Spielen und darüber schreiben


Kommentiert von: Farmer Slide Joe Bob, Florian Auer, Chris, André Eymann, Alex, Alexander Strellen, Poly.
Lesedauer: 5 Minuten

Für mich waren Videospiele nie ganz vorbei, wenn der Fernseher abgeschaltet wurde. Sobald meine Eltern den alten SABA im Wohnzimmer für sich beansprucht haben, um Sportschau, Lindenstraße oder irgendein Sensationsmagazin in den gerade aufgekommenen Privatsendern zu sehen, habe ich eine andere Seite des Hobbys genießen gelernt.

Während im Fernsehen irgendein uninteressanter Kram lief, habe ich die Screenshots und Begleittexte der Spiele-Packungsrückseiten angeschaut, die Anleitungen zum gefühlt vierhundertachtundfünfzigsten Mal gelesen, Karten analysiert oder in den Club-Nintendo- und Video-Games-Zeitungen alle möglichen Informationen aufgesaugt, was denn zukünftig an tollen neuen Spielen kommt.

Einige alte Magazine und Anleitung aus Privatbesitz. (Bild: Florian Auer)
Einige alte Magazine und Anleitung aus Privatbesitz (Bild: Florian Auer)

Mit Freunden auf dem Schulhof habe ich über mögliche Spielemagazine gegrübelt. Unsere Lieblingszeitschrift war die legendäre Video Games. Als Anfang der 90er verschiedene neue lang- oder kurzlebige Zeitschriften aufkamen, wollten wir auch etwas in die Richtung machen, und zeichneten Mario- und Sonic Figuren und Screenshots in einer “Game Fun” genannten Zeitschrift. Leider hat keines der Kunstwerke die Zeit überlebt.

Mit der Zeit und dem Erscheinen einiger (Action-)Rollenspielperlen in Europa begann meine Begeisterung für das Genre. Natürlich habe ich mich in den Nintendo-Spieleberatern und Sega-Lösungsheften, die solchen Spielen oft beilagen (Mystic Quest Legend, Secret of Mana, Landstalker) ebenso verbissen wie in den schönen Magazinen und Anleitungen früherer Zeiten.

Als ich mit meiner Ausbildung 1998 endlich genug Geld verdiente, um mir zu Hause Zugang zum Internet gönnen zu können, entdeckte ich die schiere Unzahl an vielen tollen privaten Videospielseiten, die es seinerzeit gab. Sie hatten verschiedene Namen und wurden mit Liebe und Engagement von Nerds im jungen Erwachsenenalter gepflegt. “Icy Brian’s RPG Site”, “Greg’s RPG HeaveN” oder “RPG Lair” waren einige der typischen Seiten dieser Zeit.

Da ich immer schon ein Faible dafür hatte, selbst in irgendeiner Form kreativ tätig zu sein, begann ich gegen Ende des Jahres, meine Passion und Begeisterung für Videospiele, und genauer genommen Rollenspiele, in eine digitale Form zu packen. Ich trat dem Kreis der Videospiel-Webmaster bei und versuchte, selbst eine digitale Präsenz passend zu meinem Hobby zu schaffen.

RPG-O-Mania, ca. April 1999. (Bild: Florian Auer)
RPG-O-Mania, ca. April 1999 (Bild: Florian Auer)

Anfangs hatte ich noch keinen Webspace gemietet, und meine ganze Karriere als Webmaster existierte nur auf meinem lokalen Rechner. Erst im September 1999 entschied ich mich, nachdem ich mittlerweile auch in einigen Foren unterwegs war – wie Wolfsoft, SquareNet oder dem immer noch bestehenden Maniac-Forum – und mich international mit anderen Rollenspiel-Fans ausgetauscht habe, meine Website online zu nehmen. Und ab diesem Zeitpunkt hatte ich ein Doppelhobby, bei dem sich beide Teile des Hobbys gegenseitig unterstützten und zu ungeahnten Höhen führten.

Meiner Website, damals rpg-o-mania.de war anfangs außerhalb der Foren, in denen ich mich betätigte, wenig Erfolg beschert. Mit einem “Kniff”, der heute undenkbar wäre, habe ich meine Besucherzahlen und Bekanntheit allerdings schnell hochschrauben können – ich hatte einfach die bis dahin ungenutzte Domain squaresoft.de registriert und mir somit den Namen eines der damals bekanntesten Entwicklers von Rollenspielen gesichert.

Randnotiz: Es gab nie ein Problem mit Squaresoft oder Square Enix, nach deren Zusammenschloss zu Square Enix brachen die Effekte der Domain allerdings ein und ich habe die Adresse irgendwann aufgegeben.

RPG-O-Mania konzentrierte sich von jeher darauf, das zu bieten, was ich selbst gern mochte. Außerhalb der Zeiten, in denen Spielerinnen oder Spieler aktiv dem Hobby nachgehen, eine Plattform zu bieten, auf der sie weitergehende Informationen, Artworks oder (legale) Musik zu ihren Lieblingsspielen beziehen konnten.

RPG-O-Mania, 2006. (Bild: Florian Auer)
RPG-O-Mania, 2006. (Bild: Florian Auer)

Selbst zu spielen war nun nicht mehr reiner Selbstzweck, sondern ich spielte auch immer, um im Rahmen von Reviews, Tipps oder allgemeinen Reportagen etwas zu meiner Spieleseite beizutragen. Und andererseits hat mich meine Seite dazu motiviert, auch immer mal wieder Hand an RPGs anzulegen, selbst wenn ich vielleicht gerade in einem kleinen Motivationstief war.

Dazu half, dass ich auch von größeren Publishern (Namco, Capcom) seinerzeit mit Testmustern und exklusiven Pressematerialien versorgt wurde, sodass ich das Gefühl hatte, mein Spielen würde den Leuten, welche die Spiele herstellten, auch etwas bedeuten.

Tatsächlich gab es aber auch einen Zeitraum, nachdem ich frisch mein Studium verlassen hatte und in einem Softwareunternehmen zu arbeiten begann, dass ich sowohl das Spielen von Videospielen stark zurückfuhr als auch auch meine Website in dieser Zeit nicht mehr weiterentwickelt habe. Schlussendlich nahm ich die Seite sogar einige Zeit vom Netz und beschäftigte mich mehr mit Flugplänen von Germanwings, Lufthansa, Airberlin und den Zugverbindungen von München nach Hannover, da meine neue Tätigkeit sehr viel Zeit beanspruchte.

Doch schlussendlich wechselte ich den Job, und so holte mich die Begeisterung 2017 wieder ein. Fast schon logischerweise kam mit der Begeisterung fürs Zocken auch der Wunsch auf, sie zu teilen. Und auch wenn ich selbst auf Twitter und reddit aktiv bin, so funktioniert meine Website nach wie vor ganz klassisch – ein kleiner Ort im Internet, an dem ich meine Begeisterung für das Hobby teile, Screenshots meiner Spielesessions hoch lade, Reviews zu meinen Spielen schreibe und vieles mehr.

Screenshots, wie ich sie zu hunderten auf meiner Seite bereitstelle. (Bild: Florian Auer)
Screenshots, wie ich sie zu Hunderten auf meiner Seite bereitstelle (Bild: Florian Auer)

Ich kann mir das eine ohne das andere nicht vorstellen. Und so ist meine Website für mich das geworden, was in den 90er Jahren die Zeitschriften, Anleitungen, und die selbstgezeichneten Fanarts waren: Ausdruck meiner eigenen Kreativität und auch der Ort, den ich selbst immer wieder besuche, um in meine vergangenen Spielesessions einzutauchen.

Videospielmagazine mit Herz gibt es nicht mehr viele, auf Papier fast gar nicht mehr, und auch online muss man schon genau schauen, um die ein oder andere Perle zu finden. Austausch und Informationen werden heute in sozialen Medien, für uns Spieler hauptsächlich reddit, Resetera und Twitter geholt.

Das Internet ist überall in aller Leute Hosentaschen, und diejenigen, die möchten, können ihrem Hobby jederzeit nachgehen und überall Informationen, Eindrücke, Artworks und dergleichen mehr bekommen.

Doch wenn ich es schaffe, mit meiner kleinen Website dem ein oder anderen spielebegeisterten Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern oder sie auf einen kurzen Trip der Nostalgie zu entführen, dann hat sich der Zweck von RPG-O-Mania erfüllt. Doch auch unabhängig davon gehört das Genießen der Spiele genauso zum Hobby für mich wie das Genießen der Welt rund um diese wunderbare Leidenschaft. Und ich hoffe, dass ich noch viele Jahre diesen beiden Hobbys frönen kann.

Alexa SpraweAndré EymannSvilaTobi

15 Kommentare

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  1. Sehr sehr schöner Artikel Flo 🙂 Ich kann diese Begeisterung, dazu auch teils teilen, auch wenn ich nie groß in dem Bereich was gemacht habe, aber ich verstehe deine Leidenschaft dahinter sehr gut😃 Ein wenig vermisse ich die Zeiten, wo Videospielboxen fasst schon wie Schatzkisten waren, in dennen man so seine Entdeckung macht. Mein bestes Beispiel hierzu: Pokémon Blau und das analysieren der Anleitung, ebenso dann in der Kids Zone nach weiteren Tipps und Tricks zu schauen oder der Bravo Screenfun. Alles in allem schön den Artikel zu lesen Flo😃

  2. Schöner Beitrag, Florian 🙂 Was du hier beschreibst ist irgendwie auch meine Geschichte, eigentlich müssten nur ein paar Namen und Jahreszahlen ausgetauscht werden. Faszination für Videospielzeitschriften (an eine selbstgemachte Ausgabe erinnere ich mich auch dunkel), Rumhängen auf RPG Fanseiten und Foren, die Erstellung einer eigenen Website (inklusive Sicherung einer halb-offiziellen Domain), die Wiederaufnahme des Doppel-Hobbys nach einer längeren Pause, all das habe ich auch erlebt. Ich finde es jedenfalls schön, wenn Leute wie du immer noch dabei sind 🙂

    Florian AuerTobi
  3. Wie schön Du beschreibst, wie Dich die Fantasie der Magazine seinerzeit „entführt“ hat. Deutlich wird dabei auch, wie wichtig die Abgrenzung und „Abnabelung“ von den Lindenstraße-schauenden Eltern war.

    Das Deine kreative Ader in Deine Webseite eingeflossen ist, kann man wunderbar herauslesen. RPG-O-Mania ist in meinen Augen eine „echte“ Webseite, wie man sie nur noch selten findet. Sie biedert sich niemanden an, sondern stellt einen Ort dar, der mit keiner anderen Seite zu vergleichen ist und die für sich selbst steht.

    Leider gibt es so leidenschaftlich beheimatete Seiten tatsächlich fast nicht mehr, wie ja auch schon Poly bemerkte. „Klassische Webseiten“ wurden fast gänzlich durch Social Media verdrängt.

    Dein Fazit, in Deinem Webseiten-Projekt heute das zu finden, was Du in den 90er so geliebt hast ist einfach wundervoll. Man kann es spüren, wenn man RPG-O-Mania besucht.

    Ich hoffe ebenfalls, dass uns Dein Hobby und Deine Leidenschaft noch lange begleiten Flo. Denn Du gehört zu den „Originalen“, den ursprünglichen kreativen Videospiel-Webmastern, die in meinen Augen unendlich wertvoll sind.

    Florian AuerTobi
    1. Ich hoffe auch dass ich noch lange dabei bin 🙂 Es funktioniert soweit ganz gut aktuell (sogar mit Familie und Kindern!), daher denke ich dass die Seite noch einige Jahre online sein wird. 🙂

  4. Danke für die Vorstellung deiner Webseite und die Geschichte ihrer Entstehung. Da steckt schon viel Arbeit und Zeit drin.
    Vor einiger Zeit hatte ich einen privaten Blog gestartet. Dort wollte ich, hauptsächlich für mich persönlich, Gedanken zu von mir gespielten Videospielen festhalten. Das ganze sollte dann irgendwann so eine Art Spieletagebuch werden. Inzwischen ist die Seite nicht mehr öffentlich erreichbar. Manchmal schaffte ich nur einen Textbeitrag pro Jahr und da wurde ich meinem eigenen Anspruch nicht gerecht. Trotzdem dürften gut 20 Texte über Videospiele entstanden sein. Aber der Zeitaufwand ist einfach riesig, dann entsteht Druck und dann macht es keinen Spaß mehr. Vielleicht wieder zu einem späteren Zeitpunkt.

    Florian AuerTobiAndré Eymann
  5. Da auch ich mich vor gut zwanzig Jahren (unglaublich, dass das so lange her ist) auf meinen ersten Ausflügen durch das Internet (mit Dreamcast und 33k-Modem^^) in das Wolfsoft-Forum verrirrte, kenne ich Florian aka DocOwer und RPG-O-Mania schon fast so lange wie ich das Internet kenne. Keinen anderen User verbinde ich so stark mit einer bestimmten Art von Spielen wie ihn und es ist wunderbar, dass er mit seiner Seite bis heute durchgehalten hat (die Pause ignorieren wir einfach), während die allermeisten Seiten dieser Art schon vor vielen Jahren verschwunden sind. Obwohl ich meine Gaming-Bubble bei Twitter zu schätzen weiß und vieles im Netz heute unendlich viel besser ist, steht seine Seite doch für einen Teil des Internets, den ich heute vermisse. Hoffentlich bleibt sie uns noch lange erhalten.

    PS: Leider hat sich bei mir nach einigen Jahren diese zusätzliche “Spiel-Motivation” durch die Website eher ins Gegenteil verkehrt. Es ist toll, wenn es dazu führt, dass man sich Titel anschaut, die man sonst vielleicht ignoriert hätte und so die eine oder andere Perle entdeckt, aber mich hält meine Website oft sogar eher davon ab, ein Spiel zu spielen. Ich denke mir dann oft, dass ich ja auch zeitnah etwas darüber schreiben sollte, wenn Spiel XY jetzt spiele und dieser Gedanke stresst mich oft so sehr, dass ich es am Ende dann doch nicht spiele.

    TobiAndré EymannFlorian Auer
    1. Auf jeden Fall, Druck darf bei so einem Hobby nie entstehen, deswegen würde ich die Seite auch nie kommerziell betreiben. So kann ich jederzeit entscheiden was ich wann hinzufüge – auch wenn das natürlich in an sich desaströsen Besucherzahlen resultiert 😀

      Mich ärgert nur immer noch die Pause, die die Site hatte. Aber ich dachte mir, als professioneller Abteilungsleiter einer Softwarefirma kann ich doch nicht mit einer Videospielsite online sein! Eigentlich doof so zu denken 🙂

      TobiAndré Eymann
      1. Ohne abwertend sein zu wollen: Pffft… “professioneller Abteilungsleiter einer Softwarefirma” – ist doch sowas von wurscht. Man sollte sich nicht hinter seiner privaten Leidenschaft verstecken. Schon gar nicht “für andere”. Das wichtigste ist doch, dass man mit sich im reinen ist und (je älter ich werde) wird mir immer klarer: die Wahrhaftigkeit liegt in der Liebe zu sich selbst und nur von dort kann auch Energie und Liebe in die Welt gehen.

        Florian AuerTobi
        1. Da stimme ich voll zu – das war echt ne Dummheit, aber so nach dem Studium in wichtiger Position hatte ich auf einmal das Gefühl, dass so ne Website nicht mehr gut passt zu mir. Würd ich jetzt natürlich ganz anders machen 🙂

      2. Ich habe nicht mal irgendeine Einsicht in meine Besucherzahlen. Aber das ist auch Absicht, am Ende schaden solche Zahlen mehr als sie nützen, wenn es sich eh um ein Hobby handelt.

        Meine Pause kam erst von einer Phase, wo ich mir zu “cool” für Videospiele vorkam, und dann, weil ich mich eine Weile dem kreativen Schreiben gewidmet hatte. Ärgert mich im Nachhinein auch irgendwie, aber so oft, wie ich meine Webseite inzwischen umbenannt habe, ist es wohl eh egal 😀

        Florian Auer
    2. Ich persönlich finde es auch nicht immer einfach, das Doppelhobby zu balancieren. Der Druck, regelmäßig zu veröffentlichen, ist schwer abzuschütteln, und auch das Genießen eines Spiels ist manchmal schwierig, wenn du dabei noch den potenziellen Beitrag im Hinterkopf hast. Ich versuche trotzdem, einen Mittelweg zu finden, denn wohl oder übel muss ich einfach irgendwem von meinen virtuellen Reisen berichten 🙂

      Florian Auer

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