Spielen und darüber schreiben

Florian Auer am 02.10.2021
in Videospielgeschichten

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Lesedauer: 5 Minuten
Kommentiert von: Farmer Slide Joe Bob, Florian Auer, Chris, André Eymann, Alex, Alexander Strellen, Poly.


Für mich waren Videospiele nie ganz vorbei, wenn der Fernseher abgeschaltet wurde. Sobald meine Eltern den alten SABA im Wohnzimmer für sich beansprucht haben, um Sportschau, Lindenstraße oder irgendein Sensationsmagazin in den gerade aufgekommenen Privatsendern zu sehen, habe ich eine andere Seite des Hobbys genießen gelernt.

Während im Fernsehen irgendein uninteressanter Kram lief, habe ich die Screenshots und Begleittexte der Spiele-Packungsrückseiten angeschaut, die Anleitungen zum gefühlt vierhundertachtundfünfzigsten Mal gelesen, Karten analysiert oder in den Club-Nintendo- und Video-Games-Zeitungen alle möglichen Informationen aufgesaugt, was denn zukünftig an tollen neuen Spielen kommt.

Einige alte Magazine und Anleitung aus Privatbesitz. (Bild: Florian Auer)
Einige alte Magazine und Anleitung aus Privatbesitz (Bild: Florian Auer)

Mit Freunden auf dem Schulhof habe ich über mögliche Spielemagazine gegrübelt. Unsere Lieblingszeitschrift war die legendäre Video Games. Als Anfang der 90er verschiedene neue lang- oder kurzlebige Zeitschriften aufkamen, wollten wir auch etwas in die Richtung machen, und zeichneten Mario- und Sonic Figuren und Screenshots in einer “Game Fun” genannten Zeitschrift. Leider hat keines der Kunstwerke die Zeit überlebt.

Mit der Zeit und dem Erscheinen einiger (Action-)Rollenspielperlen in Europa begann meine Begeisterung für das Genre. Natürlich habe ich mich in den Nintendo-Spieleberatern und Sega-Lösungsheften, die solchen Spielen oft beilagen (Mystic Quest Legend, Secret of Mana, Landstalker) ebenso verbissen wie in den schönen Magazinen und Anleitungen früherer Zeiten.

Als ich mit meiner Ausbildung 1998 endlich genug Geld verdiente, um mir zu Hause Zugang zum Internet gönnen zu können, entdeckte ich die schiere Unzahl an vielen tollen privaten Videospielseiten, die es seinerzeit gab. Sie hatten verschiedene Namen und wurden mit Liebe und Engagement von Nerds im jungen Erwachsenenalter gepflegt. “Icy Brian’s RPG Site”, “Greg’s RPG HeaveN” oder “RPG Lair” waren einige der typischen Seiten dieser Zeit.

Da ich immer schon ein Faible dafür hatte, selbst in irgendeiner Form kreativ tätig zu sein, begann ich gegen Ende des Jahres, meine Passion und Begeisterung für Videospiele, und genauer genommen Rollenspiele, in eine digitale Form zu packen. Ich trat dem Kreis der Videospiel-Webmaster bei und versuchte, selbst eine digitale Präsenz passend zu meinem Hobby zu schaffen.

RPG-O-Mania, ca. April 1999. (Bild: Florian Auer)
RPG-O-Mania, ca. April 1999 (Bild: Florian Auer)

Anfangs hatte ich noch keinen Webspace gemietet, und meine ganze Karriere als Webmaster existierte nur auf meinem lokalen Rechner. Erst im September 1999 entschied ich mich, nachdem ich mittlerweile auch in einigen Foren unterwegs war – wie Wolfsoft, SquareNet oder dem immer noch bestehenden Maniac-Forum – und mich international mit anderen Rollenspiel-Fans ausgetauscht habe, meine Website online zu nehmen. Und ab diesem Zeitpunkt hatte ich ein Doppelhobby, bei dem sich beide Teile des Hobbys gegenseitig unterstützten und zu ungeahnten Höhen führten.

Meiner Website, damals rpg-o-mania.de war anfangs außerhalb der Foren, in denen ich mich betätigte, wenig Erfolg beschert. Mit einem “Kniff”, der heute undenkbar wäre, habe ich meine Besucherzahlen und Bekanntheit allerdings schnell hochschrauben können – ich hatte einfach die bis dahin ungenutzte Domain squaresoft.de registriert und mir somit den Namen eines der damals bekanntesten Entwicklers von Rollenspielen gesichert.

Randnotiz: Es gab nie ein Problem mit Squaresoft oder Square Enix, nach deren Zusammenschloss zu Square Enix brachen die Effekte der Domain allerdings ein und ich habe die Adresse irgendwann aufgegeben.

RPG-O-Mania konzentrierte sich von jeher darauf, das zu bieten, was ich selbst gern mochte. Außerhalb der Zeiten, in denen Spielerinnen oder Spieler aktiv dem Hobby nachgehen, eine Plattform zu bieten, auf der sie weitergehende Informationen, Artworks oder (legale) Musik zu ihren Lieblingsspielen beziehen konnten.

RPG-O-Mania, 2006. (Bild: Florian Auer)
RPG-O-Mania, 2006. (Bild: Florian Auer)

Selbst zu spielen war nun nicht mehr reiner Selbstzweck, sondern ich spielte auch immer, um im Rahmen von Reviews, Tipps oder allgemeinen Reportagen etwas zu meiner Spieleseite beizutragen. Und andererseits hat mich meine Seite dazu motiviert, auch immer mal wieder Hand an RPGs anzulegen, selbst wenn ich vielleicht gerade in einem kleinen Motivationstief war.

Dazu half, dass ich auch von größeren Publishern (Namco, Capcom) seinerzeit mit Testmustern und exklusiven Pressematerialien versorgt wurde, sodass ich das Gefühl hatte, mein Spielen würde den Leuten, welche die Spiele herstellten, auch etwas bedeuten.

Tatsächlich gab es aber auch einen Zeitraum, nachdem ich frisch mein Studium verlassen hatte und in einem Softwareunternehmen zu arbeiten begann, dass ich sowohl das Spielen von Videospielen stark zurückfuhr als auch auch meine Website in dieser Zeit nicht mehr weiterentwickelt habe. Schlussendlich nahm ich die Seite sogar einige Zeit vom Netz und beschäftigte mich mehr mit Flugplänen von Germanwings, Lufthansa, Airberlin und den Zugverbindungen von München nach Hannover, da meine neue Tätigkeit sehr viel Zeit beanspruchte.

Doch schlussendlich wechselte ich den Job, und so holte mich die Begeisterung 2017 wieder ein. Fast schon logischerweise kam mit der Begeisterung fürs Zocken auch der Wunsch auf, sie zu teilen. Und auch wenn ich selbst auf Twitter und reddit aktiv bin, so funktioniert meine Website nach wie vor ganz klassisch – ein kleiner Ort im Internet, an dem ich meine Begeisterung für das Hobby teile, Screenshots meiner Spielesessions hoch lade, Reviews zu meinen Spielen schreibe und vieles mehr.

Screenshots, wie ich sie zu hunderten auf meiner Seite bereitstelle. (Bild: Florian Auer)
Screenshots, wie ich sie zu Hunderten auf meiner Seite bereitstelle (Bild: Florian Auer)

Ich kann mir das eine ohne das andere nicht vorstellen. Und so ist meine Website für mich das geworden, was in den 90er Jahren die Zeitschriften, Anleitungen, und die selbstgezeichneten Fanarts waren: Ausdruck meiner eigenen Kreativität und auch der Ort, den ich selbst immer wieder besuche, um in meine vergangenen Spielesessions einzutauchen.

Videospielmagazine mit Herz gibt es nicht mehr viele, auf Papier fast gar nicht mehr, und auch online muss man schon genau schauen, um die ein oder andere Perle zu finden. Austausch und Informationen werden heute in sozialen Medien, für uns Spieler hauptsächlich reddit, Resetera und Twitter geholt.

Das Internet ist überall in aller Leute Hosentaschen, und diejenigen, die möchten, können ihrem Hobby jederzeit nachgehen und überall Informationen, Eindrücke, Artworks und dergleichen mehr bekommen.

Doch wenn ich es schaffe, mit meiner kleinen Website dem ein oder anderen spielebegeisterten Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern oder sie auf einen kurzen Trip der Nostalgie zu entführen, dann hat sich der Zweck von RPG-O-Mania erfüllt. Doch auch unabhängig davon gehört das Genießen der Spiele genauso zum Hobby für mich wie das Genießen der Welt rund um diese wunderbare Leidenschaft. Und ich hoffe, dass ich noch viele Jahre diesen beiden Hobbys frönen kann.

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Florian Auer

Videospieler seit 1991 und RPG-fan seit 1993. Über zwanzig Jahre beschäftige ich mich mit dem Thema digitale Rollenspiele und habe mich insbesondere den japanischen Vertretern verschrieben. Die Großen der Branche reizen mich dabei nicht einmal so sehr, sondern die vielen tollen Spiele in der zweiten Reihe.