ken Grant, Steve Hales, Mike Potter und William Mataga.
Weiterer Spiele-Hit:
Steve Hales größter Spiele-Hit war Fort Apocalypse.
 
Pharaoh's Curse für Atari und Commodore - Ein Klassiker von Synapse Software
TEXT UND BILDER: ANDRÉ EYMANN
KATEGORIE: VIDEOSPIELKLASSIKER
AUSGABE: JANUAR 2008
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Die Macher bei Synapse Software
Im Interview von 1997 verrät Steve Hales, Programmierer von Fort Apocalypse, dass der gebürtige Österreicher Ihor Wolosenko 1996 für die Firma von Will Wright, Maxis, gearbeitet hat. Maxis ist für verschiedene Simulationen wie SimCity oder Die Sims bekannt und ist eine Tochterfirma von Electronic Arts. Die erste Version von SimCity wurde 1987 für den Commodore 64 veröffentlicht. Seitdem ist die Firma mit der Sim-Reihe sehr erfolgreich.   Ihor Wolosenko (Foto: Robert Dewitt, <i>Antic Vol. 2 No. 1</i>, April 1983).
Ihor Wolosenko
(Foto: Robert Dewitt,
Antic Vol. 2 No. 1, April 1983).

Steve Hales lernte das Programmieren wie viele seiner Generation. Er kaufte sich 1978 einen Apple II und hackte die Programme anderer Entwickler. So sammelte er erste Erfahrungen mit dem 6502-Mikroprozessor. Die ersten richtigen Programmierjobs bot ihm 1981 die Firma Starpath. Dort entwickelte er für den Atari 2600. Starpath fusionierte 1984 mit Epyx. Über seinen Schulfreund Mike Potter kam Hales dann zu Synapse. Sein größter Hit war Fort Apocalypse. Das Spiel verkaufte sich über 75.000-mal für den Atari 800. Die Verkaufszahlen für den Commodore 64 überstiegen diesen Erfolg sogar.

Spielversionen für andere Computer
Neben der bekannten Version für den Commodore 64 erschien Pharaoh's Curse auch für andere Computer.

Das Original von Pharaoh's Curse wurde 1983 für den Atari 800 8-Bit Heimcomputer entwickelt. Diese solide Fassung war das Vorbild für die Konversion des Titels auf den Commodore 64. An der Soundkulisse scheiden sich die Geister. Die einen bevorzugen den Klang des Spiels auf dem C64, die anderen finden die etwas quakigen Geräusche auf dem Atari 800 lustiger.

Pharaohs Curse - Version für den Atari 800 (1983).
Pharaoh's Curse - Version für den Atari 800 (1983).

Die Version für den Commodore VIC 20 (oder VC 20) überraschte einige Spieler. So manch einer hätte dem VC 20 ein für damalige Zeiten komplexes Spiel nicht zugetraut. Doch die Umsetzung ist sehr gelungen. Der Klang dieser Version allerdings gehört hinter Schloss und Riegel. Er ist dermaßen anstrengend, dass man den Lautsprecher beim Spielen lieber leiser drehen sollte.

Pharaohs Curse - Version für den Commodore VC 20 (1983).
Pharaoh's Curse - Version für den Commodore VC 20 (1983).

Es gibt sogar eine Version für das Atari VCS von der Firma Technovision aus dem Jahre 1983. Diese gleicht optisch allerdings mehr Dig Dug. Die Version von Montezuma's Revenge für das VCS erinnerte da schon eher an das Original. Zumindest gilt die VCS-Version von Pharaoh's Curse als selten. Deshalb sollten Sammler hier bedenkenlos zugreifen.

Pharaohs Curse - Version für das Atari VCS (1983).
Pharaoh's Curse - Version für das Atari VCS (1983).

Weitere offizielle Fassungen des Spiels existieren nicht. Den Gerüchten nach soll es eine Version für den Sinclair ZX Spectrum geben. Diese ist aber heutzutage nicht mehr auffindbar. Lediglich für den Commodore Amiga wurde 1990 eine nicht offizielle Umsetzung von Bignonia (Bitboy) veröffentlicht, die sich 1:1 an das Original anlehnt.

The Sound of The Curse
Um euch die Spielatmosphäre noch ein wenig näher zu bringen, könnt ihr hier einige Sounds aus der Commodore 64 Version von Pharaoh's Curse anhören.

Der Zeitgeist der frühen 1980er-Jahre
Bevor die Videospielindustrie zu einem der mächtigsten Faktoren der Wirtschaft wurde, war es kleinen Firmen mit einem relativ begrenzten Budget möglich, große Hits zu landen. Die kreativen Köpfe von Synapse, allen voran Ihor Wolosenko, Ken Grant, Steve Hales, Mike Potter und William Mataga (heute Cathryn Mataga) hatten in ihrer Firma genügend kreativen Spielraum, um Neues zu wagen.

So überraschten sie die Spieler mit immer neuen Spielkonzepten. Cathryn Mataga beispielsweise ist bis heute in der Spielebranche aktiv. Mit ihrer Firma Junglevision, entwickelte sie die Titel Neverwinter Nights (1991), Stronghold (1993) oder Grand Theft Auto Advance (2004). Sie hat außerdem die Synapse-Hits Shamus (1983), Zeppelin (1983) und Shamus Case II (1984) programmiert.

Mike Potter, Programmierer von Nautilus und Shadow World, sieht das Internet als Chance in den heutigen Zeiten wieder unabhängig zu sein. In einem Interview von 2000 sagt er, dass das Internet den kreativen Prozess positiv unterstützt. So brauchen junge Softwarefirmen keine Abhängigkeiten von Dritten beim Vertrieb ihrer Programme zu befürchten. Sie können einfach direkt mit den Kunden Kontakt aufnehmen.

Betrachtet man die aktuellen Vertriebsmöglichkeiten für Videospiele, so scheint sich tatsächlich eine neue Perspektive für kleinere Unternehmen zu bieten. Die Online-Netzwerke von Microsoft (XBox Live), Sony (PlayStation Network) oder Apple (AppStore) ermöglichen den Vertrieb kleinerer Produktionen, ohne von einem traditionellen Publisher abhängig zu sein. Außerdem kann man einen großen Teil des Vetriebs und Marketings über die Online-Plattformen abwickeln.

Mit Pharaoh's Curse haben sie es 1983 auf jeden Fall geschafft. Sie haben einen Klassiker der Spielegeschichte geschrieben. Und wenn man sich die Kommentare bei YouTube oder anderen Portalen zu diesem Spiel durchliest, wird einem klar wie viele Menschen sie mit ihrem Spiel erreichen und begeistern konnten.   Unser Held ist nicht zu stoppen (Commodore 64).
Unser Held ist nicht zu stoppen
(Commodore 64).

Wer weiß, was die ehemaligen Schöpfer von Synapse noch für Überraschungen bereithalten? Steve Hales auf jeden Fall hat 1997 erzählt, dass er bereits ein Dutzend unveröffentlichter Spieldesigns in der Schublade liegen hat. Nur fehlt ihm bisher die passende Gelegenheit, diese Konzepte in reale Videospiele umzusetzen. Komm schon Steve: Wie wäre es mit einem offiziellen Fort Apocalypse II für eine der aktuellen Spielkonsolen?



© 2008 ANDRÉ EYMANN