Die obskursten Retrogames in einem Buch

Von Sarah Bee am
Kommentiert von: Sarah Bee, Tobi, André Eymann, Gerrit Ludwig, Hamrath
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Da man in der Welt der Retrogames über so einige merkwürdige Spieletitel stolpert, ist mir vor Kurzem ein Buch über eben diese Spiele in die Hände gefallen. “Terrible Old Games You’ve Probably Never Heard Of” von Stuart Ashen ist ein Buch über alte Games, die entweder keinen Menschen interessieren, oder einfach nur vollkommen überflüssig sind – damals wie auch heute.

Als Spielerin der Nullerjahre erinnere mich noch bestens an Spiele wie Die Sims oder die alten Tony Hawk’s-Titel. Spiele-CD eingelegt, Installationsordner angepasst, installiert und los gings. Zwar stürzte gelegentlich noch Windows 98 SE ab, aber schnell neugestartet und weiter gings. Das war schon kein Vergleich mehr zu den 1990er-Jahren. Als noch DOS-Speicher freigeschaufelt werden musste und man nur hoffen konnte Sound zu haben. Doch bereits davor haben Gamer am Computer gezockt. Die Spiele aus dieser grauen Vorzeit gelten inzwischen als Fossilien. Sind nett anzuschauen, kann sich heute aber keiner mehr antun.

Heutzutage gilt ein Spiel als schwer, wenn es nicht deutlich erklärt was der Spieler zu tun hat, wo er hin zu gehen hat, und wie die Steuerung funktioniert. Natürlich gibts kein Game Over mehr und wenn ein Spiel zu schwer ist, hat es zumindest ein Tutorial.

Die Spiele damals waren allerdings viel Schlimmer. User Experience war unbekannt und Programmierer programmierten Spiele hauptsächlich für Programmierer. Selbsterklärend war kaum ein Spiel.

Das Buch “Terrible Old Games You’ve Probably Never Heard Of” (Furchtbare alte Spiele, von denen du wahrscheinlich noch nie gehört hast) zeigt die Marotten der schlimmsten der schlimmen Spiele der Commodore-, Atari- und Amstrad-Ära aus den Jahren 1980 bis 1995.

Kennt noch jemand das Spiel Graffiti Man aus dem Jahre 1987 für den Atari ST? Wahrscheinlich nicht. Ist auch besser so. Wie der Titel vermuten lässt, rennt man dort mit einem Typen durch die Straßen und muss Bilder an den Wänden mit der Spraydose nachmalen. Dabei muss man aufpassen das einem auf dem Weg dahin keiner umrempelt, denn die Straße ist voll von Rentnern mit Gehstöcken, Polizisten oder Wahnsinnigen mit Heckenscheren. Klingt spannend, wird jedoch durch eine miese Framerate und grauenhafte Steuerung versaut, falls man überhaupt kapiert, was zu tun ist.

Folgend gibt es ein Video zum Spiel, damit ihr euch das Meisterwerk direkt mal reinziehen könnt.

Aber das ist natürlich nur eins von den vielen Spielen, die in diesem Buch herzhaft auseinandergepflückt werden. Das Buch bietet noch einige solcher Glanzstücke. Mit 191 Seiten und vielen Bildern ist es sehr humorvoll und abwechslungsreich gestaltet. Also prima als Geschenkidee oder zum Selberlesen. Man sollte allerdings der englischen Sprache mächtig sein, denn eine deutsche Fassung gibt es leider nicht.

Infos zum Buch

  • Titel: Terrible Old Games You’ve Probably Never Heard Of
  • Autor: Stuart Ashen
  • Verlag: Unbound
  • ISBN-10: 1783529385
  • ISBN-13: ‎ 978-1783529384

Verweise


Veröffentlicht in: Medien & Literatur
Andreas WandaTobiAndré Eymann

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Kommentare (8)

  1. Danke für deine Buchvorstellung, Sarah! Es ist schon irgendwie kurios, wenn es obendrauf noch ein Buch zu Spielen gibt, von denen man vermutlich sowieso noch nie etwas gehört hat und das man wohl auch eher nur durch Zufall entdeckt, wenn man nach diesen Spielen sucht, von deren Existenz man nicht weiss. Ist das dann schon ein (Großvater)paradoxon?
    In meiner Spielerlaufbahn sind mir so einige merkwürdige Spiele begegnet. Ich denke aber, dass fast jedes Spiel den Geschmack von irgendjemandem treffen kann, so schlecht es auch für den Großteil der Spielenden sein mag. Da kommen mir z.B. die damaligen Amigazeitschriften mit aufgeklebter Diskette in den Sinn, die oftmals irgendein schnell gemachtes Spiel enthielten und bei denen die Gestaltung des Zeitschriftcovers dem ernüchternden Spieleinhalt meist weit überlegen war. Da muss ich auch gleich an Vyrus denken, bei dem man seine von Viren befallenen Computerinnereien freiballern musste und was mir für seine stolzen DM19,80 erstaunlich viel Spaß machte und mich eine ganze Zeit lang fesselte.
    Das Titelbild des vorgestellten Buchs sieht auf jeden Fall interessant aus und trifft mich mit einer Mischung aus Nostalgie und Neugierde. Und ohne deine Vorstellung hätte ich jetzt nicht nach einem damaligen Spiel gesucht, welches ich schon längst vergessen hatte. So schließt sich der Kreis und wir kommen gerade so um das Paradoxon herum, das uns vermutlich in einem großen Zeitblubb verschluckt hätte. Glück gehabt, danke für deine Vorstellung! 😉

    Sarah Bee
    1. Huhu Tobi! Vielen Dank für das liebe Feedback! 😄 Wenn man über neue Games heutzutage berichten würde, von denen kaum einer was gehört hat bisher, dann hätten wir bestimmt einen gigantisch dicken Wälzer dort liegen. Wenn man bedenkt, was so alles in den Online-Stores wie Nintendo eShop und Steam so schlummert 😅

      TobiAndré Eymann
  2. Vielen Dank für Deinen Beitrag Sarah. Der Titel des Buches macht natürlich aufmerksam. Dennoch würde es mich wirklich interessieren, ob diese Spiele wirklich alle so “terrible” sind. Denn – Du kennst mich – ich bin grundsätzlich ein Mensch, der sehr wohlwollend über Videospiele urteilt. Außerdem steht ja auch hinter jedem “schrecklichen” Spiel eine Absicht, einen Grund, der sein Erscheinen ermöglich hat.

    Kannst Du sagen, welche Kriterien Stuart Ashen hier angewendet hat? Oder ist es ein reines “Spaßbuch” und meine Gedanken dazu sind vielleicht unpassend?

    In jedem Fall finde ich es großartig, dass Du darüber berichtest! Ich liebe Bücher über Videospiele und dieses hier werde ich mir wohl auch besorgen wollen.

    Sarah BeeTobi
    1. Huhu André! 🙂 Also soweit ich das noch aufm Schirm habe (das is schon relativ lange her, dass ich das Buch gelesen und den Text dazu verfasst hatte), ist es ein reines Spaßbuch mit eben viel Humor. Das Buch lohnt sich auf jeden Fall, schon wegen der Bilder 😄

      TobiAndré Eymann
  3. Sehr schöner Artikel! Graffiti Man ist natürlich von Rainbow Arts, das damals einige solcher “Perlen” veröffentlicht hat. “Bad Cat” oder “Danger Man” haben eine ähnliche Qualität. Es war nicht alles Gold, wo Rainbow Arts drauf stand. 😉

    Es gibt von dem Buch übrigens noch einen zweiten Teil namens “Attack of the Flickering Skeletons: More Terrible Old Games You’ve Probably Never Heard Of”. Unter anderem mit “Cisco Heat”, einer Arcade-Umsetzung für Homecomputer. Bei der üblen C64-Fassung wurde in Tests hervorgehoben, dass die Verpackung hübsch ist – weil das das einzig positive war, was man zum Spiel sagen konnte.

    Sarah BeeTobiAndré Eymann
    1. Huhu Hamrath! Danke für den Tipp mit dem Nachfolger! Den muss ich mir auch mal zulegen denke ich. Ich hab mir vor Kurzem mal “Das ABC der Videospiele” von Gregor Kartsios gekauft. Ist jetzt kein Buch über schlechte Games, sondern eher eine Zusammenstellung von alten Systemen und Spielen, die auch gut waren 😄 Davon gibt es mittlerweile auch einen Nachfolger. Der Gregor Kartsios macht auch Retro-Formate auf Rocket Beans TV.

      TobiAndré Eymann