Interview mit Domingo Fivoli (Mingo’s Commodorepage)

Lesedauer: 8 Minuten

Private Sammler klassischer Computer gibt es viele. Nicht jeder aber bereitet seine Exponate so gelungen im Internet auf wie der Südtiroler Domingo Fivoli.

Auf seiner Internetseite gibt es viele besondere Stücke zu bestaunen und selbst für gestandene Kenner gibt es dort noch Neues zu entdecken. Gut auch, dass Domingo zusätzlich in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, um der Welt einen Einblick in sein Hobby zu geben. Denn so geraten die schönen Maschinen von Commodore nicht in Vergessenheit.

Wir durften einen Blick in Domingos private Schatzkammer werfen und haben ein Interview mit ihm geführt. Viel Spaß nun bei einer Zeitreise in die Welt der Heimcomputer und der 8-bit Peripherie.

Mingo’s Commodorepage. (Bild: Domingo Fivoli)
Mingo’s Commodorepage. (Bild: Domingo Fivoli)

Hallo Domingo! Schön, dass Du uns einen Blick hinter Deine großartige Webseite werfen lässt. Wenn man auf Deiner übersichtlich gestalteten Commodorepage ankommt, trittst Du sofort in Kontakt mit Deinen Besuchern. Deine Startseiten-Frage „Hattest Du auch einen Commodore 64 oder einen Amiga?“ verortet Dich klar im Retrogaming-Gewerbe. Woher kommen Deine Besucher bzw. wie werden sie auf Dich aufmerksam?

Nun, ich denke, dass ein Großteil der Besucher meiner Seite mich durch die verschiedenen sozialen Netzwerke wie Facebook, Google+, Tumblr und Twitter findet. Ein wahrscheinlich kleinerer Teil der Besucher, die gezielt nach Informationen über Commodore Hard- oder Software suchen, findet mich über die Suchmaschine.

Seit wann und warum gibt es Deine Seite?

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher wann die Seite zum ersten Mal online ging. Ich glaube es war 2005/2006. Allerdings war diese im Vergleich zur jetzigen Seite sehr einfach aufgebaut, ohne PHP und ohne Javascript. Ich habe die Commodorepage ursprünglich erstellt, weil es zum damaligen Zeitpunkt verständlicherweise nicht so viele Seiten zu diesem Thema gab und ich dazu beitragen wollte, Informationen über Commodore zu konservieren.

Die vollständige Sammlung auf einen Blick. Homecomputer soweit das Auge reicht. (Bild: Domingo Fivoli)
Die vollständige Sammlung auf einen Blick. Homecomputer soweit das Auge reicht. (Bild: Domingo Fivoli)

Wie würdest Du das Ziel von „Mingo’s Commodorepage“ in einem Satz zusammenfassen?

Ich würde es mal so formulieren: „Archivierung und Verbreitung von Informationen über Hard- und Software von bzw. für Commodore, mit dem Ziel den Menschen zu zeigen was Commodore einmal war und was man heute noch damit machen kann.“

Commodore stellte im Laufe der Jahre nicht nur Computer her. Die Produktpalette war enorm: Schreibmaschinen, Taschenrechner, Uhren, Büromöbel und vieles mehr.

Domingo Fivoli

Warum sammelst und berichtest Du ausschließlich über Commodore-Computer? Hattest Du nie Berührung mit der „andere Seite“; sprich dem Atari- oder Sinclair-Lager?

Die C64C Light Fantastic Edition kam 1990 in England auf den Markt. Sie enthielt eine Cheetah Defender 64 Lightgun und mehrere Spiele. (Bild: Domingo Fivoli)
Die C64C Light Fantastic Edition kam 1990 in England auf den Markt. Sie enthielt eine Cheetah Defender 64 Lightgun und mehrere Spiele. (Bild: Domingo Fivoli)

Da muss ich etwas ausholen. Mein erster Computer war ein C64 und in der Gegend in der ich aufgewachsen bin, hatte jeder entweder einen C64 und/oder später einen Amiga 500. Andere Systeme waren relativ selten vorzufinden. Und so kam es, dass ich keinen Kontakt zu anderen Systemen hatte. Ich habe keinen Bezug zu den Systemen von Atari oder Sinclair, weil ich sie mit keinen besonderen Erinnerungen in Verbindung bringe. Was nicht bedeuten soll, dass sie „schlechter“ sind, oder dass ich sie langweilig finde.

Eine Ausnahme gibt es allerdings: Anfang der Neunziger wurde die Konkurrenz für Commodore immer gefährlicher und die PC-Architektur leistungsfähiger. Ich kann mich an einen 486er PC eines Freundes erinnern auf den Doom lief. Ich war absolut fasziniert! Ich fing an mich für den PC zu interessieren. Diese Interesse beschränkt sich allerdings auf den 486er oder älter. 

Welchen Stellenwert hat das Spielen am Computer heute für Dich? Spielst Du auf der alten Original-Hardware oder lieber am Emulator?

Ich muss gestehen, ich spiele äußerst selten. Wenn ein Spiel meine Interesse weckt, dann teste ich dieses im Emulator, auch wenn ein echter C64 mit einer 1541 Ultimate auf meinen Schreibtisch steht. Zwei Klicks und das Spiel startet im Emulator. Ich bin nun einmal faul 🙂 

Auch wenn Du eher selten spielst, so musst Du uns dennoch ein paar Lieblings-Klassiker verraten. Welche Spiele haben Dich im meisten begeistert und warum?

Die Spiele die mich am meisten begeistern kommen aus der 16-Bit-Zeit. Eine TOP 10 Liste könnte ich nicht aufzählen, weil es einfach zu viele tolle Spiele gab die mich heute noch faszinieren. Einige davon sind: The Chaos Engine, Turrican 1-3, Dune I + II, Maniac Mansion, Loom, Jaguar XJ220, Pinball Dreams und noch viele mehr. Aus meiner Sicht haben diese Spiele etwas gemeinsam. Gute bis sehr gute Grafik, toller Sound und sie sind nicht extrem schwer, was für mich eine Voraussetzung ist. 

Das englische C64 Bundle von 1991 enthielt ein T2-Spielmodul, sowie die Programme Image System und den Modern Music Maker. (Bild: Domingo Fivoli)
Das englische C64 Bundle von 1991 enthielt ein T2-Spielmodul, sowie die Programme Image System und den Modern Music Maker. (Bild: Domingo Fivoli)

Deine Sammlung mit all ihre Facetten (Systeme, Peripherie, Spiele, Lektüre usw.) muss viel Platz verbrauchen. Hast Du schon ein Lagerhaus angemietet?

Ja, das Lagerhaus wird gerade um weitere 200 Quadratmeter erweitert.

Nein, Scherz beiseite. Für meine Sammlung steht mir ein ca. 25 Quadratmeter großer Raum zur Verfügung und dieser reicht momentan vollkommen aus. Meine Sammlung nimmt einen Großteil meiner Freizeit ein, da ich jedes einzelne noch so kleine Teil fotografiere, dokumentiere und die Fotos auf meine Seite hochlade. Nicht selten müssen Reparaturen vorgenommen werden, die meine bescheidenen Elektronik-Kenntnisse herausfordern. 

Mingos Arbeitsplatz. Oben rechts auf den Regalen befindet sich die Zeitschriftensammlung. (Bild: Domingo Fivoli)
Mingos Arbeitsplatz. Oben rechts auf den Regalen befindet sich die Zeitschriftensammlung. (Bild: Domingo Fivoli)

Du sammelst auch Literatur bzw. Zeitschriften von damals. Welche Magazine sind das und wie hast Du sie erworben? Welche Zeitschrift liegt Dir besonders am Herzen?

Es sind wie Du schon sagst Zeitschriften von damals, aber nicht nur für Commodore-Computer. Wo ich sie erworben habe kann ich nicht mehr genau sagen, irgendwann verliert man die übersicht 🙂 Teilweise aus eBay-Auktionen, Retrobörsen, private Spenden…

Das Magazin das mir besonders am Herzen liegt ist definitiv die Play Time. Ich kann mich erinnern, wie ich als Junge, Sonntags zum Zeitungskiosk lief und hoffte, dass die neue Ausgabe im Regal liegt. Ich habe die Play Time damals regelrecht aufgesaugt. Die Freude war groß wenn dann sogar mal ein C64-Spiel vorgestellt wurde, was relativ selten war, da die Play Time ein recht neues Magazin war (1991-1995). Zu meiner Schande muss ich gestehen dass ich in meiner Sammlung nur eine einzige Ausgabe der Play Time habe.

FAKTEN: COMMODORE

Seltsame Erfolgsstrategie
Der C64 GS, der 1990 auf den Markt kam, war eine Versuch, den immer stärker werdenden Konsolenmarkt zu trotzen, mit möglichst geringen Aufwand. Denn intern werkelte ein ganz normaler, abgespeckter C64. Sämtliche Schnittstellen wurden einfach entfernt. Ohne Tastatur und die Möglichkeit Laufwerke anschließen zu können, konnten keine Steckmodule verwendet werden, die die Verwendung der Tastatur voraussetzten.

Langsame Laufwerke
Das Commodore Disketten-Laufwerk VC1540 für den C64 war verhältnismäßig langsam, weil es aus Kompatibilitätsgründen ausgebremst wurde. Die Laufwerke mussten nämlich mit den Commodore VC-20 kompatibel sein, in den der fehlerhafte Interface-Chip MOS 6522 verbaut war. Somit entschied man sich für Kompatibilität statt Geschwindigkeit.

Der Taschenrechnerkrieg
Commodore verkaufte Taschenrechner dessen Mikrochips von Texas Instrument produziert wurden. Als Texas Instruments eigene Taschenrechner herstellte, die billiger waren, verlor Commodore Marktanteile. Daraufhin kaufte Commodore MOS Technology und stellte selbst Mikrochips her. Commodore war wieder im Rennen.

Der C128 – Das Multitalent
In seinem Inneren werkeln zwei Prozessoren: Der MOS 8502 und ein Zilog Z80. Damit beherrscht der C128 drei Modi: C64-, C128- und den CP/M-Modus. In den späteren C128-Varianten im Desktop-Gehäuse war sogar ein Commodore VC1571 verbaut.

Komplexe Technik
Commodore verkaufte bereits 1975 Spielekonsolen, wie das Commodore 2000K bzw. das Commodore TV Game 3000H. Der Prozessor sowie der Grafik-, Sound-, und I/O-Chip waren in einem einzigen Microchip untergebracht. 

Bist Du auch in der Retro-Szene aktiv? Gehst Du zu Börsen oder Retro-Events?

Ja, soweit es mir möglich ist. Ich wohne in Südtirol (Nord-Italien), was aus der Sicht eines Sammlers eine sehr ungünstige Location ist. Die einzigen Events die in meiner Reichweite liegen, finden in Rosenheim oder München statt, dazu gehört die Retrobörse und das VCF. Events die im Norden Deutschlands stattfinden, sind leider mit einer sehr langen Anreise verbunden und somit nicht rentabel. In Italien hingegen gibt es kaum nennenswerte Events.

Meistens fahre ich alleine und treffe mich mit Personen, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe. Viele davon leben im Norden Deutschlands, somit sehe ich Sie äußerst selten. Ich besuche Events und Börsen hauptsächlich um Hard- und Software für meine Sammlung zu finden. Einen besonderen Schwerpunkt gibt’s eigentlich nicht.

AmigaOS 3.5 erschien 1999 und bot eine modernere GUI als die Vorgängerversionen. (Bild: Domingo Fivoli)
AmigaOS 3.5 erschien 1999 und bot eine modernere GUI als die Vorgängerversionen. (Bild: Domingo Fivoli)
Farbenfroh: die deutsche Spezialvariante des A500 mit dem „Boing Ball“ Thema. (Bild: Domingo Fivoli)
Farbenfroh: die deutsche Spezialvariante des A500 mit dem „Boing Ball“ Thema. (Bild: Domingo Fivoli)

Auf Deiner Seite werden einige Top-Supporter aufgelistet. Wie unterstützt Dich die Community aktiv? 

Die Community unterstützt mich auf verschiedene Art und Weise. Dazu gehören Grammatik- und Rechtschreib-Korrekturen, Fehlerkorrekturen der Hard- und Software-Datenbanken oder Teilen meiner Posts in den sozialen Netzwerken und vieles mehr. Als kleines Dankeschön wird der Name des Unterstützers in die Liste der Supporter aufgenommen.

In der Gegend in der ich aufgewachsen bin, hatte jeder entweder einen C64 oder einen Amiga.

Domingo Fivoli

Wie wird es mit Deiner Commodorepage weitergehen? Welche Schwerpunkte sollen ausgebaut werden?

Konkrete Pläne habe ich nicht. Der Schwerpunkt liegt aber momentan auf der Verbesserung der bereits hochgeladenen Artikel. Besonders die Fotos müssen erneuert werden, was mit einem relativ hohen Aufwand verbunden ist. Große Änderungen wird es vermutlich nicht geben, da sich die Interaktion der Besucher in den letzten Jahren auf die sozialen Netzwerke verlagert hat.

Edler kleiner Bruder. Der C16 wurde zu einem Underdog der Commodore-Gemeinde. (Bild: Domingo Fivoli)
Edler kleiner Bruder. Der C16 wurde zu einem Underdog der Commodore-Gemeinde. (Bild: Domingo Fivoli)

Gibt es so etwas wie einen „heiligen Gral“ des Retrocomputings für Dich? Etwas wofür Du sofort Deinen Schreibtisch im Hobbyraum freiräumen würdest?

Die meisten würden diese Frage wahrscheinlich mit „Commodore 65“ beantworten. Natürlich wäre so ein seltenes Gerät der Wahnsinn, für mich sind diese extrem seltenen Exemplare aber nicht so wichtig wie für andere Sammler. Ich lege mehr Wert auf erschwingliche Objekte die die Entwicklung und den Untergang von Commodore zeigen. Einen „heiligen Gral“ gibt es in diesem Sinne also für mich nicht. 

Welche Bücher zum Thema Commodore würdest Du unseren Lesern empfehlen?

Da gibt es eine Menge empfehlenswerte Lektüren. Ich denke, das hängt von den eigenen Interessen ab. Momentan lese ich das Buch Basic 7.0 auf den Commodore 128. Unglaublich, dass man fast 240 Seiten mit alleine dieser Basic-Version füllen kann. Ich finde es sehr interessant wie früher auf jeder noch so kleinen Funktion eingegangen wurde. So etwas vermisse ich heutzutage.

Auf dem Commodore 386 SX-LT konnte Windows 3.1 betrieben werden. (Bild: Domingo Fivoli)
Auf dem Commodore 386 SX-LT konnte Windows 3.1 betrieben werden. (Bild: Domingo Fivoli)
Seltenes Stück: ein Voice Recorder von Commodore. (Bild: Domingo Fivoli)
Seltenes Stück: ein Voice Recorder von Commodore. (Bild: Domingo Fivoli)

Warum ist Commodore Deiner Meinung nach 1994 insolvent gegangen?

Ich vermute, hauptsächlich aus einen Grund: Wenn man den verschiedenen Lektüren Glauben schenken darf, die die Entwicklung und das Ende von Commodore beschreiben, dann wurde der Betrieb (besonders zuletzt) von den falschen Leuten gemanagt. Die Preise waren außerdem nicht mehr kompetitiv und die Hardware nicht innovativ, was auch wieder auf schlechtes Management zurückzuführen ist. Die Computer wurden auf einen hohen Gewinn getrimmt und teilweise wurden deshalb Features entfernt. Als Beispiel sei der AAA-Chipset genannt.

Was war für Dich das Besondere an Commodore?

Um es aus der Sicht eines Kindes zu sagen: Tolle Spiele! Damals waren Spiele das Wichtigste und davon gab es für den C64 und Amiga jede Menge. Heute hingegen würde ich sagen, das Besondere an Commodore ist, dass ich Erinnerungen damit verbinde. Wäre mein erster Computer ein Atari gewesen, dann wären in meinem Hobbyraum vermutlich nur Atari-Rechner zu finden. 

Vielen Dank für das Interview Domingo!

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