Der erste Diskettenmagazin für Atari Computer
Das 1990 eingeführte
TOS Magazin konzentrierte sich
ausschließlich auf Atari Computer und erschien monatlich mit einer
Heftdiskette. Den Namen
TOS (engl.
The Operating System)
hatte das Heft von dem gleichlautenden Namen des Betriebssystems für Atari Computer abgeleitet.
Wir haben am 12. Juli 2007 mit Horst Brandl, dem ehemaligen Chefredakteur des
TOS-Magazins,
ein interessantes Interview über seine berufliche Vergangenheit und
die Geschichte des
TOS geführt.
André Eymann: Herr Brandl, Sie haben eine klassische IT-Ausbildung
durchlaufen und nach Ihrer Ausbildung zum Programmierer als technischer
Leiter bei dem Sinclair Generalimporteur Schumpich gearbeitet.
Dort wurden die legendären
Heimcomputer
ZX81 und ZX Spectrum verkauft. Welche Projekte haben Sie bei Sinclair geleitet?
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Horst Brandl: Bei Sinclair bzw. Schumpich war ich hauptsächlich für die Software
verantwortlich. Ich wählte aus, welche Programme wir in das Sortiment
aufnahmen. Diese kamen von Firmen aber auch Freizeitprogrammierern. Auch bei der
Erweiterung des Hardwareangebots sprach ich mit, was manchmal harte
Überzeugungsarbeit kostete. Beispielsweise hatte der Sinclair ZX81
ein Kilobyte RAM. Sinclair selbst hat ein Erweiterungsmodul mit 16 Kilobyte
im Angebot, aber die Kunden wollten noch mehr Speicher. Der größte
Zusatzspeicher brachte 64 Kilobyte, kostete aber - unglaublich,
aber wahr - fast 1.000 DM! Der Computer kostete 298 DM und der Speicher
sollte 1.000 DM kosten, aber - er wurde gekauft.
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Horst Brandl gründete 1990 das Magazin TOS für Atari ST- und TT Computer
(Foto: Horst Brandl)
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André Eymann: Wie kam der Umstieg nach der Zeit
bei Sinclair in den EDV-Journalismus?
Für welche Zeitschrift(en) haben Sie zuerst geschrieben?
Horst Brandl: Ich wurde abgeworben. Michael Scharfenberger, seines Zeichens
stellvertretender Chefredakteur von
Happy Computer meinte, er suche Leute,
ob ich jemanden wüsste. Später hat er mir erzählt, dass er natürlich
explizit mich damit meinte. So kam ich zur
Happy Computer. Diese Zeit
hat sehr großen Spaß gemacht. Die ungezwungene Atmosphäre, die netten
Kollegen, die sich rasend schnell entwickelnde Technik, die horrende Arbeitszeit :-)
André Eymann: In der Juli-Ausgabe der
Happy Computer
von 1988 berichten Sie über den Gewinner des GFA-Wettbewerbs. War der
Atari ST Ihre erste große Leidenschaft, oder gab es auch ernsthafte
Flirts mit anderen Computerlieblingen?
Horst Brandl: Mein Einstieg fand über den Sinclair ZX81 statt.
Ein kleiner Computer mit einem Betriebssystem von acht Kilobyte und einem Kilobyte RAM. Da konnte
man sich wirklich mit jedem Bit vertraut machen. Dann kam der Nachfolger ZX Spectrum. Jetzt gab es Farbgrafik und
48 Kilobyte RAM.
Der Nachfolger des ZX Spectrum, der
Sinclair QL (stand für
Quantum Leap) war zwar tatsächlich ein
Riesensprung. Beispielsweise verfügte er über ein multitaskingfähiges
Betriebssystem, wurde aber schlecht vermarktet und konnte sich nicht
am Markt durchsetzen. Bei Markt & Technik war ich für die
68000er-Computer zuständig, also die Computer mit Motorolas
68000-Prozessor: Atari ST, Amiga, Macintosh und Sinclair QL.
Mein Favorit war der Atari ST.
Der Sinclair QL wurde ab Juli 1984 verkauft (Bericht: Happy Computer, April 1984)
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André Eymann: Sie haben ab 1988 auch für das
bekannte
ST-Magazin geschrieben und den Atari- und Amiga-Grafikprogrammierer
Jim Kent in San Francisco besucht. Können Sie sich noch an diese
Begegnung erinnern?
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Horst Brandl: Kurz zur Entstehung des ST-Magazins. Nach der
Happy Computer kam die 68000er. Commodore hatte erkannt, welche positive
Wirkung die Zeitschrift 64er für ihren Commodore 64 hatte und klopfte kurze Zeit
später bei Markt & Technik an und wollte neben der 64er auch ein monatliches
Magazin für den Amiga. Also wurde die 68000er aufgesplittet.
Daraus entstanden das ST-, das Amiga- und das Macintosh-Magazin.
Der Sinclair QL war da bereits von Markt verschwunden.
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Neu im Dezember 1984: 3-Zoll-MCD-Disketten für den Spectrum mit bis zu 145 Kilobyte Speicherplatz.
(Bericht: Happy Computer, April 1984)
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Als Leiter der
68000er lies man mir die Wahl, welches Heft ich künftig leiten wollte.
Ich entschied mich für das
ST-Magazin. Warum durfte ich als Redakteur nach
USA fliegen? Das blieb normalerweise den Chefredakteuren vorbehalten.
Bereits für
Happy Computer hatte ich Messen besucht. Meine erste Messe war
die CeBIT in Hannover. Diese Messe werde ich wegen zwei Erlebnissen nie vergessen:
Am ersten Tag ging ich frohen Mutes ausgestattet mit neuen Visitenkarten
als Redakteur auf den Messestand von Toshiba und wollte etwas über ein
neues Produkt wissen, sprach eine der Damen an und fragte nach Unterlagen
über einen Monitor. Sie fragte nach der Zeitschrift, für die ich schreibe.
Ich sagte:
Happy Computer und Sie lachte. Schaffte es zwar sich
zwischen zwei Lachanfällen prustend zu entschuldigen, konnte
sich aber nicht einkriegen. Traumatisiert wagte ich an diesem Vormittag
nicht noch jemanden anzusprechen.
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Erlebnis zwei hat schon eher mit Jim Kent zu tun. Einen Techniker auf dem
Atari-Stand löcherte ich solange mit Fragen, bis keine er Antwort wusste und
sich behalf mit: "Da kommt gerade Shiraz Shivji, unser Entwicklungschef.
Der weiß das." Nur der hatte gerade keine Zeit, bot aber freundlich für
den nächsten Tag ein Interview an. Gerne nahm ich es an. Am Stand von
Markt & Technik fragte mich Michael Scharfenberger, wie es denn
auf meiner ersten Messe als Redakteur läuft.
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Shiraz Shivji, der geistige Vater des Commodore 64
(Foto: Happy Computer, September 1986)
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„Gut“, erwiderte ich, „morgen habe mein erstes Interview“. Als er den
Namen Shiraz Shivji hörte, sagte er erstaunt: „Der Shivji?“. Ich sagte:
„Ich kenne bisher nur den einen. Warum? Ist der wichtig?“. Was für eine
blöde Frage, denn Shiraz Shivji hatte mit dem Commodore 64, den erfolgreichsten
Computer der Welt entwickelt und sein nächster Coup, der Atari ST,
war auch viel beachtet.
Am kommenden Tag ging ich zum Interview mit Shiraz Shivji, aber nicht
allein, sondern ein Kollege wurde mir zur Seite gestellt, falls ich nicht
klar kam. Das Interview lief aber sehr gut. Shivji war ein sehr
freundlicher Zeitgenosse. Nur gingen mir nach etwa 1 ½ Stunden
die Fragen aus. Ich fing an nach Umsätzen und erwarteten Verkaufszahlen
zu fragen. Shivji sprang vom Stuhl, riss die Tür auf und bat
einen Herren herein, der gerade an unserem Besprechungsraum vorbeiging.
Die 8-Bit Systeme Atari 600/800 XL waren die Vorgänger der 16-Bit Atari ST Computer
(Foto: Happy Computer, September 1986)
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Er stellte mir Jack Tramiel vor und meinte, der könne mir diese Fragen
beantworten. Aber er hatte gerade... nun das kennen wir bereits und am
folgenden Tag hatte ich das nächste Interview. Scharfenberger fragte
nach meiner Rückkehr zum Messestand, wie das Interview mit Shivji
gelaufen sei. „Gut. Morgen habe ich das nächste.
Mit Jack Tramiel.“ Auf den Namen Shivji reagierte er mit Blässe,
auf den Namen Tramiel mit Japsen und Farbwechsel:
„Der Jack Tramiel?“, stammelte er. Das ich ihn nicht kannte, verkniff ich mir.
Tramiel gilt als eine der Legenden, die die Computerindustrie begründet haben.
Gründer von Commodore, Vater des PET (Personal Electronic Transactor),
des ersten Bürocomputers, und die Liste ließe sich mit Meilensteinen der
Computerindustrie fortsetzen.
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Wärend des Interviews warf er beispielsweise
lapidar ein, dass er Steve Jobs die ersten Prozessoren für den Apple I
verkauft hatte. Jobs wollte unbedingt die Z80-Prozessoren der Commodere
Chip-Tochter Zilog. Tramiel sagte während des Interviews, in dem auch
Shivji wieder dazu kam, ob ich mir nicht Atari-Lab, der Entwicklungslabor
von Atari anschauen wollte. Und so kam ich nach Sunnyvale. In der Nähe
von San Francisco, wo auch Jim Kent lebte...
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