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Ursprünglich als Hobby Computer betitelt, einigte sich der Verlag Markt & Technik mit dem namensähnlichen Magazin Hobby – Das Magazin der Technik, um einen juristischen Streit zu vermeiden.

Die 1953 eingeführte Hobby wurde vom Ehapa-Verlag in Stuttgart herausgegeben. Im gleichen Verlag erschien übrigens im Frühjahr 1983 die fast vergessene und nur zwei Ausgaben starke Konsolenzeitschrift tele action. Die Namensähnlichkeit zur Hobby hatte zur Folge, dass die Hobby Computer kurz nach der Einführung in Happy Computer umbenannt werden musste.

Ab der zweiten Ausgabe im Dezember 1983 konnte man die Zeitschrift dann unter ihrem neuen Namen an vielen deutschen Zeitungsständen für 5 DM erwerben. Unser Artikel stellt euch die legendäre Happy Computer im Portrait mit verschiedenen Leseproben vor und führt euch in die Welt hinter den Kulissen der damaligen Redaktion ein. In der Zeit der Happy Computer waren Software-Programme (fast) noch kostenlos. Im September 2001 konnte ich ein interessantes Interview mit Michael Lang, dem ehemaligen Chefredakteur der Happy Computer führen. In diesem Gespräch erfahrt ihr aus erster Hand, wie das Leben in der Redaktion damals wirklich ausgesehen hat.

Spielezeitschriften in den 1980ern

Die Happy Computer war hierzulande zu ihrer Zeit nicht die einzige Heimcomputerzeitschrift zu Beginn der 1980er Jahre. Sie hatte dennoch ein einzigartiges Konzept, wie ihr in diesem Artikel feststellen werdet.

Andere bekannte Zeitschriften in der Presselandschaft waren zum Beispiel:

  • 64er (Markt & Technik Verlag)
  • ASM – Aktueller Software Markt (Tronic Verlag)
  • ck – Computer Kontakt (Rätz Eberle Verlag)
  • Computronic (Roeske Verlag, später Tronic Verlag)
  • CPU – Computer programmiert zur Unterhaltung (Roeske Verlag)
  • HC Mein Home-Computer (Vogel Verlag)
  • Homecomputer (Roeske Verlag, später Tronic Verlag)
  • Telematch (Marshall Cavendish Verlag)
  • tele action (Ehapa-Verlag)

Insbesondere die Zeitschriften aus dem Roeske Verlag hatten einen unverwechselbaren Stil. Hier wurden ebenfalls Listing von Lesern und kurze Berichte über neue Geräte oder Spiele abgedruckt. Doch durch die relativ günstige Erscheinung und die umkomplizierte Berichterstattung, wirkten die CPU oder Homecomputer schon fast ein wenig anarchisch. Oder sagen wir zumindest etwas unkonventionell.

Das volle Programm

So sah das Inhaltsverzeichnis aus. (Bild: Markt & Technik)
So sah das Inhaltsverzeichnis aus. (Bild: Markt & Technik)

Das Inhaltsverzeichnis des Magazins verdeutlicht auf einen Blick, worum es der Redaktion geht. Hier sollen nicht bestimmte Einzelsysteme im Vordergrund stehen, sondern alle auf dem Markt wichtigen Heimcomputer angesprochen werden. So erreichte man ein breites Berichts- und Leserspektrum vom Acorn Electron über den Dragon 32 bis zum TI 99/4A. Die Themengebiete präsentierte die Happy Computer modern: neben aktuellen Neuigkeiten gab es Berichte über Lernspiele, Anwendungsprogramme oder Hardwarebasteleien. Es gab nur wenige Magazine die einen so großen Themenbogen gespannt haben, wie die Happy Computer. Der ein oder andere Leser mag vermuten, dass Kauf-Software damals günstiger war als heute. Dem ist aber nicht so. So lagen 1984 die Preise für Lernkassetten bereits zwischen 37,50 DM und 49,00 DM. Vergleicht man aktuelle Preise von Spielen für Videospielkonsolen mit den damaligen Preisen, so stellt man erstaunlicherweise eine sehr kontinuierliche Preisentwicklung fest.

Bei den Kindern und Jugendlichen, die sich für Video- und Computerspiele interessieren, hat sich allerdings, im positiven Sinn, nur wenig getan. Die Begeisterung am Spielen ist erfreulich konstant geblieben. Die Fotos von damals sind mit den Fotos von heutigen Jugendlichen nahezu austauschbar. Aufgenommen wurden sie übrigens im seinerzeit sehr beliebten Münchener Videospiel-Fachgeschäft Videomagic, dass sich in unmittelbarer Nähe des Stachus befand.

Die Spielkids von 1984 bei Videomagic. (Bild: Markt & Technik)
Die Spielkids von 1984 bei Videomagic. (Bild: Markt & Technik)

Lediglich die Systeme und die Spiele haben sich verändert. Damals war River Raid von Activision einer der größten Spielehits. So gab es auch schon zu Zeiten der Happy Computer heiße Diskussionen über die Gewalt in Videospielen und die möglichen Auswirkungen auf die Jugendlichen. Ballerspiele „der übelsten Sorte“ wie zum Beispiel Battlezone von Atari wurden dabei zum Gesprächsthema. Auch heute treten diese Diskussionen in der Öffentlichkeit immer wieder in Erscheinung. Auch wenn man Battlezone wohl heute nicht mehr als bedenklich einstufen würde.

Einen wichtigen und umfangreichen Anteil am gesamten Heftkonzept der Happy Computer hatten die Listings für verschiedene Heimcomputer. Die so genannten Listings waren Programme die im Heft als Quellcode abgedruckt waren und die man Zuhause in Ruhe abtippen konnte, um sie danach zu spielen und auf in der Regel handelsüblichen und preisgünstigen Kompaktkassetten abzuspeichern. Da die Programme im Originalcode vorlagen und oftmals in BASIC geschrieben waren, konnten sie leicht angepasst werden. Über diesen Weg erlernten viele Heimcomputerkids die Programmiersprache BASIC und damit Programmierung im Allgemeinen. Auch wurden die Listings oder die Kassetten gern im Freundeskreis ausgetauscht. Unzählige private Autoren schickten Ihre Programme an die Redaktionen der Magazine und begründeten damit einen fast unkommerziellen Kult für die Verbreitung von Software jeglicher Art. Ähnlich ist es heute mit der Open-Source Gemeinschaft. Das einseitige, in BASIC geschriebene Listing zu Landung auf Luna für den ZX81 verwandelte die kleine Wundermaschine von Sinclair fast in einen Spielautomaten. Vorausgesetzt man hatte eine 16k Speichererweiterung.

Landung auf Luna für den ZX81. (Bild: Markt & Technik)
Landung auf Luna für den ZX81. (Bild: Markt & Technik)

Listing zu Landung auf Luna für den ZX81. (Bild: Markt & Technik)
Listing zu Landung auf Luna für den ZX81. (Bild: Markt & Technik)

Für Leser die keine Lust hatten, die manchmal endlos erscheindenden und zum Teil fehlerträchtigen Listings stundenlang abzutippen, bot die Happy Computer-Redaktion einen Software-Service an. Gegen Bezahlung konnte man sich die fertig gespeicherten Programme auf Kassette nach Hause liefern lassen. Dann brauchte man sie nur noch laden und schon konnte das Spiel beginnen. Mindestens so interessant wie die Listings, waren das Leserforum oder die Fundgrube: der private Kleinanzeigenmarkt, in der man so manches Hard- oder Software-Schnäppchen finden konnte. Die Anzeigenmärkte in den heutigen Magazinen hingegen sind privat leider unbedeutend geworden und werden fast ausschließlich von kommerziellen Anbietern bestimmt.

„Ein Atari VCS mit fünf Spielen für nur 500 DM.“ So oder so ähnlich lauteten die Angebote im Kleinanzeigenmarkt der Happy Computer. Einzelne VCS-Spielmodule wie beispielsweise Asteroids kosteten in der Regel ca. 40 DM.

Es wurden auch Kontakte zu anderen Usern gesucht oder angeboten. Das Leserforum half bei Fragen nach bestimmten „Peeks & Pokes“ oder speziellen Wünschen zum Lieblings-Heimcomputer weiter. Kann man zum Beispiel den Sinclair Spectrum mit der Autobatterie versorgen? Hat jemand die Anleitung für das Bridge 64-Steckmodul für den Commodore? Für fast jede Frage gab es hier einen Platz. Die Antworten kamen per Brief oder wurden in der nächsten Ausgabe veröffentlicht.

Die Fundgrube in der Happy Computer. (Bild: Markt & Technik)
Die Fundgrube in der Happy Computer. (Bild: Markt & Technik)

In der Spiele-Rubrik wurden neue Computerspiele von Lesern vorgestellt. Über diesen Weg bekamen die Spiele ein persönliches Profil und wurden immer unterschiedlich beurteilt. Ergänzt wurden diese Portraits durch einen kurzen Lebenslauf des Autors. Im Januar 1984 wurden so die drei Synapse-Software-Klassiker Fort Apocalypse, Pharaoh’s Curse und Shadow World vorgestellt.

Auch mit dabei waren Tests zu Pooyan von Konami, Donkey Kong von Nintendo und Kong von Kingsoft. Die Spielberichte waren meist mit verschiedenen Bildschirmfotos illustriert und wurden über ein Kategoriensystem bewertet. Dabei wurden Grafik, Sound, Steuerung und Motivation des Spiels beurteilt. Pro Ausgabe wurden ca. sechs neue Spiele vorgestellt.

Spielprofil zu Fort Apocalypse von Synapse-Software für den Commodore 64. (Bild: Markt & Technik)
Spielprofil zu Fort Apocalypse von Synapse-Software für den Commodore 64. (Bild: Markt & Technik)
Michael Pauly bittet die Mitgestaltung der Leser. (Bild: Markt & Technik)
Michael Pauly bittet die Mitgestaltung der Leser. (Bild: Markt & Technik)

Zum Ende des Artikels werfen wir noch einen Blick in das Editorial der Happy Computer von 1984. Hier wurden die Leser von der Redaktion direkt angesprochen, auch weiterhin die Inhalte der kommenden Ausgaben mitzubestimmen.

Für veröffentliche Programme im Heft, konnte man bis zu 300 DM Honorar einstreichen. Das war für einen Schüler natürlich eine willkommene Aufbesserung des Taschengelds. Über so genannte Mitmach-Karten konnten sich die Leser mit Wünschen und Anregungen direkt an die Redaktion wenden.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Happy Computer eine der gelungensten Heimcomputerzeitschriften in den 1980er Jahren war und mit insgesamt 76 Ausgaben, sowie einigen herausragenden Sonderheften, einen der ersten Plätze im Olymp der Heimcomputerzeitschriften verdient hat.

Wer nun Lust bekommen hat eine vollständige Ausgabe der Happy Computer aus dem Januar 1984 online zu lesen und in den Zeitgeist der 1980er Jahre einzutauchen, klickt hier. Lasst euch faszinieren von fantastischen Homecomputern, klassischen Videospielen und interessanten Fakten aus der Frühzeit der Computerindustrie.

Fakten zum Magazin

Die Erstausgabe der Happy Computer erschien im November 1983 und hieß Hobby Computer.

Die letzte Ausgabe der Zeitschrift wurde 1990 veröffentlicht. Somit hat die Happy Computer insgesamt sieben Jahre eigenständig existiert.

1990 wurde die Happy Computer in Computer Live umbenannt.

Der Nachfolger der Spiele-Rubrik der Happy Computer heißt Power Play.