GEOS, EGA oder LAN? – Stationen meiner Videospielkarriere

Kommentiert von Tobi, André Eymann, Patrick Dörn, YesterPlay, Sarah Bee, Alex, Aya, Katrin.
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Die Leidenschaft für Computer und Computerspiele im Speziellen begann wohl im Alter von 11 Jahren, nachdem ich meine Eltern in mühevoller Arbeit davon überzeugt hatte, dass so ein Computer gut für die Schule und die weitere Zukunft wäre.

Am Anfang war der Tennisarm

Nachdem auch der Rest der Familie dem Ganzen positiv gegenüber gestimmt war, wurde ein Commodore C64 II und Floppy-Laufwerk 1541II beschafft. Natürlich habe ich mir hier auch erste Programmierkenntnisse angeeignet und dank GEOS auch schon einiges für die Schule damit machen können. Aber seien wir ehrlich, 90% der Zeit wurde der C64 für Computerspiele verwendet.

Zwei Jahre später kam dann ein Amiga 500 bei meinem besten Freund dazu, so dass wir dann die kompletten Osterferien damit verbrachten Lotus Challenge, Speedball 2 und Apidya (mit dem unvergesslichen Sound von Chris Hülsbeck) zu spielen. Das Ganze ging nicht spurlos an uns vorbei. Zum Schulbeginn litten wir beide unter einem Tennisarm vom ständigen Rütteln am Competition Pro Joystick.

Die 200 MB Festplatte wird niemals voll!

Eigentlich wollte ich zur Konfirmation dann auch einen Amiga haben, aber ein Informatiker im Bekanntenkreis riet dann zu einem PC, da man damit viel mehr machen könne und das die Zukunft sei. Also konnte ich mir mit dem Konfirmationsgeld einen 286er mit 8 MHz, 4 MB RAM, EGA-Grafikkarte und einer Festplatte mit wahnsinnigen 200 MB kaufen. Ursprünglich war nur eine 60 MB Festplatte verbaut, aber durch einen Zuschuss von meinem Papa war ich auch hier für die Zukunft gerüstet und nach Aussage des Informatikers würde man die 200 MB niemals voll bekommen. Die Zukunft hat hier gegenteiliges bewiesen.

Interessant in Verbindung mit dem 286er war die Tatsache das man in Wing Commander durch zuschalten des Turbos (damit lief der 286er dann mit 16 MHz) problemlos durch die Asteroidenfelder fliegen konnte, da der Computer nicht mehr in der Lage war die Kollisionen zu registrieren.

1994 meldeten mein bester Freund und ich ein Nebengewerbe für den Verkauf von Computer und Zubehör an und konnten durch die günstigen Einkaufskonditionen und die nun monatlich fliesende Ausbildungsvergütung auch die eigene Hardware permanent an den aktuellen Stand anpassen.

Von Token-Ring und Twisted-Pair

Als am 5. und 6. Dezember 1998 der WDR Computerclub die lange Computerclub-Nacht aus dem Heinz-Nixdorf- Forum ausstrahlte, nahmen wir das als Anlass unsere erste LAN-Party im heimischen Partyraum mit insgesamt 4 Leuten zu veranstalten (siehe Fotos). Mehr Teilnehmer waren leider nicht möglich, da die Größe der CRT-Monitore die Anzahl bestimmte. Natürlich durfte Pizza und Cola nicht fehlen um die Nacht bis in die frühen Morgenstunden zu überstehen.

Das generelle Problem bei LAN-Partys in dieser Zeit war, erstmal alle teilnehmenden Rechner zu einem Netzwerk zusammen zu schließen. In unserem Bekanntenkreis nutzten 2 Freunde noch ein Token-Ring-Netzwerk mit BNC- Steckern. Da die Netzwerkkarte auch schon für Twisted-Pair-Verkabelung vorgesehen war, konnte dann nach einigem hin und her ein funktionierendes LAN in Betrieb genommen werden.

Obligatorisch war aber auch, dass mindestens einer der Freunde erstmal Windows neu auf seinem Rechner aufspielen musste. Angesagte Spiele waren damals Counterstrike, Unreal Tournament und Age of Empires. Auch in den weiteren Jahren behielten wir das Event zeitgleich mit der WDR Computerclub-Nacht bei. Die Technik wurde moderner, so konnte beim zweiten Event schon ein ISDN-Router mit der ISDN-Internet-Flatrate für die Internetanbindung genutzt werden.

Beruflich bedingt gingen die Wege auseinander, so dass die letzte LAN-Party 1995 mit 10 Leuten im Nachbarort im dortigen Dorfgemeinschaftshaus stattfand. Der Versammlungsraum befand sind im 3. Stock über der Sporthalle und der 21“ CRT-Monitor musste auch unter körperlichem Einsatz des Kollegen dort hoch geschafft werden. Hier waren Kollegen mit einem der neuen TFT-Monitore klar im Gewichtsvorteil.

Interessant war auch, dass auf dem Dorf niemand etwas mit dem Wort LAN-Party anfangen konnte. Daher wurde mit skeptischen Blicken beobachtet was diese „jungen Leute“ da alles an Zeugs ins Dorfgemeinschaftshaus schleppten. Internetzugang gab es hier leider nicht, aber dafür hatten wir einen extra Server für das Hosten der Gameserver am Start.

Neuauflage wanted

Mittlerweile sind schon einige Jahre vergangen und ich selbst habe ein Studium der Informatik hinter mir und arbeite in einem mittelständigen Softwareunternehmen als Entwickler und bilde zukünftige Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung aus.

Während ich diese Zeilen geschrieben habe, musste ich immer wieder an diese Zeiten zurückdenken und irgendwie vermisse ich das schon ein wenig. Das schreit eigentlich zu einer Neuauflage anlässlich des 25-jährigen Jubiläums im Jahr 2023.

Es folgen ein paar Fotos unserer ersten LAN-Party im heimischen Partyraum mit einigen guten Freunden.

WolfgangSarah BeeKatrinTobiAndre

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Kommentare15

  1. Das klingt fast, als wären wir auf den gleichen LAN-Parties gewesen. Das war auch immer eine geniale Kombination aus Pizza, Filesharing, Spielen, IT-Supporthotline und Schrauberwerkstatt. 😀

    “Hat einer zufällig den ATI-Patch für Counter-Strike” parat?”
    “Nein, aber ich hätte hier noch eine Grafikkarte XY.”
    “Auch gut!” *gebastel*

    Schade, dass ihr es nicht mehr geschafft habt, das ganze wieder aufleben zu lassen, aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend!

    TobiPatrick DörnAndre
    1. “Da brauche ich DirectX 9.0b, richtig?”
      “Nein, Du brauchst unbedingt DirectX 9.0c!”
      “Achso. Und welche Treiber brauche ich nun für meine GeForce FX5200? Version 45.02, A07?”
      “Oh nein, jetzt ist mein Windows abgestürzt!”

      😉

      TobiPatrick Dörn
      1. Heute wäre das ja alles kein Thema, Treiber und Software sind im Nu heruntergeladen. Damals musste dann das 14.4er oder vielleicht schon das 56k Modem angeworfen werden und vielleicht im Netz einen passenden Treiber zu finden und herunterzuladen.

        TobiPatrick Dörn
        1. Das stimmt. Das kann noch dazu. Aber natürlich haben wir das meist vorher gemacht und dann alles schön säuberlich auf CD gebrannt 😉

          Tobi
  2. Mega cooler Beitrag! Die Bilder sind echt der Hammer und erinnern mich an die Zeit, als bei uns Lan-Partys stattfanden. U.a. auch in einer Blockhütte, mit dem Lan-Kabel quer über das Grundstück 😄 So eine Lan-Party vermiss ich echt.

    Mit meinem Mann hab ich zum Glück das Hobby Zocken gemein. Wir versuchen so oft wie möglich etwas zusammen zu spielen, so kommt wenigstens etwas das Gefühl von früher wieder. 😄

    Patrick Dörn
  3. Beim lesen von deinem Text kommen auch bei mir die Erinnerungen wieder hoch.

    Es gab einen Tag, da habe ich meinen C64 + Zubehör in eine große Sporttasche gepackt und bin mit dem Bus zu einem Freund gefahren. Wir wollten unsere beiden Computer von Commodore vernetzen. Irgendwo hatten wir gelesen, das es möglich sein soll. Wir hatten keinen Erfolg, die Mühe war umsonst. Spaß hatten wir aber trotzdem.

    Jahre später habe ich meinen PC + Monitor in meinem Auto zu einem Freund gefahren. Auch dieser Freund hatte Zugang zu einem Partykeller. Wir haben Duke Nukem 3D, Diablo, Age of Empires und T.O.C.A. Race Driver gespielt. Es war eine schöne Zeit 🙂

    In meinem Landkreis veranstaltet ein Jugendtreff regelmäßig einen Spieleabend. Man trifft sich und spielt gemeinsam auf aktuellen Konsolen aktuelle Spiele. Immer wenn ich diese Ankündigung in unserem Veranstaltungsblatt lese, freue ich mich für die Teilnehmer. Genau wie ich früher, werden auch sie viel Spaß und Gemeinschaft an diesem Abend erleben.

    TobiSarah Bee
  4. Ich bekam meinen PC erst als Erwachsene aber ich kenne auch noch LAN Partys aber wesentlich moderner, da gabs GB und DSL und alles aber Pizza und Cola hatten wir auch, das gehört wohl einfach dazu egal in welcher Zeit. Ich finde den Artikel sehr sympathisch, hat mir Spaß gemacht den zu lesen, danke dafür!

    TobiSarah Bee
  5. Oh Patrick, wie viele Dinge aus Deinem Beitrag ich wieder erkenne! Windows (und DirectX natürlich!) regelmäßig neu installieren oder updaten, Unreal Tournament zocken bei Pizza und Cola … Die erste LAN-Party beim Schauen vom “WDR Computerclub / die lange Computerclub-Nacht aus dem Heinz-Nixdorf- Forum” durchführen ist ja wohl auch legendär.

    Ich habe haufenweise Fotos von vergangenen LAN-Parties in meinem Fotoarchiv. Ich weiß noch wie wir unsere 20-Zoll CRTs in das Dachgeschoss eines Freundes geschleppt haben und dann im Sommer bei ca. 30 Grad Celsius den ganzen Tag und Abend UT und Strike Force gezockt haben. Am Ende war die Bude so heiss, dass jeder von uns ein Handtuch um den Nacken hatte. Und den Schweiß aufzufangen 😉

    Vielen Dank von Herzen, dass Du uns mit Deinem Beitrag auf diese kleine Zeitreise mitgenommen hast.

    TobiSarah BeeKatrin
  6. Was für schöne, nostalgische Photos, lieber Patrick!
    Solche Partykeller gibt es heute gar nicht mehr, oder? Mit Bar?! Unsere Nachbarn hatten auch alle so einen. Da wurden früher immer Karnevalsparties veranstaltet. Echt klasse!
    Ich musste bei Deinem Kommentar mit “Monitore bestimmten die Anzahl der Mitspieler” leicht schmunzeln. Zu meinem 33. Geburtstag haben wir auch mit bis zu 15 Leuten eine LAN veranstaltet und einer kam nur so vorbei, weil er keinen Bock hatte seinen Monitor abzubauen und mitzuschleppen ^^. Wir haben früher einen ganzen Kofferraum vollstellen müssen und mehrere Male zum Auto hin und herlaufen, damit wir alles mitbekamen… Da passte noch nicht das ganze Equipment in einen simplen Wäschekorb. Aber nein, der Flatscreen war 2014 zu umständlich. 😛
    Der Rest hatte trotzdem sehr viel Spaß mit eben den Spielen, die Du aufgezählt hast, und Bomberman für kleine Pausen, falls jemand das Spiel noch installieren musste… 😉
    Danke Dir für diesen kleinen Anstoß, um sich an das alles wieder zu erinnern.

    TobiSarah BeePatrick DörnAndre
    1. Partykeller sind sowas von 70s finde ich 😉 Irgendwie so cool. Ein Refugium, ein heiliger Ort und ein Raum für besondere Momente. Fast wie ein Raum ohne Zeit. Ich kenne das von meinen Eltern und – obwohl ich es heute für mich nicht haben wollen würde – habe ich zeitlose Erinnerungen daran. Für LAN-Parties sind Partykeller wohl einer perfekter Ort. Die letzten LANs die ich mitgemacht habe, fanden meist im Wohnzimmer statt. Das ist nicht annähernd das gleiche Feeling.

      TobiSarah BeeKatrinPatrick Dörn
      1. Hallo André,

        den Partykeller gibt es heute noch und er ist tatsächlich noch fast unverändert. Es ist aber irgendwie die letzten Jahre außer Mode gekommen. Wir haben uns aber für diesen Sommer vorgenommen, den Partykeller wieder einsatzbereit zu machen und etwas zu modernisieren. Zumindest verfügt er mittlerweile über eine permanente Netzwerkverbindung und wir von Töchterchen und Freundin zum Spielen, TikTok-Schauen und Musik hören verwendet.

        TobiSarah Bee
    2. Hallo Katrin,

      das war auf für mich eine Zeitreise zurück. Durch die Idee von Andrè, ob ich nicht mal einen Artikel zu meinen neulich bei Twitter geposteten Fotos schreiben möchte bin ich wirklich nochmal in diese Zeit gereist und es sind viele schöne Erinnerungen wieder hervorgekommen, die man schon fast verdrängt hatte. Mir hat es auch großen Spaß gemacht, den Artikel für die Seite zu schreiben.

      Lieben Gruß
      Patrick

      TobiSarah BeeKatrin
      1. Hehe, danke fûr deinen Beitrag, Patrick 🙂
        Da kommen Erinnerungen hoch. Ich bin sehr spät auf den PC gekommen (Anfang des Jahrtausends und bin eigentlich auch schon wieder weg und hauptsächlich der Konsolero), aber das war eine schöne Zeit. Auch schon wieder 20 Jahre her, oops.
        Meine Kollegen sind damals fast jährlich in die berüchtigte Frühjahrs-LAN nach Dänemark abgedüst. Ich war dort familiär bedingt aber nur ein Mal mit dabei. Mit zehn, zwölf Leuten für eine Woche ein großes Haus gemietet, die Autos mit Technik und nicht immer jugendfreien Getränken vollgepackt (ok, etwas Essen war sogar auch dabei) und los ging’s. Geschlafen hat, wer müde war, der Rest hat Unreal Tournament, Quake 3 und die anderen üblichen Verdächtigen gespielt.
        Das Ganze hatte den Vorteil, dass man im Haus verteilt in Teams zusammensaß, man aber vor & nach den Matches zusammen etwas Gemeinschaftliches (Kochen, Pool, Strandspaziergänge) oder einfach nur Blödsinn gemacht hat. Der Tenor lag aber immer auf “zusammen”. Die Firma gibt es lange nicht mehr und wir sind in alle Winde verstreut.
        Zwischendrin war ich in einem Clan aktiv und wir haben uns deutschlandweit bei irgendjemandem für ein Wochenende eingenistet und dann hauptsächlich Battlefield 1942 und AvP2 gespielt. Das war auch ne dolle Zeit, aber auch hier haben Zeit und Privatleben uns auseinander getrieben. Daher bewahre ich diese Zeit fûr mich. Dein Beitrag hat mich wieder daran erinnert. Danke 🙂

        Sarah BeeAndre
        1. Mit allen gemeinsam nach Dänemark zu fahren, um dann in einem Haus das ganze Wochenende zu zocken hab ich mich dann doch nie getraut. Irgendwie wäre mir das zu “intensiv” gewesen. Das kann aber auch daran liegen, dass ich nicht gern mit vielen Menschen über eine längere Zeit “eingesperrt” bin. Vermutlich bin ich da zu freiheitsliebend.

          Wir haben dann später mit der PS3 wieder angefangen LANs zu machen. Das ging allerdings mit nur sehr wenigen Spielen. Meist wurde dann Call of Duty gespielt. Manchmal auch ein Autorennen, aber in der Regel CoD. Die Magie der damaligen “PC-Frickelei” hat das aber nicht mehr erreicht 😉

          TobiSarah Bee