Ich liebe es… oder doch nicht? Was? Doch, ich liebe es! Oder??? Klar!!!

Veröffentlicht in Videospielgeschichten
Mit Kommentaren von David Lightman, André Eymann, Tobi, Josef, Leo, Poly

Was finde ich nur an diesen alten Videospielen? Die Grafik ist doch echt scheiße (das meine ich natürlich nicht so). Wer hat den Mist nur programmiert? Ich versteh das Spiel nicht. Ballblazer, was für ein blöder Titel. Was muß ich machen? Wo ist der Ball? Dieser C64 sieht doch wirklich doof aus. Und 64k, was ist das schon???

Ballblazer - ein super Game für verschiedene Plattformen... (Bild: Jens Sommerfeld)
Ballblazer – ein super Game für verschiedene Plattformen… (Bild: Jens Sommerfeld)

Ich habe Frust. Ich glaube, das ist es. Ich habe Frust und lasse es am Spiel aus. Ich bin so unfähig. Dem Spiel gegenüber ist das überhaupt nicht fair. Es ist ein gutes Spiel. Der Programmierer hat sich wirklich Mühe gegeben und etwas geschaffen, was es damals noch nicht gab. Und auch heute ist das Game noch toll. Ich kann es nur nicht. Und der Computergegner ist wirklich stark. Der hat es voll drauf. Warum kann ich das nur nicht? Ich war früher viel besser im Spielen. Was ist los?

Oh. Welches Jahr haben wir? Verdammt. Ich bin zu alt. Die Motorik ist abgeschlossen. Ich kann das nicht mehr lernen. Deshalb klappt das nicht mehr… Ausreden. Nichts als Ausreden. Ich war eigentlich nie gut im Videospielen. Klar, ich habe viel gespielt. Zuerst auf dem Sinclair ZX81 ein BASIC-Game mit Namen “Autorennen” – rechts und links die Strassenbegrenzung (die sich immer ein paar Pixel verschob) und in der Mitte das Auto. Na ja, eigentlich war das nur ein invertiertes “H”.

Autorennen - ein paar Pixel und ein invertiertes "H". (Bild: Jens Sommerfeld)
Autorennen – ein paar Pixel und ein invertiertes “H”. (Bild: Jens Sommerfeld)

Brutal langsam. Und das einzige Spiel auf dem C64, an das ich mich erinnere… wie alt war ich noch mal? Wann war das? … also, an das einzige Game, das ich durchgespielt zu haben glaube, war “Bruce Lee”.

Und ich habe laaaaange gebraucht. Nächte, in denen meine Mutter immer wieder reinkam und ich inzwischen gelernt hatte, wie ich ratzfatz den Fernseher ausmache und die LED vom C64 zuhalten kann, damit sie nicht merkt, das ich spiele. Irgendwann war ich dann beim Endboss – und zack… tot. Nochmal von Anfang. Das ging wie im Schlaf. Und heute? Wenn ich das Spiel einschalte, ist meine Jugend wieder da. Ich möchte es noch einmal wissen und spiele das Game wie damals, also ohne Cheat und mit drei Leben.

Nach einigen verlorenen Leben bin ich wieder voll drin. Die Level werden immer schwieriger und ich komme trotzdem gut voran. Was war das damals schön… aus der Schule kommen, das Essen steht auf dem Tisch, Hausaufgaben abschreiben und dann nur noch zocken. Heute komme ich von der Arbeit, koche mit der Freundin und wir genießen den Abend in Zweisamkeit. Zocken ist nicht jeden Abend möglich. Was war das damals schön! Aber die Freiräume kann ich mir sicher schaffen. Geh ich halt nicht joggen. Dazu hatte ich sowieso nie die Zeit. Jeden Abend eine keine Runde am Rechner (der ist ja ruckizucki hochgefahren, ach was sag ich…?! Angeschaltet). Oder einmal in der Woche ein oder zwei Stunden…

Nach ein paar Wochen und vielen Stunden komme ich wieder zum Endboss – und diemal brauche ich tatsächlich nur einen Versuch… einfach nur durchrennen, bloß nicht kämpfen. Früher brauchte man dazu viele viele Versuche. Puh… geschafft. Ein tolles Game.

Doch was kommt jetzt? Das Erlebnis ist vorbei. Durchgespielt. Und es war schön. Aber nochmal? Das wäre ja langweilig. Und nu???

Bruce Lee - Ein Kultgame! (Bild: Jens Sommerfeld)
Bruce Lee – Ein Kultgame! (Bild: Jens Sommerfeld)

Im Netz stieß ich auf die Fortsetzung Bruce Lee II, die von Jonas Hultén 2015 veröffentlicht wurde. Hier an dieser Stelle ein fröhlicher Gruß verbunden mit großem Dank an Jonas, der wunderbare Games programmiert. Also kurz runtergeladen, auf die EasyFlash geladen und ran an das Spiel (ok, ich hab´s auf “EASY” eingestellt).

Alles ist wie damals. Ich weiß nix. Was muss ich tun? Wo muss ich hin?? Wie komme ich hier weiter???

Herrlich. So muss Retro-Gaming heute sein. Ein alter Rechner, ein neues Spiel im alten Stil… ich liebe das. Nur Zeit müsste man haben…

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Kommentare7

  1. Hallo Jungs! Danke für Eure Kommentare. “Pixelhaufen” (schönes Wort) hatten für uns damals eine größere Dimension als heute, aber das ist dem jugendlichen Gehirn geschuldet. Es gibt Erwachsene, die haben diese Dimensionen von damals komplett verloren – wir haben da Glück, denn bei uns ist noch einiges übrig. Mir geht es oft so, das ich zB einen Film schaue und alles sieht realistisch aus und dann denke ich: “Kann man das nicht schlechter machen, wie in den 80ern?” Ich vermisse die alte Zeit (nicht der Mode wegen), aber weil da alles neu und spannend war. Wer heute mit einem Handy aufwächst, der weiß nicht wie es war, ständig zu einer Telefonzelle laufen zu müssen. Im Nachhinein ist das Gefühl unbeschreiblich. Aber gottseidank: die 80er kommen wieder, zB in Form von Serien wie “Stranger Things”. Die Musik wird auch wieder analoger und das liegt sicher an den Menschen, die in den 80ern aufgewachsen sind. Und wenn wir der heutigen jungen Generation etwas davon mitgeben können, so ist das gut. Und wenn die Leute von Heute dann Pixelhaufen als “Dimension-die-meinen-Horizont-erweitert” begreifen, haben wir alles richtig gemacht…

  2. Lieber Jens, ich möchte mich noch einmal für Deinen schönen Beitrag bedanken!

    Du schaffst es immer wieder, mit Deinem ganz typischen Humor, Erinnerungen an Details aus der Kindheit in die Gegenwart zu holen. Dabei sprichst Du ganz wunderbar “zwischen den Zeilen”. Genau für Texte wie Deine, habe ich VSG seinerzeit gegründet. Für authentische, unverstellte und ehrliche Texte.

    Zwei Daumen hoch!

  3. Bruce Lee! \o/

    Wie hab ich das gern gezockt – allerdings in Grün auf dem CPC6128 von meinem Dad.
    Auch wenn es heute vor allem für die Jüngeren lächerlich klingt, es war absolut schwer, sich davon zu trennen.

    Ich persönlich möchte die Zeit nicht missen, aus erster Hand mitbekommen zu haben, wie die Pixel immer kleiner, die Welten immer größer und die Farben immer mehr wurden. War ne coole Zeit 🙂

  4. Die alte “Nostalgie oder tatsächliche Qualität”-Frage. Ich weiß auch nicht, was mich immer wieder zu N64 Mariokart oder Day of the tentacle zurücktreibt. Wir (ein Freund und Kollege) haben versucht, unserer Obsession mit alten Games Herr zu werden, indem wir eine Hommage an LucasArts Adventure Games machen, aber mit komplett originellen Storys u Charakteren: https://zorpek.itch.io/boneyard-demo
    Vielleicht hilft’s, ich sag gerne Bescheid. 😀
    Und cooler Blog. Freu mich auf mehr!
    Bestes
    Josef

  5. Ja, die Sache mit der Zeit. Arbeit, Kinder, Partner und andere “öde Erwachsenensachen” schränken das Zocker-Zeitkontingent ziemlich ein. Da ist Retro-Gaming genau das richtige Hobby, denn viele Spiele sind gut für zwischendurch, da sie nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Bruce Lee II spielt sich fast so wie der Vorgänger – ein wenig schneller und verbesserte “Physik”, aber das macht Nichts. Weit bin ich allerdings nicht gekommen. Ich habe den unteren Teil der blauen Leiter aktiviert und weiß grad nicht wohin.

    Ach ja, der Pixelhaufen ist doch Bruce wie aus dem Gesicht geschnitten. Unverkennbare Frisur, Outfit und (politisch unkorrekt) gelb ist er auch…

  6. Also ohne die Lizenz wäre wohl nie jemand auf die Idee gekommen, dass dieser Haufen aus schwarzen und gelben Pixeln Bruce Lee darstellen soll 😀

    1. Kann sein. Oder eben auch nicht. Die heute so oft beschworene Realität und Narration in Videospielen entstand damals im unserem Kopf. Der Grund dafür war die Reduktion. Aus Pixelhaufen wurden Explosionen, aus horizontalen Blöcken Raumschiffe oder aus gelben Pixelmännchen halt Bruce Lee. Klar half dabei die gezeichnete Werbung auf dem Cover. Sie war das Lockangebot, die Suggestion. Aber wenn es die nicht gab, haben wir sie halt selbst geschaffen. Eine wundervolle Zeit! 🙂