Pokémon Jade – Ein falsches Spiel

Veröffentlicht in Spielebesprechungen, Videospielgeschichten
Mit Kommentaren von Mathias Nowatzki, Pascal Wagner, Jonas, Tobi, Lenny, Stefan

In den frühen 2000ern startete ich meine erste Pokémon-Reise auf dem Game Boy. Das war der Beginn meiner persönlichen Pokémania, die bis heute nicht abreißen sollte.

Mein Bruder und ich spielten begeistert die meisten frühen Pokémon-Spiele. Unser Vater brachte sie von Flohmärkten mit: Blau, Rot, Gelb, Gold, Silber und Jade. Wenn ihr euch nie tiefer mit der Reihe beschäftigt habt, ist daran erstmal nichts ungewöhnliches. Wenn doch, dann wisst ihr bestimmt, dass Pokémon Jade nie existierte. Trotzdem steckte ich das Spiel in meinen Game Boy.

Damals, als das Internet noch nicht das war, was es heute ist, konnte niemand von uns ahnen, was es mit der Jade Edition auf sich hatte. Erwachsene kauften Produkte, auf denen “Pokémon” stand, um ihren Kindern eine Freude zu machen, ohne die Hintergründe zu kennen.

Als Kinder konnten wir auch nicht zwischen lizensierten Produkten und Fakes unterscheiden. So tauchten wir ein in die Welt der… E-Monster. „Ich bleibe immer in E-Monster-Welt. Wenn du schade findest, komm doch in die E-Monster-Welt. OK, Wiedersehen“, lautet die Begrüßung. Das war noch eine der verständlichsten Aussagen.

Gespickt von Übersetzungsfehlern, freunden wir uns als Protagonist Bek (manchmal auch Herr Bek genannt) mit unserem ersten E-Monster namens Fanges an. Die Handynummer von Fanges lautet 05*-13#2-934#2. Wenn wir von Gegnern angegriffen werden sollten, können wir unsere Freunde anrufen und sie kommen uns zur Hilfe – vorausgesetzt sie haben Zeit und sind in der Nähe.

Nach gewonnenen Kämpfen geben uns böse E-Monster manchmal ihre Nummern, damit wir uns mal wieder treffen können. Werden sie jedoch einmal besiegt, möchten sie nicht mehr mit uns befreundet sein. Also ja – das Fangsystem ist gar kein Fangsystem und alles ist sehr gewöhnungsbedürftig. Als Kinder haben wir uns dennoch total naiv darauf eingelassen und hatten eine Menge Spaß damit.

Einen Haken hat das Ganze jedoch – das Spiel lässt sich nicht speichern. Falls ihr es selbst einmal ausprobieren wollt, würde ich daher einen Emulator mit reparierter Speicherfunktion empfehlen.

Abgesehen von der Verpackung gibt Jade nie vor, von Pokémon zu handeln. Tatsächlich ist es unter seinem eigentlichen Namen „Keitai Denjū Telefang – Speed Version“ oder „Telefang 1“ im Jahr 2000 regulär in Japan erschienen. Das Original wurde von Smilesoft entwickelt.

Erst auf dem internationalen Markt tauchte es als Bootleg-Spiel auf. Wer es gehackt und in Europa veröffentlicht hat, ist nicht bekannt. So bleibt es ein besonderer und skurriler Teil meiner Pokémon-Reise.

Vielleicht sollte ich Fanges mal wieder anrufen…

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Kommentare6

  1. Ah ja, Pokemon Jade und Diamond. Wohl zwei der bekanntesten und all den illegalen Romhacks, die auf Ebay verhökert wurden. Ich war schon etwas älter, als Blau/Rot erschien, und fiel deswegen nie auf diese suspekten Editionen rein, fand aber gerade diese Varianten immer sehr interessant. Eben, weil sie so weitverbreitet waren. Habs irgendwann mal auf der Liste für mein persönliches Blog gehabt, stattdessen dann aber doch liber das Original Telefang gespielt xD

    Tobi
  2. Ausgerechnet das obskure Telefang auf der Startseite von VSG zu sehen, nachdem ich ja selber einen Artikel hier dazu geschrieben habe, ist schon sehr witzig 😀 Schön zu sehen, dass es anderen auch so ging und schön deine Erfahrung zu lesen, Valentina!
    Für einige, die ja auch nach Screenshots fragen, und viellleicht auch für Valentina interessant, sorry für die Eigenwerbung: https://www.videospielgeschichten.de/keitai-denjuu-telefang-das-pokemon-spiel-das-nie-existierte/
    Dein Artikel eigt mir auch einen Fehler meiner Erinnerung: Telefang wurde unter Diamond und Jade gebootlegt, nicht unter Diamond und Pearl. Pearl war ein anderer Bootleg: Ein Sidescroller mit Pikachu, für den ich kein Gameplay finde. Damit würde ich mich auch nochmal gern beschäftigen…

    Tobi
  3. Ein schöner Beitrag, vielen Dank dafür! 🙂 An mir gingen die ganzen Bootlegs weitgehend vorbei. Mein einziger Kontakt mit so etwas war ein “40 in 1” Modul für den Game Boy, das ein Klassenkamerad mit auf einer Klassenfahrt hatte und das von einem Urlaub in Thailand mitgebracht wurde. Wirklich 40 waren da auch nicht drin, da war das gleiche Spiel mehrfach unter unterschiedlichen Namen enthalten.

    Tobi
  4. Herzlich willkommen und danke für deinen Debütbeitrag, Valentina! Was tun Eltern nicht alles für die Kids? Das hast du schön und realitätsnah beschrieben. Uns als heutige Eltern wäre damals ohne Internet bestimmt sofort der falsche “GAME” Schriftzug auf der Cartridge ins Auge gesprungen. Natürlich wäre er das! ^^ (Ironie off)
    Aber das kann man deinem Dad bestimmt nicht übel nehmen, schon gar nicht, wenn man nichts (wie ich) mit Pokémon zu tun hat. Die Liebe und Intention zählt, mit der diese Aufmerksamkeit für euch Kids erworben wurde, das hast du ja ebenfalls erwähnt. Ein Fake ist da zweitrangig, wenn im Nachhinein natürlich auch ärgerlich. Aber dafür hast du etwas Besonders in der Hand und besondere Erinnerungen damit. Und auf jeden Fall hast du es ja gut genutzt, dieses mysteriöse, unbekannte Telefang.
    Klar, ein Screenshot wäre zum Verständnis super, aber ich versteh auch dieses “Foto vom Game Boy Drama” gut. Danke sehr für die Vorstellung dieses schrägen Titels in deinem lockeren Schreibstil, gerne mehr davon!

    André Eymann