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Tele Fever - oder wie ein neuer Haarschnitt das Videospielfieber auslöste

25.04.2012 · Janni Douloumis · 12 Kommentare

Tele Fever - oder wie ein neuer Haarschnitt das Videospielfieber auslöste

Oben: Das Tele Fever ist eine eher seltene Spielkonsole. (Bild: Claudio Lione)

Wir schreiben das Jahr 1982 und ich bin ein kleiner Bub, der sich in der Chemie-Stadt Ludwigshafen am Rhein mit analogen Spielsachen seine Zeit vertreibt. Das sollte sich jedoch bald ändern. In der Nachbarschaft gibt es einen Friseur, der bei sich Zuhause für wenig Geld das Haar kürzt. Auch ich kam regelmäßig zu diesem Vergnügen. Doch dieses Mal sollte der Abschied von Haar und Tatort ganz anders verlaufen. Nach dem erledigtem Haarschnitt haben mich die zwei Kids des Hauses in das Wohnzimmer geführt, um mir ihr neues Spielzeug zu zeigen. Ahnungslos folgte ich ihnen ins Wohnzimmer.

Und da stand sie: die legendäre Videospielkonsole, die in aller Munde war. Ein ausgewachsenes Atari VCS. Pac Man war das Spiel der Stunde und ich durfte meine ersten Runden durch das Labyrinth drehen. Was für eine Offenbarung! Von diesem Moment an, konnte ich es kaum abwarten, bis meine Haare eine entsprechende Länge erreichten. Denn Haare schneiden hieß ab sofort auch zocken können.

Es war längst um mich geschehen. Die Atari Konsole hatte ihren Siegeszug durch Deutschland schon vollzogen und ich wollte unbedingt auch eine besitzen. Die Sache hatte nur einen Haken. Das Atari VCS war einfach viel zu teuer. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Da Kinderarbeit auch damals schon verboten war, konnte ich mir die Summe nicht eigentständig verdienen. Also musste ich doch noch an meine Eltern appellieren, wie wichtig die Anschaffung doch für mich wäre. Vergebens.

Eine Konsole aus dem Sperrmüll?

Mein Vater war jedoch soweit kooperativ, nach einer gebrauchten Konsole zu schauen. Die wäre doch eventuell drin gewesen. Also wälzte ich mit ihm die Sperrmüll-Kleinanzeigen in unserem regionalen Kleinanzeigenblatt. Aber auch hier waren die Preise noch viel zu hoch. Die Monate vergingen und ich war immer noch „konsolenlos“. Zwischenzeitlich wurde ich bekennender E.T.-Fan und sah auch wie die Jedi-Ritter ihre Rückkehr vollbrachten.

Doch dann kam es doch noch dazu, dass ich ein Videogamenerd wurde. 1984 erreichte mich die Information, dass man in der lokalen Kaufhalle ein neues Videospiel testen konnte. Also nix wie hin nach der Schule. Rein in das Geschäft, vorbei am Dig Dug-Automaten, rauf in den ersten Stock, vorbei am Lady Bug-Automaten (damals standen diese Maschinen noch einfach so herum in den Kaufhäusern) und da war es. Aufgebaut an einer eigens dafür hergerichteten Verkaufswand. Das Tele Fever. Eine wunderschöne metallic-blau lackierte Konsole, die ganz anders aussah als das VCS von Atari oder andere Konsolen dieser Zeit. Das Tele Fever ragte majestätisch durch sein Design aus der Masse. Es hatte einen richtigen Arcadejoystick und einen knallroten Feuerknopf, der mit dem restlichen blau in einem tollen Kontrast stand.

Technische Details zur Konsole

Das Tele Fever System war eine Variante der Arcadia 2001 Spielkonsole. Die Einführung in Deutschland erfolgte 1986 zu einem Preis von 99 DM.
  • Plattform-Familie: 8-bit
  • Prozessor: Signetics 2650 CPU mit 3,58 Mhz
  • RAM, ROM: 1k RAM, kein ROM
  • Farben: 9 Farben (4 für Zeichen, 4 für Sprites, 1 für den Hintergrund)
  • Ton: Ein 1-Kanal Lautsprecher
  • Steuereinheiten: Zwei Joysticks: einer in der Hauptkonsole, ein weiterer in einem kabelgebundenen separaten Gehäuse. Jeder Joystick besitzt ein Tastenfeld mit 12 Folientasten.

Die Konsole bestand aus einer Basiseinheit, die gleichzeitig auch den Controller darstellte und einer zweiten Einheit mit einem Controller für den zweiten Spieler. Beide hatten neben Joystick und Feuerknopf zusätzlich eine numerische Folientastatur, auf die man spielbezogene Overlays auflegen konnte. Ganz im Stile von Mattels Intelivision-System. Auf Augenhöhe stand die aufgebaute Konsole vor einem kleinen Farb-TV und auf dem Bildschirm konnte man das eingesteckte Modul bestaunen. Es war Jump Bug. In diesem Spiel schiesst und hüpft ein kleiner VW Käfer von links nach rechts durch verschiedene Bildschirme. Für mich einer der gelungensten Titel für die Konsole und wie ich Jahre später herausfand, war das Jump Bug eine echte Automatenportierung.

Das kreative Jump Bug aus dem Jahre 1982 konnte aufgrund seiner farbenprächtigen Grafik und der lustigen Spielidee problemlos mit den damaligen Spielen für das Atari VCS konkurrieren. (Bild: Schmid)
Das kreative Jump Bug aus dem Jahre 1982 konnte aufgrund seiner farbenprächtigen Grafik und der lustigen Spielidee problemlos mit den damaligen Spielen für das Atari VCS konkurrieren. (Bild: Schmid)
Auch mit echten Ballerspielen konnte das Tele Fever überzeugen. Space Attack von 1982 war ein gelungener Galaxian-Klon, der es verstand, Spielhallenatmosphäre auf den heimischen Fernseher zu zaubern. (Bild: Schmid)
Auch mit echten Ballerspielen konnte das Tele Fever überzeugen. Space Attack von 1982 war ein gelungener Galaxian-Klon, der es verstand, Spielhallenatmosphäre auf den heimischen Fernseher zu zaubern. (Bild: Schmid)

Ich hatte damals, in meiner jugendlichen Euphorie, den futuristischen Schriftzug auf der Konsole noch als „Tele-Fire“ interpretiert. Es verging kein Tag, an dem ich nicht nach der Schule aus der Bahn sprang, um mich auf dem Nachhauseweg in Gedanken an das Tele Fever zu erfreuen. Irgendwie war die Konsole richtig cool. Und auch der Preis. 99 DM dass war zwar immer noch viel für ein Kind, aber weit von Preis für ein Atari VCS, das damals 279 DM kostete.

Ein Kinderwunsch wird wahr

Was für ein Glück: mein Geburtstag nahte. Ein Elterncheck in Sachen Wunschgeschenk brachte grünes Licht. Ein Tele Fever dürfte es sein. Hurra! Kurz vor dem Geburtstag ging ich mit meiner Mutter zum Einkaufen. Ab in die Kaufhalle in Ludwigshafen. Rein in den Laden vorbei an Dig Dug, hoch in die Spielwarenabteilung vorbei an Lady Bug und ab an die Verkaufswand. Ein Griff ins Regal und in der Hand hielt ich: nichts! Oh mein Gott, das Gerät ist ausverkauft!?! weg? nicht mehr verfügbar? Das Videospieluniversum hatte sich gegen mich verschworen. War ich verdammt nur noch mit Masters of the Universe-Figuren zu spielen, Yps-Gimmicks zusammenzubauen und Jan Tenner-Hörspielekassetten zu hören? Nein, so einfach gebe ich nicht auf. Mutter an die Hand genommen, ab in die Bahn und über die Brücke nach Mannheim gefahren. Hier gab es ja schließlich noch eine Kaufhalle. Obwohl das Tele Fever als eine Tchibo Konsole in die Geschichte einging, muss ich dagegen halten, dass ich damals Tchibo-Filialen nur von außen kannte, und ich das Tele Fever tatsächlich in der Kaufhalle (einem Kaufhof-Ableger) entdeckte. In einer Kaffeerösterei nach einem Videospiel zu suchen, wäre mir damals nie in den Sinn gekommen.

«War ich verdammt nur noch mit Masters of the Universe-Figuren zu spielen, Yps-Gimmicks zusammenzubauen und Jan Tenner-Hörspielekassetten zu hören?»

Ioannis Douloumis

Zurück zur Geschichte: Mannheim-Kaufhalle-Spielwarenabteilung. Ich scanne mit großen Augen die Regale und dort, wo ich die Tele Fever Konsole vermutet hatte, lachte mich eine mir nicht bekannte Verpackung eines Videospiels an. Was war das? Ein Videospiel der dritten Generation. Laut Verpackung mit dem Namen: Schmid TVG 2000. Eine Videspielkonsole mir unbekannter Herkunft damals. Moment mal. Stand da nicht auf der Umverpackung vom Tele Fever, dass die Konsole kompatibel ist zum Schmid TVG 2000? Dann gilt das ja auch im umgekehrten Fall. Nun das Schmid sah zwar nicht aus wie ein Tele Fever (eher wie ein klein geratenes Mashup aus Colecovision und Intellivision) aber es hatte ein unschlagbares Argument zu bieten: 99 DM.

Die Schmid TVG 2000 Konsole wurde als Tele Computer Color Fernsehspiel beworben. Die Spiele dieser Konsole waren kompatibel zum Tele Fever System. (Bild: Schmid)
Die Schmid TVG 2000 Konsole wurde als Tele Computer Color Fernsehspiel beworben. Die Spiele dieser Konsole waren kompatibel zum Tele Fever System. (Bild: Schmid)

Die kommenden Gedanken sahen dann ungefähr so aus: gleicher Preis wie das Tele Fever? Dann her damit. Und so wanderten mein Schmid TVG 2000 und ich nach Hause. Für die nächsten Monate war die Videospielwelt in Ordnung. Dank zweier Freunden, die jeweils auch ein Tele Fever und ein Schmid TVG 2000 sich zulegen durften, wurden die Module getauscht und so konnte ich in den Genuss einiger Spiele aus dem Katalogprogramm kommen. Im Schmid TVG wurden bei Kauf zwei Module mitgeliefert. Space Raiders und Brain Quiz.

Das ebenfalls 1982 veröffentlichte Weltraumspiel Space Raiders lehnt sich deutlich an Williams Defender an. Es bietet zwar nicht die grafische Opulenz seines Vorbilds, kann dafür aber mit einer freien horizontalen Spielwelt aufwarten. (Bild: Schmid)
Das ebenfalls 1982 veröffentlichte Weltraumspiel Space Raiders lehnt sich deutlich an Williams Defender an. Es bietet zwar nicht die grafische Opulenz seines Vorbilds, kann dafür aber mit einer freien horizontalen Spielwelt aufwarten. (Bild: Schmid)

Space Raiders war ein Space Shooter, ähnlich wie Defender. Leider war das Spiel etwas ziellos. Man flog herum, ballerte auf Aliens und ab und zu musste man tanken. Das war es. Keine Levels, nur eine Highscoreliste. Ich spielte es dennoch gern. Brain Quiz war ein Bundle von drei bekannten Knobelspielen. Grafisch schlecht, trotzdem recht unterhaltsam. Als Beilage gab es Modulschachteln zum Zusammenfalten. Durch das Zusammenfalten entstand eine Schutzhülle, in der man die Anleitung, das Modul und die Folientastatur-Overlays verstauen konnte.



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12 KOMMENTARE

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    Janni kommentierte zu oben
    am 18.02.2016 um 07:23 Uhr (neuester)
    Profil bei Gravatar anzeigen
    1982? Das ist ja sehr interessant. Ja, die Angabe zu Release und techn. Spezifikation in der Textpassage ist aus dem Netz, deckt sich aber mit meinem Erlebnis. Ich sah das telefever zum ersten Mal in der besagten Kaufhalle um 1986.







    thunder-rabbit kommentierte zu oben
    am 07.04.2015 um 18:34 Uhr
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    Oh mann. Ich hätte das est nochmal Korrekturlesen sollen ;)



    Janni kommentierte zu oben
    am 10.04.2015 um 21:51 Uhr
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    Das ist ja mal klasse ! Wow!











    Nauhaus kommentierte zu oben
    am 04.12.2014 um 13:48 Uhr
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    Wie viel kostet sie denn bei Sammlern?



    Andre kommentierte zu oben
    am 12.12.2014 um 12:07 Uhr
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    Ich selbst habe noch keine Tele Fever Konsole auf dem Flohmarkt gesehen. Da muss man vermutlich wirklich Glück haben. Vor allen Dingen für 10 Euro ;) Laut heimcomputer.de kann so ein Gerät auch gut und gern mal 160 Euro kosten. Bei Online-Auktionen pendelt der Preis um die 100 Euro. Gerade aufgrund der überschaubaren Spieleauswahl ist das Tele Fever sicher ein begehrtes Sammlerstück.



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