Ist Red Dead Redemption 2 das beste Spiel aller Zeiten?

Kommentiert von André Eymann, Thomas, Dennis Andree, Tobi, Alex, Michael Dudenhöffer, Claudio, Sven Pieloth, Thilo Nemitz.
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Eine kühne Behauptung: “Red Dead Redemption 2 ist mit seiner unberechenbaren offenen Welt ein kleines Meisterwerk.” Trotzdem lief es mit uns beiden zuerst wie mit vielen anderen Spielen. Ich fing damit an, kam nicht richtig rein und legte es beiseite. Warum es mich später dennoch begeisterte, davon berichte ich in diesem Beitrag.

Der oft beschriebene und geflissentlich ignorierte „Pile of Shame“ besteht bei mir größtenteils aus solchen Spielen: Irgendwann spannend gefunden und angefangen, dann aber die erste Hürde der Akklimatisierung mit Steuerung, Gameplay und Story nicht geschafft. Ich gebe einfach zu schnell auf. Ich weiß das und es nervt mich, passiert aber trotzdem immer wieder. Armes Red Dead Redemption 2. 

Gekauft hatte ich mir das Spiel, weil ich generell Open World-Games gerne mag. Ich bin ein Casual Gamer, spiele gemütlich von der Couch aus. Vor allem aber kann ich mit dem Controller nicht gut umgehen. Insbesondere bei Shootern fällt das auf, weil ich nicht gut zielen kann und dann einfach auf alle Knöpfe drücke und hoffe, eine sinnvolle Kombo zu erwischen. So viel also zu den schlechten Voraussetzungen für Pistolen und Gewehre. 

Nicht aufgeben!

Einige Monate nach meinem misslungenen ersten Test machte ich einen neuen Versuch, mit dem Game warm zu werden. Es war Herbst, draußen stürmte es. Der perfekte Moment für ein Spiel mit Potenzial für über hundert Spielstunden. Ich steuerte also ein zweites Mal den von Pferden gezogenen Wagen durch die Anfangsszene, wild entschlossen, diesmal durchzuhalten. 

In den ersten Quests lernt man unter andrem, wie man Wild jagt. Was ist dabei wohl die Hauptaufgabe? Genau: zielen und schießen. Vom ersten Versuch wusste ich noch, dass der Teil schrecklich lange dauern würde, weil das zu erlegende Getier ständig davon läuft. Ich war also bereits genervt als es losging, hatte aber überraschenderweise das Tier ziemlich schnell erlegt und die Aufgabe bewältigt. Nanu, sollte ich mich beim ersten Versuch etwa dumm angestellt haben? Vom Heute aus betrachtet muss ich das leider bejahen, denn so schwer ist das nun wirklich nicht. Nach diesem kleinen Erfolgserlebnis gab es in unserer Spiel-Spieler-Beziehung nur noch eine Richtung: bergauf. 

Zur Story

Bald schon fiel mir auf, wie gut die Story geschrieben ist. Am Controller oder an der Tastatur durchlebt man einen Teil der Lebensgeschichte von Arthur Morgan, dem Hauptcharakter. Arthur gehört einer Gruppe von Outlaws an, also Menschen, die sich der zunehmenden Industrialisierung im Land widersetzen. Um sie herum freuen sich die Menschen in Ortschaften und Städten über aktuelle Entwicklungen im Bereich der Elektrizität und Motorisierung. Währenddessen leben die Outlaws lieber traditionell in Zelten und Planwagen. Sie finanzieren dieses Leben durch gelegentliche Raubzüge und haben daher immer die Polizei auf den Fersen, weshalb sie ab und an auch umziehen müssen. 

Wir spielen also je nach Sichtweise einen „Bösen“, allerdings einen, der „im Herzen gut“ ist. Und so sitzen bei wichtigen Entscheidungen das berühmte Engelchen und Teufelchen-Paar oft genug auf den Schultern sowohl der Person vor dem Bildschirm, als auch der Person darin. Ich wähle in diesen Situationen meist die „gute“ Option – ein Verhalten, das vom Game auch eine Reaktion hervorruft, dazu später mehr.

Die ersten 20 Spielminuten

“Ich hab nur mein Sommerjäckchen dabei…?”

Das Spiel verlangt ganz lebensnahe, alltägliche Dinge. Arthur muss regelmäßig und ausgewogen essen, darf auch nicht zu kalt oder zu warm angezogen sein. Es gilt also, seine Vitalwerte im Blick zu behalten. Diese Spielmechaniken legten mir anfangs ein paar Steine in den Weg. Einmal ritt ich einfach nur einen langen Weg bergauf in ein Schneegebiet und erfreute mich am Spieldesign: Zunehmende Kälte wurde über kühlere Farben, weniger Vegetation und am Ende auch richtig dicken Schnee vermittelt. Die Freude fand ein jähes Ende als mir klar wurde, dass Arthur zu kalt angezogen war. Wärmere Klamotten hatte ich keine eingepackt. Er verlor deswegen an Gesundheit, lange würde das also nicht gutgehen. Darum hieß es umkehren, ich musste ihn besser ausrüsten. 

Ich habe bisher kein Spiel erlebt, das so auf das Mitdenken von mir als Spieler achtete. Es war mein Fehler, die Winterjacke im Camp gelassen zu haben, also konnte ich den Ritt in die Winterwelt abschreiben. Echt fühlt sich auch die Interaktion mit Menschen in der Spielwelt an: Sie erinnern sich nämlich an das bisherige Verhalten von Arthur Morgan und reagieren entsprechend. Hier kommt es also darauf an, ob ich mich zuvor für die gute oder die böse Verhaltensoption entschieden habe.  

Das klingt auf den ersten Blick anstrengend, aber die Mechaniken sind so fein ins Spielerlebnis eingewoben, dass sie auf der Nervigkeitsskala nie die Schwelle überschritten, bei der ich das Spiel abgeschaltet hätte. Stattdessen sorgten sie bei mir für ein Maß an Immersion, das ich von anderen Spielen bislang nicht kannte. Manchmal spielte ich nicht Arthur Morgan, ich war Arthur Morgan – und freute mich oder litt wie er. 

“Hey, ich brauche deine Hilfe.”

Anders als man es vielleicht von Spielen wie der Assassins Creed-Reihe kennt, läuft Arthur nicht Tag und Nacht von Auftrag zu Auftrag oder immer zum nächsten Fragezeichen auf der Karte. Nein, er muss sich morgens nach dem Aufstehen erst einmal rasieren, wenn er im nächsten Dorf nicht schief angeschaut werden will. Anschließend sollte er im Camp ein wenig helfen. Es gilt, Strohballen zu den Pferden tragen oder Wasser für Tiere und Menschen nachzufüllen. Alle Gangmitglieder sind für die Gruppe verantwortlich und tragen ihren Teil zum Gelingen bei. So kam es, dass ich manchmal nach Körperpflege, Holzhacken und dem Aufstocken der Munitions- und Gesundheitsvorräte erst gegen Mittag anfing, mich zu fragen, was Arthur denn mit den neuen Tag wohl anfangen könne. 

Nicht selten wurde diese Überlegung von einem der Gangmitglieder unterbrochen, das mit einer kleinen Bitte oder Frage an mich herantrat. Die Sonderaufgaben fühlen sich erfreulicherweise gar nicht so an, sind aber rein von der Spielarchitektur her natürlich Sidequests. Ob man sie jetzt, später oder vielleicht auch gar nicht erfüllt, bleibt einem selbst überlassen. Alternativ kann man auch einfach die Umgebung beobachten. 

Eine Ranch mit Pferdekoppel, der Spieler lehnt entspannt am Zaun und schaut auf das Anwesen. Im Hintergrund Wald.
Kleine Pause von der harten Arbeit auf der Ranch

Alles hat Grenzen

Okay. Natürlich gibt es auch in Red Dead Redemption 2 Aufgaben à la “hol mir dies, besorg mir das”. Vielleicht lässt sich das nicht vermeiden, ich weiß es nicht. Es hat mich jedenfalls nicht so sehr gestört wie in anderen Open World-Games. Vielleicht liegt das daran, dass ich mir nie sicher sein konnte: Ist das wirklich eins der typisch-mittelmäßigen Fetch-Quests oder unterbricht das Spiel mich vielleicht mittendrin und bringt Abwechslung in den trägen Job? Oder hat diese Nebenaufgabe eine kreative oder witzige Story? (Looking at you, Zirkusdirektor.)

Das Spiel ist mitunter unberechenbar und das macht es aufregend. Ich konnte mir nie sicher sein, beim Ritt von A nach B nicht überfallen zu werden. Den Controller beim automatischen Reiten wegzulegen und sich ein Glas Wasser zu holen, ist also keine gute Idee. Abgesehen davon verpasst man dann vielleicht sogar ein zufälliges Event am Straßenrand. Dabei muss es nicht nur der Typ sein, der sich ständig von Schlangen beißen lässt und gerettet werden muss.

“Habt ihr ohne mich angefangen?”

Neben Charakteren ist nämlich auch die Spielwelt überraschend selbstständig. Ich hatte ja schon von Assassins Creed gesprochen: Dort werden NPCs auch schon mal von wilden Tieren angegriffen, diskutieren miteinander oder gehen einer Arbeit nach. Das ist zwar meist ganz lustig anzuschauen, die gespeicherte Bewegungsabfolge der Charaktere oder die Logik, die da vorgespielt wird, wird aber schnell sichtbar.

Nicht so bei Red Dead Redemption 2. Da haben NPCs manchmal vollständige Tagesabläufe, in die man durch das eigene Verhalten eingreifen kann oder eben auch nicht. Sogar wenn man sich „nicht verhält“ und einfach nur herum steht, reagieren die Menschen in Kleinstädten mitunter darauf und sprechen Arthur an. Kommt er jemandem ohne Grund zu nah, fängt er sich auch schon mal eine. 

Selbst die Tierwelt scheint ein völlig eigenes Leben zu führen, unabhängig von Arthurs Anwesenheit. Es gilt beispielsweise ab und zu, legendäre Tiere zu jagen. Wenn man Pech hat, sind diese schlicht und ergreifend gerade nicht da und man muss später wieder kommen. Sie haben wohl besseres zu tun, als auf den Jäger zu warten, der sie erlegen will – verständlich. 

Fazit

Es war die Immersion, die Red Dead Redemption 2 zu einem meiner Lieblingsspiele gemacht hat. Arthur Morgan lebt sein eigenes kleines Leben in einer scheinbar völlig selbstständigen Spielwelt. Sie richtet sich nicht nach ihm, sondern er muss seinen Weg in ihr finden. Und eckt dabei auch manchmal an. Wie im wirklichen Leben eben!  

Ich kann mir mühelos vorstellen, dass das Leben in Valentine, Strawberry, Rhodes und all den anderen Städtchen weiter existiert, während die Konsole ausgeschaltet ist. 

Wie seht ihr das? Fanboye ich zu sehr oder wart ihr beim Spielen auch so glücklich, als Arthur seinen Kumpel Hamish (Achtung, Spoiler) besuchte und die beiden angeln waren?

KentMichaelAndré EymannTobiSven PielothThilo Nemitz

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Kommentare19

  1. Kurz gesagt: JA! Für mich ganz persönlich ist RDR2 tatsächlich das beste Spiel aller Zeiten. Ich kann mir auch tatsächlich aktuell nicht vorstellen, dass sich das in nächster Zeit ändert. Ich habe ca. 500 Stunden in diesem grandiosen Meisterwerk verbracht (wohlgemerkt ausschließlich im Storymode, nicht eine Sekunde online). Ich hab die Story mehrfach durch, und sie hat mir mehrfach das Herz gebrochen. Das hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass ich unbewusst ein leises „Hallo alter Freund“ murmele, wenn das Intro läuft und Arthur Morgan das erste Mal zu sehen ist.

    Meine Liebe zu diesem Spiel ist ungebrochen, und ich hoffe inständig, dass ich in meinem Leben als Gamer noch ein einziges Mal ein Spiel bekomme, das dem auch nur nahe kommt.

    Danke für diese tolle Würdigung eines Spiels, das mir ungeheuer viel bedeutet.

    ThomasTobiAndré Eymann
    1. Meine Güte, Dennis, fünfhundert (in Worten: fünfhundert!) Stunden? Das sind fast drei Wochen ununterbrochen Spielens. Beeindruckend. Sicherlich erlebst du mittlerweile auch schon diesen amüsanten Effekt, dass du in der wirklichen Welt plötzlich so reagierst wie du es im Spiel tun würdest. Ein Beispiel: Nach intensiver “Arbeit” in Just Cause 3 wollte ich beim Spazieren im real life oft mal reflexartig den Enterhaken zum Erklimmen der Häuser im Dorf nutzen.

      Ich kann deine Begeisterung natürlich total nachvollziehen. Die Welt ist scheinbar nie zu Ende erlebt und entdeckt. Etwas, das Spiele wie Just Cause 3 nicht annähernd bieten können.

      Tobi
  2. Vielen Dank Thomas, für deinen schönen Beitrag und die Würdigung dieses Spiels. Ich habe ehrlich gesagt bisher gar nicht so viel darüber gelesen (Aufklärung folgt) und bin erstaunt über diese scheinbar grandiose, wirklich schön anzuschauende und immersive Spielwelt. Die Bartsache z.B. ist schon ein Ding. Auch wenn es zugegeben sehr reizvoll erscheint, diesen Titel mal (und vor allem längerfristig) zu spielen, scheint es mir in meinem Fall utopisch, da auch nur einen Gedanken dran zu verlieren. Klar, ich könnte auf einige kleinere Titel verzichten und meine knappe Freizeit nur noch RDR2 widmen, würde aber – trotz dieser Spielerfahrung – einiges andere an Spielen verpassen. Das ist mein Drama mit so großen Spielen. Irgendwo zwischen Familie, Job und anderen Interessen (bitte was?) muss das noch reinpassen. Aus diesem Grund hatte ich damals auch schon den Vorgänger auf der 360 nach etwas Eingewöhnung links liegen lassen, der liegt noch immer in der Schublade und schläft. Schwer vorstellbar, wie die Spielfigur heute aussehen würde, hätte es dort schon die “Verwahrlosung” gegeben ^^
    Ich fürchte sogar, dass das Spiel bei so vielen Details, auf die ich achten müsste (hab ich die richtigen Klamotten dabei? Was sagt mein Äußeres?), für mich persönlich im Stress enden könnte. Realistisch, hin oder her. Ich möchte als Ausgleich zum Alltag spielen und genau auf so etwas nicht achten müssen. Als SF Fan mag ich da besonders Spiele, in denen Unglaubliches möglich ist, gerne auch fernab von dieser Welt. Das soll aber absolut keine Kritik sein, weder an einem Western Spiel, noch an deinem Beitrag. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass dich und viele andere dieses Spiel so sehr in seinen Bann zieht. Nochmals vielen Dank für deinen spannenden, super geschriebenen Beitrag, ich freue mich auf mehr von dir!

    ThomasMichaelAndré Eymann
    1. Hallo Tobi, es freut mich, dass dir der Text gefällt. Mit dem Zeitproblem bei großen Spielwelten bist du nicht alleine: In gefühlt jedem dritten Podcast oder Artikel über offene Spielwelten jedes Spielemagazins wird das als negativer Punkt genannt. Mir scheint, das ist wirklich ein zweischneidiges Schwert. Denn eine große Spielwelt kann die Spielenden auf der einen Seite lange beschäftigen und dem Publisher je nach Art der Monetarisierung auch länger Geld einbringen. Auf der anderen Seite verprellen gerade solche gigantischen Spiele Leute wie dich: Diejenigen, die sich an manchen Abenden im Monat für eine oder zwei Stunden hinsetzen und einfach ein bisschen daddeln wollen. Mit dieser Herangehensweise dauert aber allein der Epilog schon ein Jahr (okay, vielleicht nicht ganz 😉

      Was das mit den Details zur Klamottenwahl, dem Rasieren, dem regelmäßigen Essen und so weiter angeht: Diese Mechaniken fallen wirklich weniger schwer ins Gewicht, als es klingt. Mich hatte genau das anfangs auch abgeschreckt und ich war zu Beginn richtig nervös deswegen – aber das ist nicht nötig. Das Problem mit den falschen Klamotten war eher lustig als doof. Dann kehrt man halt um und schaut, was (buchstäblich) am Wegesrand so auf Arthur wartet. Ich wurde nämlich von einer Hochstaplerin erwartet, die mich zusammen mit ihrem Kumpel ausrauben wollte. Genug Knarren hatte ich aber dabei…

      Tobi
  3. Das beste Spiel aller Zeiten ist RDR2 nicht aber es steckt viel Spaß&Spannung drin. Ich bin ein großer Fan vom ersten Teil und darum habe ich mir den 2. Teil natürlich auch gekauft. Wenn ich das Tutorial überstanden habe, breitet sich vor mir eine weite Welt voller Geschichten und Abenteuer aus. Am Anfang nerven einige Dinge aber wenn ich wieder im Spiel drin bin sind diese Dinge vergessen. Weil ich zu dumm bin mir die Steuerung zu merken, erschiesse ich zum Beispiel regelmässig beim erneuten Spieleinstieg mein Pferd. Ist halt so und passiert mir dann nie wieder.
    Es gibt so viel in der Welt von RDR2 zu entdecken und mir genügt es schon oft durch die Wälder&Berge zu reiten und Pflanzen zu sammeln. Das ist wie ein kleiner Urlaub. Aus diesem Grund komme ich auch nicht richtig vorwärts. Ich bin weit, weit entfernt das Spiel zu beenden. Immer halte ich mich an kleinen Nebenaufgaben auf oder helfe den Mitgliedern meiner Bande im Camp den Alltag zu meistern.
    Man muss schon etwas mit dieser Wilder-Westen-Romantik anfangen können, sonst wird man nicht viel Spaß an diesem Spiel haben.

    TobiThomasAndré EymannMichael
    1. Es klingt so, als wäre unser “Spielstil” ziemlich ähnlich Alex. Ich “verliere” mich in Open World Spielen ebenfalls immer in Details. “Aber hey: ist doch egal. Hauptsache man hat Freude”, sage ich mir dann immer. Ich werde mich sicher hier noch einmal melden, wenn ich den ersten Teil ein wenig gespielt habe. Das steht nämlich noch aus.

      TobiMichael
      1. Ich bin da so eine Art Spaziergänger im Videospiel. Das ist manchmal mein Weg die Gedanken über den Alltag in den Hintergrund zu schieben. Eigentlich spiele ich so jedes Open-World-Spiel.

        TobiMichael
    2. Das geht mir oft auch so. Aktuell spiele ich Assassins Creed Odyssey ein zweites Mal und es gibt Tage, da will ich keine Neben- und schon gar keine Hauptquests erledigen. Dann stromere ich einfach durch die Welt, schaue nach, was die Fragezeichen bedeuten und spiele allenfalls eine der “vergessenen Geschichten“. Bei RDR2 kann man aber noch viel besser durchs Land ziehen und sich einfach treiben lassen. Die Welt bietet viel mehr an, es gibt auch einfach immer etwas zu tun.

      TobiMichael
  4. Ha, sehr cool, gerade vor ein paar Tagen hatte ich den wundervollen Beitrag hier von Sven Pieloth kommentiert und dabei gesagt, dass ich auch noch zwei Spiele in meiner Schublade habe, die darauf warten bespielt zu werden. Nun rate mal, lieber Thomas, welches eines davon ist ;). Dank deines tollen Beitrags freu’ ich mich jetzt erst recht darauf. Gekauft hatte ich mir das Spiel, weil ich gelesen hatte, dass dem Cowboy der Bart in Echtzeit wächst 😉

    ThomasTobi
    1. Hey Michael, schön, dass du nochmal Lust auf das Spiel bekommen hast! Ja, der Bart wächst, und wenn man da nichts gegen macht, sieht Arthur bald aus wie ein Waldschrat. Rasieren kann er sich selbst, aber für die Haare muss er zum Frisör.

      Diese ganzen Mechaniken haben mich anfangs wirklich abgeschreckt. Das angesprochene Klamottenproblem gibt es, aber er muss ja auch ausreichend und vor allem abwechslungsreich essen. Meine Güte, dachte ich, man ist am Ende nur mit der Selbstorganisation beschäftigt. Aber so schlimm ist es dann natürlich nicht und irgendwann kam ich mit Arthur in einen Tagesrhythmus, so wie ich ihn im wirklichen Leben auch habe. Zack – perfekte Immersion. Viel Spaß bei dem Spiel!

      TobiMichael
  5. Ich mag die Art wie ehrlich, offen und persönlich Du mit Deine Beziehungen zum Spiel umgehst. Oft hat man ja im Internet das Gefühl, dass alle jedes Spiel durchspielen und dabei 100% aller Ziele erreichen. Mir macht so etwas immer ein wenig „Angst“ und dann traue ich mich schon allein deshalb an das ein oder andere Meisterwerk nicht heran.

    Bisher habe ich RDR nur im Multiplayer (PS3, 2010) gespielt und bereits da hat es mich sehr angesprochen. Den Storymodus habe ich tatsächlich bis heute nie ausprobiert. Dein Beitrag aber rüttelt mich in diesem Punkt wach. Ich sollte es nachholen.

    Deinen Satz „Ich habe bisher kein Spiel erlebt, das so auf das Mitdenken von mir als Spieler achtete.“ finde ich äußerst spannend, denn ich liebe es in Spielen zu „versinken“. Immersion und „echte Videospielwelten“ haben mich schon immer interessiert.

    Im Fazit finde ich keineswegs, dass Du zu sehr fanboyst. So wie Du RDR2 beschrieben hast, hat Dir das Spiel viel gegeben und Deine Beziehung zum Spiel ist alles was zählt.

    Deine Worte …

    Ich kann mir mühelos vorstellen, dass das Leben in Valentine, Strawberry, Rhodes und all den anderen Städtchen weiter existiert, während die Konsole ausgeschaltet ist. 

    … sind einfach nur großartig. Was mehr kann ein Videospiel erreichen?

    Danke für Deinen wundervollen Beitrag!

    Ich glaube ich gehe mal den Sattel ölen…

    ThomasTobiMichael
    1. Danke, André, es freut mich, dass dir der Artikel gefällt. Vielleicht kam darin auch rüber, wie sehr ich zuerst mit dem Spiel gefremdelt habe. Dass es dann zu meinem Lieblingsspiel werden würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Denn ich war davon ausgegangen, dass es mit Spielen wie mit Beziehungen zu Menschen ist: Der erste Eindruck ist oft der richtige. Aber hier traf das bei mir einfach mal überhaupt nicht zu.

      Vor vielen Jahren habe ich mit einem Freund “Heavy Rain” gespielt. SPOILER: Darin steht man irgendwann vor der Wahl, sich selbst einen Finger abzuhacken. Der Effekt ist grausam umgesetzt: Man kann sich erst betrinken, das ganze Bild wird dabei schwummrig, und dann hält man den Controller hochkant und muss ihn mehrfach “hackend” nach unten bewegen. Mein Freund und ich krümmten uns auf dem Sofa. Das war mein erstes immersives Spielerlebnis.

      In Red Dead Redemption 2 habe ich dieses Level an Immersion fast die ganze Zeit erlebt (wenn auch weniger eklig, zum Glück, das wäre ja nicht auszuhalten). Und da das Leben als Cowboy-Outlaw nicht immer rosig verläuft, hat mich das ein paar Mal richtig mitgenommen, und ich war jedes Mal begeistert.

      Darum: Eindeutige Spielempfehlung 🙂

      TobiMichael
  6. Danke für deinen Beitrag! Ich würde mich getrost als einen der größten RDR2 (&1) Fans beschreiben. Nicht selten schwärme ich beim Spielen anderer Open-World Titel von den Geschichten, Emotionen und denkwürdigen Momenten, die mir RDR2 bereitet hat. Ich habe es bereits 2x durchgespielt und wirklich jeden Winkel erkundet, jedes Rätsel gelöst und allen Dialogen gelauscht.
    Es war und ist mir immer wieder eine Freude darüber nachzudenken und postwendend die Lust zu verspüren meine Freizeit in dafür zu “opfern” noch einmal abzutauchen, in diese Welt voller Unsicherheiten, Missgunst und (noch) unberührter Natur.

    Für mich das beste Spiel aller Zeiten – zumindest bis jetzt!

    TobiMichaelAndré EymannThomas
    1. Oh ja, das geht mir auch so: Wenn irgendwo eine Besprechung irgendwelcher Spiele stattfindet und es geht um Story, die offene Welt, Erlebnisse im Spiel oder Immersion, warte ich gespannt darauf, dass auf Platz 1 natürlich RDR2 zu finden sein wird. Weil, come on, besser geht es ja nicht. (Klares Fanboy-Denken, ist mir klar.)

      Ich freue mich auch schon auf den nächsten RDR2-Durchgang. Ein bisschen warte ich noch, um einen guten Abstand zum Spiel zu bekommen. Aber ich denke, an einem trüben Herbstabend ist es soweit. Wobei ich auf Reddit mitbekommen habe, dass ein zweiter Spieldurchgang abgesehen von der Hauptstory völlig unterschiedlich zum ersten sein kann, weil all die optionalen Sidequests und -stories so zahlreich sind, dass man beim ersten sowieso viele übersehen hat. Es gibt beispielsweise einen unsichtbaren Zug, den man nur zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten finden kann…

      ClaudioTobiMichaelAndré Eymann
  7. Vorab: Dank deines Beitrages, habe ich mir soeben RDR2 (erneut) bestellt. 😀

    Bei mir ging es mit diesem Spiel genauso los wie bei dir. Ich war enttäuscht. Ich kam nicht klar.
    Nur bin ich dann so rigoros, dass ich die Spiele verkaufe die mir nicht gefallen.

    Jedoch hat mir dein Beitrag eine andere Sichtweise auf RDR2 gegeben und ich bekam sofort Lust darauf.
    Deswegen vielen Dank für deinen Beitrag. Ich bin gespannt ob es die Liebe auf den zweiten Blick wird.

    TobiMichaelAndré EymannThomas
    1. Ha, super, dass du dir das Spiel nochmal bestellt hast. Und lustig, dass wir offenbar einen ganz ähnlichen Start ins Spiel hatten. Mich wundert es, wie schwer Rockstar Games neuen Spielenden den Einstieg macht, aber ich bewundere diese Entscheidung auch auf eine gewisse Weise. Sie passt zum Spiel.

      Hoffentlich wirst du Spaß beim zweiten Anlauf haben. Wenn du so funktionierst wie ich, lautet mein Rat: Irgendwann kommt diese Schwelle, bei der du das Spiel das erste Mal weggelegt hast. Es ist Arbeit, über diese Schwelle hinweg zu spielen, aber dahinter wartet wahrlich ein Schlaraffenland.

      TobiMichaelAndré Eymann
  8. Oh, wow, danke für diesen Eindruck! Jetzt habe ich total Bock auf das Game bekommen. Leider erlauben mir Job(s), Familie etc., sprich das “Real Life-Open World Game” atm keine anderen Open World Games. Witcher 3 rottet immer noch halb gespielt auf meiner Festplatte vor sich hin. Eine Schande… Aber eigentlich reizt mich dieses Lone Hero-Cowboy-Ding schon sehr…

    VG!

    TobiMichaelAndré EymannThomas
    1. Danke! Es freut mich, dass du Lust drauf bekommen hast. Vielleicht passt es zeitlich ja irgendwann einmal. Das Spiel nur für diesen schrecklichen “pile of shame” zu kaufen, lohnt sich ja nun wirklich nicht.

      TobiMichaelAndré Eymann