Besuch im PEEK&POKE-Computermuseum in Rijeka (Kroatien)

Lesedauer: 5 Minuten

Der diesjährige Familienurlaub führte mich nach Kroatien, nach Mali Lošinj auf die Insel Lošinj, um genau zu sein, ein kleiner Ort am Meer.

Nach einer Woche, die ich mit Schnorcheln, Lesen, Krabbenessen und Faulenzen verbrachte, musste ich aus Arbeitsgründen vorzeitig abreisen. Ich sagte also meinem alten Herrn Goodbye, drückte meiner Mutter einen Kuss auf die Wange und ratterte mit dem Bus quer über die Insel, um mich am späten Abend auf der Fähre wiederzufinden, die mich aufs Festland zurückbrachte.

Die Eintrittskarte. (Bild: Franz Zwerschina)
Die Eintrittskarte. (Bild: Franz Zwerschina)

Da es bereits zu spät war, die Heimreise nach Berlin anzutreten, musste ich eine Nacht in Rijeka, einer kleinen Küstenstadt verbringen. Glücklicherweise fand ich gleich ein günstiges Hotel und legte mich aufs Ohr. Am nächsten Tag hatte ich noch einige Stunden Zeit, ehe mein Bus abfuhr, also informierte ich mich im Internet, welche Sehenwürdigkeiten es in Rijeka gab.

Was freute ich mich, als mein Smartphone ein “Computermuseum” ausspuckte, das noch dazu gleich ums Eck war. Ich schlüpfte in meine Schuhe, schnappte meine Kamera und fand mich fünf Minuten später im Museum wieder, das mein Herz höher schlagen ließ!

Der unscheinbare Eingang ins Paradies. (Bild: Franz Zwerschina)
Der unscheinbare Eingang ins Paradies. (Bild: Franz Zwerschina)

Ein netter Kerl um die 40 Jahre, begrüßte mich auf Englisch und bot mir lächelnd einen Kaffee an – er hätte einen exquisiten Bohnenbrüher hier, ließ er mich wissen, “mit ziemlicher Sicherheit der beste Kaffee in der Stadt!” Ich bezahlte vier Euro Eintritt und trat in die Räumlichkeiten, die früher wohl eine Art Wohnung gewesen sein mussten. Sofort blinkten mir Monitore, Konsolen und verschiedenste Lämpchen entgegen; das augenblicklich einsetzende Retro-Feeling wurde von den wunderbaren Retro-Sounds unterstützt, die aus den alten Röhrenfernsehern dröhnten.

Der Blick in den großen Bereich, den man als erstes betritt. (Bild: Franz Zwerschina)
Der Blick in den großen Bereich, den man als Erstes betritt. (Bild: Franz Zwerschina)

Die ersten 20 Minuten verbrachte ich damit, Altered Beast auf dem Sega Mega Drive zu daddeln. Die Verwandlungsszene zum Werwolf, die mir als Kind immer Angst gemacht hatte, hatte nichts von ihrer Grimmigkeit verloren. Und dieser Soundtrack! Leute, was’n geiler Soundtrack. Später fand ich zuhause diese geile Metalversion des ersten Levels! Es folgten eine Runde Contra auf dem NES, Donkey Kong auf dem ATARI 800 XL und einige Weltraum-Shooter auf mir unbekannten Konsolen. Oft standen Infokärtchen dabei, die Hintergrundwissen zu den Geräten und Spielen bereithielten.

Zusätzlich zu der interaktiven Komponente des aktiven Spielens gab es eine übersichtliche, aber liebevoll gesammelte Menge an Konsolen, Peripherieprodukten und Spielen, die man hinter Virtrinen bestaunen konnte. Immer wieder ertappte ich mich bei dem Gedanken, mir mit meinen alten Retro-Games auch so ein Museum aufzubauen. Ich stellte mir vor, wie ich eine kleine Wohnung in Berlin miete, meinen ganzen Kram reinstelle und jeden Tag Freunde einlade, um mit ihnen TimeSplitters oder Turtles in Time zu zocken, während wir Bilder auf dem Game-Boy-Drucker ausdrucken.

EIn Traum für alle Sammler! (Bild: Franz Zwerschina)
EIn Traum für alle Sammler! (Bild: Franz Zwerschina)

Durch eine Treppe gelangte man in den zweiten Stock, der mit allerlei alter Hardware ausgestattet war: Alte Taschenrechner, Schreibmaschinen, Telefone, Kameras und PCs luden zur Zeitreise ein und machten deutlich, wie sehr sich die Zeit und mit ihr die Technik geändert hatte. In der hinteren Ecke entdeckte ich ein altes Musikprogramm inkl. Keyboard – wobei ich es mir nicht nehmen ließ, mich meiner mediokren Klavierkünste zu erinnern und das Theme von The Secret of Monkey Island zu spielen.

Tja, was da wohl sein mag?! (Bild: Franz Zwerschina)
Tja, was da wohl sein mag?! (Bild: Franz Zwerschina)
Auch ein paar Brettspiele gab es zu bestaunen, alle mit Games-Bezug! (Bild: Franz Zwerschina)
Auch ein paar Brettspiele gab es zu bestaunen, alle mit Games-Bezug! (Bild: Franz Zwerschina)
Rechts Im Bild: Nintendos Virtual Boy, der hier aussieht wie der Kopf von "Nummer 5". (Bild: Franz Zwerschina)
Rechts Im Bild: Nintendos Virtual Boy, der hier aussieht wie der Kopf von “Nummer 5”. (Bild: Franz Zwerschina)

Nach etwa zwei Stunden musste ich zum Bus und verabschiedete mich von dem netten Besitzer und den schönen Erinnerungen. Auf dem Weg zum Busbahnhof kam ich noch an einem Goonies-Imbiss vorbei. Spätestens in dem Moment hatte mich Rijeka überzeugt! Ich werde bestimmt wieder kommen! Sollte jemand mal in der Nähe sein, lohnt es sich, dem PEEK&POKE-Computermuseum in Rijeka einen Besuch abzustatten.

Ich bin jetzt längst wieder im Arbeitsleben angekommen, arbeite an meinem neuen Buch und fotografiere viel. Beim Einschlafen aber, manchmal, da denke ich an das Spielemuseum, das ich eines Tages eröffnen werde. Die Wände sind mit Seiten aus alten Spielmagazinen verziert und meine Mutter backt Kekse in Form des Super-NES-Controllers. Als Eintrittskarte müssen Besucher ein altes Retro-Game (nur Cardrige versteht sich) vorweisen und jeder, der mich bei Mario Kart schlägt, kriegt obendrein ein fettes Stück Sachertorte. Und wenn abends die Sonne untergeht und ich die Rollläden herunterlasse, werfe ich nochmal einen kurzen Blick in das Museum und entdecke, dass jemand sein Retrospiel vergessen hat. Ich lächle, während die Rollläden ins Schloss fahren: “Kommt bestimmt wieder!”

Es braucht nicht viel, um zu wissen: die Welt ist doch in Ordnung.

Weiterführende Informationen

The Computer Museum PEEK&POKE
Technikmuseum in Rijeka, Kroatien
Adresse: Ul. Ivana Grohovca 2A, 51000, Rijeka, Kroatien
Webseite: http://www.peekpoke.hr

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