Wie der Commodore 64 mein Leben veränderte

Veröffentlicht in Podcasts, Videospielgeschichten
Mit Kommentaren von Mario Backhaus, Nerd Wiki, Leo, Ferdi, Andreas Wanda, André Eymann, David, Stephan Ricken, Alex

Der Commodore 64 war der erster Homecomputer, welchen ich im zarten Alter von 8 Jahren, also im Jahre 1989, benutzen durfte.

Gleichzeitig war er auch der einzige Computer, der ohne meine “Überredungskunst” in unseren Haushalt fand. Somit blieben mir Argumente, wie “ich kann darauf meine Hausaufgaben machen” (was mir im Volksschulalter ohnehin Niemand abgekauft hätte) erspart, jedoch stand ich vor einer ganz anderen Herausforderung: Dem Kampf des „spielen Dürfens“.

Folge dem Stern

Es war anfangs schwierig, den Commodore 64 überhaupt benutzen zu können, da ihn sofort mein Vater in Beschlag nahm. Verständlich, da er das Gerät samt Floppy und einem riesigen Konvolut an Disketten eigentlich für sich selbst gekauft hatte. Mir blieb somit nichts Anderes übrig, als fasziniert meinem Vater zuzusehen, wie er verzweifelt versuchte mit zur Hilfenahme des Handbuches ein Spiel zu starten. Mit LOAD “PROGRAMMNAME”,8 sollte man laut Beschreibung ein Programm starten können.

Also rein mit der schlabbrigen Diskette, Befehl eingegeben und – Nichts passierte. Ein „?FILE NOT FOUND ERROR“ war die Antwort des Brotkastens. Nicht aber, weil er den Namen des Programms falsch geschrieben hatte. Mein Vater schrieb in seiner computertechnischen Naivität die abgedruckte Zeile Zeichen für Zeichen, also inklusive “Programmname” ab. Es wäre also purer Zufall gewesen, wenn dieser Ladeversuch positiv verliefen wäre…

Die ominöse Seite der C64 Anleitung, welche meinen Vater fast in den Wahnsinn trieb. (Quelle: Commodore 64 Microcomputer Handbuch)
Die ominöse Seite der C64 Anleitung, welche meinen Vater fast in den Wahnsinn trieb. (Quelle: Commodore 64 Microcomputer Handbuch)

Der zweite Versuch, bei welchem er den Namen durch den bekannten Stern ersetzte, war aber mit Erfolg gekrönt. „Alien Syndrome“ erstrahlte auf dem angeschlossenen, tragbaren Fernsehgerät. Voller Aufregung und kindlicher Begeisterung durfte ich meinem Vater zusehen, wie er kläglich versagte und ein Leben nach dem anderen verlor. Nachdem er die Invasion der Regenwürmer nicht vereiteln konnte, war das nächste (und vorerst letzte) Spiel an der Reihe: Giana Sisters.

In Erwartung noch ein wunderschönes Spiel zu sehen und vielleicht sogar selbst spielen zu dürfen wartete ich gebannt auf den Spielstart. Der einprägsame Jingle ertönte und Giana war in ihrer Anfangspose des ersten Levels zu sehen. Regungslos. Keine Eingabe möglich. Auch ein Neustart des Commodore 64 schaffte keine Abhilfe da das Gerät offensichtlich plötzlich defekt war. Also musste ich zerknirscht eine gefühlte Ewigkeit auf ein Ersatzgerät warten, bevor ich die virtuelle Welt der Videospiele betreten durfte.

Giana Sisters war mit der legendären Musik von Chris Hülsbeck hinterlegt. Auf diesem Screenshot sehen wir das letzte Lebenszeichen meines ersten C64. (Screenshot: Giana Sisters)
Giana Sisters war mit der legendären Musik von Chris Hülsbeck hinterlegt. Auf diesem Screenshot sehen wir das letzte Lebenszeichen meines ersten C64. (Screenshot: Giana Sisters)

Immer nur spieli, spieli

Mit dem neuen Computer war nun endlich auch ich an an der Reihe. Giana Sisters, Alien Syndrome, Krackout, Boulder Dash und wie sie alle heißen verschlangen einen immer größeren Anteil meiner Freizeit. Besonderen Spaß machten Spiele natürlich zu Zweit. Hierbei war es allerdings egal ob es ein Multiplayertitel war, oder der “Mitspieler” einfach nur zusah und abwechselnd gespielt wurde, denn auch Zusehen machte damals Freude.

Klar, denn wir sprechen von einer Zeit (und natürlich auch dem Alter), zu welcher Videospiele immer noch recht neu und irrsinnig aufregend waren.

Playmobil, Lego und LCD Spiele haben ausgedient, meine Freizeit galt nach einiger Zeit ausschließlich dem Commodore 64. Da ein Familienmitglied nach dem anderen das Interesse am Spielen verlor, gehörten nun auch kämpfe um den Joystick der Vergangenheit an. Egal ob mich Freunde besuchten, oder ich zu ihnen nach Hause kam – es wurde gespielt.

Besonders bei meinem damaligen Kumpel Edi stand das Spielen an erster Stelle, da seine Mutter diesbezüglich etwas kulanter war. Ab und zu suchten wir zwar zwangsweise das Freie auf (Zitat: “Tuts nicht nur immer spieli, spieli, gehts jetzt einmal raus”), aber zu Hause ging das Zocken exzessiv weiter. Auch der Defekt des Joystickports seines C64 war halb so schlimm, denn durch die Handlichkeit des Commodore nahm ich mein Gerät einfach zu ihm nach Hause für eine Runde Detonators oder Ugh-Lympics mit. Ebenfalls konnte ich bei ihm Titel spielen, welche bei mir zu Hause auf wenig Gegenliebe meiner Eltern gestoßen wären.

Spiele für den C64 waren nicht nur auf Disketten verfügbar. Ohne Peripherie konnten nur Cartridges verwendet werden, für die Verwendung von Kassetten war eine Datasette und aufgrund der langen Ladezeiten auch Geduld Voraussetzung. (Bild: Leopold Brodecky)
Spiele für den C64 waren nicht nur auf Disketten verfügbar. Ohne Peripherie konnten nur Cartridges verwendet werden, für die Verwendung von Kassetten war eine Datasette und aufgrund der langen Ladezeiten auch Geduld Voraussetzung. (Bild: Leopold Brodecky)
Typische Grundausstattung eines Commodore 64-Benutzers. Nur der Commodore 64 selbst fehlt bei diesem Setup. (Bild: Leopold Brodecky)
Typische Grundausstattung eines Commodore 64-Benutzers. Nur der Commodore 64 selbst fehlt bei diesem Setup. (Bild: Leopold Brodecky)

Der oszillierende Arm und andere verbotene Spiele

Natürlich waren jedoch in meiner Sammlung unzähliger Disketten auch Spiele dabei, welche für Volksschüler eher weniger geeignet waren. Eindeutige Titel wie “Strip Poker” oder “Sex Games” wurden sofort von meinen Eltern eingezogen, Barbarian, Commando Lybia und Infernal Runner erst, nachdem ich damit erwischt wurde.

Ein besonderes „Denkt doch an die Kinder“ Highlight, war Stoker64. Unverdorben wie ich damals war fragte ich mich nach dem Spielstart des besagten Titels, was ich denn da mit dieser großen Nase(ja, wirklich!) am Fernseher tun sollte. Als meine Mutter sah wie ich den virtuellen Arm vertikal oszillierte, stürzte sie panisch zum C64, schaltete ihn hektisch ab und nahm die Diskette mit.

Als kleiner Junge nahm ich das einfach zur Kenntnis und steckte die nächste Diskette ins Laufwerk.

Nicht alle Spiele waren für Kinder geeignet. Manche wurden wegen ihrer Gewaltdarstellung, manche aufgrund der Thematik von meinen besorgten Eltern beschlagnahmt. (Screenshot: Barbarian – The ultimate Warrior)
Nicht alle Spiele waren für Kinder geeignet. Manche wurden wegen ihrer Gewaltdarstellung, manche aufgrund der Thematik von meinen besorgten Eltern beschlagnahmt. (Screenshot: Barbarian – The ultimate Warrior)

Stay awhile, stay forever!

Obwohl ein kleiner Teil der Spiele für mich (offiziell) nicht erreichbar war, blieben unzählige Disks zum Entdecken neuer Welten übrig. Einige der Spiele konnte ich stundenlang spielen, obwohl ich mangels Anleitung keinen blassen Schimmer hatte, was ich überhaupt tun muss.

Jack the Nipper 2 war einer dieser Titel. Ohne Plan sprang ich sinnlos im Level umher und freute mich jedes Mal aufs Neue, wenn Jack seine Windel als Fallschirm benutzte. Auch Impossible Mission stellte mich vor ein Rätsel, jedoch fand ich schon damals die Bewegungen der Spielfigur und besonders die Sprachausgabe faszinierend. Viele Partien bestanden einfach nur darin, absichtlich in den Abgrund zu stürzen und das „Aaaaaahhhhhhh!“ zu genießen.

Abseits der „Unschaffbaren“ begnügte ich mich mit zahllosen Spielen, welche ich damals – sagen wir einmal vorsichtig – mein Eigen nennen durfte (Stichwort: SYS 49152). Da ich in jungen Jahren einige Spiele nicht verstand, spielte ich hauptsächlich sogar altersgerechte Titel. Doch im Laufe der Zeit haben Mr. Do! und Snoopy ausgedient und verstaubten.

Als ich älter wurde und die Pubertät nahte, gerieten „Kinderspiele“ immer mehr in den Hintergrund. Nicht nur, dass nun Action angesagt war, wusste ich wo meine Eltern die besonders interessanten „bösen Disketten“ versteckten. Mit zunehmenden Alter verlagerte sich aber nicht nur die Gewichtung der einzelnen Genres, ich benutzte den Commodore 64 erstaunlicher Weise nicht mehr nur um Spiele zu zocken.

Impossible Mission von Epyx bot knackige Rätsel, flüssige Animationen und sogar Sprachausgabe (Screenshot: Impossible Mission)
Impossible Mission von Epyx bot knackige Rätsel, flüssige Animationen und sogar Sprachausgabe (Screenshot: Impossible Mission)
„Little Computer People“ von Activision war eine Art Sims für den Commodore64 mit Texteingaben– aber immer schön bitte sagen! (Screenshot: Little Computer People)
„Little Computer People“ von Activision war eine Art Sims für den Commodore64 mit Texteingaben– aber immer schön bitte sagen! (Screenshot: Little Computer People)

Hallo Welt!

Auch das Interesse eigene Programme zu erschaffen wurde durch den C64 in mir geweckt. Nach zaghaften ersten Versuchen konnte ich behaupten, mein erstes Programm erfolgreich geschrieben zu haben. Ein abgetipptes “Hallo Welt” Listing inklusive Löschen des Bildschirmes. Dies klingt nun wenig aufregend, aber für mich war es damals eine kleine Sensation!

Darauf folgten ein paar einfache Listings wie der fliegende Commodore-Ballon und eine Art Mindmaster-Spiel. Letzteres erweiterte ich um einen kleinen Kniff: Ab einer bestimmten Punkteanzahl wurde ein Passwort ausgespuckt (Spoiler: Es war “Leberwurst”) um ein weiteres Spiel starten zu können. Dieses Spiel (64’er Listing: Springvogel) bekam ich nur leider nie zu laufen, da sich irgendwo im Code ein Fehler eingeschlichen hatte. Sogar an ein Listing in Maschinensprache habe ich mich einmal erfolglos herangewagt. Ohne Checksummen findet man nur eher eine Nadel im Heuhaufen als einen Fehler im Code. Daher beendete ich diesen Ausflug in die Welt der Maschinensprache recht schnell.

Einer meiner letzten unvollständigen Programmierversuche war eine C64er Version der Spielshow “Super Grips”, welches ich mangels Durchführbarkeit wieder verwarf. Hier halfen mir auch diverse Fachbücher nicht mehr weiter.

Die schlabbrigen 5 ¼ Zoll Disketten fassten pro Seite 664 Blocks (ca 166KB) und mussten manuell gewendet werden. War sie auf der rechten Seite ausgestanzt, war der Schreibschutz auf dieser Seite aufgehoben. (Bild: Leopold Brodecky)
Die schlabbrigen 5 ¼ Zoll Disketten fassten pro Seite 664 Blocks (ca 166KB) und mussten manuell gewendet werden. War sie auf der rechten Seite ausgestanzt, war der Schreibschutz auf dieser Seite aufgehoben. (Bild: Leopold Brodecky)

Und weg ist das Taschengeld

Taschengeld sparen war angesagt. Nicht aber nur zum Kauf von Spielen (man wusste sich damals zu versorgen), sondern um Bücher und Magazine zu kaufen. Hier darf natürlich die Pflichtlektüre “64’er” nicht unerwähnt bleiben, aber auch “GameOn” und “Magic Disk” haben es mir (nicht zuletzt wegen der Spiele) angetan. Zusätzlich waren viele Fachbücher und Lösungshefte erhältlich, die ich natürlich alle haben wollte.

Mein ganzer Stolz war “Das große Commodore 64 Buch”, welches ich nach langem Sparen um teure 300,– Schilling erstand. Es war für mich der heilige Gral der Computerbücher, die Bibel des Commodore 64. Über 1000 hauchdünne Seiten vollgestopft mit Erklärungen und Listings warteten darauf, von mir verschlungen zu werden. Wie weit ich dieses Buch wirklich las kann ich heute nicht mehr sagen. Komplett gelesen habe ich es sicherlich nicht, denn die Programmierung von Sprites habe ich bis heute nicht verstanden.

Auch Hardware musste manchmal neu angeschafft werden. Größtenteils bestanden diese Anschaffungen aus Joysticks, da die ein oder andere Partie Decathlon schon mal einem Quickshot das Genick brach.

Stolz war ich auf den Kauf des Final Cartridge III. Zugegeben, es war ein billiger Nachbau, welcher neben der Schnelladefunktion und dem Resetknopf keinerlei Extras hatte, aber er gab mir das Gefühl eines kleinen Commodore-Hackers.

Am Ende des Commodore 64 Lebenszyklus verschleuderte eine nicht mehr existente Elektronikkette den Commodore 64 um sagenhafte 50 Schilling (also nicht einmal 4 Euro!). Da auch hier das Interesse eher meinem neuen Sega Mega-Drive galt, endet hier ebenfalls meine Story. Damals wusste ich noch nicht, wie wichtig der C64 mehr als 20 Jahre später für mich werden wird.

Das Taschengeld wurde zum Teil für diverse Magazine und auch Fachbücher, wie „Das große Commodore 64 Buch“ ausgegeben. (Bild: Leopold Brodecky)
Das Taschengeld wurde zum Teil für diverse Magazine und auch Fachbücher, wie „Das große Commodore 64 Buch“ ausgegeben. (Bild: Leopold Brodecky)
Der C64 ist zwar nicht mehr im besten Zustand, aber immerhin das Originalgerät, welches meine Frau als Kind verwendete. (Bild: Leopold Brodecky)
Der C64 ist zwar nicht mehr im besten Zustand, aber immerhin das Originalgerät, welches meine Frau als Kind verwendete. (Bild: Leopold Brodecky)

Zurück in die Vergangenheit

Der Commodore 64 hat aus nostalgischen Gründen heute einen ganz besonderen Stellenwert für mich. Er war mein erster richtiger Computer und mein Einstieg in die Computerwelt.

Zusätzlich verbinde ich mit ihm viele Erlebnisse mit Freunden und eine größtenteils unbeschwerte, glückliche Kindheit (welche ich nicht nur aufgrund des C64 genießen durfte). Ich bin gleichermaßen froh und auch stolz, dass ich diesen Teil der Videospielgeschichte miterleben durfte und blicke mit einem Lächeln im Gesicht auf dieses wunderschöne Stück Vergangenheit zurück.

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Kommentare17

  1. Ja, der C64 ist definitiv auch ein Puzzlestück zu meiner glücklichen Kindheit. Auch, wenn ich die “schlabbrigen 5 ¼ Zoll Disketten” nur bei Freunden sah, da ich persönlich gleich mit den handlicheren Amiga 500-Disketten ins Rennen um die Raubkopien ging. 😀

    Diese Momente, dass Eltern reinkamen und etwas beschlagnahmten, kenne ich nur von VHS-Filmen “aus der verbotenen Klappe” des Wohnzimmereinbauschranks. Ich kannte lange Zeit nur die ersten Minuten von Rambo, Alien und Der Blob. 😉

  2. Für solche schönen, sehr persönlichen Texte wie diesen hier lieber Leo, ist die VSG ins Leben gerufen worden.

    Mir geht es wie Dir, André und auch Stephan: Der C64 nimmt – von allen Computern die ich je besaß – den größten Stellenwert ein. Obwohl doch alle, die danach kamen, dem Brotkasten weit überlegen waren. Warum ist das so? Ja, gute Frage. Vielleicht weil der C64 so handlich und damit greifbar und begreifbar war. Den C64 habe ich noch verstanden. Ich konnte ihm Befehle erteilen. Den Amiga habe ich in dieser Beziehung nie verstanden. Programmiert habe ich darauf jedenfalls nichts.

    Aber was war der C64 doch für ein faszinierender Kasten. Bei uns zog er schon sehr viel früher ein, so etwa Ende 1983. Ein unfassbares Stück Technik, das jeden Tag auf Neue begeistert hat.

    Rückblickend war die C64-Zeit die Schönste. Jeder im Freundeskreis hatte bald einen. Alle hatten die gleiche Hardware und alles war kompatibel.

    Wöchentlich kamen neue „geliehene“ Floppy-Disk´s ins Haus, von denen man nie so genau wusste, was da eigentlich so drauf war und was einen da erwartet hat. Ohne Anleitung und völlig ohne Plan wurde einfach alles ausprobiert. Aufregende Zeiten.

    Aber Leo, gab es in Österreich eigentlich auch eine vergleichbare Institution wie die BPjS (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften) ? Ich frage deshalb, da Du ja Deine eigene Prüfstelle hattest: Deine Mutter 😉

    Und was Deinen Vater angeht:
    Ich frage mich, ob die Generation C64 für nur bestimmte Jahrgänge vorbehalten ist. Denn Dein Vater hat zwar den C64 gekauft, aber offenbar keinen Zugang dazu gefunden. Ich bin Jahrgang 1969. Mein ältester Bruder , Jahrgang 1965, konnte mit dem C64 bereits nicht so recht etwas anfangen. Meine Eltern sowieso nicht.

    Ich glaube auch, dass die besondere Faszination von Heimcomputern, und das was sie für uns bedeuten, nur die Genration C64 versteht. Außenstehende können das nicht nachvollziehen.

    Ich bin auch davon überzeugt, dass wer mit Heimcomputern aufgewachsen ist -so wie wir- die digitale Welt in der wir heute leben, besser versteht, als die, die es nicht sind. Die vielen Stunden mit C64, Amiga und Co. waren also keinesfalls verschwendet. Nicht eine Minute.

    Bevor ich auf die VSG gestoßen bin, kannte ich kaum jemanden im Freundes- oder Bekanntenkreis, der auch nur annähernd dafür Begeisterung zeigt. Und wenn, können sich die wenigsten meiner Freunde an die damaligen Spiele erinnern, während ich noch klar die Verpackung vor Augen habe (ja, ich hatte ein paar davon) und den Entwickler und SID-Komponisten im Schlaf aufsagen kann.

    Wenn ich solche Texte lese, weiß ich, dass ich hier auf der VSG richtig aufgehoben bin. Ich bin also doch nicht der Letzte meiner Art. Und Du Leo, trägst mit eben solchen Artikeln dazu bei. Danke Leo!

    1. Außer der FSK gabs/gibts bei uns Nichts – so lange ein Medium nicht gegen irgendwelche Gesetze verstößt wird es nicht eingezogen oder indiziert. Das Einzige, was auch uns manchmal trifft ist die Zensur, da natürlich auch bei uns vorwiegend deutschsprachige Versionen von Spielen verkauft werden. Wurde ein Spiel für den deutschen Markt zensiert ist die Gefahr groß, dass die deutsche Version nur zensiert verfügbar ist und auch bei uns verkauft wird.

      Auch ich bin froh, dass ich auf VSG gestoßen bin. Mit geht es nämlich genauso wie dir – ich kenne absolut niemanden, der damals ebenfalls gespielt hat, geschweige denn sich auch nur ansatzweise für die damaligen Spiele interessiert.

      1. Hallo Leo,

        Du bist nicht allein! Auch ich (7oer Jahrgang) habe alles mitgemacht, was seit dem Atari 2600 auf dem Markt war. Mein Vater schenkte mir damals den C64, zunächst mit Datasette (und TurboTape). Irgendwann bekam ich dann auch das 1541er Floppylaufwerk. Ab diesem Zeitpunkt war eine Welt ausserhalb des Kinderzimmers nicht mehr vorstellbar. Der nachträglich Einbau von “Speed-DOS” und dem extra Schalter am C64 war natürlich die Krönung. Ich höre noch heute das regelmäßig klackende Geräusch, wenn die Games in Windeseile geladen wurden.

        Es war eine schöne und prägende Zeit für mich. Diese werde ich immer in sehr guter Erinnerung behalten. Zur Zeit habe ich eine Retrospielekonsole mit knapp 9000 Games zu Hause, welche aber das Problem hat, dass ich die C64 er Games nur ohne Ton zocken kann. Ich muss da wohl nochmal was in den Einstellungen schauen.

        Danke für Deinen Beitrag.
        LG Mario (Das ist richtig)

        André Eymann
  3. Vielen Dank, Leopold, für diesen schönen Beitrag.

    Der familiäre Aspekt des Heimcomputerzeitalters ist besonders gut herausgearbeitet. Das ist in der Zeit der virtuellen Treffen auf Servern eine wichtige Erinnerung, denn der Computer war etwas unbegreifliches, sogar etwas unnötiges für manche – wie soviele Innovationen zu Beginn. Doch jenseits einer Marke, einer Packung begann der Erfahrungsaustausch. Der Heimcomputer war nie „in”, er war eine Fortführung unserer menschlichen Fähigkeiten, eingepreist für eine breite Öffentlichkeit mit unterschiedlichsten Interessen. Alle diese Hobbys und Berufe konnte ein Gerät wie der C64 bedienen – sensationell.

    „Vorrecht” auf Computernutzung hatten damals Perry Rhodan, James T. Kirk und James Bond, mit einem Heimcomputer gehört man endlich auch zur Zukunft. Diese Zukunft war für viele Jahre mit dem Bild der gebannten, erfreuten Familie verbunden, einem Bild, das viele, vielleicht sogar jeder nachempfinden konnte: mal war es der schlaue Papa, der den Lightpen des Thompson wuchtet während der Sohnemann zuguckt; oder der Ehemann, der vor den Augen der bewundernden Ehefrau die Steuererklärung auf dem C64 erstellt; oder die Tochter, die mit dem Koala Pad ein schönes Bild erpixelt, dahinter die entzückte Großmutter, für die das Bild erstellt wird.

    Heimcomputer waren unweigerlich Neuland für die Gesellschaft unterhalb der Superhelden-Grenze. Jedesmal entdeckte man etwas neues, jedesmal wollte man etwas neues. So entstand eine Community und beschenkte sich selbst mit den fortschrittlichen und rasend schnellen Speed-Dos und Dolphin-Dos. Oder wunderbaren Programmen wie Vizawrite und natürlich der geniale Star Texter, programmierte Lösungen, die dem Rechner für Zuhause weitere Fähigkeiten schenkten und die eigene Produktivität steigerten.

    Gesteigert wurde auch die Hand-Augen Koordination dank dem geneigten Computerspiel – das gut geplant zwischen (in BASIC programmierter) Buchhaltung und Korrespondenz eingeordnet sein wollte, denn die Familie hatte längst den Nutzen des neuen Mitglieds in Brotkastenform erkannt. Aber eine Runde Giana geht immer…

    Ich kam vom Intellivision zum C64 und wurde dadurch Zeuge eines rasanten technischen Fortschritts. Höhere Auflösung, bunter und musikalischer, das Gerät schien aus einer anderen Dimension angereist zu sein, so unbegreifbar war Technologien damals, dass die Ratio versagte.

    Heute ist der C64 ein Sinnbild für eine positive Gesellschaft, die durch Technologie zueinander und zu den eigenen, unentdeckten Fähigkeiten fand. So sehr der C64 forderte, soviel schenkte er zurück. Und Mutter spielte noch eine Runde Super Cycle.

    Danke für diese wichtige Betrachtung des Commodore 64, Leopold!

    Liebe Grüße aus Wien,
    Andreas

    1. Ich bin mir nicht sicher obs an meinem Alter lag oder an der Frühzeit der Videospiele, aber gerade in den 80ern und frühen 90ern waren Videospiele etwas ganz besonderes für mich. Ich freute mich jedes Mal riesig, wenn ich ein neues Spiel bekam oder von meinem Taschengeld kaufte. Ich versenkte viele Stunden darin, sie mindestens ein Mal durchzuspielen. In C64er Zeiten war es faszinierend, immer wieder neue Spiele zu entdecken. Hierfür musste man einfach eine noch unbekannte Diskette ins Floppylaufwerk schieben und Load”$”,8 befehligen. Denn wenn wir Ehrlich sind: Fast jeder hatte zumindest eine randvolle Diskettenbox mit per Hand oder gar nicht beschrifteten Disketten….

  4. Hach ja, der C64. Ich liebe diesen Kasten heute so sehr wie jeden einzelnen Artikel, der ihn und die Erinnerungen an ihn zelebriert. Danke dass du hier einen weiteren schönen Beitrag dazu geleistet hast, Leo!

    Es ist schon ein wenig seltsam, den C64 hatte ich damals nur knapp 2 1/2 Jahre, von Weihnachten 1984 bis August 1987. Dann kam der Amiga 500 ins Haus, der mich stolze sieben Jahre begleitete und mich wie mein Verständnis von Computern so gesehen eigentlich viel intensiver als der Brotkasten geprägt hat. Oder hätte prägen müssen.

    Denn obwohl der Amiga mir wirklich ebenfalls viel bedeutet und es mir irgendwie leichter fällt, über ihn und seine Geschichte zu schreiben, so fasziniert mich der C64 als Computer heute einfach mehr.

    Das liegt sicher auch daran, dass die C64 Szene bei Weitem lebendiger und produktiver ist als es auf dem Amiga oder anderen alten Computern der Fall ist. Es beeindruckt mich bis hin zu regelmäßigen ‘WTF’ Ausrufen, wenn ich wieder mal die neuesten Demos auf dem Brotkasten bestaune und mir nicht erklären kann, wie man sowas aus dieser altertümlichen Kiste zu zaubern vermag. Im gleichen Moment bekomme ich große Ehrfurcht vor den Entwicklern dieses Rechners, die unter aus heutiger Sicht unfassbar archaischen Voraussetzungen wahre Wunder vollbracht haben.

    Beim Schreiben dieser Zeilen wird mir dann auch bewusst, warum ich meinen Blog nach diesem Computer getauft habe.

    @André – ich glaube, die aktive Retro-Szene ist auch mit dafür verantwortlich, dass sich das Thema irgendwie nie erschöpft. Hat man irgendwann alle seine Lieblingsspiele wieder gezockt und – wie du – die Listings seines Herzens wieder in den Atari gekloppt, kommt plötzlich ein Enthusiast daher und bastelt ein WLAN Modem zusammen, während wiederum andere das alte ‘Habitat’ wieder aufleben lassen. Zack, schon der nächste WTF-Moment! Ich bin gespannt, was uns da noch alles erwartet!

    1. Wie recht Du hast Stephan 🙂

      Die WTF-Momente werden allein deshalb schon nicht abreißen, weil sich die Retrokultur stetig generationsübergreifend weiterentwickelt. Das Bedürfnis damit Spaß zu haben und diesen Spaß zu teilen wird bleiben. Da bin ich ganz sicher.

      Ich finde es übrigens überaus erfreulich, dass gerade in DE eine so aktive Szene existiert. Natürlich gibt es sie auch in GB, SWE, USA oder sonstwo. Aber hier eben auch. Mit hoher Dichte. Wunderbar!

    2. Ich stimme dir vollkommen zu: Die C64 Szene ist unglaublich aktiv. Noch faszinierender ist, dass die Szene sich faktisch von ganz alleine am Leben erhält. Für den C64 kommt kein Remake eines Klassikers (Ausnahmen bestätigen die Regel) oder Spiele auf der Virtual Console. Ab und zu liest man etwas von einen “neuen C64”, der wie ein C64 aussieht, aber keiner ist oder einem Mini C64, welcher jedoch aufgrund seines Preises für Liebhaber, aber nicht für die Masse interessant ist und daher keinen Hype auslösen kann.

      Ich denke, dass gerade wegen seiner Einfachheit der C64 hochinteressant für die Homebrew Szene ist. Mit ein wenig technischen Know-How kann man seinen C64 schon “modden”, das geht bei moderneren Geräten nicht mehr so einfach. Weiters kommt der Wettbewerb hinzu, den C64 voll auszureizen und, wie du selbst geschrieben hast, Demos zusammenzuschustern, die eigentlich gar nicht möglich ein sollten.

  5. Lieber Leo,

    Du schreibst “…damals wusste ich noch nicht, wie wichtig der C64 mehr als 20 Jahre später für mich werden wird…”

    Das ist für mich ein sehr interessanter Satz. Denn – wie Du weißt – geht es mir genau wie Dir. Die Frage ist natürlich “Warum ist der C64 bzw. das Hobby mehr als 20 Jahre später so wichtig für uns geworden?”

    Immer wieder frage ich mich, ob es reine Nostalgie ist. Aber wenn ich zurückschaue, dann beschäftige ich mich mit dem Thema Retrogaming aktiv seit 1999. Das sind mittlerweile auch schon 18 (!) Jahre. So langsam dürfte sich die Aufarbeitung der Vergangenheit eigentlich erschöpft haben. Hat sie aber nicht. Und das finde ich daran interessant.

    Das Medium “Spiel” und der kulturelle und gesellschaftliche Kontext sind für mich zu einem festen Hobby geworden und dass, was Andreas Wanda als “Retrografie” bezeichnet, hat einen zentralen Sinn für mich bekommen. Ich finde es nach wie vor ungebrochen spannend, die Hintergründe und Zusammenhänge zu erforschen und in der vermeintlich kurzweiligen Unterhaltung mehr zu entdecken. Dass sich dies – in meiner Wahrnehmung – vor einem breiteren Kontext aus Sicht der Gesellschaft abspielt finde ich wunderbar.

    Schönen Geschichten wie Deiner eine Plattform zu bieten ist großartig und wenn auch andere daran eine Freude haben und neue interessante Aspekte darin erkennen, haben wir wieder ein kleines Retroversum-Puzzleteilchen in das große Bild eingefügt.

    Vielen Dank für Deine Erinnerungen!

    André

    1. Es ist in er Tat eine gute Frage, warum es gerade der Commodore64 ist. Warum nicht LCD Spiele, denn die hatte ich davor? Oder der Atari2600, meine erste Erfahrung mit Heimkonsolen? Wahrscheinlich war der Commodore64 durch seine Vielseitigkeit einfach am faszinierendsten.
      Ich beschäftige mich ähnlich lange mit Retro-Gaming wie du, allerdings habe ich erst kürzlich angefangen, meine persönliche Videospielvergangenheit im Detail aufzuarbeiten (da habe ich noch Einiges vor).
      Danke für die Möglichkeit, meine Commodore64 Geschichte loszuwerden, denn die ist der größte und interessanteste Part.

  6. Hat denn außer mir niemand das tolle Mal-Programm des C64 genutzt, um Kassettencover mit zu vielen Peace-Zeichen zu malen, um damit raubkopierte Audio-Kassetten aus der Stadtbücherei zu verschönern? 😛 Nie werde ich die wohligen Laute des Nadeldruckers vergessen…

    Bei uns war es ein Onkel, der sich den C64 “zum Arbeiten” gekauft hatte und dann irgendwie doch nichts damit anfangen konnte, weshalb er seinen Weg zu uns fand, allerdings etwas später und nicht sehr lange. An bestimmte Spiele kann ich mich so gut wie gar nicht erinnern, ein Liebling war auf jeden Fall “North & South”, dann gab es so eine Mondlandungssimulation und dann hört es bei mir auch schon wieder aus.

    1. Oh, kann es sein, dass du mit der Mondlandungssimulation “On the moon” meinst, bei der man erst den Countdown timen, dann die Raketenstufen absprengen musste? War glaube ich bei einer Heft Diskette dabei und damals für mich unschaffbar. Sollte ich mal wieder einlegen…

      1. Man musste im All dann einen Teil der Rakete abkoppeln und anders herum wieder dransetzen. Ja, unschaffbar, aber das waren fast alle Spiele für mich damals, hab auch glaube ich kein einziges Spiel auf dem Game Boy beenden können 😀

  7. Schöner Text! Das mitgelieferte Handbuch beim C64 war schon eine feine Sache. Es wurden dem Benutzer gleich die ersten Schritte gezeigt, um selber Programme zu schreiben. Der Benutzer musste sich dann nur noch mit dem nötigen Ehrgeiz “reinfuchsen”. Bei mir hat der C64 damals definitv auch das Interesse am Programmieren und Verstehen von Programmen/Betriebssystemen geweckt.

    1. Das Schöne an Basic und auch am Commodore64 selbst war die Einfachheit. Da innerhalb kürzester Zeit schon Erfolge sichtbar waren, bekam man immer wieder Lust auf mehr. Die einfachsten Listings wurden Stück für Stück um Schleifen, Inputs und Gosubs erweitert. Wichtig waren daher auch handgeschriebene Notizen, um nicht die Übersicht zu verlieren. Irgendwie habe ich jetzt wieder Lust bekommen, mein “Basic V2” aufzufrischen 🙂

      1. Ich würde mich gern noch mal an Assembler versuchen. Damals habe ich das so gut wie gar nicht verstanden. Heute müsste ich da eigentlich etwas weiter kommen. Naja, wenn ich mal die Zeit dafür finde.