Ein Spiel zum Vergessen: Resident Evil 3 Nemesis

Von Sylvio Konkol am
Kommentiert von: Stefan, Dennis Gerecke, Franz Zwerschina, Sylvio Konkol, André Eymann, Robert, Rob, Tobi
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In der Regel, oder zumindest sehr oft, dreht sich in den Texten hier bei VSG alles um Erinnerungen an – mal mehr, mal weniger alte – Videospiele. Was aber, wenn die hervorstechende Erinnerung an ein Spiel ist, dass man sich kaum daran erinnern kann?

Es ist vermutlich nicht ungewöhnlich, wenn man hin und wieder vergisst, dass man einen Film schon einmal gesehen hat. Nach zehn, zwanzig Jahren kann das gerade bei weniger bemerkenswerten Streifen leicht passieren. Ich zum Beispiel schaute kürzlich »Flightplan« aus dem Jahr 2005. Der Beginn kam mir nicht bekannt vor, aber nach etwa 20 Minuten machte sich bei mir das Gefühl breit, den Thriller schon einmal gesehen zu haben. Zwar gingen meine Erinnerungen nicht so weit, dass ich hätte sagen können, was als nächstes gesehen würde; aber wenn eine Sache erst einmal passierte, dann kam mir das Geschehen stets vertraut vor. Weil ich den Film allerdings gemeinsam mit meiner Frau schaute, und die ihn definitiv noch nicht kannte, blieb ich bis zum Ende dran. Spätestens dann konnte ich mit Gewissheit sagen: »Flightplan« hatte ich nicht zum ersten Mal gesehen.

Ich will behaupten, bei Spielen, aber auch bei Büchern passiert so etwas seltener. Schließlich verbringen wir mit denen nicht nur erheblich mehr Zeit, sondern sind auch viel aktiver in das Geschehen involviert als bei einem Film, der in der Regel nicht länger als zwei Stunden dauert und den man ohne Weiteres auch nebenbei, im Halbschlaf oder Vollrausch konsumieren kann. Verständlicherweise bleibt dann auch weniger hängen. Mindestens einmal ist es mir aber auch beim Lesen eines Romans passiert, dass ich erst weit hinten im Buch realisierte, dass ich es tatsächlich schon kannte. »Durchsichtige Dinge« lautet der Titel des Buches, der in Anbetracht der Tatsache, dass selbiges in meinem Gedächtnis kaum Spuren hinterlassen hat, ziemlich treffend scheint. Dabei handelte es sich noch nicht einmal um »irgendein« Buch, sondern um ein Werk von einem meiner Lieblingsautoren: Vladimir Nabokov (»Lolita«, »Ada oder Das Verlangen«). Und da sollte man doch meinen, dass ich die Lektüre nicht schon nach kurzer Zeit vergessen sollte?

Genau genommen war es so, dass ich das Buch zu lesen begonnen hatte, unmittelbar nachdem ich es aus irgendeinem Restposten-Wühltisch mitgenommen hatte. An so viel erinnerte ich mich, und außerdem an eine ziemlich faszinierende Passage zu Beginn, in der über eine Länge von zwei Seiten und in schwindelerregenden Schachtelsätzen das »Leben« eines Bleistiftes rekapituliert wird, vom Schlagen der Kiefer, aus der er hergestellt wird, bis zu seinem untoten Dasein als vergessener Stummel in einer verklemmten Schreibtischschublade. Besagte Passage erschien mir aber auch schon als das Beste am Roman, von dem ich glaubte, ihn irgendwann beiseitegelegt und für ein unbestimmtes Später aufgespart zu haben. Als ich das Buch mit ein paar Jahren Abstand erneut bzw. dann auch endlich fertig lesen wollte, musste ich bis zur letzten Seite vordringen, bis ich auch hier mit Gewissheit sagen konnte: Das Ende kennst du doch! Diesen Roman hast du – anders als deine Erinnerung dir glauben machen wollte – schon beim letzten (also ersten) Mal komplett gelesen!

Seither sind nun wieder einige Jahre vergangen. Kann ich mich an dieses Ende – das offenkundig irgendwie bemerkenswert gewesen sein muss, wenn ich es doch anders als den Rest des Buches wiedererkannte – erinnern? Nein. Trotz offenkundig zweimaliger(!) Lektüre ist es mir entfallen, wie auch der überwiegende Teil des restlichen Romans. Einzig der Moment, an dem ich verdutzt feststellte, dass ich dieses (zugegebenermaßen recht dünne) Buch bereits zum zweiten Mal gelesen hatte, ist mir im Gedächtnis geblieben. Und die Passage mit dem Bleistift, selbstverständlich.

Schrödingers Zombiespiel

»Resident Evil 3: Nemesis« ist vielleicht nicht meine persönliche Nemesis, aber zumindest mein Videospiel-Äquivalent zu »Durchsichtige Dinge«. Ich habe die Dreamcast-Version des Titels vor vielen Jahren für kleines Geld bei eBay erstanden, und danach erst einmal längere Zeit im Regal verstauben lassen. Nach einigen Jahren, als mich wieder einmal die Lust auf Resident Evil packte (weil mich nämlich zuvor das wunderbare »Dino Crisis«, ebenfalls auf der Dreamcast, so sehr begeistert hatte, dass ich es gleich mehrere Male hintereinander durchspielte), war es an der Zeit, endlich auch Resident Evil 3 anzupacken.

Ihr ahnt es nun vermutlich schon: Als ich es dann spielte, stellte ich fest, dass ich es schon kannte. Und zwar nicht nur den Anfang (den man sich vielleicht mal anschaut, um nach dem Gebrauchtkauf zu prüfen, ob das Spiel auch wirklich läuft), sondern mindestens bis an den Punkt, wo die Heldin Jill Valentine den Straßenbahn-Waggon erreicht und auf die Söldner trifft. An diese Stelle erinnere mich, weil ich spätestens dort diesen Aha-Effekt verspürte – diese Epiphanie des Wiedererkennens, die mich bei Nabokovs Durchsichtigen Dingen erst auf der letzten Buchseite erfasste.

Dieser »Zweitkontakt« mit Resident Evil 3 muss nun auch schon wieder mehr als eine Dekade her sein. Und die Frage, die ich mir kürzlich stellte, ist die: Habe ich das Spiel an dieser Stelle – mit Erreichen der Tram – abgebrochen (weil ich realisierte, dass ich es schon kannte)? Oder habe ich es weiter- und schlussendlich durchgespielt? Hatte ich es vielleicht schon beim ersten Mal, unmittelbar nach dem Kauf, tatsächlich durchgespielt? Wieso erinnere ich mich dann an nichts, was nach der Szene in der Straßenbahn kommt? Und überhaupt an so wenig vom Spiel? Anderseits sind die wenigen bewussten Erinnerungen, die ich an Resident Evil 3 habe, allesamt positiv. Wieso sollte ich einen so kompakten Titel dann nicht durchgespielt haben? Es scheint mir unwahrscheinlich, dass ich hängen geblieben sein könnte…, und wenn doch, dann wäre mir das doch sicher in Erinnerung geblieben.

So steht »Resident Evil 3: Nemesis« auch heute noch in meinem Regal: Als verlockendes Mysterium. Habe ich es einmal durchgespielt? Oder sogar zweimal? Oder gar nicht? Um das zu erfahren, müsste ich es wohl noch einmal – oder endlich einmal? – spielen, und zwar am besten durch.

Ein Film namens »Flightplan«, ein Roman namens »Durchsichtige Dinge« und ein Survival-Horrorspiel mit dem Titel »Resident Evil 3: Nemesis«. Werke zum Vergessen? Zum Immer-Wieder-Neu-Vergessen…

PS: Die Demo vom RE3-Remake – an die kann ich mich erinnern!

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Veröffentlicht in: Spielebesprechungen
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Kommentare (14)

  1. Oh wow, das war vermutlich das erste Computerspiel, mit dem ich je in Kontakt gekommen bin. Ich war vielleicht 8 oder 9 und der Sohn von Freunden meiner Eltern hat es mir gezeigt. Ich hatte damals noch keine Ahnung von Computerspielen, von daher habe ich da definitiv andere Erinnerungen dran als du. Wird Zeit, dass ich mir das Ding nochmal anschaue! Danke für den Vergangenheits-Trip!

    Tobi
  2. Mir geht es ähnlich. Ich vergesse manchmal auch Filme, die ich bereits gesehen habe. Gelesene Bücher und gespielte Spiele bleiben bei mir eher hängen – zumindest ihr Komplettierung. Bei längeren Romanen und Spielen vergesse ich oft nach kurzer Zeit den Inhalt, auch wenn mich dieser gefesselt haben sollte. Mich haben die Sidequests von Wichter 3 allesamt abgeholt, doch wenn ich mir heute ein Video davon anschaue, kommen mir viele Quests vollkommen neu vor. Das Spiel geht bei mir wohl durch seine Masse unter.

    Bei kürzeren Spielen wie Resident Evil 3 habe noch alle Orte im Kopf, obwohl mein Erlebnis viel länger zurückliegt. Ich habe nur Schwierigkeiten, mich an die Nebencharaktere zu erinnern – ähnlich wie in Twilight Princess. Bei ihnen fehlen mir die besonderen Merkmale, um sie länger im Kopf abzuspeichern. Die anderen Serienableger haben es besser hinbekommen.

    An den Film Flightplan kann ich mich auch nur vage erinnern. Ich weiß nur, dass Sean Bean am Ende überlebt – was ziemlich ungewöhnlich ist.

    TobiSylvio Konkol
  3. Super Text, Sylvio. Beim Lesen gehts mir öfter so, dass ich abends (ich lese immer im Bett) ein paar Sätze lese und dann draufkomme, dass ich diese am Vorabend bereits gelesen habe! Dann springe ich schnell zur aktuellen Stelle!

    Filme vergesse ich eigentlich nie! Viele gucke ich aber gern öfter.

    Bei Spielen gehts mir ähnlich! Manche spiele ich bewusst öfter (Mafia 2, Prey), auch weil die Spielmechanik (Prey) oder die Story (Mafia 2) gut reinhauen ….

    Sylvio KonkolTobiAndré Eymann
    1. Dankeschön! 🙂

      Beim abendlichen Lesen geht es mir oft so, dass ich irgendwann sehr müde werde, aber trotzdem noch weiterlese, weil es gerade spannend ist, das Kapitel bald zu Ende, o.ä. Beim Weiterlesen am nächsten Tag muss ich dann aber oft feststellen, dass ich mir das, was ich im Halbschlaf gelesen habe, nicht wirklich gemerkt habe. Und dann lese ich es noch einmal und es kommt mir alles ganz neu vor. 😀

      Prey muss ich irgendwann noch einmal eine Chance geben, das hat bei mir in der Vergangenheit aus irgendeinem Grund, den ich selbst nicht genau benennen kann, nicht “Klick” gemacht. Die Story von Mafia 2 – und vor allem das Ende – finde ich aber auch super.

      TobiAndré EymannFranz Zwerschina
  4. Ich kenne das Phänomen auch Sylvio. Und dafür gibt es bei mir gleich mehrere Gründe.

    Zunächst befinden wir uns in einer Welt, in der bekannte Spiele – ähnlich wie im Musikgeschäft – immer wieder neu für aktuelle Konsolen aufgelegt werden. So passierte es, dass ich Shenmue kürzlich “wieder entdeckte” auf einer PS4. In der Dreamcast-Version von einst war ich stecken geblieben und beim Flanieren durch das Spiel kamen mir viele Erinnerungen an damals entgegen. Ein schönes Spiel btw.

    Ich denke diesen Effekt werde vielleicht einige kennen. Das “Lizenz-Recycling-Zeitalter” wird so manche Spielerinnerungen wieder in die Gegenwart befördern.

    Richtig krass aber hatte ich den Déjà-vu Effekt beim Durchleben der ersten Spielbegegnungen mit meinen Kindern. Denn wir haben uns gemeinsam durch die Videospielhistorie gespielt und sind dabei sehr vielen alten Spielen (und Systemen) begegnet. So erinnerte ich mich an Asterix and the Great Rescue (Mega Drive) oder die Ninja Turtles, die auch einst (sehr vermutlich unvollständig) spielte.

    Deinen Beitrag betreffend solltest Du Resident Evil 3 vielleicht doch noch einmal durchspielen. Ich vermute nur durch diesen Selbstversuch wirst Du deine Psyche nachhaltig beruhigen. Oder mit dem Mysterium weiterleben 😉

    Danke für Deinen interessanten Beitrag!

    Franz ZwerschinaSylvio KonkolTobi
    1. Um einfach mal frech das Thema zu wechseln: Ich find’s interessant, dass dir zu Shenmue direkt das Wort “Flanieren” einfällt, um das Spielerlebnis zu beschreiben. Für mich war Shenmue das erste Spiel, das mir eine solche Erfahrung bot, und das ich deshalb in einem älteren Artikel einen “Proto-Walking-Simulator” und eine “Simulation des kontemplativen Flanierens” nannte. Ich vermute, dass gerade Spiele wie Shenmue den (Frei-)Raum bieten, in dem sich über das eigentliche Spielerlebnis hinausgehende Gedanken entfalten und als zeitgebundene Erinnerungen festsetzen können (womit wir jetzt doch wieder beim Thema wären). Für mich ist Shenmue deshalb nicht nur “ein Spiel, an das ich mich erinnere”, sondern auch ein “Raum”, der angefüllt ist mit Erinnerungen und diese Erinnerungen sozusagen festhält.

      TobiFranz Zwerschina
  5. Resident Evil 3 gehört bei mir zu den Spielen die ich am häufigsten durchgespielt habe. Sicher mindestens fünf Male.
    Immer wenn ich Bock auf das klassische Resi bekomme und mir REMake und RE2 zu lang sind, spiele ich stattdessen RE3. Und wenn sogar das zu lange ist, tut es auch ein Speedrun. Gerne von Bawkbasoup, seine Energie ist echt ansteckend. 😅
    Ich kenne das Spiel also nahezu auswendig, selbst wenn mehrere Jahre ins Land streichen.
    Aber natürlich kenne ich das Phänomen “hä…irgendwie…kenn ich das” auch. Bei mir war es leider das Remake von John Carpenter’s “The Fog” von dem ich jede Sekunde gehasst habe. Zwei Mal.
    Gemerkt habe ich es erst ganz am Ende, knapp 5 Minuten vor Schluss. 🤣

    Franz ZwerschinaSylvio KonkolAndré EymannTobi
    1. Das Remake von “The Fog” habe ich bewusst umgangen. Für mich kaum vorstellbar, das Original zu toppen. Ich habe außerdem zu viel Respekt vor meinen wohligen Erinnerung an die Fassung von 1980.

      Tobi
    2. Ich meine, so etwas wie du bei “The Fog” auch schon einmal erlebt zu haben, aber ich weiß – vielleicht aus gutem Grund – nicht mehr, bei welchem Film das gewesen sein könnte… 😀

      Ich weiß wie gesagt wirklich nicht, ob ich es überhaupt schon einmal durchgespielt habe, aber grundsätzlich kann ich mir sogar gut vorstellen, RE3 mehrfach durchzuspielen. Dass ich das beim ähnlich kurzen Dino Crisis gleich mehrmals nacheinander getan habe, erwähne ich im Artikel ja bereits. Und als ich vor ein paar Jahren Onimusha kennenlerne, in Form des Remasters für die PS4, habe ich auch das gleich mehrmals – dreimal? – hintereinander gespielt. Die klassische Resident-Evil-Formel wird für mich einfach nie alt! Das von dir auch genannte REmake hab ich zwar ebenfalls mehrmals durchgespielt, aber für mehrere aufeinanderfolgende Durchläufe (vielleicht auch nach Zeit) ist es mir ehrlich gesagt schon zu lang. Resident Evil 4 sowieso, da fange ich nach der Hälfte an, mich zu langweilen. Aber das ist ja auch nicht mehr wirklich vergleichbar, vom Genre her.

      RE2 ist der klassische Hauptreihenteil, den ich noch nie gespielt habe. Vermutlich werde ich dort das Remake vor dem Original spielen. Code Veronica hat mich auf der Dreamcast sehr beeindruckt (und ich meine, mich gut an das Spiel erinnern zu können), allerdings kann ich mir kaum vorstellen, es noch einmal zu spielen. Es wollte schon damals kaum ein Ende finden… Warum ich allerdings Resident Evil Zero nie wieder durchgespielt habe, kann ich selbst kaum sagen. Das, und natürlich RE3 Nemesis, würde ich in naher Zukunft gern noch einmal angehen. 🙂

      TobiAndré Eymann
  6. Ich glaube, bei mir gibt es auch so manche Titel, bei denen ich nicht genau sagen könnte, ob ich sie wirklich komplett durchgespielt habe. Außerdem würde ich sogar behaupten, dass ich mich bei sehr vielen Spielen nur noch an Bruchstücke erinnern kann. Selbst dann, wenn es mir eigentlich sehr gut gefallen hat. Sicher gibt es auch Titel, die sich für immer in mein Gedächtnis gebrannt haben und durch deren Umgebungen ich vermutlich fast im Schlaf navigieren könnte, aber das ist sicher nur ein kleiner Teil. Gleichzeitg würde ich mir für manche Spiele tatsächlich das Blitz-Dings aus Men in Black wünschen, damit ich sie erneut zum ersten Mal erleben könnte. Dabei stünde DayZ ganz oben auf meiner Liste, denn das ist ein fundamental anderes Erlebnis, wenn man die Welt und die vielen Mechaniken kennt. Ganz zu schweigen von den gesammelten Erfahrungen, die das eigene Verhalten hier viel stärker beeinflussen als in anderen Spielen.

    PS:
    Wenn einem erst ganz am Ende auffällt, dass man das Buch/Spiel/Whatever doch schon kennt, spielt es dann überhaupt noch eine Rolle? Offenbar war es ja dann auch trotzdem wieder unterhaltsam genug und damit keine vertane Zeit, oder?

    Sylvio KonkolAndré EymannTobi
    1. Hallo Roberto und danke für den Kommentar! Zum PS: Ich glaub, das kommt ganz drauf an. Dazu fällt mir noch ein Beispiel von vor ein paar Wochen ein, da kam Twin Peaks: Fire Walk With Me nochmals im Kino. In dem Fall wusste ich, dass ich den Film schon einmal gesehen hatte, allerdings vor vielen (definitiv mehr als fünfzehn) Jahren und bevor ich auch nur die zugrundeliegende Serie kannte. Letzteres hielt ich auch für den Grund, warum ich den Prequel-Film als nicht allzu beeindruckend in Erinnerung hatte – weil mir halt der Bezug zu den Figuren fehlte.

      Inzwischen kenne ich die Serie nun aber, und mochte sie auch ziemlich. Und da wollte ich mir die Gelegenheit, auch den Film noch so langer Zeit noch einmal zu sehen, nicht entgehen lassen (auch wenn es in seiner Machart sicherlich kein Film ist, den man unbedingt im Kino gesehen haben muss).

      Lange Rede (mal wieder), kurzer Sinn: Als ich den Film dann sah, wurde mir klar, dass ich ihn irgendwann im Verlauf der mehr als 15 Jahre (seit ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte) wohl doch auch schon ein zweites Mal gesehen haben muss. Alles, was geschah, war mir, als ich es dann sah, so gut vertraut, dass es einfach nicht soooo lange her sein kann, seit ich den Film zuletzt gesehen habe. Das Ergebnis in diesem Fall war, dass ich mich ziemlich langweilte. Und den Film auch beim mutmaßlich dritten Schauen nicht sonderlich beeindruckend fand.

      Nun war es aber nur ein Film, also zwei Stunden, und so muss ich der verlorenen Zeit nicht nachtrauern (dem Eintrittspreis schon eher). Ein Buch oder ein Spiel würde ich im Zweifelsfalle halt zur Seite legen. Wobei ich glaube, dass Spiele eh noch einmal einen Sonderstatus haben: Klar gibt es Spiele, die ihren Reiz aus einer spannenderen Story ziehen, aber das Gameplay ist ja meistens auch ein Faktor. Und das wird dadurch, dass man ein Spiel schon kennt, meist nicht schlechter, sondern oftmals sogar besser. Deshalb hab ich erst kürzlich auch das REmake (2002) noch einmal durchgespielt, zum ich-weiß-nicht-wie-vielten Mal, aber zum ersten Mal seit langer Zeit. Bis auf ein paar Kleinigkeiten, die ich tatsächlich vergessen hatte, konnte mich das Spiel nicht überraschen, aber zu schauen, mit welcher Effifienz ich auch nach Jahren noch durchs Herrenhaus navigieren kann – oder auch nicht – brachte noch einmal einen ganz eigenen Reiz mit sich.

      TobiAndré Eymann
  7. Vielen Dank für deinen interessanten und unterhaltsamen Debütbeitrag, Sylvio! Resident Evil 3. Das weckt Erinnerungen – und vergessen geglaubtes Entsetzen, danke schön 😂
    Ich kenne RE3 Nemesis nur von damals, denn ein lieber, damaliger Kollege hatte sich das für seine Playstation 1 neu gekauft und wir saßen öfter nach Feierabend zusammen. Was schnell folgte, war Entsetzen und Enttäuschung über die blinkenden und verschwindenden Gegner der deutschen Version, ein Graus nach dem brillanten, zweiten Teil.
    Aber zurück zu deinem Phänomen: Ich persönlich kann mich – aus dem Stehgreif jedenfalls – ehrlich gesagt nicht erinnern, dass ich mal einen Film gesehen oder ein Spiel gespielt habe, wo ich erst später bemerkt habe, dass ich den oder das eigentlich schon kenne. Ich weiss so ziemlich, was ich schon gespielt und angesehen habe, spätestens beim Anblick des Covers oder eines Screenshots. Aber bei mir “noch nahen Verwandten” kommt mir das bekannt vor, da liegt es aber eindeutig an der Menge. Da habe ich interessanterweise den Durchblick, auch was Musik betrifft. Bei Büchern ebenfalls, das liegt aber an der doch übersichtlichen Anzahl… Im Gegensatz dazu habe ich buchstäblich jahrelang nach einem alten Spiel gesucht, das ich damals auf dem Amiga cool fand und mir dessen Name ums Verrecken nicht mehr einfiel 😅 Lieben Dank für deinen Beitrag!

    Sylvio KonkolAndré Eymann
    1. Schön, auch deine Erinnerungen an das Spiel zu lesen!

      Ich vermute mal, dass die “blinkenden und verschwindenden Gegner” auch ein meiner Dreamcast-Version des Spiels ihr Unwesen treiben, aber wie du dir vielleicht schon denken kannst: Ich kann mich nicht erinnern. 😉

      Ich schätze, die Entschärfungen waren dann wohl die Folge der damaligen Indizierung von Teil 2 in Deutschland. Aus dem Grund hab ich das auch nie kennengelernt, weil ich keine PlayStation hatte und mir das Besorgen der späteren Umsetzungen für Dreamcast, Nintendo 64 oder GameCube zu umständlich bzw. zu teuer war.

      TobiAndré Eymann