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TATSACHEN


Atari TOS-Magazin

Produziert:
1990-1997
Verlag:
ICP GmbH & Co KG (Innovativ Computer Presse)
Das TOS Team:
Horst Brandl, Alex Dankesreiter, Paul Sieß, Marie-Jeanne Jaminon-Brandl, Sabine Kuffner, Martin Backschat, Thomas Bosch, Uli Hofner und Barbara Schmid
Erschien:
Monatlich
Preis:
14,90 DM
 
Der Vater des Atari TOS-Magazins - Im Interview mit Horst Brandl
TEXT UND BILDER: ANDRÉ EYMANN
KATEGORIE: ZEITGESCHEHEN
AUSGABE: FEBRUAR 2008
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André Eymann: In dem ST-Artikel „Ein amerikanischer Traum“ aus dem September 1988 schreiben Sie über die Entstehung des US-Amerikanischen Atari-Magazins Antic von Jim Capparell. Am Ende resümieren Sie mit dem Satz „Könnte diese Entstehungsgeschichte in Deutschland stattfinden? Wir meinen, nie und nimmer.“ Wodurch unterschieden bzw. unterscheiden sich die beiden Länder so stark? Was konnten die deutschen Magazine von Antic lernen?

Jim Capparell (Foto: <i>ST-Magazin</i>, September 1988)
Jim Capparell
(Foto: ST-Magazin, September 1988)
  Horst Brandl: Jim Capparell traf ich auf einigen US-Messen, die ich besuchen durfte, weil ich immer gute Geschichten mitbrachte. Er lud mich in die Redaktionsräume von Antic ein. Dort lernte ich die Redakteure kennen. Eine Redakteurin war die Freundin von Jim Kent und so hatte ich meinen Kontakt zu Jim Kent. Bei Antic war die Produkte „good“, „funny“ oder „fluffy“. Mir fehlte für den deutschen Markt deutlich der technische Tiefgang. Übrigens: Jim (eigentlich James) Capparell war zuvor als Programmierer bei der NASA angestellt und gründete seine Zeitschrift 1982 ohne vorherige Kenntnisse über die Zeitungsbranche.

André Eymann: Nach dem Motto „Nur wer Neues wagt, hat die Chance, es besser zu Machen“ gründeten Sie 1990 als Chefredakteur das Atari-Magazin TOS für Atari ST- und TT. War es schon lange ein Traum von Ihnen, ein eigenes Magazin zu leiten? Was unterschied die TOS von anderen Magazinen?

Horst Brandl: Die TOS entstand aus einem Problem. Bei Markt & Technik fand im Vorstand ein Wechsel statt. Richard Kerler, ehemals Redaktionsdirektor der Zeitschrift CHIP, wurde Vorstand Zeitschriften. Wir hatten ab dem ersten Zusammentreffen eine tiefe gegenseitige Abneigung. Ich kündigte nach wenigen Wochen, die Redaktion reagierte betroffen und machte den Vorschlag, selbst ein Heft herauszubringen.

Die Atari ST GEM (<i>Graphical Environment Manager</i>). Die Benutzeroberfläche von TOS.
Die Atari ST GEM (Graphical Environment Manager).
Die Benutzeroberfläche von TOS.

Dafür braucht man allerdings ein gewisses Kapital, deshalb suchte ich nach einem Mitstreiter, den ich auch fand. TOS unterschied sich in der Aufmachung. Wir waren opulenter in Bildsprache. Aber der größte Unterschied war die beiliegende Diskette. Und die sorgte bereits im Vorfeld für viel Gespräch: 14,90 DM sollte das Heft durch die Diskette kosten - jeden Monat. Viele zweifelten, dass dieses Konzept gewinnbringend umzusetzen war.

André Eymann: Haben Sie noch Kontakte zum ehemaligen TOS-Team: Alex Dankesreiter, Paul Sieß, Marie-Jeanne Jaminon-Brandl, Sabine Kuffner, Martin Backschat, Thomas Bosch, Uli Hofner und Barbara Schmid?

Horst Brandl: Teilweise gibt es noch Kontakt. Sogar noch zu manchen Kollegen von Markt & Technik.

André Eymann: Wann und warum wurde das TOS-Magazin eingestellt?

Horst Brandl: Die TOS haben wir sieben Jahre herausgegeben. So lange es den Atari ST gab. In dieser Zeit haben wir mein Vorgängerheft ST-Magazin gekauft.

André Eymann: Was machen Sie heute beruflich? Werden Sie noch oft mit Ihrer Vergangenheit als Autor und Chefredakteur in Verbindung gebracht? Haben Sie noch einen Atari im Keller?

Horst Brandl: Heute sitze ich auf meiner Insel in der Karibik, lasse mir von glutäugigen Schönheiten kühle Drinks servieren und... Nein, leider nicht. Ich bin immer noch Journalist. Einen Atari TT hatte ich noch eine lange Zeit, allerdings verstaubte er die letzten Jahre im Keller. Anmerkung: im Atari TT werkelte ein Motorola MC68030 32-bit Prozessor mit 32 MHz.   Der Atari 1040 ST mit Monitor SC1224 und Maus, sowie einem Power Grip Joystick von Wico.
Der Atari 1040 ST mit Monitor SC1224 und Maus, sowie einem Power Grip Joystick von Wico.

André Eymann: Wir bedanken uns für das freundliche Interview und wünschen Ihnen für die Zukunf alles Gute.

Kleiner Exkurs: der Atari TT und das TOS
Der futuristische Atari TT (1990-1994) war für den professionellen Betrieb in den Bereichen Musik oder DTP gedacht. Das TT steht bei diesem Atari-Computer für Thirtytwo/Thirtytwo und bezeichnet den Datenbus. Das Herz des Systems war eine Motorola 68030 CPU. Im TT kamen bereits SCSI-Festplatten (48 oder 80 MB Speichervolumen) zum Einsatz. Die Grafikauflösung bot bis zu 1280x960 Pixel (monochrom, ECL-Signal). Als Betriebssystem wurde Ataris TOS (3.01 bis 3.06) genutzt.

TOS/GEM hatte für seine Zeit ein sehr fortschrittliche Optik. TOS steht für The Operating System und wurde für die Heimcomputerserie Atari ST von 1985-1994 entwickelt. Die Darstellung der TOS-Oberfläche erinnert ein wenig an das Apples Macintosh Betriebssystem. Heutzutage lebt TOS beispielweise als EmuTOS weiter, das mit 32-Bit Atari Emulatoren genutzt werden kann.



© 2008 ANDRÉ EYMANN