„Videomagic: Vorbildlich!“ oder „Die Münchner haben es halt doch besser“,
so lauteten einige der Artikel, die nach der großen Eröffnung von
Videomagic am 12. Juli 1983 in verschiedenen Zeitschriften erschienen
sind. Ungewöhnlich war eine Berichterstattung der Medien über den
neuen Spieleshop in München sicherlich nicht. Immerhin galt
Videomagic zu dieser Zeit als das größte Fachgeschäft für
Videospiele in ganz Europa!
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Das Münchener Geschäft Videomagic. Die jungen Spieler
kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
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Im Bereich des Videospiele-Einzelhandels setzte Videomagic damals
völlig neue Maßstäbe. Die Betreiber hatten die komplette Ladenfläche
auf das Medium der Videospiele ausgerichtet. Ungefähr 50 Bildschirme
und Terminals standen bereit, mit der Möglichkeit sofort über 150
verschiedene Konsolenspiele zu testen. Die ganze Einrichtung war
absolut neu und für die „Early 80ties“ sehr modern gestaltet.
Von der hervorragenden Sachkompetenz und Freundlichkeit aller
Mitarbeiter ganz zu schweigen. An dieser Stelle viele Grüße an
den ehemaligen Geschäftsführer Oliver Trunk!
Spielen nur mit Chips
Videomagic verwirklichte die Idee, nach Vorbild der echten Arcade-
Spielhallen, selbstentwickelte Konsolen-Automaten aufzustellen,
die statt mit Geld mit sogenannten „Fun-Chips“ funktionierten.
Ein Chip kostete 50 Pfennig und reichte für ca. 5 Minuten Spielzeit an
einer Konsole. Dies klingt aus heutiger Sicht vielleicht etwas
teuer, dazu muß man aber wissen, daß die Chips mit 10% auf alle
Hard- und Softwarekäufe angerechnet wurden.
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Da Videomagic sowieso zu den Fachgeschäften mit den günstigsten Preisen zählte, gab es auch
keinen Grund seine Produkte woanders einzukaufen.
Schnell entwickelte sich Videomagic zum beliebten Treffpunkt aller
Videospieler in und um München. Jeder konnte bei Videomagic neuen Videospiele ansehen
und ausprobieren, auch Produkte die man in den regulären
Geschäften nicht so einfach zu Gesicht bekam. Zum Beispiel den Starpath
Supercharger für das Atari VCS (1982) oder das Intellivoice Modul für Mattels Intellivision (ebenfalls 1982).
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Treffpunkt der Telespieler am Münchener Stachus.
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Besonders spektakulär: Das berühmten Autorennen
Turbo von Colecovision
wurde auf einer 2x2 Meter großen Leinwand zusammen mit dem
Coleco Lenkrad-Ausbaumodul professionell in Szene gesetzt. Das
übertraf selbst das Original in den echten Spielhallen.
Für Jugendliche verboten?
Natürlich dauerte es nicht lange, bis bestimmte Institutionen
anfingen gegen Videomagic vorzugehen. Immerhin standen die neuen
Videospiele damals ja noch unter dem Ruf sie seinen eine
Ausgeburt der Hölle und Jugendliche hätten sich ja lieber mit
etwas „anständigem“ zu beschäftigen, als mit solchem sinnlosem
Zeitvertreib.
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Fünfzig Pfennige für einen „Fun-Chip“. Ist Videomagic eine Spielhalle?
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Also verklagte die Stadt München Videomagic mit der Begründung:
„Betreibung einer Spielhalle für Personen unter 18 Jahren“.
Nach langem Rechtsstreit mußte sich Videomagic vor Gericht
diesem Urteil sogar geschlagen geben. Die Geschäftsleitung lies
sich trotzdem nicht so einfach unterkriegen und umging das
Urteil dadurch, daß man die „Fun-Chips“ nun kostenlos an die
Spieler verteilte. Erklärtes Ziel war ja nicht die Betreibung
einer Spielhalle, sondern in erster Linie der Verkauf der
Konsolen, Hardware und Module.
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Das Spielforum von Videomagic. Futuristisch und platzsparend zugleich.
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Ebenfalls schnell reagierte Videomagic auf das Erscheinen der
neuen Homecomputer von Commodore, Spectrum und Atari. Schon
bald entstand eine eigene Computerabteilung. Dort sah ich zum
ersten Mal die gute alte „Brotkiste“ Commodore 64 und Spiele wie
Falcon Patrol,
Fort Apocalypse oder das
International Soccer.
Der unvermeidliche Geschäftsschluss
Obwohl Videomagic selbst den Verkauf der Homecomputer sowie
deren Software forcierte, war es vermutlich gerade das große
Konsolensterben durch die Homecomputer, die letztendlich die
Geschäftsleitung dazu brachte, nach dem ganzen Ärger mit der
Stadt München und dem eher schleppenden Verkauf der neuen
Homecomputersoftware durch die vielen Raubkopierer, Videomagic
wieder zu schließen. Nach dem offiziellen Ende verkaufte Videomagic weiterhin unter
dem Pseudonym „Fun-Tastic“ Computerspiele als Versandunternehmen
über Zeitungsanzeigen bekannt.
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Diese Artikel erschienen in allen großen
Fachzeitschriften wie Telematch oder später der ASM.
Was sich aber am Ende daraus entwickelt hat, ist mir leider nicht mehr bekannt.
Heute befindet sich ein Discountladen für T-Shirts in den
ehemaligen Geschäftsräumen von Videomagic, sogar teilweise mit
der alten Originaleinrichtung. Inzwischen ist diese natürlich
schon sehr ramponiert und heruntergekommen. Manchmal, wenn ich
München noch besuche, schaue ich dort vorbei und erinnere mich
an die „gute alte Zeit“ der klassischen Konsolen und die vielen
schönen Stunden die ich dort verbrachte.
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Videomagic-Anzeige für den MagicMonitor. Alles, was am Bildschirm Spaß macht! (1983)
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Unerreichte Atmosphäre
Trotz der Vertriebsstrukturen heutiger Konsolenriesen wie
Nintendo oder Sony ist Videomagic mit seiner Größe und der
besonderen Atmosphäre bis heute unerreicht geblieben. Damit hat
sich Videomagic mit Sicherheit einen Ehrenplatz in der „Hall of
Fame“ der Video- und Computerspiele verdient. Auch wenn sich
leider nur noch die alten Konsolenfans aus dem Raum München an
dieses geniale Fachgeschäft erinnern werden.
© 2002
GUIDO FRANK