Aus der Rubrik „Wie war das damals?“ blicken wir nun zurück auf die Pionierzeit
der Heimcomputer in Westdeutschland. Wie nahmen wir als Jugendliche zu dieser Zeit die Eroberung
der privaten Haushalte durch die Computer wahr?
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Der Sinclair ZX81 war in den 1980er Jahren einer der ersten populären Heimcomputer in Westdeutschland.
Hier ist ein Ausschnitt des mitgelieferten Handbuchs ZX81 BASIC Programming zu sehen.
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Kalter Krieg und kalter Winter
Wir schreiben das Jahr 1984. In Zeiten des kalten Krieges erscheinen die
Bedrohungsszenarien der James Bond Filme lange nicht so weit hergeholt, wie heutzutage.
Der Kinofilm
Octopussy handelt im Schatten des Wettrüstens und des NATO-Doppelbeschlusses
von der abenteuerlichen Suche nach einem Fabergé-Ei. Bond musste verhindern,
dass der Bösewicht den berühmten Zarenschatz gegen eine Atombombe eintauschen kann.
Erst in letzter Minute kann die Apokalypse verhindert werden. Scherzhaft
verkündet der US-Präsident Ronald Reagan im gleichen Jahr die Bombardierung
der Sowjetunion in einer Probe-Ansprache. Er entschuldigt sich später dafür.
In der BRD „hackt“ der
Chaos Computer Club die Deutsche Bundespost und deckt
somit einen ersten illegalen und medienwirksamen Datenzugriff mit historischer Tragweite für unser Land auf.
Und zu guter Letzt wird
River Raid von Activision als das erste deutsche Videospiel indiziert.
Gleich zu Beginn des Jahres führt Apple den
Macintosh als, wie wir heute wissen,
Meilenstein der ästhetischen Computertechnik ein.
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Und obwohl in vielen
deutschen Kinderzimmern bereits ein Commodore 64 stand, konnte sich ein kleiner
Schwarz-Weiß-Computer aus England, der ZX81, ebenfalls auf dem heimischen Markt behaupten.
1984/1985 erlebt Hamburg einen kalten und trockenen Winter. Unter dem Tannenbaum
stand für mich in diesem Jahr ein kleiner Karton, der in seiner Styroporverpackung
einen ebenso kleinen Computer mit Folientastatur beherbergte. Einen Sinclair ZX81.
Doch wie kam es zu diesem Geschenk?
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Der ZX81 wurde 1981 veröffentlicht und kam aus England. Er wurde zuerst
als Bausatz und später als Fertigcomputer verkauft.
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Eine neue Welt für 98,- Deutsche Mark
Wie ist mein Vater auf die Idee gekommen, seinem damals dreizehnjährigen Sohn
ausgerechnet diesen britischen Rechner zum Fest zu schenken? Auf diese Frage antwortete er:
„Ich habe beobachtet, wie Dich damals elektronische Spiele wie
Pac-Man interessierten“.
Sicher wird ihm auch aufgefallen sein, dass ich viel mit meinen verschiedenen
Game & Watch LCD-Spielen, wie beispielsweise meinem tragbaren,
knallorangenen Nintendo-Spiel
Multi Screen Donkey Kong, gespielt habe.
Oder wie wesentliche Anteile meines Taschengeldes im
Galaga-Spielautomaten
im Imbiss um die Ecke verschwanden. Auch wusste er wahrscheinlich, dass ich mit
meinem Freund auf der anderen Straßenseite zusammen
Pole Position oder
Phoenix
auf dessen Atari VCS spielte. Dennoch entschied er sich bewusst mir einen Computer
zu schenken und keine Videospielkonsole.
Das mich Technologie schon immer interessierte, wurde früh von meinem Vater gefördert.
Dazu fiel ihm ein: „Kannst Du Dich noch an das
electrum-Museum in Hamburg-Barmbek erinnern?
Dort war ein ganzer Raum mit dem Ur-PC von Konrad Zuse ausfüllt, mit der Leistung
von glaube ich einem Kilobyte. Im Büro der Großküche hatten wir nur Additionsmaschinen.
Zur Not konnte man damit auch multiplizieren. Eine 4-Spezimaschine (Anmerkung:
eine Maschine die alle vier Grundrechenarten beherrschte) kostete
fast 8.000,- DM. 10 Jahre später kostete ein Taschenrechner nur noch 5,- DM.“
So ging er im Dezember des Jahres 1984 durch eine Werbeanzeige inspiriert
los und besuchte die Elektronik-Abteilung im Tiefgeschoss des Kaufhauses Alsterhaus am Hamburger
Jungfernstieg, um mir einen ZX81 zu kaufen. „Der Preis war, glaube ich 98,- DM.“ erinnerte er sich.
„Commodore 16 und 64 kamen später. Aber auch bei denen reichte zum Abspeichern
noch mein Cassettenrecorder.“ rief er kürzlich aus dem Gedächtnis ab. Das stimmt nicht
so ganz, denn 1984 gab es den Commodore 64 schon seit einem Jahr in der BRD zu kaufen.
Die Einführung des C16, dem Nachfolger des VC 20, erfolgte bei uns allerdings erst 1985.
Zum Vergleich: der Apple
Macintosh kostete seinerzeit hierzulande ca. 7.200,- DM!
Der Commodore 64 kostete ca. 1.495,- DM und lag preislich ebenfalls außerhalb
des akzeptablen Rahmens. Die sehr niedrigen Anschaffungskosten für den ZX81 waren
sicher auch ein entscheidendes Kaufargument für das Weihnachtsgeschenk.
So ist es leicht vorstellbar, weshalb der ZX81 – ob als Bausatz oder Fertigmodell -
insgesamt ein großer Verkaufserfolg wurde. Er war in Wirklichkeit
der „wahre“ Volkscomputer und nicht der Commodore VC 20,
so wie es die Werbung in Deutschland zu vermarkten versuchte.
Ein magischer Moment in der heiligen Nacht
Ich kann mich nicht daran erinnern, ob es noch weitere Geschenke für mich
zu diesem Fest gab. Zu sehr war ich nach dem traditionellen Weihnachtsessen
damit beschäftigt, den in Ungarn hergestellten Videoton TC 1613 Fernseher
auszupacken und in Betrieb zu nehmen. Schließlich sollte dieser 8-Kanal
VHF-UHF Röhren-Schwarz-Weiß-Tischfernseher dem ZX81 zur bildlichen
Darstellung in meine Welt verhelfen. Kurz danach wurde ein Foto aufgenommen,
das die frisch ausgepackten Bestandteile des Kleincomputer-Pakets,
nebst seinem stolzen Besitzer, bildlich verewigte.
Der ZX81 als Weihnachtsgeschenk 1984. Sofort wurde das mitgelieferte Handbuch studiert.
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Nachdem der ZX81 mit dem Fernseher verbunden war, wurde der entsprechende
UHF-Kanal 36 auf dem Frequenzband des TV-Gerätes gesucht. Langsam wurde mit klar:
Du besitzt jetzt einen eigenen Computer! Alle unglaublichen Möglichkeiten
stehen nun auch Dir offen. Spiele, Textprogramme, Grafik. Alles was ich zuvor
in Heimcomputerzeitschriften wie
Happy Computer,
HC Mein Home-Computer oder
CPU gelesen hatte,
war nun auch für mich zugänglich.
Ich schaltete den kleinen schwarzen Kasten ein und es erschien ein weißes
„K“ in einem schwarzen Quadrat.
Das „K“ stand für „Keyword“ (engl. für
Schlüsselbegriff) und erwartete nun
weitere Anweisungen von mir. Sofort blätterte ich im beiliegenden Handbuch
ZX81 BASIC Programming und tippte meine ersten Kommandos. Schon nach
kurzer Zeit vergaß ich Raum und Zeit um mich. Ein magischer Moment hatte
mich erfasst und zog mich unaufhörlich in seinen Bann. Es war als wäre
ich durch ein Tor in eine neue, faszinierende Welt gegangen. Ich glaube die Küche,
in der mein ZX81 aufgebaut war, an diesem Abend kaum mehr verlassen zu haben.
Erste kleine Beispielprogramme wurden von mir über die anschlaglose Tastatur
des Rechners eingegeben. Programme wie: „Zahlenraten“, „Drucke den gesamten
Zeichenvorrat aus“ oder „Rate meinen Namen“. Auch konnte ich schnell erste
BASIC-Schleifenroutinen nachvollziehen. Das ZX81 Handbuch stand mit vielen
verständlichen Hinweisen hilfreich Pate.
Das ZX81 Handbuch bot einen guten Einstieg in die Programmiersprache BASIC
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Kaufhaus-Erinnerungen
Wo kam man in den Achtziger Jahren als Jugendlicher mit Heimcomputern in Berührung?
Ganz sicher in den großen Kaufhäusern der Stadt. Von meinem Elternhaus war
das nächst erreichbare Einkaufszentrum nur 3,5 Kilometer entfernt. Oft ging
ich direkt nach der Schule dorthin, um Stunden in der „Computerecke“
von Kaufhof oder Horten zu verbringen.
Das Eldorado der Maschinen dort faszinierte mich. Der Geruch von Kunststoff,
erhitzten Netzteilen und Papier war allgegenwärtig. Immer wieder tippte ich Befehlszeilen
in die Tastaturen von Commodore 64, Texas Instruments TI-99/4A, VC 20 oder Atari 800 XL ein.
Obwohl die meisten Systeme im Kaufhaus meinem ZX81 Zuhause technisch überlegen waren,
war ich dennoch glücklich mit meinem eigenen kleinen „Personal Computer“. Meine Eltern
konnten die Dinge, die ich in meinem Zimmer auf den Bildschirm zauberte kaum nachvollziehen.
Es war meine eigene Welt, in der ich mich ganz allein behaupten konnte. Rückblickend
betrachtet müssen wir Außenstehenden wie Freaks vorgekommen sein.
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