Ich freue mich, hier eine fast in der Versenkung der Vergessenheit
geratene, aber dennoch außergewöhnliche Videospielkonsole vorzustellen.
In Deutschland wurde sie zumeist gegen Ende der 1970er Jahre als "SABA Videoplay"
vertrieben. Allerdings wurde das System schon 1976 in den USA von
dem Hersteller
Fairchild unter dem für eine Videospielkonsole eher
ungewöhnlichen Namen "Channel F" vorgestellt.
Fairchild Channel F Video Entertainment System "VES" als Lizenznachbau von SABA
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Zum ersten Mal: programmierbare Spielmodule!
Das Channel F ist aber nicht eine der unzähligen "Pong"-Konsolen
die es seinerzeit schon gab, sondern das erste Videospiel mit
programmierbaren Spielmodulen überhaupt. Auf diesen Spielmodulen befand sich erstmals
ein kleiner Chip, ein so genanntes ROM, welches Programmcode enthält.
ROM ist die englische Abkürzung für
Read Only Memory und bedeutet,
dass man den Inhalt dieses Speicherchips zwar lesen, aber nicht
beschreiben kann. Mit diesen Modulen war es
erstmals möglich, auf nur einer Konsole durch das Austauschen der Spielmodule
viele verschiedene Spiele zu spielen. Erstaunlicherweise besaßen die Module
eine Speicherkapazität von nur 2 bis 3 Kilobyte Speichervolumen! Bis
1982 erschienen insgesamt 26 Spielmodule für das Channel F.
In vierten Teil des Artikels findet ihr eine
Übersicht
aller SABA Videoplay Spielmodule. Dort werden alle Spiele mit ihrer Verpackung,
einer Abbildung des Moduls, einem Bildschirmfoto und einer Spiele-Info aufgeführt.
Ein guter Überblick für Sammler und alle, die sich über das komplette Spielangebot des Videoplays informieren wollen.
Kampf der Modul-Konsolen
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Bemerkenswert ist, dass um die Veröffentlichung der ersten
Modul-Konsole ein wahrer Wettkampf stattfand. Nur wenige Wochen später
wurde mit der "RCA Studio II" eine weitere Modul-Konsole vorgestellt,
die dem "Channel F" aber technisch unterlegen war. Selbst der damalige
Marktführer Atari sah sich unter Druck gesetzt, seine ebenfalls schon
in der Entwicklung befindliche programmierbare Konsole früher als
geplant auf den Markt zu bringen. Da aber Atari die dafür
enormen Entwicklungs- und Produktionskosten allein nicht aufbringen konnte,
sah sich der Firmengründer Nolan Bushnell genötigt Atari an den
Medienkonzern Warner Brothers zu verkaufen, um das
benötigte Kapital zu erhalten.
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Austauschbares Spielmodul mit den Spielen Wüstenfuchs und Tontauben-Schießen (Videocart Nr. 2)
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So hat die frühe Präsentation des "Channel F" doch einigen Wirbel
in der Videospielbranche ausgelöst, auch wenn das System nicht
unbedingt ein kommerzielle Erfolg war. Die Firma Fairchild als Produzent
der Channel F Konsole vergab schon kurz nach deren Markteinführung
in den USA Lizenzen an verschiedene europäische Firmen.
Fairchilds europäische Partner
Allein auf dem Deutschen Markt warben
SABA mit dem Lizenznachbau "Videoplay",
Nordmende mit "TelePlay" sowie ITT mit dem "Telematch Processor" um ihre Gunst.
In Schweden wurde es von
Luxor als "Video Entertainment System",
in Großbritannien von
Adman als "Grandstand", in Österreich von
Ingelen
ebenfalls als "Telematch Processor", in Italien von
Dumont als "Channel F"
und schließlich in Belgien von der Firma
Barco unter den Namen "Challenger"
als Lizenznachbauten der US-amerikanischen Firma
Fairchild vertrieben.
Des Weiteren wurde es durch die Firma
Emerson (gehörte zur Firma
Dumont) unter dem Namen
"Videoplay System" in den Handel gebracht. Die Version von
Dumont wurde ebenfalls unter der
Bezeichnung "Videoplay System" verkauft. Emerson und Dumont brachten lediglich einige Aufkleber
mit ihren Bezeichnungen auf den Originalverpackungen an.
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Nordmende COLOR TelePlay (1978)
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Bedientastatur des Nordmende COLOR TelePlay
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ITT Telematch Processor (1978)
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Bedientastatur des ITT Telematch Processor
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Verpackung des Emerson Videoplay System (Bild: Fredric Blåholtz)
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Emerson Videoplay System mit Zubehör und Spielmodulen (Bild: Fredric Blåholtz)
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Die Gehäuseabdeckung des Emerson Videoplay Systems (Bild: Fredric Blåholtz)
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Ein Telespiel für den Enkel...
Warum aber schreibe ich über diese doch eher unbekannte Konsole? Um das zu
erfahren, müssen wir über 30 Jahre zurück in die Vergangenheit reisen.
Zu dieser Zeit, man schrieb das Jahr 1977, berichtete ein Arbeitskollege meines
Vaters von einer auf
Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin vorgestellten
neuen Videospielkonsolen-Generation.
Da ich mir als damals 10-jähriger
nichts sehnlicher wünschte als ein Telespiel, nahm mein Vater diese Information
von seinem Kollegen mit großem Interesse auf. Nachdem er sich dann kurze
Zeit später in eines der damals größten Rundfunkgeschäfte in Osnabrück nach
dieser Konsole erkundigte, hatte er Glück, dass dort gerade ein Vorführgerät
eingetroffen war. Der Verkäufer führte die auch für ihn noch völlig neue
Technik bereitwillig vor. Mein Vater und anscheinend auch der Verkäufer waren
von dem SABA Videoplay total begeistert. Beide vergaßen vor lauter
Spielbegeisterung völlig die Zeit und hörten erst auf zu spielen, als das
Geschäft geschlossen werden sollte, was damals üblicherweise schon um 18:30 Uhr
geschah. Einen Schock erfuhr mein Vater dann aber, als er von dem freundlichen
Verkäufer den Preis für die Konsole erfuhr. Fast 500 DM sollte das gute Stück
kosten und das ohne Spielmodule, die kosteten im Schnitt noch mal um die
70 DM extra. Das war sicher zu damaligen Zeit nicht nur meinen Vater
viel zu teuer. Zumal Videospielkonsolen seinerzeit doch mehr als Spielzeug
für Kinder gesehen wurden und nicht wie heute als Unterhaltungsmedium
für die ganze Familie.
Da mein Vater aber nun persönlich Gefallen an der Konsole gefunden hatte und mich
auch nicht zu Weihnachten enttäuschen wollte, überredete er meinen Opa,
sich doch mal dieses tolle neumodische Gerät anzuschauen. Von dem Preis
erwähnte er natürlich geschicktermaßen nichts. Offen für neues,
wie er Gott sei dank war, nahm mein Opa den Vorschlag an und fuhr
das Wochenende darauf zusammen mit meinen Vater zu dem besagten
Rundfunkgeschäft. Die Zeit drängte, denn Weihnachten
rückte immer näher und es gab immer noch kein Weihnachtsgeschenk.
In der Tat war auch mein Großvater sehr angetan von dem Gerät
und fand es als Weihnachtsgeschenk für seinen Engel perfekt geeingnet.
Selbst von dem hohen Preis ließ er sich nicht abschrecken. Denn technische Sachen,
insbesondere wenn sie auch noch neu auf den Markt kamen, waren nun einmal teuer.
Das traf damals noch mehr zu als heute und so war er gewillt, das Gerät zu kaufen.
Erschreckenderweise stellte sich dann aber heraus, dass das Telespiel gar nicht auf Lager war.
Es gab nur das eine Vorführgerät, welches nicht verkäuflich war.
Selbstverständlich konnte es bestellt werden, aber ob es noch rechtzeitig bis Weihnachten an käme,
wollte der Verkäufer nicht garantieren. Mein Opa aber ging das Risiko ein
und bestellte das Gerät mitsamt einer Handvoll Spielmodulen.
Denn sonnst kann man ja damit nicht allzu viel anfangen. Der Verkäufer versprach
alles zu tun, damit das Videoplay so schnell wie möglich geliefert wird.
Noch ein Problem aber tauchte auf,
wenn auch nicht ganz unvermittelt. Meine Großmutter durfte auf keinen Fall
erfahren, wie teuer das Gerät war, denn dann hätte sie sich wieder
unnötigerweise aufgeregt, wie man dann so viel Geld für so ein
technischen Schnickschnack ausgeben kann. Für mich als Enkel
hätte sie alles getan, aber so ein neumodisches Ding, nein! Da
hätte man doch etwas Sinnvolleres für das viele Geld schenken können.
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Screenshot des Schachmoduls für das SABA Videoplay
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Videoplay vs. Lieblingskrimi
Und tatsächlich, der Verkäufer rief schon nach knapp zwei Wochen bei meinem
Großvater an, dass er das Videoplay abholen könne. Gerade noch rechtzeitig
für das bevorstehende Weihnachtsfest. Am darauffolgen Tag nahm er die Konsole
dann auch mit nach Hause, denn ich durfte ja von dem Kauf nichts
erfahren. Kaum bei meinen Großeltern angekommen, wurde sie dann kurzerhand
im Wohnzimmer ausgepackt und mit dem heimischen Fernseher verbunden.
Nachdem dann der richtige Fernsehkanal gefunden wurde,
erschien denn endlich ein Bild auf der Mattscheibe. Meine Großmutter
beobachtete das ganze Geschehen mit gebührender Skepsis und fand das ganze
hin und her in ihrem Wohnzimmer gar nicht so toll. Auch die bunten Bilder auf
dem Fernseher beeindruckten sie wenig. Mein Vater musste
dann natürlich gleich nach dem Feierabend zu meinem Großvater fahren. So wurden
beide wieder zum Kind und steckten ein Spielmodul nach dem anderen in das
Gerät und probierten auf diese Weise ein Spiel nach dem anderen mit großer Begeisterung aus.
Meine Großmutter aber machte dem ganzen Spaß dann nach einiger Zeit einen Strich
durch die Rechnung. Denn um viertel nach Acht begann ihr Lieblingskrimi
im Fernsehen und der durfte auf keinen Fall verpasst werden. Es war schon
erstaunlich genug, dass mein Opa die
Tagesschau hatte sausen lassen, dass
passierte eigentlich nie. Nun musste das Spiel aber unter dem strengen
Blick meiner Großmutter ausgeschaltet werden. Endlich gehörte der Fernseher
wieder ihr und das Teufelszeug war vom Bildschirm verbannt.
Am nächsten Tag aber wollte mein Großvater, vom Spieltrieb erfasst, unbedingt wieder an das
Videoplay. Um weitere Konflikte zu vermeiden, schloss mein Opa das Gerät
aber an den erst vor kurzen für den Urlaub gekauften tragbaren
Farbfernseher an. Der stand im Gästezimmer und dort hatte er seine
uneingeschränkte Ruhe zum Spielen. Meine Großmutter konnte ihren gewohnten
Fernsehkonsum fortsetzen und somit gab es vorerst keine weiteren Konflikte
mehr zwischen den Beiden. Gleich nach dem Feierabend fuhr mein Vater dann auch
wieder zu meinem Opa und so zockten dann beide wieder, diesmal ungestört,
bis spät in den Abend hinein die verschiedenen Spiele durch. Ich wunderte mich
damals nur, wieso mein Vater in der Vorweihnachtszeit immer so spät nach
Hause kam. Er verriet mir gegenüber natürlich nichts und so hatte ich auch
nicht die geringste Ahnung von dem, was ich schon bald geschenkt bekommen sollte.

Und dann war es auch endlich soweit. Das Fest der Feste stand bevor
und nach unserem traditionellen Kirchenbesuch folgte dann am Heiligabend
des Jahres 1977, wie bei uns üblich, die Bescherung. Da ich noch zwei jüngere
Geschwister habe, standen unter dem Weihnachtsbaum auch immer entsprechend
viele Geschenke. Wir alle stürzten uns darauf und schauten anhand
der Namensschilder, welches wem gehörte. Eifrig wurde dann das Geschenkpapier
von den Geschenken gerissen und - ja ich muss gestehen - ich weiß nicht
mehr was ich bekam, es war auf jeden Fall kein Telespiel, denn daran hätte
ich mich garantiert erinnert. Sicher etwas enttäuscht, begab ich mich mit
dem zufrieden, was immer ich geschenkt bekam und behielt ein wenig
Vorfreude auf die bevorstehende Bescherung bei meinen Großeltern am darauf folgenden
Tag. Und die hatte es, wie ihr euch denken könnt, dann auch in sich. Anfangs
breitete sich bei der Bescherung Enttäuschung aus, weil gemeinerweise mein
Geschenk nicht wie sonst üblich unter dem Tannenbaum lag, sondern
angeschlossen neben dem Fernseher stand. Ein quadratisches Gerät,
ganz in schwarz mit ein paar Tasten an der abgeflachten Frontseite.
Ein Controller namens "Spielepilot"
Das ist doch nicht etwa ein... noch bevor ich mich versah, schob mein Vater
eine gelbe Plastikkassette in den Kasten und schaltete ihn ein.
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Der Kontrollerschacht des Videoplay mit den beiden Spielpiloten
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Augenblicklich erschien ein farbiges Bild auf dem Fernseher. Jetzt öffnete
er auch noch eine Klappe am hinteren Teil des Gerätes. Was zum Vorschein kam
hatte ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Hinter der Abdeckung
verbargen sich zwei längliche "Spielepiloten". So wurden sie von Saba
bezeichnet. Nun nahm er diese Spielepiloten heraus und drückte einen
davon meinem Großvater in die Hand. Nachdem mein Vater schließlich einen der
Knöpfe an der Vorderseite dieses Gerätes betätigte, baute sich ein Bild
auf dem Fernsehschirm auf. "Wow, was für eine Grafik!" dachte ich mir.
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Es war ein unglaubliches Gefühl, als ich dann auch mal den Spielepiloten
halten durfte, um gemeinsam mit meinem Vater zu spielen. Bis dahin kannte
ich nur Drehregler, mit denen sich die diversen Ballspiele steuern ließen.
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