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TATSACHEN


Heimcomputer unter dem deutschen Weihnachtsbaum

Sind 1K RAM-Speicher zu wenig?
Für 139,- DM konnte der ZX81 auf 16K-Speicher erweitert werden.
Arkadenspiele für Zuhause
Das Spiel The Gauntlet brachte Arcade-Flair auf den kleinen Sinclair.
Lernen zu programmieren
Das Abtippen von Programm-Listings war oft der erste Schritt zum eigenen Programm.
 
Der Sinclair ZX81 - Ein deutsches Weihnachtsgeschenk
TEXT UND BILDER: ANDRÉ EYMANN
KATEGORIE: ZEITGESCHEHEN
AUSGABE: APRIL 2010
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Mit Nicki-Pullover und Daunenjacke konnten wir Stunden vor den flimmernden TV-Röhren verbringen. Anders als einst Mathias Mertens, behaupte ich im Rückblick: „Wir waren Nerds - und keine Space Invaders“.

Spielen im Kaufhaus (Bild: Bayerischer Rundfunk 1983)
Spielen im Kaufhaus (Bild: Bayerischer Rundfunk 1983)

Natürlich konnte man im Kaufhaus auch die neuesten Spiele für Heimcomputer und Konsolen ausprobieren. So konnte man kostenlos Smurf für das ColecoVision oder Zaxxon für den Commodore 64 spielen. Alles Top-Hits, die man sich auch Zuhause wünschte aber die preislich leider oft unerreichbar waren. Als Alternative blieb nur, an den Videospielautomaten in der Öffentlichkeit zu spielen. Das war allerdings teuer und nicht immer einfach, denn normalerweise waren die Automaten nur in Bereichen ab 18 Jahren zugänglich.

Eine Auswahl von Computerspielen in einem deutschen Kaufhaus der 1980er Jahre (Bild: Bayerischer Rundfunk 1983)
Eine Auswahl von Computerspielen in einem
deutschen Kaufhaus der 1980er Jahre (Bild: Bayerischer Rundfunk 1983)

Mehr Speicher bitte!
Als Datenspeicher für meine ZX81-Programme konnte ich den Cassettenrecorder meines Vaters benutzen. Dabei kamen handelsübliche Compact Cassetten zum Einsatz. Mit den BASIC-Befehlen LOAD und SAVE konnten die wertvollen Zeilen geladen und gespeichert werden. Später dann benutzte ich meinen eigenen kleinen „Ghettoblaster“. So konnte ich bei komplexeren Programmen Zwischenstände speichern, die sonst beim Ausschalten des Computers für immer verloren gewesen wären.

Nach wenigen Wochen waren die eingebauten 1K RAM-Speicher des ZX81 dann doch zu begrenzt für meine Wünsche. So bekam ich glücklicherweise die Original ZX 16K RAM Speichererweiterung von meinem Vater geschenkt. Die Erweiterung kostete damals 139,- DM und ermöglichte es, umfangreichere Programme auf dem Rechner laufen zu lassen. Um den Rechner auf 16K zu erweitern, wurde die neue Zusatzhardware auf den 44-poligen Stecker auf der Rückseite des ZX81 gesteckt. Leider war die physische Verbindung konstruktionsbedingt instabil. Ein kleines Wackeln daran konnte den Computer umgehend zum Absturz bringen. Dies war ein Albtraum, vor allen Dingen nachdem man stundenlang ein Listing eingetippt hatte. Auf dem folgenden Foto kann man sehen, wie ich die Erweiterung mit dem ZX81 verbinde.

Beim Einstecken der ZX81 16K RAM Speichererweiterung
Beim Einstecken der ZX81 16K RAM Speichererweiterung

Spielen wie die Großen
Mein erstes Kaufspiel für den ZX81 war The Gauntlet von Colourmatic Computing. Ich habe es für 24,80,- DM bei der Ottobrunner Firma Computer Accessoires Int'l über den Versandhandel bestellt.

Das Geld dafür wurde vom kostbaren Taschengeld abgespart. Der Rest der noch fehlte, wurde durch Autowaschen hinzuverdient. Bei dem als „Ein Weltraumspiel“ beworbene Gauntlet handelt es sich um eine Variante des Horizontalshooters Scramble von Konami. Das Original kannte ich damals bereits von einem Videospielautomaten. Auch hatte ich schon oft die Anirog-Version für den Commdodore 64 von 1983 gespielt. Dass die Ähnlichkeit dieses ZX81-Spiels mit dem japanischen Vorbild für mich eindeutig war, habe ich damals in einer Zeichnung in der Innenhülle meiner Kaufkassette festgehalten. Ein Beweis dafür, wie sehr sich die kunstvolle Illustration dieses Videospiels damals bereits in meiner Fantasie verankert hatte.   <i>Gauntlet</i> von Colourmatic Computing für den ZX81 mit 16K
Gauntlet von Colourmatic Computing für den ZX81 mit 16K

Die von mir angefertigte Zeichnung zu Skramble in der Innenhülle meiner Gauntlet-Kaufkassette
Die von mir angefertigte Zeichnung zu Skramble
in der Innenhülle meiner Gauntlet-Kaufkassette

Zum Programmieren animiert
Ein guter Freund von mir besaß bereits einen Commodore 64 mit dem wir oft zusammen spielten. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich tagelang nachmittags an meinem kleinen ZX81 saß und versuchte das C64-Spiel Bagitman nachzuprogrammieren. Ich habe von jeher eine Schwäche für Jump and Run-Spiele wie Jumpman oder Lode Runner. Bagitman hatte mich soweit begeistert, dass ich das komplette Höhlensystem mit dem einfachen Zeichensatz des ZX81 nachgebildet hatte. Auch konnte ich bereits bewegte Objekte programmieren. Für viel mehr hat es damals allerdings nicht gereicht. Ich war noch nicht weit genug mit meinen Programmierkenntnissen.

So tippte ich vorwiegend fertige Listings ab und kaufte mir entsprechende Publikationen, wie das Sonderheft ZX81 Sinclair Programme der CHIP oder den ZX User Club Sammelband von 1983. Dort gab es so viel Auswahl an interessanten und lehrreichen Programmen, dass mir niemals langweilig wurde. Aufgrund der Einfachkeit von BASIC konnte ich vorhandene Programme leicht modifizieren und meine eigenen Ideen einbringen. So lerne ich spielerisch das Programmieren und konnte zusätzlich grundlegende Computerkenntnisse sammeln.

All diese Türen hat mir der ZX81 geöffnet. Und natürlich wäre dies ohne das wegweisende Geschenk meiner Eltern nicht möglich gewesen. Ich bin mir sicher, dass viele Menschen meiner Generation ähnliche Geschichten erzählen könnten. Die Neugier auf Technik wurde spielerisch geweckt und trägt bis heute ihre Früchte.

Danke Sir Clive Sinclair - Vater des ZX81!



© 2010 ANDRÉ EYMANN