Indies und ihre Suche nach dem heiligen Gral

Veröffentlicht in Kolumne
Mit Kommentaren von Dominik Hermann, André Eymann, Lenny, René

Ich liebe Indie-Games. Für mich muss es eben nicht immer Triple-A sein. Es gibt diverse kleine Titel, die mir die besten Videospiel-Erlebnisse meines Lebens beschert haben!

Natürlich konnte ein Red Dead Redemption oder ein Halo ebenso schöne Momente schaffen. Nur bei diesen Spielen erwarte ich einen gewissen Standard! Der Entwickler rührt ordentlich die Werbetrommel und will mir weismachen, dass ich das Spiel unbedingt haben muss. Für stolze 70 Euro verlange ich auch dementsprechend Content! Pures Entertainment, inklusive Plottwist, eine Gefühlsexplosion und Fassungslosigkeit nach dem Durchspielen sind dabei wünschenswert. Ich muss dir nicht erzählen, dass Triple-A-Titel keine Garantie dafür aussprechen und die Realität – oftmals Frust – anders aussieht.

Aber kommen wir doch zu meinen geliebten Indie-Games. Ich persönlich denke bei Indie-Entwicklern immer an den bekanntesten Archäologen der Filmgeschichte: Indiana Jones. Es kann kein Zufall sein, dass diese Assoziation in meinem Kopf entsteht. Denn auch die unabhängigen Entwickler bahnen sich ebenso abenteuerlustig wie frech ihren Weg durch den dichten Dschungel. Auf der Suche nach dem heiligen Gral trotzen sie den skrupellosen Raubtieren der Videospiel-Branche, die ihren Platz an der Spitze um jeden Preis verteidigen möchten. Am Ende der Reise stehen innovative Spielmechaniken, der ultimative Plot oder das nächste süchtig machende Party-Game.

Ich kann nur den Hut ziehen vor diesen Entwicklern! Teilweise programmiert eine Hand voll Leute wahre Schätze im Alleingang. Währenddessen klage ich bei meinem kürzlich erworbenen Vollpreistitel über Abstürze und Verbindungsabbrüche – uncool, liebe Entwickler, uncool!

Ich hätte nie gedacht, dass es meine Bestimmung ist, als Gans Angst und Schrecken in einem beschaulichen Örtchen zu verbreiten! Doch bei der ersten Präsentation von Untitled Goose Game wusste ich: House House – der Entwickler des Spiels – hatte mich schon beim “Quack!”

Das ist aber nur eines meiner Lieblingsbeispiele. Der Indie-Markt hat so viel skuriles und witziges zu bieten. Die großen Player der Videospiel-Branche müssen sich davon nicht bedroht fühlen – solange kein Battle Royale oder Lootboxen im Raum stehen. Im Gegenteil: Trotz der eher bescheidenen Attitüde, bekommen Indie-Studios immer mehr Beachtung und Support. Die Verkaufszahlen steigen und die größeren Studios nehmen die Indies in ihren Kreis auf. Stell dir mal vor wie episch ein Untitled Goose Game wäre, wenn es aus dem Hause UbiSoft oder Rockstar Games käme!

Ich rede hier natürlich nur von den gelungenen Titeln. Noch nie war die Möglichkeit ein Spiel zu entwickeln und es zu vertreiben so unkompliziert wie heute. Logisch, dass dadurch viel Mist in Umlauf kommt. Aber auch diesen Müll kann man verwerten. Mit dem riesigen Angebot von “unbrauchbaren” Spielen lässt sich sehr gut ein Trash-Format produzieren.

Und für die Perlen der Indie-Szene gilt: Liebe geht raus an euch!

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Kommentare11

  1. Ich stimme euch bei allem zu was hier gesagt/geschrieben wurde. Auch mich haben in letzter Zeit die kleinen Spiele begeistern könne, während mich die große Produktionen eher enttäuscht haben. Um aber mal eine andere Meinung einzubringen und vielleicht eine Diskussion anzuregen, möchte ich einwerfen, dass auf jedes GRIS, To the Moon, Brothers oder Hollow Knight auch ein Dutzend Spiele kommen im ewig gleichen Pixellook. Oder Spiele die das “neue” 2D-Dark-Souls sind. Eben weil es sich gut vermarkten lässt. Auch kleine Entwicklerteams sind ja nicht vor Markttrends gefeit. Soulslike Spiele gehen momentan immer, schnell noch einen Retro-Pixellook drübergehaue und schon hat man ein Mindestmaß an Verkauf garantiert. Ich will hier nicht werten, weder über Herangehensweise noch über Qualität. Das gehört nunmal auch zur Wahrheit dazu, wenn die Indies so gelobt werden. Am Ende geht es ums Geld verdienen und das du von deiner Arbeit leben kannst. Das Risiko ist am Ende das Gleiche. Egal ob AAA oder Indietitel.
    Und was ich mir eigentlich wünsche ist Innovation und tolle Ideen von kleinen Entwicklerteams aber mit der Inszenierung und den Schauwerten von AAA.

    Tobi
    1. Klar hast du recht Lenny. Natürlich gibt es auch bei den Indies “Normierungseffekte”. Wenn ich mir die ganzen Clash-Of-Irgendwas-Klone im App Store anschaue wird mir auch übel. Als ich aber hier über die Indies sprach und nachdachte ging es mir nicht um diese “Cash-Kühe”. Ich glaube ganz fest, dass es immer kleine Teams geben wird, die wirklich etwas Neues schaffen. Und das diese Bemühungen auch auf Leidenschaft und Innovationsgeist fussen. Spontanes Beispiel: “Northbound” https://playnorthbound.itch.io/northbound-2018. Das sind ein oder zwei Menschen, die ein kleines Spiel entwickeln und die mit diesem “Produkt” sicher nicht reich werden. Gleichwohl bereichern sie die Spielwelt mit ihrem Spiel und ihrer Idee.

      LennyTobi
      1. Wie gesagt, ich stimme euch in allem was ihr sagt zu und für mich sind Indies so ein bisschen die Rettung der Spieleindustrie, aber es ist ja auch langweilig, wenn unter einer Kolumne, die auch zum diskutieren anregen soll, alle dergleichen Meinung sind.

        Tobi
    2. Wo etwas zu holen ist, sind natürlich auch die Nutznießer am Start:P Deswegen erwähnte ich am Ende meiner Kolumne den ganzen “Müll”, der auf verschiedenen Plattformen vertrieben wird. Wo Licht ist, ist auch Schatten – was nur logisch ist. Da können wir als Nutzer nur entgegenwirken indem wir die die ganzen Klone ignorieren und den “richtigen” Leuten den Support schenken!

      LennyTobi
  2. Ich sehe die Indie-Spiele als letzte Hoffung für die Computerspiele. Wenn man mich fragt, welche Spiele mich in den letzten Jahren gefesselt und einen bleibenden (guten) Eindruck hinterlassen haben, dann waren die Mehrheit kleinere Indie-Titel. Spontan fällt mir “Rime” und “What remains of Edith Finch” und aktuell ‘Hob’ ein, die mich wirklich mal wieder überaschen konnten. Es sind auch immer die Indie-Spiele, die es schaffen Computerspiele und Kunst zusammenzubringen.
    Zwischendurch kann mich auch ein AAA-Titel positiv überaschen (‘Ghost of Tsushima’) aber meistens enttäuschen die großen mit immer fieseren Mitteln noch mehr Geld nach dem Kauf aus einem rauszuquetschen.

    Ich befürchte das die großen Publisher das irgendwann auch kaputt bekommen.

    KatrinLennyTobi
    1. Mir geht es ähnlich wie dir. Auch bei mir waren es in den letzten Jahren die “kleinen Spiele”, die mich am meisten berührt und bewegt haben. Einfach weil sie eine größere “Durchschlagkraft” haben und ich sowieso nicht die Zeit und Geduld für AAA-Titel habe. Ich denke allerdings nicht, dass die großen Publisher hier irgendetwas “kaputt bekommen”.

      Ist es nicht eh in der Kunstszene immer schon so gewesen, dass kleine und anarchische Projekte die “große Kunst” und den Kommerz gesteuert haben? Wo wäre die Kunst ohne radikale und grenzwertige Ideen? Alles kommt von “innen” und von “unten”. Der Kommerz ist aus meiner Sicht immer die letzte Stufe dieses Prozesses. Kunst als Radikalform wird aus meiner Sicht immer bleiben, weil sie eine Urkraft ist.

      KatrinLenny
      1. Sehe ich auch so. Neuartiges – unabhängig ob es aus der Kunstszene oder einem anderen Bereich kommt – wird grundsätzlich erstmal als etwas kritisches, ungewohntes oder radikales gesehen. Es mag sein, dass auch der Kommerz aus dem “Indie-Hype” Profit schlagen wird, aber solange es etablierte und große Entwickler gibt, wird es gleichzeitig auch kleine und unabhängige Gegenstücke geben, die mit ungewohnten Aspekten, dem Mainstream zuwider, auf sich aufmerksam machen werden! Ohne diese Symbiose gäbe es wahrscheinlich keine Innovation mehr und wir säßen in paar Jahren nur noch vor COD, Assassins Creed und Far Cry 38 😀 Das kommerzielle Pferd springt eben nur so hoch wie es muss.

        KatrinLenny
    2. Ich bin da wahrscheinlich noch der romantischen Ansicht, dass sich immer wieder eine kleine Gruppe künstlerischer Freigeister gegen das Establishment stellen wird 😛
      Ich stimme dir da total zu, dass dabei Kunst und Computerspiele zusammengebracht werden. Wie oft ertappe ich mich dabei, dass ich nur fasziniert bin von der Aufmachung eines Spiels! Ich könnte dann stundenlang nur dem Soundtrack lauschen und durch die Spielwelt laufen! Generell sollte den Videospielen ein größere kulturelle Bedeutung zugesprochen werden.

      KatrinTobiLenny
  3. Mich erinnern die Indie-Games von heute an die Vielfalt der Software in den 1980er Jahren. Damals – zu Zeiten der Heimcomputer – kamen viele kleinere Spiele in Umlauf. Teils über Kataloge (Mailorder), teils über Shareware oder auch über Listings (Abtippen von Programmcode). Im Ergebnis war die Welt der Spiele “bunt” und vielfältig und ebensowenig genormt, wie die Hardware auf denen die Spiele liefen. Alles war ein wenig radikal und anarchisch. Es ist eine wahre Freunde, dass man heutzutage Spiele dieser Art als “Indies” wieder entdecken kann und Plattformen wie itch.io die Zeiten von damals, zumindest ein wenig, wieder auferstehen lassen.

    LennyTobi
    1. Es ist schön zu wissen, dass die guten und bunten Dinge immer wieder zurückkehren:) Ein wenig “Chaos” ist eben doch gar nicht so verkehrt! 😛

      Lenny