Die virtuellen Klangreisen des Mike Oldfield mit MusicVR


Kommentiert von: André Eymann, Tobi.
Lesedauer: 5 Minuten

Ich war 14 Jahre alt und als Austauschschüler in einer Gastfamilie in Kent, im Süden Englands. Das war 1981, dem Jahr als Prinz Charles und Lady Diana geheiratet haben.

Mit “Tubular Bells” aus dem Jahr 1973 fing es an. Ich war infiziert. Seit dem bin ich sehr großer Fan des Musikers. Wenn man bedenkt, dass er erst 18 Jahre alt war, als er sein Erstling komponiert hatte, dann kann man nur den Hut ziehen. Auszüge aus dem Album wurden dann im gleichen Jahr in dem Film “Der Exorzist” des Regisseurs William Friedkin verwendet. Und es war das erste Album des ganz jungen Virgin Records Label.

Ach Du meine Güte, ich komme wieder ins Schwadronieren. Es soll ja um die Musik und die zwei Videogames gehen.

MusicVR

Seit den 1990ern arbeitete Mike Oldfield zusammen mit dem 3D Programmierer Colin Dooley und dem Grafikkünstler Nick Catcheside an einer Möglichkeit, Musik und Virtuelle Realität mit einander zu verschmelzen – und das ganz gewaltfrei.

Es sollte ein Erlebnis, ein Kunstwerk, werden. Colin Dooley entwickelte dafür die Programme Modelworks – für die Erstellung der 3D-Modelle – und die Spieleengine Newlook. Beide Softwarepakete bildeten das Herz des MusicVR-Projekts.

In einer Welt kann man sich als “Spieler” relativ frei bewegen. Die Grafik wurde von Großrechnern berechnet. Daher war an eine Veröffentlichung damals noch nicht zu denken. Die Homecomputer hatten einfach nicht die Leistung.

Übrigens, Music VR klingt so hochtrabend. Es wurde keine VR Hardware unterstützt. Das war damals noch Utopie.

Colin Dooley

Hier möchte ich ganz kurz etwas abschweifen, denn Colin Dooley ist in der Spieleentwicklerbranche kein Unbekannter.

Er war bei vielen Projekten für Homecomputer in den 1980ern tätig, teilweise auch als Writer und nicht “nur” Programmierer. Zum Beispiel hat er das Spiel “Auf Wiedersehen Monty” (1987) geschrieben, den dritten Teil der “Monty on the Run”-Reihe, einem Plattformer im Stil von “Manic Miner”. Er war auch an einem Spiel über die Animationsserie MASK, aber auch an “Death Wish 3” oder “Avenger”, dem Nachfolger von “The Way of the Tiger”, beteiligt.

Tres Lunas (2002)

Im Jahr 2002 war es endlich so weit. Bei der Erstveröffentlichung des Albums “Tr3s Lunas” von Mike Oldfield befand sich auch auf einer CD-ROM eine DEMO des gleichnamigen MusicVR-Spiels. Eine Vollversion konnte man auf Mike Oldfields Homepage beziehen.

Mit der Maus und den beiden Buttons kann man durch das Spiel fliegen und sieben goldene Ringe sammeln. Diese verändern dabei die Musikstücke von Mike Oldfield. Man kann viele Objekte untersuchen und nutzen. Alles hat Auswirkungen auf das Geschehen. Mal fliegen Pusteblumen durch die Luft, oder Fische springen über das Wasser. In der unteren Galerie sieht man beispielsweise wie ich mit einem Klavier durch die Landschaft gleite.

Tres Lunas bot auch die Möglichkeit sich über das Internet zu einem Multiplayer Game zu vernetzen. Dabei konnten 13 Spieler und Ihre Avatare gleichzeitig die Landschaft erkunden. Und chatten. Mike Oldfield selber soll dann ab und an auch im Chat aufgetaucht sein. Das konnte ich hier bei der Recherche zu dem Artikel nicht genau verifizieren.

Maestro (2004)

Zwei Jahre später, im Jahr 2004, erschien das zweite MusicVR-Spiel von Mike Oldfield. Es enthielt neben neuen, extra für das Spiel komponierte Stücke, auch Teile seines Klassikers “Tubular Bells”, welches er 2003 zum Jubiläum noch einmal neu eingespielt und veröffentlicht hatte. Im Spiel kann man 24 Medaillen und vier Avatare finden. Das Spiel konnte man wieder auf Mike Oldfields Homepage kaufen.

Wie man schon sieht, war bei der Veröffentlichung beider Spiele, die Grafik eigentlich veraltet. Und daher floppten die Spiele auch. Aber nicht so bei mir.

Für mich war es, auch jetzt beim Wiederspielen für diesen Artikel, ganz großes Kino. Ich kann immer noch in diese Welten eintauchen. Und es macht immer noch eine Freude hier und da neue Klänge und Versatzstücke von Mike Oldfield zu hören und zu entdecken. Genau das macht glaube ich auch den Reiz aus.

Fazit

Wer sich auf Kunst einlässt und oder die Musik von Mike Oldfield mag, der könnte eventuell auch jetzt noch Gefallen an den Spielen finden. Alle anderen sind bestimmt zu verwöhnt und das ist auch vollkommen ok. Die Grafik hat sich ja schon sehr gewandelt. Und diese ist mit dem Game definitiv nicht zum Vorteil gealtert.

Leider funktionieren die Downloadmöglichkeiten auf der Oldfield Fanseite Tubular.net nicht mehr. Diese hatten sie noch eine Zeit lang als kostenlose Vollversionen zur Verfügung gestellt.

Ich hoffe Ihr hattet Spaß beim Lesen und wünsche Euch bis zum nächsten Mal eine wunderbare Zeit.

Euer Christian

Weitere Hintergrundinfos

Video: Tubular Bells (Pt. I)

Provided to YouTube by Universal Music Group

Alexa SpraweFlorian AuerAndré EymannTobi

3 Kommentare

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  1. Lieber Christian, danke für deinen Ausflug in diese virtuellen Klangwelten. Ich selbst habe mich bisher recht wenig für Oldfield’s Musik interessiert, daher kann ich hier gar nicht so mitreden. Ich finde es aber interessant, wenn Musiker neue Wege ausprobieren und MusicVR sieht sogar heute noch wirklich interessant aus.
    Die Idee, Musik mit virtuellen Welten zu kombinieren, hat scheinbar nicht nur Oldfield gereizt, denke ich da gerade an PolyFauna von Radiohead (für’s Smartphone). Und irgendetwas, was ich mal “gespielt” habe, brennt mir gerade ziemlich unter den Nägeln, aber ich komme leider nicht mehr drauf, was es gewesen sein könnte. Danke für deine Horizonterweiterung!

    André Eymann
    1. Oh, danke für den Hinweis zu PolyFauna Tobi! Hab’s mir gerade einmal angesehen. Da ich eh ein großen Freund von Radiohead bin. hat es mich gleich doppelt interessiert. Schön, dass die Kombination von Musik und “künstlicher Realität” immer wieder ausprobiert wird.

      Tobi
  2. Was für ein toller Beitrag Christian! Ich habe mich riesig gefreut, als Du ihn eingereicht hattest. Mike Oldfields Werk “Tubular Bells” ist tatsächlicher so etwas wie ein ewiger Begleiter meines Lebens. Mir kommen so viele Dinge in den Sinn, wenn ich diese Klänge höre.

    Zunächst erinnert mich das Stück an meine ersten elektronischen Hörerfahrungen überhaupt. Zwar war ich erst zwei Jahre alt, als Oldfield das Stück veröffentlich hatte. Als ich aber in “hörfähige” Alter kam, war Tubular Bells schnell ein einschlagendes Werk für mich. Diesen Sound vergisst man einfach nie wieder.

    Den Einzug in die Popkultur (“Der Exorzist”) und der lange Schatten in vielen den musikalischen Kontexten hat es für mich vertieft. Wenn ich beispielsweise Stücke von John Carpenter (“The Fog”) hören, muss ich unweigerlich immer auch an Oldfield denken. Dieser repetitive Minimalismus hat mich von Anfang an begeistert. So liebe ich auch Philip Glass (“Koyaanisqatsi”), den ich ebenfalls zu dem erwähnten Kontext zähle.

    Von MUSIC VR hatte ich bisher noch nie etwas gehört und deshalb finde ich Deinen Text sehr wertvoll und spannend. Auch hier wieder: Minimalismus! Und Kunst auf mehreren Ebenen. Die frühe Verbindung von Musik und Spiel – aus den Händen eines so talentierten Musikers – begeistert mich. Danke, dass Du an MUSIC VR erinnerst und es uns vorstellst Christian. Die Screenshots sind einfach nur wow. Aus einer anderen Zeit und vielleicht sogar aus einer anderen Welt. Einfach nur toll!

    Tobi

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