Wenn Videospielliebe unter die Haut geht

Daniel Zant am 12.07.2021
in Videospielgeschichten

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Lesedauer: 6 Minuten
Kommentiert von Der1000Sascha, Andre, Daniel Zant, Tobi, Steffen.

Heute, am 12.07.2021, ist ein großer Tag für mich. Nicht nur, dass ich heute meinen ersten geschriebenen Beitrag für diese wunderbare Internetseite veröffentlichen darf, ich bekomme auch meinen zweiten Stich. Wobei, in Zeiten der Covid-19-Pandemie kann dies missverständlich anmuten. Ich meine hiermit keine Impfung, sondern die Verschönerung meines Körpers. Genauer gesagt eine Tätowierung.

Wie das alles mit Videospielen zusammenhängt, dazu komme ich später – meine heutige Tätowierung hat auch nur am Rande was mit Videospielen zu tun: Meine linke Unterarmaußenseite wird mit einer Collage aus historischen und charmestarken Datenträgern – Vinyl, Kassette und Diskette – im Watercolor-Stil inkl. ein paar persönlicher Details verschönert. Dass dieses Motiv bei Vielen außerhalb der Retro-Technik-Bubble wohl für Unverständnis sorgen wird: das ist mir durchaus klar. Aber für jene ist das auch nicht gedacht.

Außerdem stehe ich bei sowas über den Dingen, es ist immerhin auch ein Ausdruck meiner Persönlichkeit. Die Konsequenzen einer permanenten Zeichnung auf meiner Haut sind mir als mündigen Menschen durchaus klar und müssen daher von Außenstehenden nicht in Frage gestellt werden.

Natürlich kann man darüber debattieren ob Tätowierungen tatsächlich einen optischen Mehrwert darstellen – das liegt naturgemäß in den Augen des jeweiligen Betrachters, wird aber wohl auch durch die persönliche Einstellung zum Thema gesteuert.

Ich weiß, für mich gesprochen, dass dieses Thema seit meiner Jugend generell seinen Reiz hatte. Wobei auch bei mir irgendwo die Grenzen der „Verzierung“ erreicht werden, man nehme als Beispiel Mike Tysons Gesichts-Tattoo. Aber: Wer bin schon ich um darüber urteilen zu dürfen? Wenn es für ihn damals die richtige Entscheidung war, dann wird das schon passen. „Leben und leben lassen“ sollte hier das Credo lauten – im Endeffekt macht es ja der Tätowierte für sich selbst und nicht für jemand anderen.

Genug philosophiert: Die Geschichte, die unter die Haut geht

Diese Erzählung handelt rund um meinen ersten Stich, welcher vor knapp zehn Monaten stattfand. Mit einem ebenfalls auffälligen Motiv – am linken Unterarm auf der Innenseite – wo ich jahrelang gehadert habe ob ich es wirklich machen soll.

Wie schon erwähnt hat mich das Thema Tätowierung seit jeher gereizt. Nur war ich zu feig um etwas machen zu lassen weil ich die Befürchtung hatte, dass ich das wohl später bereuen würde – vermeintlich gute Ideen entpuppen sich Jahre später oft als Reinfall und dergleichen. Und wenn ich daran denke, was ich mir damals tätowieren hätte lassen, muss ich festhalten: Zum Glück habe ich es nicht gewagt.

Anfang meiner 30er wusste ich jedenfalls, dass ich es wagen werde. Aber was ist das richtige Motiv für mich? Schlange, Tiger und sonstiges Mainstream-Zeug sprechen mir nicht unbedingt aus der Seele, ich brauche etwas, das für mich – und mein Leben – steht und mir wohl auch noch in 20 Jahren gefallen würde.

Wenn mir bei anderen Personen ein schönes Tattoo aufgefallen ist, habe ich mich informiert wo und um wie viel er/sie sich das machen hat lassen, das Übliche eben wenn man an etwas Interesse hat. Aber ich war nie so ganz überzeugt und es hat irgendwie nie Klick gemacht. Und dann kam ich auf die Idee, dass ich mich seit Kindestagen gerne mit Telespielen beschäftige – und im Retrobereich sogar darüber schreibe. Wenn das nicht „Deckel auf Topf“ ist, was dann? Aber welches Videospielmotiv kommt in Frage? Daraufhin zerbrach ich mir tagelang den Kopf, und das lief dann in etwa so ab:

Auf jeden Fall soll es ikonisch sein!

Was ist mit Super Mario? Mag ich in allen Belangen, aber nicht meine erste Tattoo-Wahl.

Sonic? Cool, aber eigentlich mag ich nur die Sonic-Adventure-Reihe absolut gerne – kommt auf meine Zukunftsliste.

Was gibt’s noch? Amigahelden? Hey cool, Bren McGuire aus Turrican? Das wäre  toll, aber wohin will ich eigentlich meine erste Tätowierung? Hm… OK, Unterarm Innenseite wäre gut, aber da passt Bren McGuire nicht unbedingt hin, zumindest kann ich mir das nicht vorstellen. Andere Zeit und anderer Ort wären sicher passend

Was gibt’s sonst noch ikonisches? IK+? Passt nicht. Lucasfilm Adventures? Gerne gespielt, aber da ist der Bezug zu anderen Sachen doch stärker.

…und nach einiger Zeit fiel mir ein, dass ich Pac-Man immer sehr mochte und er alle von mir geforderten Kriterien erfüllt. Er ist cool und ikonisch zugleich, das Design pixelzeitlos und ich bin mit seinen Spielen groß geworden. Kann ich mir das auf meinem Unterarm vorstellen?  Jaaaaa, aber klar doch!

Also habe ich mir Pac-Man in den Kopf gesetzt. Nun dachte ich aber: „Was ist wenn Du diese Idee nur kurzzeitig gut findest und sie in ein paar Jahren verteufeln würdest?“ Nun, dann finden wir es heraus: Wenn ich in einem Jahr noch immer von der Idee begeistert wäre, dann wird es wohl Pac-Man werden – und letzten Endes war ich ein Jahr später noch immer begeistert.

Gedanke gefasst, und nun wird weiter gesucht

Jetzt musste nur noch jemand her, dem ich meine Haut anvertraue, da will ich nicht irgendeinen dahergekommen Stümper ranlassen, da muss schon Vertrauen dahinter sein. Das ist wie bei einem Zahnarzt oder Frisör, den wechselt man ja auch nicht wenn man endlich einen passenden gefunden hat und zufrieden ist.

Nach langer Zeit wurde ich durch Zufall im Internet auf eine Tätowiererin aufmerksam, Katharina ihr Name. Und so vereinbarte ich mit ihr einen Besprechungstermin um zu sehen ob sie tatsächlich die Person sein wird, die ich an meine Haut lasse – ansonsten hieße es für mich wieder zurück an den Start und nach jemand anderem umsehen.

Beim Besprechungstermin füllte ich mich bei Katharina verstanden und gut aufgehoben. Auch wenn sie keine Videospielerin ist: Ich hatte das Gefühl, dass sie das für mich perfekt in Szene setzen wird – nachdem ich keine Vorstellung hatte wie das Arrangement aussehen könnte. Für mich war es wichtig, dass im äußersten Fall die Tätowierung für sich alleine funktionieren muss – falls ich nach dem ersten Mal nie wieder sowas machen mag – als auch in mögliche zukünftige Erweiterungen einbaubar sein kann.

Im Anschluss an das Gespräch vereinbarten wir einen Tätowiertermin. Bis dahin wartete ich geduldig auf den Entwurf, den ich kurz vor dem Termin erhalten würde – das dauerte allerdings noch ein paar Monate. Ich war schon sehr aufgeregt.

Und als ich den Entwurf das erste Mal sah, war klar: Katharina hat genau ins Schwarze getroffen. Ich hatte bis zum Entwurf keine Vorstellung, wie das Motiv aussehen soll, aber sie machte mir mit dem Entwurf klar, wie ich es haben wollte – ohne es vorher gewusst zu haben. Es bestand kein Zweifel: Sie hat meinen Geschmack mehr als nur getroffen.

Mir war auch wichtig, dass es nicht bloß eine Aneinanderreihung von Pixelfiguren war – das Bild wirkte mit der Positionierung von Pac-Man mit den Geistern und ein paar zusätzlichen Strichen lebendig und aussagekräftig.

Es gab allerdings noch etwas Nachbesserungsbedarf mit den korrekten Pixelsetzungen, wo meine pedantische Art stark zum Ausdruck kam, trotzdem ließen wir zum Schluss den ein oder anderen stilistischen Fehler drinnen um dem Motiv mehr Ausdruck und Lebendigkeit zu verleihen. Vielleicht erkennt der geneigte Leser die genannten Fehler im Bild 😉

Alles klar! Termin, ich komme!

Und als der große Tag kam war ich schon aufgeregt ob es auf der Haut auch so gut aussehen wird wie in der Vorlage – und ob ich die Schmerzen während des Tätowierens aushalten würde. Die Vorlage kam auf die Haut und dann konnte es auch schon losgehen. Die ersten Stiche empfand ich als unangenehm und dachte mir: „Wie willst Du das drei Stunden durchstehen?“, aber nachdem der Körper sich daran gewöhnt hatte war es nicht mehr so unangenehm. Und so wurde bis zum Schluss fertig tätowiert und ich war um eine hübsche Verzierung für meinen Unterarm reicher.

Danach fühlte ich mich wie ein neuer Mensch – vielleicht kennt ja der ein oder andere von Euch das Gefühl nachdem man etwas das erste Mal gemacht hat… Nach 20 Jahren war bei mir endlich dieser Druck des Soll-ich-es-machen-oder-bleiben-lassens weg und ich fühlte mich frei. Bereut habe ich es bis heute nicht. Ich kann es jedem, der ähnlich unentschlossen ist – wie ich es war – nur ans Herz legen sich zu trauen.

Voraussetzung: Es muss wohlüberlegt sein, man kann es ja nicht wie ein T-Shirt gegen was anderes wechseln wenn es nicht mehr gefällt! Ich will hier niemanden anstiften, aber die Welt könnte dadurch ein klein wenig bunter werden – und das hat in meinen Augen was Gutes!

Was ich auf jeden Fall nach diesem Erlebnis wusste: Ich werde es wieder machen (und ich glaube auch, dass ich der Tätowiersucht verfallen bin). Aber noch stehe ich am Anfang und habe heute mit dem zweiten Stich einen weiteren Schritt gesetzt. Und es werden wohl noch so einige Pixelfiguren (und dergleichen) folgen.

Tattoo-Studio: Katharina Martini

Bildergalerie


Daniel Zant

Ich bin Videospieler seit ich denken kann. Hauptberuflich seit 1998 der IT verschrieben, darf ich seit 2016 mein gesammeltes Wissen und mein Organisationstalent beim RETURN-Magazin unter Beweis stellen und bin seither immer wieder für Schandtaten jeglicher Art zu haben gewesen – und freue mich auch auf Anfragen jeglicher Art, um weiterhin in der Szene mein Unwesen treiben zu können.

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