Mit diesen "Spielepiloten" konnte man aber noch viel mehr machen. Der obere Teil
ließ sich in allen Richtungen bewegen, sogar herunterdrücken und hochziehen.
Als Krönung des Ganzen ließ sich das dreieckige Oberteil
sogar noch nach rechts und Links drehen. Viele Spiele unterstützten auch
all diese Funktionen.
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Von SABA als "Spielepilot" bezeichneter Joystick
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Panzerschlacht mit dem Videoplay
Ein Spiel, das die Spielepiloten unterstützte, war das Panzerspiel,
welches ich am besagten Weihnachtsfeiertag gegen meinen Vater als erstes spielen durfte. Mit dem
Spielepiloten konnte man das pixelige, nur mit viel Fantasie als Panzer
erkennbare Gefährt steuern und durch Drehen des Dreiecks gleichzeitig
den Geschützturm drehen. Wenn man das obere Teil herunterdrückte löste sich
ein Schuss. Für Kinderhände war der Spielepilot allerdings alles andere
als einfach zu bedienen. Das Ziel des Spiels bestand darin, seinen Gegner
möglichst oft zu treffen. Explosionen wie heute gab es freilich keine.
Es leuchtete nach einem Treffer ein rotes Kreuz über dem Panzer auf,
es machte "plog" und man hatte einen Punkt mehr. Das war es schon. Spaß
machte es aber trotzdem mächtig. Und hätte meine Großmutter nicht schon wieder
darauf bestanden, dass nun erst einmal genug gespielt war,
hätten wir sicherlich noch stundenlang weitergespielt.
Panzerspiel mit einem getroffenen grünen Panzer. Die Kreuze stellen Minen dar.
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Ich erinnere mich noch heute daran, wie nach dem ersten ausgiebigen Spielen
am zweiten Weihnachtstag meine Hände schmerzten. Am Tage darauf hatte ich
sogar Blasen an den Fingern! Übrigens hatte mein Großvater damals schlauerweise
nicht gleich alle Module der Konsole beigelegt. So hatte er mir dann zu
meinem Geburtstag, knapp ein halbes Jahr später, die anderen Module geschenkt.
Nach und nach kaufte ich mir aber auch selber weitere Module dazu oder
bekam noch einige geschenkt, so dass ich letztendlich gut ein dutzend Module
mein Eigen nennen konnte.
Eines der ersten Schachmodule für Konsolen
Das letzte Modul, welches ich mir gekauft habe, war das für anfangs zum
stolzen Preis von 199 DM angebotene Schachmodul. Es war nicht nur das mit
Abstand teuerste, sondern auch leider das letzte Modul, welches in Europa
veröffentlicht wurde. Das Saba Modul ist das einzige nicht von Fairchild
bzw. später Zircon programmierte Spiel. Es wurde nur von SABA vertrieben
und nicht in den USA veröffentlicht. Und das obwohl alle Module
zu den unterschiedlichen Channel F Varianten kompatibel sind.
Das Schachmodul von SABA. Es war das letzte von 20 Modulen die in Europa verkauft wurden.
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Die Schach-Grundlagen waren mir zu der Zeit schon bekannt. Aber richtig
gelernt habe ich Schach erst mit meinem Saba Videoplay, natürlich mit dem
entsprechenden Schachmodul. Gott sei Dank war der Computergegner dermaßen
schwach, dass ich auch als blutiger Anfänger eine Chance hatte, gegen
die Maschine zu gewinnen. Wenn auch nur in den leichten Schwierigkeitsstufen.
Somit war die Motivation recht groß, es immer wieder zu versuchen.
Heutige Schachprogramme sind selbst auf der einfachsten Stufe so stark,
dass echte Anfänger kaum eine Chance haben, zu gewinnen.
Videospielen macht Freunde
Ich war damals soweit ich weiß, im ganzen Ort der einzige,
der eine solche Konsole besaß. Und nach dem Weihnachtsferien hatte ich dann
auf einmal eine ganze Menge Freunde mehr als vorher. Insofern kann ich nicht
behaupten, dass mich das intensive Spielen an meiner damaligen Spielkonsole
gesellschaftlich isoliert hat. Ganz im Gegenteil, ich fand neue Freunde
und das Spielen machte erst mit anderen zusammen so richtig Spaß. Natürlich
gab es damals noch kein Internet und auch die Computergegner waren nicht
gerade ernst zu nehmen. Zumal die meisten Spiele auch nur zu zweit gespielt
werden konnten. Im Rückblick finde ich es immer wieder erstaunlich,
wie lange ich mich damals mit diesen doch recht simplen Spielen beschäftigt habe.
Das von mir am meisten gespielte Spiel war übrigens "Labyrinth", das ich
zusammen mit meinem Freund Matthias endlose Stunden über Monate hinweg gespielt hatte.
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Das Spiel "Labyrinth" für das SABA Videoplay
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Ziel von "Labyrinth" war es, seine Spielfigur, die nur aus einen Quadrat bestand,
durch ein Labyrinth vom Eingang bis zum Ausgang zu bewegen. Das dramatische daran
war, dass der Computer das gleiche Ziel verfolgte, indem er mit seiner Spielfigur am Ausgang startete und
einem gnadenlos entgegen kam. Den Ausgang passieren konnte man aber nur,
wenn der Mitspieler von dem Computer gefangen wurde, was dem Spiel noch
einmal einen extra Spaßfaktor verlieh. Da es keinerlei künstliche Intelligenz gab, lenkte der
Computer sein Quadrat nach einem bestimmten Muster durch die Gänge.
Super war auch, dass nachdem man den Ausgang erreicht hatte, immer wieder
ein anderes Labyrinth erschien, das man dann abermals durchqueren musste.
Dieses Spiel konnte man auch alleine spielen, machte aber zu zweit um
so mehr Spaß. Durch das intensive Spielen fanden mein Freund und ich aber
heraus, dass sich die Labyrinthe irgendwann wiederholten und wir
durchschauten auch, wie sich der Computergegner in den jeweiligen
Labyrinthen verhielt. So hatten wir unseren größten Spaß daran,
den Computergegner auszutricksen. Fazit: der Computer erwischte uns so gut wie
nie und wir konnten uns beliebig lange im Labyrinth aufhalten.
Der lange Schatten von Ataris VCS
Mein Freund, Matthias war so angetan von meinem Videoplay, das er
das Jahr darauf zu Weihnachten 1978 ein Atari VCS 2600
Videospiel geschenkt bekam. Im Nachhinein betrachtet, wäre es besser gewesen,
meine Großeltern hätten mit dem Kauf eines Videospiels noch ein Jahr gewartet
und dann das Atari gekauft. Denn das war dem SABA technisch absolut
überlegen und wurde auch noch viele Jahre später mitsamt einer Unmenge an neuen
Spielmodulen produziert.
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Ich mit ungefähr dreizehn Jahren. Unten rechts erkennt man das Atari VCS 2600 mit dem ich bei meinen Freund Matthias gespielt hatte. Ich halte übrigens gerade das Tatstatur-Pad in der Hand, mit dem man das Spiel "Memory" spielte.
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Die Firma Saba hat die Produktion 1979, nach nur zwei Jahren, eingestellt.
Fairchild verkaufte die Rechte
in diesem Jahr an die Firma
Zircon International, die das System dann
Anfang der 1980er Jahre endgültig aufgab. Folglich gab es danach auch keine
Spielmodule mehr zu kaufen. Die letzten sechs in den USA entwickelten Module
schafften es nicht mehr nach Europa und somit verschwand das System
dann recht schnell im Schatten von Atari und Co. Ich bin ich meinem Saba Videoplay dennoch
ein paar Jahre treu geblieben, auch wenn es leider keine Spiel mehr
dafür zu kaufen gab. Erst 1982 habe ich alles an einen Schulfreund
verkauft, um mir das "ColecoVision" von
CBS zu kaufen. Denn mittlerweile
spielte ich hauptsächlich an
Videospielautomaten und das ColecoVision-Videospiel
versprach von den Grafik- und den Soundfähigkeiten, sehr nah
an die Arkade-Qualität heran zu kommen. Aber das wäre eine andere Geschichte.
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Nun dreißig Jahre später besitze ich wieder ein Saba Videoplay mitsamt fast
allen in Europa erschienenen Modulen. Es ist schon verrückt, wenn man die
technologische Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte Revue passieren lässt.
Heute sind in der Technik Dinge möglich, die ich mir als zehnjähriger
nicht einmal vorstellen konnte. Die sichtbare Bildschirmauflösung der
Channel F Konsole beträgt gerade einmal 102 x 58 Bildpunkte, wobei aber nur
4 Vordergrundfarben (Blau, Rot, Grün und Schwarz-Weiß) und eine
Hintergrundfarbe aus vier Farbabstufungen der oberen Farben möglich sind.
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Detail aus dem Panzerspiel: der blaue Panzer verschanzt sich hinter seiner Festung
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Gerade die sehr limitierte Möglichkeit der Farbdarstellung und der
schwache 1-Kanal-Sound über den eingebauten Lautsprecher waren eine starke
Einschränkung für die Spielprogrammierung. Dazu kommt noch der extrem
kleine in der CPU integrierte RAM Speicher. Die F8-CPU konnte
kein externes RAM ansprechen und musste sich mit den in der CPU eingebauten
64 Bytes (nicht Kilobytes, das wären dann 65.525 Bytes)
zufrieden geben.
Zwei Spiele gratis
Erwähnenswert sind übrigens auch die beiden eingebauten Spiele
der Videoplay-Konsole. Beide Spiele sind fest im BIOS aller Versionen der
Konsole hinterlegt. In der amerikanischen Version heißen sie
"Hockey" und "Tennis". In der deutschen Version
"Fußball" und "Tennis". Grundsätzlich unterscheiden
sich "Hockey" und "Fußball" zwischen der Versionen nicht.
Mit diesen beiden Spielen, kann man die Konsole sofort nutzen, ohne ein
separates Modul kaufen zu müssen. Allerdings sollte man nicht zuviel
erwarten, da sich beide Spiele deutlich an das bekannte "Pong" anlehnen.
Technische Details: ROMs und PSUs?
Die ROMs in den Channel F Spielmodulen werden eigentlich PSUs (Program
Storage Unit) genannt. Sie sind keine typischen ROM-Module, sondern ein wenig
komplizierter, denn sie funktionieren mit dem System wie ein Co-Prozessor.
Sie sind eine Eigenentwicklung von Fairchild. Deshalb brauchte es eine Weile,
bis so genannte Dumps von diesen Modulen auftauchten.
Alle SABA-Spielmodule sind mit PSUs ausgestattet, außer das Spiel mit der Nummer 20
(Schach). Schach besitzt nur ROMs und eine spezielle Schnittstellenschaltung
(3853 Static Memory Interface "SMI"). Das Programm darauf ist 6 Kilobytes
groß. Kein anderes Spielmodul hat seinerzeit mehr Speicher genutzt.
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