Wie aus Pixeln ein Buch entsteht


Kommentiert von: Ally Crowe, André Eymann, Tobi, Florian Auer.
Lesedauer: 4 Minuten

Ich bin ein sehr nostalgischer Mensch. Nicht im Sinne von „früher war alles besser“ (denn das war es so pauschal nicht), sondern eher, dass ich viele schöne Erinnerungen habe, die eng mit meiner Kindheit verknüpft sind.

Eine kleine Nostalgiereise

So erinnere ich mich zum Beispiel noch sehr gut daran, wie ich meinen ersten Game Boy Color mit Pokémon Blau bekommen habe, noch bevor ich wirklich lesen konnte. Wie begeistert ich von meinem ersten Pokémon war. Wie ich mich mit Glumanda gegen Rocko durchgekämpft und mich im Mondberg verlaufen habe. Wie verzweifelt ich Mew unter dem Laster am Hafen an der MS Anne gesucht (und nicht gefunden) habe. Wie ich das erste Mal im Pokémon-Turm in Lavandia war und mich wegen der Musik und des unbekannten Geistes gegruselt habe. Und daran, als ich das erstem Mal Pokémon Champion geworden bin (nachdem ich mich über diese Nervensäge Blau aufgeregt hatte, die einfach so meinte, ausgerechnet JETZT auftauchen zu müssen – miesestes Timing ever).

An Sonic The Hedgehog 2 erinnere ich mich noch so gut, weil ich mich nachhaltig in die Musik und das Leveldesign verliebt habe – auch wenn damals weder ich noch die Freundin, mit der ich das gespielt hatte, wirklich gut war. Gerade Chemical Plant ist mir noch ziemlich im Gedächtnis geblieben (vielleicht etwas zu sehr), sodass ich schon Angst bekomme, wenn die Musik eines Levels auch nur ansatzweise so klingt (es gab da diese EINE Stelle).

Auch absolute Klassiker wie Tetris und Pac-Man habe ich natürlich gespielt. Und festgestellt, dass ich für beides kein Talent (und keine Geduld) habe.

Eine Spielereihe, die hier auf keinen Fall fehlen darf, ist The Legend Of Zelda. Das Gameboy Color-Spiel Oracle of Ages war der Auslöser, dass ich dem Spielkonzept vollkommen verfallen war und seither fast jeden Teil gespielt habe. Es hat mich mit seinen verschiedenen Welten fasziniert und für Fantasy begeistert. Ich habe es geliebt, die Dungeons zu erkunden und herauszufinden, wie ich verschiedene Items nutzen konnte. Genauso habe ich auch gemerkt, dass mein Orientierungssinn nicht nur im realen Leben eine Katastrophe ist und ich ohne eine gute Map völlig verloren wäre – »Danke« Zelda 1. Im Übrigen habe ich frühzeitig eine sehr große Abneigung gegen Wassertempel entwickelt. Und, kleiner Funfact: Mein Handywecker weckt mich jeden Morgen mit »Hey Listen« und ich liebe und hasse es gleichermaßen.

Weiter ging es mit den GBA Metroid-Spielen, die ich auf unerklärliche Weise faszinierend fand (gerade, wenn man sich die vergleichsweise fluffigen Sachen anschaut, die ich davor gezockt hatte). Und da es damals noch einmal deutlich weniger nicht-männliche Helden gab als heute (da ist noch Luft nach oben!) war ich noch einmal begeisterter, als ich gemerkt habe, dass Samus Aran eine Frau war (was ich übrigens lang vor Zero Suit Samus vermutet hatte und mir mein Cousin damals nicht glauben wollte). Gerade Metroid Fusion und Metroid Zero Mission haben meine anhaltende Liebe zu Metroidvanias geprägt (auch wenn ich den zweiten Namensgeber Castlevania nie gespielt habe – sollte ich vielleicht mal nachholen).

Meine erste Nicht-Handheld-Konsole war der Game Cube, der mittlerweile fast zwanzig Jahre auf seinem würfelartigen Gehäuse hat und immer noch funktioniert (und von mir den liebevollen Spitznamen Cuby bekommen hat – ja, ich bin sehr kreativ). Sonic Adventure 2 Battle war eines der ersten Spiele, die ich darauf gespielt habe. Es hat nicht nur dafür gesorgt, dass ich ein noch größerer Fan des blauen Igels geworden bin (der im Gegensatz zu Mario tatsächlich über eine Persönlichkeit verfügt), sondern auch, dass ich meine Lieblingsband Crush 40 kennengelernt habe.

Ich erinnere mich auch noch sehr lebhaft an meine ersten Runden Mario Kart, die ich mit meiner damaligen besten Freundin zusammen gespielt habe. Wir sind die Strecken so lange gefahren, bis wir überall die ungeschlagene Nummer 1 waren (und ja, ich hasse den Regenbogen-Boulevard. In jeder einzelnen Version).

Ein weiteres Spiel, dass gerade mein Schreiben sehr beeinflusst hat, war Tales Of Symphonia, dessen Storytelling mich einfach so in seinen Bann gezogen hat. Ich habe mit den Charakteren mitgelitten und bin von der Geschichte mehr als einmal überrascht worden. Es hat meine Liebe für JRPGs (insbesondere die der Tales-Serie) geweckt. Für alle die es auch gespielt haben: Mitten in einer Cutscene den Game Cube zu öffnen und die Disk zu wechseln, fand ich sehr, SEHR seltsam.

Von Videospielen zu »Ready, Set, Love«

Das sind nur ein paar Erinnerungen, die mich bis heute begleiten. Wieso erinnere ich mich an all diese Sachen noch, obwohl sie teilweise schon mehr als zwanzig Jahre her sind? Einfach, weil ich durch sie so intensiv die verschiedensten Gefühle erlebt habe. Weil ich durch sie verschiedene Welten und Charaktere noch einmal ganz anders kennengelernt habe.

Videospiele spielen gehört nach wie vor zu meinen liebsten Hobbys. Und weil mir Videospiele, insbesondere die aus meiner Kindheit, auch heute noch so wichtig sind, wollte ich eine Geschichte über zwei Menschen lesen, die genau diese Liebe zu Videospielen verbindet. Die sich bei einer Runde Mario Kart näherkommen. Oder darüber debattieren, ob Mario oder Sonic besser ist. Die Zelda-Anspielungen machen. Und Lieblingspokémon haben.

Ich liebe Bücher und ich liebe natürlich auch Bücher, in denen die Figuren vollkommen andere Hobbys haben als ich. Aber hin und wieder habe ich mir gewünscht, ein Buch zu lesen, in dem ich diesen Aspekt von mir wiederfinde. Denn mal ganz im Ernst, Videospiele und Bücher sind doch einfach die perfekte Kombination.

Also was tut man, wenn man so eine Geschichte nicht findet? Richtig, man schreibt sie selbst.

So ist die Grundidee zu »Ready, Set, Love« entstanden. Meine beiden Protagonist*innen Jade und Elijah haben, genauso wie ich, verschiedene Gründe, wieso sie an bestimmten Spielen noch so hängen. Wieso sie bestimmte Spiele noch so lieben. Es hat mir so unglaublich viel Spaß gemacht, meine Erinnerungen und Gefühle durch ihre Geschichte festzuhalten. Und ich hoffe, dass viele Leser*innen an ihre eigenen Erlebnisse mit diesen Spielen erinnert werden. An die Freude, an den Frust und an all die Gefühle, die dazwischenliegen.

Falls ihr also eine kleine Nostalgiereise in Form eines NA-Romance-Buchs erleben wollt, dann schaut doch gern bei »Ready, Set, Love« vorbei.

André EymannTobi

11 Kommentare

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  1. Danke für deinen Beitrag, Ally. Ich finde es immer schön und interessant zu lesen, was für Interessen oder auch Gefühle Videospiele auslösen können. So auch bei dir, dass sie dich mit inspiriert haben, ein Buch zu schreiben. Videospielerinnerungen sind oft tief verwurzelt, ich denke auch (als Laie), dass es damit zusammenhängen kann, dass viele von uns in einem Alter damit in Berührung kamen oder da sowieso schon mehr oder weniger regelmäßig gespielt haben, wo sich die Persönlichkeit festigte. Bei mir wären das zum Beispiel ein Turrican Soundtrack oder einige andere Spielesongs vom Amiga, die noch Jahrzehnte später im Kopf dudeln. Ich glaube auch, dass ich heute noch im Halbschlaf durch Teil 2 von Turrican laufen könnte, so eingebrannt hat sich das Leveldesign. Danke für deine Vorstellung, welche Beweggründe es (unter anderem) für dein Buch gab, ich wünsche dir viel Erfolg mit diesem und deinen Büchern 🙂

    André EymannAlly Crowe
    1. Hi Tobi,
      vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂

      Das würde ich auch so unterschreiben. Wenn ich mich mit Leuten unterhalten, die erst sehr viel später mit Videospielen angefangen haben, dann merkt man schon ziemlich oft, dass sie zwar gerne spielen, aber trotz allem irgendwie einen anderen Bezug dazu haben. Aber dafür verbinden sie ihre Erinnerungen eben mit anderen Sachen. 🙂

      Tobi
  2. Mit Serien oder Filmen verknüpfe ich tatsächlich nicht so viele Erinnerungen.

    Das ist wieder ein sehr interessante Satz 😉 Denn er führt zur Fragestellung, warum Videospiele vielleicht im speziellen Fall erinnerungswürdiger sind. Darüber muss ich mal in Ruhe nachdenken.

    Und: sehr gern habe ich Deinen Beitrag veröffentlicht!

    Ally CroweTobi
    1. Ich denke, das hängt (zumindest für mich) sehr stark mit Immersion zusammen. Bei Videospielen und Bücher fühle ich mich mehr “hineingezogen”, bzw. als Teil einer Geschichte, während ich bei Serien und Filmen quasi nur Zuschauerin bin und mir dessen auch in jeder Sekunde bewusst bin (auch wenn es natürlich trotzdem Serien und Filme gibt, die ich wahnsinnig toll finde – aber eben nur für sich und nicht als Verknüpfungsmöglichkeit von Erinnerungen). Das wäre zumindest meine Erklärung.

      Du kannst mir ja mal sagen, zu welchem Schluss du gekommen bist. 🙂

      André EymannTobi
      1. Das mache ich. Ich denke aber tatsächlich immer noch darüber nach. Habe sogar schon überlegt meine Gedanken in einen Beitrag zu giessen. Noch bin ich aber unschlüssig, ob es tragfähig wäre.

  3. Das Zelda-Notizbuch habe ich auch 😀

    Schöne Geschichte und tolle Idee. Auch das Buch klingt interessant und ist ja für schmales Geld erhältlich, das find ich wirklich gut! Ist das alles im Selbstverlag entstanden? Da hab’ ich einen großen Respekt davor!

    Bei mir ist es ähnlich dass ich viele Erinnerungen damit verknüpfe, was ich gerade für ein Spiel gespielt hab und deswegen auch bis 30 Jahre zurück mich relativ genau an alles erinnern kann. Ich muss nur wissen was ich gerade für ein Spiel gezockt habe zu der jeweiligen Zeit 😀

    TobiAndré EymannAlly Crowe
    1. Hallo Florian,

      vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂 Das Notizbuch habe ich bestimmt schon fünf oder sechs Jahre und mich bisher immer noch nicht getraut, es auch endlich mal zu benutzen.

      Ich finde es auch total erstaunlich, wie gut das funktioniert mit dem Erinnern. Gerade, weil ich auch sonst eher jemand bin, die dazu neigt, Dinge ziemlich schnell zu vergessen.

      Und zum Buch: Nein, das Buch ist tatsächlich nicht im Selbstverlag erschienen, sondern wurde von Forever (gehört zu Ullstein) verlegt. Das hat mich besonders deswegen gefreut, weil es zeigt, dass Videospiele mittlerweile keine kleine Nische mehr sind, auch nicht in der Buchbranche. 🙂

      Liebe Grüße!

      TobiAndré Eymann
  4. Liebe Ally, ich mag Deinen Satz „Wieso erinnere ich mich an all diese Sachen noch, obwohl sie teilweise schon mehr als zwanzig Jahre her sind?“, weil in ihm die Idee des Videospiels als Lebensbegleiter steckt.

    Jeder von uns Spielenden kennt das sicher: Spiele als Meilensteine, mit denen wir bestimmte Phasen, Freundschaften, Leid oder Freude verbinden. Videospiele können trösten, aufmuntern, zum Teilen anregen – sie können zwar keinen (Mit-)Menschen ersetzen, sind aber dennoch immer für uns da und geben uns viel zurück.

    Das Videospiele und Geschichten über Videospiele mittlerweile immer öfter in Bücher anzutreffen sind finde ich logisch und wundervoll zugleich. Für mich war die erste Buch-Begegnung dieser Art die „Extraleben“-Reihe von Constantin Giliies. Dort sind es Nick und Kee, die neben ihrem abnerden immer wieder Bezüge zu Videospielen herstellen.

    Danke, für Deinen Beitrag und Deine persönlichen Hintergründe zu Deinem Buch. Ich hoffe sehr, dass es viele Menschen lesen werden, um so die Erlebnisse von Jade und Elijah teilen zu können.

    Tobi
    1. Lieber André,
      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Das stimmt, Videospiele sind wirklich eine Art Meilensteine im Leben. Neben Büchern gibt es kaum ein anderes Medium, dass bei mir so gut dafür funktioniert. Mit Serien oder Filmen verknüpfe ich tatsächlich nicht so viele Erinnerungen.

      Die Reihe kenne ich noch nicht, schaue sie mir aber definitiv an. Ich glaube, bei mir war es “Ready Player One”, auch wenn da auf viel angespielt wurde, was lange vor meiner Zeit war. Aber ich hoffe auch, dass es in der Richtung noch viiiiel mehr geben wird.

      Danke, dass ich den Beitrag schreiben durfte!
      Ganz liebe Grüße
      Ally

      TobiAndré Eymann
      1. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Dir Constantins “Extraleben”-Bücher gut gefallen. Ich liebe seinen Humor und seinen Stil.

        “Ready Player One” habe ich bisher nicht gelesen. Dafür aber den Film gesehen, den ich überhaupt nicht mochte. Er ist mir einfach zu überladen.

        Tobi
        1. Ich sag dazu das, was ich zu fast jeder Buchverfilmung sage: Das Buch war deutlich besser. 😀

          Ich fand den Film okay, aber es wurden relativ viel verändert (beispielsweise war die erste Aufgabe komplett anders). Von daher kann ich empfehlen, dem Buch mal eine Chance zu geben. 🙂

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