PC-Spiele katalogisieren: ein Look & Sort Adventure

Von Kevin Puschak am
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Wenn die eigene Sammlung aus allen Nähten platzt, wird es Zeit für eine vernünftige Auflistung. Wenn dabei auch noch Kontrollinstrumente aus dem Internet zum Einsatz kommen, wird das zu einem interessanten Abenteuer.

Mit dem Lernspiel „Big Job: Große Aufgaben“ aus dem Jahr 1995 fing im Frühling 2013 meine Sammelleidenschaft für ältere PC-Spiele an. Damals noch mit einem größeren Fokus auf die in den 1990er Jahren gängigen Euroboxen (Big-Boxen), hat sich diese Leidenschaft inzwischen auch auf die Keep-Case-Titel vergrößert.

Dabei waren die Auswahlkriterien noch recht grob gewählt. Hauptsache alt, in einer großen Box und für den PC. Mithilfe zeitgemäßer Systeme konnten diese Titel perfekt abgespielt werden mit ihren typischen Macken und dem Einrichtungschaos, der meistens nicht vermieden werden konnte.

Doch bei solch groben Kriterien und der Ansicht, dass es nicht unbedingt ein bekannter Klassiker sein musste, wurde die Sammlung immer größer und größer. Da konnte es nicht schaden, all diese Titel in eine Tabelle zu packen, um den Überblick zu behalten.

Aber wisst ihr, wie früh ich damit angefangen habe? Nur einige Jahre, nachdem ich mit Sammeln angefangen habe. Ich wollte schließlich ein wenig mehr über meine Exemplare wissen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben.

Spiel für Spiel, Schritt für Schritt

Anfangs landete die Liste als Tabelle auf meiner Infoseite „kepuweb“, die auf eine SQL-Datenbank zugegriffen hat. Zu Beginn wurden nur die Big-Box-Spiele aufgelistet, da sich die Anzahl anderer Typen noch stark in Grenzen hielt. Der Fokus ging so weit, dass ich sogar die Unterschiede zwischen den verschiedenen Big-Box-Typen involviert habe.

Zweiteilige Eurobox, einteilige Eurobox, Schubbox oder Sonderformen. Dazu noch das Erscheinungsjahr, der Zustand in Farben dargestellt (vom sehr guten Hellgrün bis zum sehr schlechten Rot) und ob mein Exemplar vollständig war.

Schon seit Jahren dient die Online-Games-Datenbank (kurz OGDB) für mich als Orientierungspunkt für die Inhalte der jeweiligen Spielepackungen. Die sicherste Aussage hat man, wenn man das jeweilige Spiel im eingeschweißten Neuzustand besorgt und reinguckt, aber zur Überprüfung reicht in den allermeisten Fällen auch diese Website.

Und dann ist man umso überraschter, wenn man bemerkt, wie viel da doch fehlen kann. Wenn der/die Vorbesitzer:in es gewagt hat, die Registrierkarte wirklich auszufüllen. Oder eine hübsche Postkarte aus der Packung genommen und verwendet hat. Oder aus ominösen Gründen das Handbuch abhanden gekommen ist.

Vermerkt wurde zudem die offensichtliche Tatsache, dass es sich bei meinem Spieleexemplar um ein Re-Release handelt. Nur in Ausnahmefällen besorge ich diese Art von Variante, aber in der Regel achte ich schon darauf, dass die Erstausgabe in der Sammlung landet. Nicht nur sind diese wertvoller, sie beherbergen alle Fehler, die zur Geschichte des Titels beitragen können.

Mehr Spiele, mehr Power

Als ich 2018 die Webseite komplett umgestaltet habe, habe ich die SQL-Datenbank mit den Spielen, die inzwischen auch die digital vertriebenen Spiele umfasste, aufgegeben. Stattdessen wanderte die Tabelle zu Google und deren gute Online-Alternative zu Microsoft Excel.

Allerdings hegte ich den Plan, noch mehr ins Detail zu gehen. Jetzt darf sich auch noch die EAN-Nummer, die USK-Zertifizierung und die Anzahl der Datenträger mit in die Tabelle dazugesellen. Eine strenge Big-Box-Unterteilung gibt es nicht mehr. Schließlich platzte die Sammlung langsam aus allen Nähten.

Alles Details, die die Katalogisierung nochmals spannender macht. Dadurch haben sich Informationen offenbart, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Manche mit einem positiven, manche mit einem negativen Ergebnis.

Zum Beispiel erfuhr ich anhand der EAN-Nummer, dass ich von „Grand Theft Auto 2“ (1999) die ganze Zeit ein Budget-Release besaß. Es sah allerdings schon immer wie eine Erstausgabe aus. Ebenso „Anno 1602“ (1998), welches lt. OGDB in zahlreichen Auflagen erschienen ist. Etwas verrückt gemacht hatte mich insbesondere das Sims-Add-On „Tierisch gut drauf“ (2002), wovon ich immer ausging, dass das Handbuch fehlte. Die technische und optisch anspruchslose Anleitung war die ganze Zeit die einzige Anleitung, die dem Spiel beilag.

Beim Blick auf die USK-Wertungen gibt es ebenfalls interessante Einblicke. Die USK hat „Autobahn Raser“ (1998) mit USK6 eingestuft. Auf der Packung ziert allerdings ein USK12-Logo. Den Vogel schießt allerdings „Need for Speed II: Special Edition“ (1997) ab. Während die Packung ein USK16-Logo trägt, ist es bei der USK mit „ohne Altersbeschränkung“ eingetragen. Waren die Spiele damals echt so brutal oder waren die grafischen Effekte wie Insekten auf der Scheibe nichts für junge Spieler:innen?

Für Statistikliebhaber

"Autobahn Raser" (1998, links) und "Need for Speed II: Special Edition" (1997, rechts) hatten hohe Altersfreigaben, die nachträglich korrigiert wurden.
“Autobahn Raser” (1998, links) und “Need for Speed II: Special Edition” (1997, rechts) hatten hohe Altersfreigaben, die nachträglich korrigiert wurden.

Solch zugegebenermaßen aufwendigen Auflistungen resultieren zu überaus spannenden Statistiken und Erkenntnissen, sofern man mehr ins Detail gehen möchte. Wie viele USK18-Spiele gibt es? Welcher Datenträger dominiert? Wie viele Titel fangen mit „Sim“ an?

Ich fand beispielsweise heraus, dass man anhand der meist dreizehnstelligen EAN-Nummern in den ersten sieben Ziffern den Herausgeber rauslesen kann.

Mal ein paar Beispiele:

  • 5030932: Electronic Arts
  • 3348542: Sierra
  • 4005209: Funsoft/THQ
  • 9006113: JoWood
  • 5026555: Take 2

So war es für mich eine Überraschung, auf der Packung von „Alarm für Cobra 11 Vol. III“ (2005) eine EAN-Nummer vorzufinden, die auf Electronic Arts hinweist, aber nirgends auf der Packung erkennbar ist.

Dann hier noch die Rekordhalter, was die Menge an Datenträgern angeht:

  • „Mantis: XF5700 Experimental Fighter“ (1992) und „Reunion“ (1994) mit neun 3,5“-Disketten
  • „Phantasmagoria“ (1995) und „The X-Files Game” (1998) mit sieben CDs
  • die Standard-Edition von “Microsoft Flight Simulator“ (2020) mit zehn DVDs

Wenn man es völlig übertreiben möchte, könnte man noch viel mehr angeben. Wie schwer die Packung ist, wie viele Kratzer sich auf den CDs befinden oder welche Widmungen es in den jeweiligen Handbüchern gibt.

Was aber auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf, sind die Rechnungen. Ich mag es, wenn sich Original-Kaufrechnungen in den Packungen befinden. Besonders schön wird es dann, wenn das Spiel im Erscheinungsjahr gekauft wurde. Die älteste Rechnung, die ich vorfinden durfte, befand sich in der Packung von „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“ (1992); der/die Käufer:in durfte am 18. Dezember 1992 für das Spiel stolze 119 Mark hinblättern.

Der/die Käufer:in des USK-18-Exemplars von „Half-Life“ (1998) hatte zum Beispiel das große Glück, das Spiel am 24. November 1998 für 89,90 Mark ergattern zu können, ehe diese Version nur 23 Tage später auf dem berühmt-berüchtigten Index gelandet ist.

Spiele katalogisieren: ein befriedigendes und zugleich beunruhigendes Gefühl

Quittungen in Spielepackungen – etwa hier bei "Dungeon Keeper 2" (1999, links) und "Indiana Jones and the Fate of Atlantis" (1992, rechts) – können trotz weniger Zeichen eine Geschichte erzählen.
Quittungen in Spielepackungen – etwa hier bei “Dungeon Keeper 2” (1999, links) und “Indiana Jones and the Fate of Atlantis” (1992, rechts) – können trotz weniger Zeichen eine Geschichte erzählen.

Ordnung ist das halbe Leben, so oder so ähnlich ergeht es mir mit meiner Spielesammlung. Alles auflisten, was Spiel XYZ so an sich hat, was fehlt, was da Besonderes drin ist und der Welt zeigen, dass es in meiner Sammlung existiert. Noch spannender wäre es gewesen, wenn ich noch die genauen Kosten aufgeschrieben hätte, um festzustellen, wie viel Geld ich schon in dieses wunderschöne Hobby gesteckt habe.

Es ist natürlich ein wildes Hobby. Spiele sammeln und dabei nicht mal mit denen hinterherkommen, die bereits in der Sammlung sind. Klar, einen winzig kleinen Teil dieser Sammlung habe ich schon gespielt. Dafür winkt eine große Auswahl der ungespielten Titel. Fast schon nach dem Motto „Ich habe nichts zum Spielen da“.

Wenn es nach dem organisatorischen Kriterium geht, erfreut es mich immer wieder, unvollständige Exemplare zu vervollständigen oder Re-Releases gegen Erstauflagen eintauschen zu können. Oder wenn ich den Zustand verbessern konnte, indem eine hübschere CD, ein weniger zerstörtes Handbuch oder gleich die ganze Packung ersetzt wurde.

Zum Zeitpunkt dieses Artikels bewegt sich die Retail-Sammlung der PC-Spiele (die sowohl Boxen als auch Keep Cases umfasst) auf die 900er-Marke zu. Hätte ich keine Liste da, hätte ich womöglich schon einige Titel doppelt gekauft… wobei… das ist – trotz Liste – schon passiert. Nun… jedenfalls fühlt sich mit so einer Liste definitiv organisierter. So viel steht fest.

Wie handhabt ihr das mit eurer Sammlung? Ist eure Spielesammlung auch schon so übermächtig geworden, dass ihr diese in einer Tabelle katalogisiert? Was sind eure wichtigsten Kriterien, bevor Spiel XYZ in die ewige Spieleliste eintreten darf? Lasst es mich wissen und vor allen Dingen auch, wie „crazy“ ihr meine Vorgehens- bzw. Ansichtsweise findet.


Veröffentlicht in: Medien & Literatur, Videospielgeschichten
André EymannAlexander StrellenTobi

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Kommentare (8)

  1. Das Bedürfnis eine Sammlung zu katalogisieren kann ich gut verstehen.
    Ich mag diese Art von Datenerfassung schon seit meiner Atari ST Zeit, damals noch mit Adimens.
    Ich fing ursprünglich auch mit einer Excel-Liste an, hab dann aber langsam auf Access umgestellt.
    Das ist für mich genau das richtige und es hat Spass gemacht, alles zu lernen was Nötige ist um es den eigenen Vorstellungen anzupassen. So behalte ich die Übersicht bei einer Vielzahl an Sammelobjekten.
    Außerdem hat es mich schon des Öfteren vor Doppelkäufen bewahrt und ich finde schnell alle Daten für meine Recherchen. Bei mir ist es allerdings nicht speziell für Spiele, sondern für allles – Rechner, Konsolen, Spiele, Literatur und Zubehör.

  2. @vsg Da rufst du bei mir Erinnerungen wach xD

    Schon in der Kindheit habe ich VHS gesammelt und versucht den Mengen mit Listen entgegenzukommen, wenn es nur war um die Filme besser zu durchsuchen.

    Heute als Gamer/Sammler ist es nicht anders 😅 ich habe irgendwann angefangen mich auf retroplace.com zu organisieren und fahre damit bisher auch ganz gut 🙂

    Dies ist auch allein notwendig da ich sonst im Laden schon oft doppelt und dreifach zugegriffen hätte 😅

    André Eymann
  3. Eine Sammlung in einem Katalog zu erfassen ist sicher keine schlechte Idee. 900 Posten sind ja auch nicht gerade wenig. Deine Web-Spieleliste hat mich schon ein wenig erschrocken. Auch damals gab es doch Tabellenkalkulationen zu günstigen Preisen. Dann auch noch das Stichwort SQL dabei. Das hört sich alles nach viel Bastelarbeit an.
    Ich habe mal vor Jahren angefangen meine Spiele auf der Plattform “grouvee.com” zu erfassen. Bin da aber sehr faul und irgendwann ist das wieder eingeschlafen.
    Ich denke immer, für Sammler müsste es doch eigentlich fertige Software zur Erstellung einer Datenbank der Sammlung geben. Aber am Ende landet dann jeder wieder bei einer einfachen Liste in Excel, Google Docs oder was auch immer. Hat wahrscheinlich den Vorteil, das man so eine Liste relativ unkompliziert in eine einfache Struktur exportieren kann. Falls die gewählte Anwendung mal eingestampft wird und nicht mehr verfügbar ist.
    Ich bin aber auch kein Sammler. Ich hab nur den Überblick verloren was ich in meinem Leben schon alles gespielt habe. Dafür hatte ich die angesprochene Liste bei grouvee mal angefangen.
    Ich kann dich aber verstehen. Was nützt dir eine Sammlung in diversen Regalen und Kartons, über die du keine Details kennst? Also musst du das irgendwo dokumentieren.

    André Eymann
  4. Hey Kevin. Ein toller Artikel und eine beeindruckende Katalogisierung. Mich stresst der Umstand, dass ich absolut gar nichts gelistet habe und meine Sammlung jedes Jahr anwächst. Zwar kann ich noch immer einschätzen, ob ich etwas noch nicht habe, aber die Sammlung insgesamt überblicken geht nicht mehr. Und irgendwie muss das ja auch für einen evtl. Nachlass-Fall irgendwie geregelt werden. Eine Frage hätte ich noch. Ist deine Sammlung eigentlich versichert, über die normale Hausratsversicherung hinaus?

    André Eymann
        1. Das teuerste selbstgekaufte Spiel dürfte die Collectors Edition von “Thimbleweed Park” sein. Fällt auch etwas aus der Reihe, wenn meine strenge Preisgrenze bei max. 30 Euro pro Spiel liegt, aber das Teil war etwas teurer und darüber hinaus neu. Steht seit dem Kauf immer noch eingeschweißt im Regal.

          André Eymann