Mein großes Universum


Kommentiert von: André Eymann, Thorsten Weiskopf, Michael, Tobi, Liam.
Lesedauer: 4 Minuten

Wie Filme prägen

Star Wars, WarGames, Kampfstern Galactica, Blade Runner, Robocop, E.T. – Der Außerirdische, Terminator… das waren die für mich prägenden Filme meiner Jugend. Ok, Dirty Dancing muss ich auch dazu zählen, wobei ich die Wassermelone nicht getragen, sondern anscheinend verschluckt habe… aber das gehört hier nicht hin.

Das Leben drehte sich damals um die Dinge, die einem wichtig erschienen. Heute haben sich die Prioritäten natürlich verschoben. Der Spruch „Früher war alles besser“ stimmt in vielerlei Hinsicht, denn früher war man ja Kind. Und als Kind ist alles besser.

Der Kühlschrank ist voll, man zahlt keine Miete, es gibt Schnittchen wenn Freunde zu Besuch kommen und das Essen stand immer auf dem Tisch, wenn man um 18 Uhr vom Spielen wieder da sein musste.

Natürlich kann ich hier nur aus meinen eigenen Erfahrungsschätzen berichten, was ich auch gerne tue, denn es ist mir ein Bedürfnis, dies zu teilen (hier ist Platz für ein Smiley Ihrer Wahl).

Alles ist möglich

Meine Mutter sagte einmal: „Du hast eine blühende Fantasie“. Das stimmt. Somit war es für mich die Kombination aus Film, Videopiel und Fantasie, die mein Universum größer gemacht hat.

In der Musik heißt es: „Die Noten sind nur ein Vorschlag des Komponisten“. Beim Film scheint das ähnlich anzumuten, denn ein Regisseur gestaltet den Film nach seinen Wünschen und Möglichkeiten. Das Drehbuch ist die Vorlage. Die Schauspieler und die Kulisse tragen dazu bei, alles in seinem Sinne zu zeigen. Daran kann ich als Zuschauer gar nichts ändern. Ich kann den Film nur so nehmen wie er ist und ihn dann auf meine Weise interpretieren.

Als in den Filmen der 1980er-Jahre der Filmtrick dazu kam (stimmt nicht ganz, aber stimmt für mich), gab es plötzlich Raumschiffe, Laserstrahlen, Computertechnik, Roboter, Außerirdische und vieles mehr – alles war möglich.

Für meine Kinderaugen war das absolut faszinierend. Ich war (frei nach „Flash Gordon“) geflashed. Nie hatte ich so etwas gesehen, geschweige denn aus Büchern heraus selbst interpretiert (der Räuber Hotzenplotz gab in dieser Hinsicht auch nicht so viel her). Die Welt war seitdem eine Andere für mich.

Dazu kam, das ich 1982 meinen ersten Heimcomputer als Bausatz bekam (einen Sinclair ZX81), den ich dann auch fleißig gelötet, programmiert und dabei viel gelernt habe. Eine Offenbarung.

1983 kam der Commodore 64 dazu. Und dann wurde leider nicht mehr programmiert, sondern nur noch gedaddelt. Der ZX81 kam auf den Dachboden und wurde dort erst 1999 wieder entdeckt – seitdem programmiere ich wieder (juchu).

Wo ist denn nun der Hai?!

Die Kombination von Film, Computer und Fantasie ist es also, was einen jungen Geist beflügelt. Darth Vader war nicht einfach nur Darth Vader. Er wurde zu einer Gestalt mit weitaus größerer Reichweite. Ebenso „die Macht“ an sich.

Was haben wir nicht alles versucht?! Türen zuschlagen, die Stereoanlage anzuschalten, Steine hochwerfen und versuchen, diese über unseren Köpfen in der Luft schweben zu lassen, Mutter dazu zu bewegen, uns sofort Spaghetti zu kochen… alles ohne Erfolg.

Dennoch glaubten wir weiterhin an die Existenz der Macht (und tun es heute noch, denn die Hoffnung stirbt nie). Wir bauten uns Raumschiffe aus Gips und bemalten diese selbst. Das Universum wurde größer für uns. Ist das heute auch noch so? Selbst Obi-Wan-Kenobi hat damals gesagt: „Du hast den ersten Schritt in eine größere Welt getan“. Daran sollten wir glauben!

Viele der Jugendlichen können wahrscheinlich nicht mehr nachvollziehen, was ich damals gefühlt habe. Mein Sohn (heute 21 Jahre) fragte als wir den Film „Der Weiße Hai“ schauten nach etwa 15 Minuten: „Wo ist denn nun der Hai?!“.

Im ersten Teil von „Jurassic Park“ gab es 15 Minuten Dinosaurier-Action. Im neusten Teil sind 15 Minuten mal keine Dinos zu sehen. Vieles hat sich geändert. Andererseits kann ich das Gefühl der Kinder heute ebenfalls nicht so nachvollziehen – die Zeit ist einfach eine Andere. Pokemon ist komplett an mir vorbeigegangen. WoW (World of Warcraft) habe ich nie gespielt.

Ich frage mich, welche Filme die Jugendlichen von heute so prägen? Damals war das Fernsehen mit seinen drei Programmen kaum der Rede wert (nicht, das es uns nicht geprägt hat), aber die Zahl der heutigen Sender, die Filme und Serien, sind schier unüberschaubar. Und ebenso die Anzahl der Videospiele. Unglaublich, was es heute alles so gibt. Diese Vielfalt hatten wir nicht.

Frage ich meine Freunde von damals, welche Filme und Spiele sie geprägt haben, kommt oft eine fast identische Antwort, zumindest mit 80 Prozent Übereinstimmung. Bei den Kindern heute wäre ich mir da nicht so sicher.

Aber irgendwas prägt immer. Als wir im Wald „Krieg“ gespielt haben, war das für uns ein Spiel wie jedes Andere. Das ist wohl auch heute noch so. Niemand von uns hat den Krieg wirklich erlebt (gottseidank).

Der Wunsch nach Fantasie

Wenn man einigen Studien glauben darf, tragen Filme und Videospiele (und Spiele im Allgemeinen) dazu bei, die Entwicklungsphase sogar positiv zu beeinflussen und das viele Filme bei Jugendlichen Aggressionen und Angstneigungen eher reduziert und eine Kompromissneigung in Konfliktsituationen sogar gefördert wird.

Hinzu kommt eine Flexibilisierung bei der Geschlechterrollen-Interpretation. Nicht umsonst gibt es eine Stelle, die Filme auf das Alter prüft (die FSK – Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH in Wiesbaden). Dies gilt auch für Videospiele. Und über eine „Killerspieldebatte“ sollten wir inzwischen hinweg sein.

Ich erinnere mich noch gerne an eine Sondersendung mit „Arabella Kiesbauer“ nach dem Amoklauf in Winnenden, wo sie eine heftige Debatte über den „schlechten“ Einfluss von Filmen und Spielen auf Jugendliche führte – und zum Ende der Sendung sagte: „Und nun zeigen wir den verschobenen Spielfilm ´Stirb Langsam Teil 2´“… nun denn, soviel zum Thema Privatfernsehen.

Für mich war damals ATARI ein großes Thema, und ist es auch heute noch. Erst gestern habe ich zwei Stunden auf meiner VCS-Konsole (die mit den sechs Schaltern natürlich) gespielt. Irgendwie lässt mich die alte Zeit nicht los. Auch Star Wars und die anderen alten Filme aus den 80ern schaue ich ab und zu, wenn nicht sogar regelmäßig.

Vielleicht ist das, und das geht eventuell vielen auch so, der Wunsch nach der alten Fantasie, die wir uns in vielen Teilen des heutigen Lebens wünschen?!

Die alten Filme und Games helfen uns dabei.

Thorsten WeiskopfAndré EymannLiamTobi

6 Kommentare

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  1. Hi Jens,

    wow, sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich finde mich zu einhundert Prozent wieder in deinem Text. Auch heute noch suche ich Filme und Spiele, die einem eben nicht alles erklären und einen eben nicht alles mehrmals bildgewaltig inszeniert unter die Nase reiben, was eine Geschichte zu erzählen vermag.

    Und es gibt sie noch immer, solche Videospiele oder Filme die Raum für mehr schaffen. Von Büchern und Musik ganz zu schweigen. Manchmal muss man sie nur finden und dann kommt die Phantasie auch heute noch von ganz allein bei Groß und Klein. Wenn wir uns nur den richtigen Raum dafür schaffen.

    Danke für den Denkanstoß.
    Gruß Thorsten

    André EymannTobi
  2. Hach wie schön, lieber Jens! Ich erinnere mich gerne an die Zeit, als ich mich nach der Schule auf die Couch “geschmissen” habe um im TV “Ein Colt für alle Fälle” oder “Trio mit vier Fäusten” zu gucken oder eine der anderen Serien, die eben damals im Nachmittagsprogramm so liefen. Das kam mir so spontan beim Lesen deiner schönen Geschichte in den Sinn.

    TobiAndré Eymann
  3. Danke für deinen Beitrag, Jens! Du hast den Zeitgeist unserer Kindheit unglaublich toll für mich eingefangen, auch dafür ein herzliches Danke. Ich bin froh über diese Zeit. So vieles war neu und in Aufbruchstimmung, neue Technik, neue Ideen waren überall präsent. Auch ich bin mit dieser Magie groß geworden, saß staunend vor dem TV der Großeltern (Kabelfernsehen!) oder unserem CPC. Abseits der Spiele und Filme wurden Geschichten nachgespielt, Welten im Kopf gebaut, vielleicht parallel dazu der Unterschlupf im Wald. So vieles war damals neu, besonders. Das mag am Alter liegen, denn heute juckt mich vieles in der neuen Technik gar nicht mehr so. Ich glaube, dass die Kids heute einfach nur “voll” sind und es vielen ähnlich wie mir geht. Die Zeit rast, alles prasselt auf sie ein. Ich bin froh um meine Kindheit auf dem Dorf. Technik war relativ rar in meiner Familie und so wurden Spiele und neue Welten von mir mit ganz viel Glitzer erlebt. Heute ist vieles in Film und Gaming so ausgelutscht und langweilig, wirkliches Eintauchen ist bei mir eher selten.
    André spielte gestern ein Textadventure auf dem C64 und ließ uns auf Twitter teilhaben. Eine schöne Idee. Vielleicht fehlt uns heute im Alltag oft die kindliche Fantasie, die Zeit und die Ruhe, uns damit auseinanderzusetzen und wir konsumieren lieber einfach nur. Dein Text ist ein schöner Denkanstoß 🙂

    Thorsten WeiskopfCouchgesprächeAndré Eymann
  4. Lieber Jens, ich mag Deine Beiträge so sehr! Zunächst weil sie so luftig und locker geschrieben sind. Dann aber vor allem auch, weil Du so wundervoll reflektierst. Dein Blick zurück, ins Jetzt und die Zukunft sind von einer feinen Beobachtung begleitet, die immer auch einen tieferen Sinn hat.

    Das “Fundament” der Fantasie von damals begleitet Dich (mich übrigens auch) bis heute. Wenn ich mir meine Kids anschauen, denke ich immer dass sie es in der unfassbaren Medienlandschaft von heute sicher nicht besser haben als ich damals. Vieles von dem, was wir uns damals “ausmalen” mussten ist heute so perfekt ausformuliert, so dass man das Erlebnis Fantasie zeitweilig erst einmal ermöglichen muss. Fantasie braucht Freiräume, Ruhe und Reduktion. All das, was unsere überreizte Gesellschaft vermisst.

    Ich bin froh in den 80er aufgewachsen zu sein und ich frage mich öfter, ob meine Kinder das später auch sagen werden, wenn sie in meinem Alter sind.

    Eine letzte Bitte: höre nicht auf zu schreiben. Ich kann von Deinen Beiträgen einfach nicht genug bekommen! Danke für Deine Zeilen und viele Grüße aus dem hohen Norden.

    Thorsten WeiskopfTobi

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